Themen

1 August Rede: Bundesrat plädiert auf Kompromis

Gute Kompromisse sind eben grösser als der kleinste gemeinsame Nenner. Aus guten Kompromissen entstehen oft nachhaltige Lösungen

Wir leben in der Schweiz in Frieden und Wohlstand. Das verdanken wir zu grossen Teilen unseren Institutionen und unserer Bundesverfassung. Sie wurde 1848 verabschiedet und mit ihr die moderne Schweiz gegründet. Sie ist bis heute das Fundament unseres Zusammenlebens und unseres Erfolges.

Die Verfassung entstand nach einem halben Jahrhundert grosser politischer Spannungen, die zu einem Bürgerkrieg führten. Am Ende gingen die Sieger auf die Verlierer zu. Sie liessen den Kantonen beträchtliche Macht und verzichteten auf einen starken Zentralstaat. Sie wussten, dass die moderne Schweiz ohne ihre tiefen Wurzeln in der Alten Eidgenossenschaft – bis zurück zum Jahre 1291 – schlicht undenkbar war.

Unsere Verfassung beweist, dass beide Seiten gewinnen können. Dass der Sieg der einen Seite nicht die Niederlage der anderen Seite bedeuten muss.

Gute Kompromisse sind eben grösser als der kleinste gemeinsame Nenner. Aus guten Kompromissen entstehen oft nachhaltige Lösungen.

Gerade bei der Altersvorsorge und im Gesundheitswesen sind heute solche Lösungen gefragt. Unsere Vorfahren haben hier hervorragende Einrichtungen geschaffen, die wir nun sichern und weiterentwickeln müssen.

Wir müssen alles dafür tun, dass unsere AHV weiterhin die Renten bezahlen kann und das Rentenniveau für alle erhalten bleibt. Und wir müssen alles dafür tun, das Wachstum der Gesundheitskosten zu bremsen. Familien mit mittleren und tiefen Einkommen leiden immer stärker unter den steigenden Prämien.

Alle stehen in der Verantwortung hier gute Kompromisse zu finden.

Das gilt auch für weitere Bereiche, die für unser gutes Zusammenleben und unseren Wohlstand wichtig sind. Etwa Steuer- und Verteilungsfragen. Oder wie organisieren wir unsere Mobilität und wie tragen wir Sorge zur Umwelt?

Wir leben in Zeiten der Polarisierung. Umso mehr gilt: Wir müssen uns unsere Kompromissfähigkeit erhalten. Kompromissfähigkeit ist ein Zeichen der Stärke. Kompromisse brauchen Weitsicht, Mut, Selbstsicherheit.

Aus guten Kompromissen kann eine kraftvolle Identität entstehen. Eine Identität die sich wandeln kann, die Neues aufnimmt und es mit dem Alten verbindet. Eine Identität, die spannungsreich ist – aber eben auch spannend. Eine Identität, die wie geschaffen ist für die Welt der Gegenwart. Eine Welt, in der sich in den nächsten Jahren sehr vieles verändern wird.

La culture du compromis constructif a marqué notre histoire. Et elle le fait encore aujourd’hui. La Suisse se porte bien :

  • L’économie est forte, le taux de chômage faible.
  • Quand quelqu’un tombe malade, il reçoit rapidement et partout des soins médicaux de qualité.
  • Nos écoles, nos universités et notre formation professionnelle comptent parmi les meilleures au monde – et elles sont ouvertes à tous et à toutes.
  • Nous concilions de mieux en mieux vie familiale et professionnelle – même s’il reste beaucoup à faire.
  • De nombreuses personnes s’engagent pour le bien commun durant leur temps libre.

Notre pays est plus fort si nous rendons tous ses habitants plus forts. En garantissant à chacun et à chacune de bonnes conditions de vie.

Cette expérience de la Suisse est aujourd’hui particulièrement précieuse. Il suffit de jeter un regard aux nombreux pays dans lesquels le fossé ne cesse de se creuser entre certaines régions ou groupes de population.

Que faut-il pour que ce qui unit un pays soit plus fort que ce qui le divise ? Pour qu’un pays reste compétitif à long terme ?

  • Il faut de la stabilité et de la fiabilité.
  • Une solide culture du droit.
  • De bonnes infrastructures.
  • D’excellentes écoles, universités et entreprises formatrices qui sont axées sur l’innovation.

Et il faut une égalité des chances.

  • Une égalité des chances qui permette à tous
  • d’exploiter son potentiel et de s’épanouir pleinement.

Au fond, c’est évident :

  • Plus les possibilités de formation de la population et les perspectives de chaque individu sont bonnes, plus la force d’innovation d’un pays est grande.
  • Plus la position des femmes sur le marché du travail est forte, plus la performance économique d’un pays est bonne.

Les sociétés qui donnent à chacun et à chacune de bonnes chances de formation et d’emploi sont aussi plus compétitives que celles qui laissent leur potentiel inexploité.

Le progrès politique et social ne va pas de soi et n’est pas linéaire. De plus, il ne s’arrête jamais.

Il y a encore beaucoup à faire en matière d’égalité dans notre pays.

  • Les plus de 55 ans ont moins d’opportunités sur le marché du travail. Alors que nous vivons dans une société vieillissante.
  • Aujourd’hui encore, les femmes sont discriminées au niveau du salaire.
  • Une question devient en outre de plus en plus urgente: comment allons-nous garantir la protection sociale des travailleurs à l’ère de l’économie numérique?

Et comment garantir qu’ils touchent un salaire équitable? Qu’ils touchent un salaire quand ils tombent malades?

La questione sociale è sempre anche una questione di stabilità della società. Certo, assume forme di volta in volta diverse e la sua urgenza oscilla nel tempo – ma è costantemente presente.

Stiamo dunque bene attenti a non perdere l’equilibrio squisitamente svizzero tra bisogni economici e bisogni sociali. Perché è la ricetta più importante del nostro successo. La vera formula magica elvetica.

Auch in unseren Aussenbeziehungen gilt: Andere Staaten sind nicht nur Konkurrenten, sondern immer auch potentielle Partner. Beim Handel und bei anderen Formen der Zusammenarbeit.

Wir sind keine Supermacht und wir sind nicht Mitglied der EU. Wirtschaftlich aber spielen wir eine gewichtige Rolle, ebenso in den internationalen Beziehungen. Deshalb müssen wir uns auf klare internationale Regeln verlassen können. Und uns für diese völkerrechtlichen Regeln und ihre Institutionen engagieren – gerade, weil wir unabhängig bleiben wollen.

Deshalb wird sich unser Land auch weiterhin für eine internationale Ordnung einsetzen, die auf Fairness und auf gegenseitigem Respekt beruht. Denn eine solche Politik stärkt auch die Schweiz. Das Land der Stabilität. Das seinerseits auf ein möglichst stabiles internationales System angewiesen ist.

Besonders wichtig sind unsere Beziehungen zu Europa, zu unseren Nachbarn. Die EU ist unser mit Abstand wichtigster Handelspartner. Die kulturellen Beziehungen mit unseren Nachbarn sind eng und vielfältig.

Sicher ist: Beide Seiten sind an guten und geregelten Beziehungen interessiert. Wir wollen diese Beziehungen deshalb weiter entwickeln und zukunftsfähig machen. Wenn ein Ergebnis vorliegt, wird das Volk darüber entscheiden, ob die Balance stimmt.

Eines dürfen wir nicht vergessen: Wir leben heute auf einem friedlichen Kontinent. Oder genauer: Auf einem befriedeten Kontinent. Denn Europa wurde bekanntlich über Jahrhunderte von Konflikten und Kriegen geprägt. Zu dieser Befriedung hat die europäische Integration entscheidend beigetragen.

Trotz aller Probleme mit dem Euro, der Arbeitslosigkeit und mit der Migration darf man nicht vergessen: Der heutige Zustand Europas ist so gut, wie er es nur selten war in der Geschichte. Damit ist auch die Position der Schweiz auf diesem Kontinent weit komfortabler, als sie es in den meisten früheren Epochen war.

1848 hat sich die Schweiz eine Verfassung gegeben und ist in die politische Moderne aufgebrochen. Dazu brauchte es Optimismus, Selbstvertrauen und die Überzeugung, dass wir zusammen stärker sind.

Auch heute braucht es diesen Mut zum Kompromiss und zur Stärkung der Schwächeren.

Der Erfolg der Schweiz ist der Erfolg aller Menschen in diesem Land.
Il successo della Svizzera è il successo di tutti i suoi abitanti.
Le succès de la Suisse est le succès de tous ses habitants.
Il success da la Svizra è il success da tut ils umans en quest pajais.

Der Erfolg der Schweiz ist unteilbar.

Ich wünsche Ihnen einen schönen 1. August.