«Wir arbeiten wie Brandmelder»

Erstmals hat ein Schweizer Offizier das Kommando über Truppen der NATO
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© © Oberst Conrad, hier vor der berühmten Barrikade an der Austerlitz-Brücke in Mitrovica

 

 

Erstmals kommandiert ein Schweizer Offizier Truppen der NATO. Im Norden Kosovos, wo die Lage angespannt ist, setzt sich Oberst Conrad für die Förderung des Dialogs ein.

 

So etwas gab es in der Geschichte der Schweiz noch nie. Zum ersten Mal steht ein Schweizer Offizier an der Spitze von NATO-Truppen. Am ersten Januar übernahm Adolf Conrad das Kommando über das Joint Regional Detachment (JRD)im Norden Kosovas. Er untersteht direkt dem Kommando der KFOR, den in Kosovo stationierten internationalen Truppen. Seine Aufgabe ist es, die Arbeit der Verbindungs- und Beobachtungstruppen zu koordinieren. Diese stehen in täglichem Kontakt mit der Bevölkerung und den lokalen Behörden.

 

In einem gut geheizten Saal des Camps von Novo Selo lassen sich Kälte und Schnee, die draussen herrschen, etwas vergessen. Hier erklärt Oberst Conrad mit militärischer Genauigkeit die Aufgabe seiner fünf Truppeneinheiten. Sein Tonfall ist bestimmt, der Blick entschlossen. Die beiden schweizerischen und drei slowenischen Liaison und Monitoring Teams, wie die Verbindungs- und Beobachtungstruppen bei der NATO heissen, befinden sich im Terrain und sind dadurch auf dem Laufenden über die Sorgen der Einwohner, ihre Projekte und über eventuell auftauchende Spannungen. Sie haben den Überblick über die Situation und übermitteln ihre Beobachtungen dem KFOR-Kommandanten zu operationellen Zwecken. "Wir arbeiten wie Brandmelder", erklärt der Offizier.

 

Das zeigt die grosse Verantwortung, die er und seine fünf Einheiten tragen. Sie selbst bezeichnen sich gerne als "Augen und Ohren der KFOR". Der 55-jährige Zürcher Offizier, der 45 Mann unter seinem Befehl stehen hat, betont zwei Dinge: "Wir sind kein Auskunftsdienst, denn wir arbeiten offen, und wir sind keine Kämpfer. Wir sind Diplomaten in Uniform und unsere Waffe ist das Wort." Immerhin gehört bei jedem Ausgang des Obersten eine Pistole zu seiner Ausrüstung, die jedoch versteckt ist. "Sie dient meiner persönlichen Verteidigung", erklärt der Oberst, "aber sie soll nicht sichtbar sein; es gilt das Vertrauen unserer Gesprächspartner zu behalten."

 

Lage ruhig, aber angespannt

 


© Le Matin / albinfo.ch

 

 

Das Terrain des JRD Nord, dem Oberst Conrad vorsteht, umfasst sieben Gemeinden. Vier haben kosovarische Gemeindepräsidenten serbischer und drei solche albanischer Herkunft. Mitrovica ist die Hauptstadt. Ziel von Adolf Conrad ist, die zwei Lager eines Tages so weit zu bringen, dass sie miteinander sprechen. Der Zürcher Oberst zweifelt nicht daran, dass dies in einem Jahr der Fall sein wird, und er besucht regelmässig die vier Gemeindepräsidenten der Gemeinden mit serbischer Mehrheit, um sie zum Dialog mit der Regierung in Prishtina zu ermutigen, die sie nicht anerkennen. Charismatisch und mit Empathie, verfügt der Offizier auch über seine kleinen Geheimnisse, um Beziehungen zu pflegen. Zum Beispiel offeriert er seinen Gesprächspartnern auch einmal eine Flasche Aprikosenlikör, den er aus der Schweiz mitgebracht hat.

 

"In Kosova weht der Wind vom Norden her", bestätigt der Oberst. "Die Situation ist ruhig, aber angespannt und unstabil." Im November gab es gewalttätige Zusammenstösse zwischen Serben, die eine Barrikade errichtet hatten, und den Soldaten der KFOR, die gekommen waren, um sie niederzureissen. Diese Strassensperren gehören zu den Problemen, mit denen Oberst Conrad und seine fünf Einheiten umgehen müssen. Da die im Norden Kosovos lebenden Serben das von Prishtina diesen Sommer an der Grenze zu Serbien etablierte Zollsystem nicht akzeptieren, richteten sie "Bypässe" ein, alternative Routen durch die Wälder. Die KFOR schloss diese Wege, woraufhin die Serben einige Strassen und strategische Durchgänge blockierten. Zur Zeit sind noch zwei Strassensperren aktiv, darunter die berühmte Barrikade, die die Austerlitz-Brücke in Mitrovica blockiert. Wie er in seinem Geländewagen vor diesem Symbol vorbeifährt, steigt der Zürcher Offizier ohne zu Zögern aus seinem Fahrzeug und wechselt einige Worte mit den Einwohnern serbischer Herkunft, die die Barrikade Tag und Nacht überwachen. Trotz der NATO-feindlichen Slogans, die auf die Mauern gesprayt wurden, fühlt sich der Oberst nicht in Gefahr. Hier wird er als "Friedenshandwerker" gesehen, wie ihn die serbische Presse bezeichnet.

 

Nichts ist voraussehbar



© Le Matin / albinfo.ch 


Nach fünf Auslandeinsätzen, darunter solche im Libanon und in Eritrea, ist der Zürcher in der Lage zu sagen: "In Kosova ist nichts voraussehbar. Jeder Tag ist ein neuer Tag. Der kleinste Vorfall kann sich in einen Konflikt zwischen den Bevölkerungsgruppen wandeln. Das Wesentliche ist, eine normale Situation von einer Ausnahmesituation unterscheiden zu können." In diesem Zusammenhang spielt die Neutralität der Schweiz eine grosse Rolle. "Wir werden von beiden Seiten sehr gut angenommen", führt der Oberst aus. "Schweizer zu sein, ist ein grosser Vorteil."

 

Conrad ist für ein Jahr im Einsatz. "Für diese Mission muss ein ganzes Beziehungsnetzwerk aufgebaut und gefestigt werden, was nur möglich ist, wenn zwischen uns und den beiden Konfliktparteien Vertrauen herrscht." Auch wenn die Situation schwierig und komplex ist, bleibt Adolf Conrad optimistisch, denn im Gegensatz zu anderen heiklen Zonen sei diese hier keine Sackgasse.

 


© Le Matin / albinfo.ch. "Wir sind Diplomaten in Uniform und unsere Waffe ist das Wort". Adolf Conrad, Chef der Verbindungs- und Beobachtungstruppen im Norden von Kosovo

 

Nichts ist voraussehbar

 

Nach fünf Auslandeinsätzen, darunter solche im Libanon und in Eritrea, ist der Zürcher in der Lage zu sagen: "In Kosova ist nichts voraussehbar. Jeder Tag ist ein neuer Tag. Der kleinste Vorfall kann sich in einen Konflikt zwischen den Bevölkerungsgruppen wandeln. Das Wesentliche ist, eine normale Situation von einer Ausnahmesituation unterscheiden zu können." In diesem Zusammenhang spielt die Neutralität der Schweiz eine grosse Rolle. "Wir werden von beiden Seiten sehr gut angenommen", führt der Oberst aus. "Schweizer zu sein, ist ein grosser Vorteil."

 

Conrad ist für ein Jahr im Einsatz. "Für diese Mission muss ein ganzes Beziehungsnetzwerk aufgebaut und gefestigt werden, was nur möglich ist, wenn zwischen uns und den beiden Konfliktparteien Vertrauen herrscht." Auch wenn die Situation schwierig und komplex ist, bleibt Adolf Conrad optimistisch, denn im Gegensatz zu anderen heiklen Zonen sei diese hier keine Sackgasse.

 

 

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