Schweizer als Brücke zwischen der KFOR und der kosovarischen Bevölkerung

Albinfo.ch gemeinsam mit "Le Matin" zu Gast bei der Swisscoy in Kosova
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© Alexandre Bär

"Die Verbindungs- und Beobachtungstruppen (Liaison and Monitoring Teams, LMT) sind im ganzen Land am Werk. Ihre Aufgabe unter dem Kommando der KFOR ist, den Bürgern den Puls zu fühlen und über ihre täglichen Beobachtungen Bericht zu erstatten.

 

Sie gehören zu den Soldaten der KFOR und kennen die Wege und Strassen Kosovos bestens. In Mitrovica, im Norden Kosovos, steigen die Schweizer Soldaten der LMT geübt in ihr Geländefahrzeug, um damit im Labyrinth der kosovarischen Strassen herumzufahren. Verteilt auf die fünf Gebietssektoren des Landes, sind die LMT überall in Kosova präsent. Zwei schweizerische Equipen wirken im Süden, in Prizren und Malishevë, und zwei im Norden, südlich von Mitrovica und in Žubin Potok.

 

Jede Equipe besteht aus sechs bis acht Männern und alle haben die gleiche Aufgabe: in ständigem Kontakt mit den Einwohnern und den lokalen Behörden zu sein und mit diesen den Dialog zu führen. Dank ihren Kenntnissen des Terrains und der verschiedenen Akteure haben die Mitglieder der Beobachtungs- und Verbindungstruppen eine umfassende Übersicht über die Situation und können das Kommando der KFOR bei Problemen oder Unfällen frühzeitig benachrichtigen. Ihr Motto ist: "Wir sind Augen und Ohren der KFOR."

 

Immer willkommen

 


 © albinfo.ch: Pierre Abbé und Zenel Bunjaku

 

Ihre Bewaffnung dient nur der Selbstverteidigung. Denn wie sie betonen sind sie Diplomaten in Uniform und keine Kämpfer. Sieht man Oberleutnant Pierre Abbé, 22, sich mit Zenel Bunjaku, dem Direktor der nichtstaatlichen Organisation "Initiative für die landwirtschaftliche Entwicklung Kosovas" (IADK) unterhalten, gewinnt man einen Eindruck von der Nähe, die es den LMT zur einheimischen Bevölkerung aufzubauen gelang. "Pierre ist immer willkommen", sagt Zenel Bunjaku enthusiastisch. "Er ruft mich einfach schnell an, und ich versuche, für ihn Zeit zu finden. Er ist sozusagen ein Familienangehöriger." Auch wenn die Distanz zwischen der Schweiz und Kosovo gross scheinen mag, gelingt es einigen Menschen, den Eindruck zu vermitteln, sie sei viel kürzer. "Ich komme aus dem Wallis und habe ein paar Kühe", macht Pierre Abbé Spass. "Deswegen treffen wir uns immer öfter und haben interessante und herzliche Gespräche."

 

Für den Direktor der Landwirtschaftlichen Initiative IADK sind die Ratschläge der Beobachtungs- und Verbindungstruppen nützlich zur Lösung von Problemen: "Tatsächlich wimmelt es in Kosovas Landwirtschaft überall von Schwierigkeiten: der Bau von unbewilligten Häusern auf Landwirtschaftsland, das Fehlen eines wirklichen Bauernverbands, eine schwache Vermarktung der bäuerlichen Produkte, etc. In diesem Kontext ist unser Austausch, wo wir unsere persönlichen Erfahrungen ins Gespräch einbringen, fruchtbar für beide Seiten." - "Für mich ist es persönlich und beruflich eine sehr sinnvolle Erfahrung", unterstreicht Soldat Pierre Abbé. "Wir lernen, wie wir in Kontakt zu andern Menschen treten und Beziehungen mit andern pflegen können."

 

 

Um der Bevölkerung näher zu sein, leben die Angehörigen der Beobachtungs- und Verbindungstruppen nicht wie "klassische" Soldaten. In Prizren und Malishevë halten sie sich nicht in Militärlagern auf, sondern in Häusern oder in den Stadtzentren. Wie sie gegenüber albinfo.ch sagen, sind ihre Räumlichkeiten jederzeit offen für die Einwohner. Im Norden jedoch sind die Einheiten angesichts der Situation im Militärlager Novo Selo untergebracht. "Die Kosovaren sprechen sehr gerne mit uns", sagt Offizier Alexander Bär, Leiter der Einheit in Prizren. "Sie wissen, dass unsere Aufgabe eine andere geworden ist. Wir sind nicht mehr hier, um Brücken zu bauen oder Wasser zu bringen, sondern um eine Gesamtübersicht über die Lage zu haben, so dass wir wichtige Nachrichten möglichst früh den entsprechenden höchsten Kreisen übermitteln können." In Prizren haben sich die Beziehungen zwischen Albanern und Serben entspannt, anders als im restlichen Kosovo.

 

Hier stehen Moscheen und Kirchen friedlich beieinander. Die Wiederaufbauprojekte serbischer Kreisen schreiten voran. Die Probleme in dieser Gegend haben mehr mit wirtschaftlichen und sozialen Fragen zu tun; was der Bevölkerung am meisten Sorgen macht, sind Arbeitslosigkeit, Wasserversorgung und Umwelt. Nach achtzehn Jahren bei der Polizei in Zürich gibt der 45-jährige Offizier Bär zu, dass seine Arbeit in Kosovo ihn zu einer anderen Sicht auf Land und Leute führte. "Die Kontakte, die ich als Polizeioffizier mit Kosovaren in der Schweiz hatte, fanden selten in guten Situationen statt. Hier fand ich sehr herzliche und offene Menschen vor. Ich bin zum zweiten Mal hier und ich kann sagen, dass ich nie eine Konfliktsituation mit Kosovaren hatte."

 

Weniger Soldaten in Kosovo

 

Heute ist es die Aufgabe der KFOR, in Kosovo ein stabiles Umfeld zu erhalten, in dem politische Lösungen möglich sind. Zur Zeit befinden sich etwas mehr als 5700 Soldaten aus dreissig Ländern in Kosova, während bis zu 50'000 Soldaten registriert sind. Heute interveniert die KFOR erst an dritter Stelle. Was die öffentliche Sicherheit betrifft, ist es an erster Stelle Aufgabe der Polizei Kosovos, zu intervenieren. An zweiter Stelle kommt die EULEX, die sich insbesondere mit der Errichtung eines multiethnischen und unabhängigen Rechts-, Polizei- und Zollsystems befasst. Die KFOR schlussendlich will in Kosova eine minimale Präsenz garantieren, ähnlich wie es in Bosnien und Herzegowina geschieht. Die aktuelle und angespannte Situation im Norden Kosovos hat diesen Auflösungsprozess verlangsamt.

 

 

Photo galerie: Reportage d'albinfo.ch au Kosovo réalisé en commun avec le quotidien romand "Le Matin"

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