Albanische Imame schliessen sich gegen Extremismus zusammen
In der Schweiz gibt es eine neue Vereinigung, die den interreligiösen Dialog pflegen will. Von ihrem Profil her bildet sie ein gemässigtes Gegengewicht zum Islamischen Zentralrat von Nicholas Blancho.
Der Kampf gegen den Extremismus, der interreligiöse Dialog und Transparenz nehmen wichtige Positionen in ihren am 22. Januar 2012 veröffentlichten Statuten ein. Die Union der albanischen Imame der Schweiz (UAIS), der rund dreissig Mitglieder angehören, will das Bild des Islams und der Muslime in der Schweiz zurecht rücken. Dieses sei 2009 durch die Minarettabstimmung ernsthaft erschüttert worden. Mit ihrer angekündigten Rolle als Botschafterin will sie auch der Mehrheit der Muslime der Schweiz, die nämlich einen gemässigten Islam leben, eine Stimme geben. Der Präsident der Union, der Imam von Kreuzlingen Rejhan Neziri, überlegt sich, auf Ideen, die sie als extremistisch oder fanatisch beurteilen, auch öffentlich zu reagieren, wie er auf der Nachrichtenwebseite albinfo.ch erklärte.
"Die Union ist ein heilsames Vorhaben", analysiert Christophe Mottet, Forschungsbeauftragter an der Universität Lausanne."Nach der Abstimmung über die Minarette haben die Muslime der Schweiz erkannt, dass sie sich organisieren müssen. Bis dahin hatten die Extremisten das Terrain allein besetzt. Heute vereinigen sich die Imame, und bald wird wohl die übrige Gemeinde folgen. Aber es darf nicht vergessen werden, dass unter den eingewanderten Muslime viele Personen in wirtschaftlich schwierigen Situationen sind, und daher andere Sorgen als die Vertretung als Glaubensgemeinschaft haben."
Für den Wissenschaftler bietet die UAIS eine willkommene Alternative zum Islamischen Zentralrat von Nicholas Blancho, dessen Projekte für den Bau einer Moschee in Bern oder für die Eröffnung eines islamischen Fernsehens die Aufmerksamkeit des Publikums vollständig auf sich ziehen. "Die salafistische Strömung à la Blancho ist sehr geschickt darin, sich Gehör zu verschaffen, aber sie ist keinesfalls repräsentativ für die Mehrheit der Muslime. Der traditionelle kosovarische Islam ist ein gemässigter Islam, türkisch inspiriert. Während der letzten Jahre importierten in Saudiarabien ausgebildete Imame eine wahhabitische Strömung nach Kosova, doch die Bevölkerung kann damit nichts anfangen. Bashkim Iseni, Direktor der Website albinfo.ch und Wissenschaftler an der Universität Neuenburg, beurteilt die Entstehung dieser Union ebenfalls sehr positiv: "Die jungen Imame, um die herum dieses Projekt entstanden ist, sind gut integriert in der Schweiz. Sie sprechen die Sprache, lesen die Zeitungen, sind nahe an der Bevölkerung. Sie haben eine liberale Optik. Nach ihnen müssen die religiösen Texte in Abhängigkeit des Kontexts, in dem man sich befindet, gelesen werden." Laut Bashkim Iseni könnte die Existenz der UAIS dazu beitragen, die schweigende Mehrheit der Muslime in der Schweiz besser bekannt zu machen.
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