Unterstützen 42% der albanischsprachigen Gläubigen Blancho?!

© albinfo.ch
In den vergangenen Wochen konnten die Leserinnen und Leser von albinfo.ch in unserer regelmässigen Umfrage auf folgende Frage antworten: Unterstützen Sie die Initiative von Nicholas Blancho für einen Fernsehsender für Muslime? Anlass zu dieser Frage waren Berichte in hiesigen Medien über die Initiative des Islamischen Zentralrats, einen Fernsehsender zu gründen, der islamische Inhalte ausstrahlen sollte. Unter mehreren aufgeführten Sprachen, in denen gesendet werden sollte, befand sich auch Albanisch. Was ein hinreichender Grund war, sich des Themas anzunehmen.
Wie das Schlussergebnis zeigt, mobilisierte diese Umfrage offenbar mehr Leser als gewöhnlich. Über 1100 Personen klickten, um ihre Meinung zu äussern. Und was anfänglich wie ein "einfacher Sieg" der Gegner des Fernsehens für Muslime aussah, entpuppte sich allmählich als relativ knapper Zweikampf zwischen letzteren und den Befürwortern des Senders.

© Die Umfrage von albinfo.ch
Das endgültige Resultat ist: 50% sind gegen das Fernsehen für Muslime, 42% dafür und 8% ohne Meinung. Es geht wie gesagt um eine Initiative von Nicholas Blancho, zum Islam konvertierter Schweizer und ziemlich exponierter Vertreter dessen, was in der Schweiz unter dem Begriff des radikalen Islamismus bekannt ist!
“Nomen est Omen”, würden Lateiner sagen ... Dass sich verhältnismässig viele Personen hinter einen solchen Exponenten scharen, kann daher nicht einfach als völlig normal betrachtet werden. Denn die albanischsprachigen Imame in der Schweiz, als Vermittler der gemässigten, traditionellen Richtung des Islams wie ihn die Albaner kennen, betonten mehrfach, dass sie Nicholas Blancho und Kompanie nicht unterstützten. Dies gibt im Gespräch mit albinfo.ch auch der Präsident der eben gegründeten Union der albanischen Imame in der Schweiz zu verstehen.
Aber wenn sich 42 Prozent der muslimischen Albaner in der Schweiz für eine Richtung erklären, der ihre mutmasslichen Anführer die Unterstützung verweigern, dann stimmt etwas nicht. Entweder mit den Imamen oder mit ihrer Gemeinde!
Für die Generation von Albanern, die hauptsächlich im Verlauf der 1990er-Jahre in die Schweiz gekommen waren, ist ein solches Resultat sicher überraschend. Sie wuchsen in einem mehr oder weniger als aufklärerisch zu bezeichnenden Geist auf, wo der Glaube nur eine Nebenrolle spielte. Sie sind es sich nicht gewohnt, dass Religion in der Öffentlichkeit auftaucht, und sind nach wie vor davon entfernt, sich mit dem Glauben zu identifizieren, da die wichtigste Identität für sie ihre ethnische Zugehörigkeit ist.
Doch was der Aufmerksamkeit dieser Gruppe oft entgeht, ist die religiöse Orientierung der zweiten Generation, derjenigen ihrer Kinder. Da sich diese in gewisser Weise von der Schweizer Gesellschaft nicht anerkannt fühlen, versuchen nicht wenige dieser Jugendlichen ihre "Wurzeln" zu finden. Und auf dieser Suche nach sich selbst finden sie einen Glauben cooler, dessen Verkündung auf eine polarisierende Art geschieht, auf eine Art, die an Extreme rührt.
Unter diesen Umständen sollte uns nicht überraschen, dass sich einige unter diesen Jugendlichen einem Glauben à la Blancho zuwenden. Wie dies etwa die eindrückliche Anzahl albanischsprachiger jugendlicher Teilnehmer an einem vor einem Jahr in Biel organisierten Kongress zeigte. "Hunderte junge Albaner, mit Gel in den Haaren, hörten den Predigten der Exponenten des Islamischen Zentralrats zu", schrieben die schweizerischen Zeitungen. Zu jenem Zeitpunkt äusserten sich die Imame und zahlreiche traditionelle Gläubige, die von albinfo.ch befragt worden waren, gegen diesen Kongress oder waren ihm gegenüber gleichgültig eingestellt ...
Wenden wir uns wieder unserer Umfrage über Blanchos islamisches Fernsehen zu. Was als ein selbstverständliches Recht einer Gemeinschaft in der demokratischen Schweiz gelten könnte, wie etwa ein Fernsehsender für Muslime, wird emotional negativ aufgeladen, wenn es von extremistischen Exponenten wie Blancho und Seinesgleichen vertreten wird. Deshalb, um es geradeheraus zu sagen, muss es beunruhigen, wenn ein relativ grosser Prozentsatz der Albanischsprachigen - sollte die Umfrage der Wirklichkeit entsprechen - sich einer solchen Glaubensrichtung zuordnet ...
Das Mindeste zu tun ist jetzt, eine Diskussion zu diesem Thema in der hiesigen albanischsprachigen Gemeinschaft anzuregen.
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