News

Forschungsstudie belegt: Arbeitsausbeutung auch in der Schweiz Realität

Heute veröffentlichte die Universität Neuenburg eine Forschungsstudie zum Phänomen der Arbeitsausbeutung im Kontext des Menschenhandels. Die Studie, von fedpol in Auftrag gegeben, belegt die Existenz des Phänomens in bestimmten Wirtschaftssektoren in der Schweiz. Sie liefert jedoch keine quantitativen Angaben zum Ausmass des Problems. Gemeinsam mit seinen Partnern wird fedpol die Erkenntnisse der Studie analysieren und die Ergebnisse in einen nächsten Nationalen Aktionsplan gegen Menschenhandel (NAP) der Schweiz einfliessen lassen.

Menschenhandel zwecks Arbeitsausbeutung ist weniger bekannt und dokumentiert als Menschenhandel zum Zweck der sexuellen Ausbeutung von Frauen. Im Rahmen der Bekämpfung des Menschenhandels hat fedpol das Schweizerische Forum für Migrations- und Bevölkerungsstudien (SFM) der Universität Neuenburg beauftragt, eine erste Forschungsstudie zum Thema durchzuführen. Mit der Studie wurden drei Ziele verfolgt: Das Phänomen im schweizerischen Kontext erforschen, jene Wirtschaftssektoren mit erhöhtem Risiko identifizieren und das Profil und die Erkennungsmerkmale von Tätern und Opfern umreissen.

Betroffene Wirtschaftssektoren

Die auf drei qualitative Methoden gestützte Studie wurde in der gesamten Schweiz durchgeführt, vertieft aber in den Kantonen Bern, Genf, Tessin und Zürich. Die Studie macht keine quantitativen Angaben zum Ausmass des Phänomens, belegt aber, dass auch in der Schweiz Menschen wegen ihrer Arbeitskraft ausgebeutet werden. Die Gefahr der Arbeitsausbeutung besteht insbesondere im Hauswirtschaftsbereich, in der Hotellerie, der Gastronomie, im Baugewerbe und in der Landwirtschaft. Von Arbeitsausbeutung ist auch dann die Rede, wenn jemand gezwungen wird eine strafbare Handlung, wie beispielsweise Diebstahl oder Bettelei, zu begehen. Die Studie belegt, dass die Nationalität und das Geschlecht der Opfer mit den betroffenen Wirtschaftssektoren korrelieren: So werden im Haushaltssektor mehrheitlich afrikanische und südamerikanische Frauen ausgebeutet, während die Mehrheit der ausgebeuteten Männer hauptsächlich aus Osteuropa und dem Balkan stammt und im Baugewerbe tätig ist.

Die Studie verdeutlicht, dass es an theoretischen Instrumenten zur Opferidentifikation mangelt und die Sensibilisierung und Koordination der zuständigen Organisationen lückenhaft sind.

Resultate werden in einem nächsten Nationalen Aktionsplan berücksichtigt

Die Erkenntnisse der Studie bestärken fedpol darin, dass das Phänomen ernst genommen und die verschiedenen Akteure besser für die Thematik sensibilisiert werden müssen. Im Rahmen der Ausarbeitung des neuen Nationalen Aktionsplans gegen Menschenhandel in der Schweiz wird fedpol die Ergebnisse zusammen mit seinen Partnern eingehend prüfen.