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Helvetas schafft neue Arbeitsmöglichkeiten für Junge in Kosova

Von dem Projekt sollen rund 5200 arbeitslose Menschen und solche mit Möglichkeiten für eine selbständige Tätigkeit profitieren

Die ausgesprochen hohe Arbeitslosigkeit in Kosovo ist nichts Neues. Rund 35 Prozent der Bevölkerung Kosovos leben mit nur 1,6 Euro im Tag. Die Arbeitslosigkeit von 45 Prozent ist ein wirklichkeitsnahes Mass, um die Unzufriedenheit der Leute in Kosovo zu messen. Die Landwirtschaft indessen ist sozusagen aufgegeben worden.

In dieser Situation sind es unter anderem verschiedene Projekte, die von internationalen Organisationen wie den Regionalen Entwicklungsagenturen oder Helvetas – Swiss Intercooperation etc. in Koordination mit den entsprechenden einheimischen Organismen lanciert werden, die die Arbeitslosigkeit zu mildern versuchen.

Die Schweizer Regierung initiierte seit der Zeit nach dem Krieg immer wieder Projekte für Arbeit in kleinen und mittleren Unternehmen, und nicht nur dies. Seit 2013 betreibt das Programm Helvetas Swiss Intercooperation das Projekt “Befähigung für die Arbeit in der Landwirtschaft (APR)”, welches bis 2015 laufen wird. Dieses Projekt wird von Helvetas Swiss Intercooperation über die Abteilung für Mittelbeschaffung sowie von den privaten Stiftungen Medicor (Liechtenstein) und Julius Bär (Schweiz) finanziert.

Das Projekt will in den ländlichen Gebieten Kosovas die Armut verringern, indem mehr Arbeitsmöglichkeiten geschaffen werden. Zwei Regionen Kosovas werden dabei berücksichtigt: das Berggebiet Malet e Sharrit und die Gegend der Gemeinden Kamenica und Novobërdë. Vom Projekt sollen etwa 5200 arbeitslose Menschen und solche mit der Möglichkeit zu einer selbständigen Tätigkeit profitieren.

Da in Kosovo Frauen die Mehrheit der Arbeitslosen bilden, fördert das Projekt APR auch die Teilnahme junger Frauen an der wirtschaftlichen Entwicklung. Es will die Kapazitäten der jungen Arbeitslosen (Männer wie Frauen) durch Weiterbildungsprogramme verbessern und setzt auch auf die Zusammenarbeit mit den bestehenden Firmen, um die Beschäftigung und die Einkommen zu erhöhen, etc.

Für den Anfang hat das Projekt je eine Mitarbeiterin in den erwähnten Regionen engagiert; sie sind auch die Kontaktpersonen für Interessierte. Profitieren von dem Projekt werden hauptsächlich junge Leute zwischen 16 und30 Jahren. Sie können zuerst eine (kostenlose) Weiterbildung in einer Branche ihres Interesses und die Verdienstmöglichkeiten bietet  besuchen. Es kann aus folgenden Arbeitsbereichen ausgewählt werden: Waldprodukte, Bienenzucht, Viehzucht und Milchwirtschaft, Obstbau, Hühnerfarmen, Textilbereich und Handwerk, Kommunikations- und Internettechnologie, Finanzen, Tourismus, etc. Die praktischen Weiterbildungen in diesen Bereichen dauern zwischen einem und zwanzig Tagen.

Leiter des Programms Helvetas Swiss Intercooperation in Kosova ist Heini Conrad, während die Kurse des Projekts APR von Luan Hoti geleitet werden. Auf die Frage von albinfo.ch, ob das Projekt auch auf Regionen ausserhalb der erwähnten ausgedehnt werde, antworten sie, dies sei zur Zeit nicht geplant, da es keine Budgetaufstockung für das Projekt gebe. Es sei jedch geplant, die Ergebnisse dieser ersten zwei Jahre auszuwerten. Danach könne über eine Ausweitung des Projekts entschieden werden, sagt Heini Conrad.

“Letztes Jahr hatten wir 96 Teilnehmer in acht Weiterbildungsgruppen, von welchen achtzehn Personen selbständig wurden. Die Gruppen wurden in Hühneraufzucht, Bienenzucht, Pâtisserie, Blumengärtnerei, Zierpflanzenanbau, Bijouterie und Service ausgebildet. Total nahmen 55 Frauen und 41 Männer teil, von welchen 67 Albaner und 29 Angehörige von Minderheiten (27 Serbinnen und 2 Ashkali) waren. Dieses Jahr haben wir bisher dreizehn potentielle Gruppen, von welchen acht Geschäftsideen vorgeschlagen wurden. Das grösste Interesse besteht an der Bienenzucht und dem Zierpflanzenanbau, denn die Produkte dieser Branchen sind auf dem Markt am meisten gefragt”, sagt die Projekmitarbeiterin von Kamenica, Lirije Hajrizi. Sie informiert, dass 2013 in der Gemeinde Kamenica drei Zuschüsse gewährt wurden, je einer für die Hühneraufzucht, die Bienenzucht und den Zierpflanzenanbau.

Zehn arbeitslose Junge aus dem Dorf Hogosht der Gemeinde Kamenica nahmen an der vom Projekt APR organisierten  Ausbildung in Hühnerzucht und Eierproduktion teil. In dieser Ausbildung eigneten sich die jungen Leute die notwendigen Kenntnisse über die Hühnerzucht an. Fünf der jungen Leute wollten danach eine eigene Hühnerfarm gründen, bildeten sich daher auch in Businessplänen fort und baten um Unterstützung durch das APR.

“Angesichts der Entschlossenheit der jungen Leute, doch auch aus menschlicher Verpflichtung gegenüber der jungen Generation hiess das APR ihr Gesuch gut und steuerte 960 Hühner und 570 Käfige bei. Um die Unterstützungs- und Ausführungsfinanzierungskriterien des APR zu erfüllen, nahm die Gruppe einen Kredit auf und brachte die Farm zum Funktionieren”, sagt die Mitarbeiterin vor Ort, Mimoza Mirashi, zu albinfo.ch. Sie sagt, dass das Projekt APR (S4RE) ein Budget von 1,4 Millionen Franken habe. Im Unterschied zu anderen Programmen bringe APR keine fertigen Projekte, sondern ermutige junge Personen, in Gebieten, wo sie etwas erreichen können, selbst auf Ideen zu kommen.

“Die Ausbildung in sieben Sessionen innert zwei Monaten gab uns eine gute Grundlage für die Hühnernaufzucht, so dass wir beschlossen, eine Hühnerfarm zu gründen”, sagt Ramadan Xhaqku, einer von fünf Jungen, die ihr Arbeitsschicksal selbst in die Hand nehmen wollen.  Ramadan, Leotrim, Egzon, Rinor und Granit von Hogosht gründeten am 12. November 2013 die Farm “Veza e Artë” (‘das Goldene Ei’) und krempelten die Ärmel hoch. Sie bauten ein Gebäude um, in welchem sie rund eintausend Hühner in 570 Käfigen platzierten. Mittels einer guten Organisation gelingt es ihnen, die gesamte Produktion in Kamenica zu verkaufen. Die Nachfrage der Verkaufsläden ist grösser als ihre derzeitige Produktion, weshalb sie beabsichtigen, die Kapazität der Farm zu erhöhen.
Diese jungen Menschen sind auch für andere Junge in ganz Kosovo ein gutes Beispiel, die Arbeit dort, wo sie leben, anzupacken und nicht ständig an Auswanderung in den Westen zu denken.