Opinione

Kündigungsschutz für ältere Arbeitnehmer – Lösung des Problems oder Verursacher grösserer Probleme?

Die ideale Lösung scheint in weiter Ferne zu sein und sie rückt nicht näher, so lange man sich nicht entgegenkommt

Das Problem ist nicht neu, jedoch findet man einfach keine Lösung: Was tun, damit ältere Arbeitnehmer nicht in die Langzeitarbeitslosigkeit fallen? Es ist allgemein bekannt und von Arbeitgebern wie Arbeitnehmern anerkannt: Verliert eine Person über 50 den Job, ist die Wahrscheinlichkeit sehr hoch, dass er für lange Zeit (oder gar nicht mehr) eine neue Stelle findet. Gewerkschaften sagen, ein Kündigungsschutz muss her: Längere Kündigungsfristen, gezielte Weiterbildungen durch den Arbeitgeber und weitere spezifische Massnahmen. Arbeitgeber warnen, es sei gut gemeint, aber das Ziel werde nicht erreicht. Man werde den Leuten jeweils einfach kurz vorher kündigen.

Wie bei (fast) jedem politischen Thema haben wir zwei gegensätzliche Aussagen, wovon jeder felsenfest behauptet, dass seine Sichtweise die Richtige ist. Und unsere älteren Mitmenschen bleiben weiterhin auf ihren Problemen sitzen. Bis anhin hat man stets versucht, mit Sensibilisierungen und Appellen die Arbeitgeber zu überzeugen, ältere Arbeitnehmer bei der Stellensuche gleich zu behandeln und auch beim letzten runden Tisch zwischen Bundesrat, Arbeitgeber und Arbeitnehmer ist es (wieder) nur darauf hinaus gelaufen, dass man wieder Zahlen schönredet und „Verständnis“ hat. Hat man aber erst mal einen Kündigungsschutz eingeführt, wie z.B. in der Pharmabranche, sind auch die Arbeitgeber davon überzeugt, dass es eine gute Sache ist.

Würde man nun einen flächendeckenden Kündigungsschutz einführen, ergibt es doch Sinn, dass die Arbeitgeber jeweils kurz vor dem Erreichen der Altersgrenze jene Arbeitnehmer durch jüngere ersetzen? Nur aufgrund der demographischen Entwicklung wird es wohl kaum möglich sein, sämtliche 50-jährigen durch jüngere zu ersetzen. Und der neue Inländervorrang verhindert, dass die Arbeitgeber Menschen aus der EU rekrutieren, obwohl es im Inland qualifiziertes Personal hat (auch wenn es ältere sind).

Die Idee der Arbeitgeber wäre, dass man im Alter auf einen Teil des Lohnes verzichtet, doch wäre das nicht ziemlich respektlos gegenüber Arbeitnehmern, die schon seit über 30 Jahren in unserer Wirtschaft tätig waren und riesiges Know-How verfügen? Die ideale Lösung scheint in weiter Ferne zu sein und sie rückt nicht näher, so lange man sich nicht entgegenkommt. Doch leider hat man in der Politik heutzutage das Gefühl, dass man sein Profil verliert, wenn man sich entgegenkommt und lebt lieber mit dem Problem weiter als einen Wählerschwund zu riskieren.

Ich empfinde es jedoch als äusserst bedauernswert, wenn von der Arbeitgeberseite her die Begründung kommt, dass man eben „nicht alles“ haben könnte, denn das bedeutet, dass man nicht wirklich daran interessiert ist, das Problem zu lösen und letztendlich muss man sich doch stets vor Augen halten, dass die Mitarbeiter den Erfolg eines Unternehmens entscheidet beeinflussen.

Fakt ist, es gibt keine Musterlösung, jede Branche hat eine andere Ausgangslage und die Firmen können unterschiedlichste Gründe für Kündigungen haben, so dass ihnen dieser Spielraum nicht voll und ganz genommen werden kann. Ich habe jedoch vernommen, dass die Arbeitgeber in jedem Bereich stets grosse Freude haben, wenn eine branchenspezifische Lösung gefunden wird. Zum Beispiel geniessen die Gesamtarbeitsverträge der einzelnen Branchen grosse Sympathien bei beiden Verhandlungspartner.

Es bleibt also die Frage zu klären, ob vielleicht ein Gesetz die Lösung sein könnte, dass die einzelnen Branchen verpflichtet, einen spezifischen Kündigungsschutz zwischen den Sozialpartnern auszuarbeiten. So oder so muss irgendwann etwas geschehen.