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Die künstlerische Mission der Architektur: Spuren der Existenz hinterlassen

„Meine Gebäude werden meine Hinterlassenschaft sein. Sie werden noch lange von mir erzählen, wenn ich nicht mehr sein werde.“ Julia Morgan, Architekturpionierin aus Kalifornien

Was und weshalb bauen wir heute? Nur zum Wohnen, um etwas Schönes für unsere Augen zu schaffen, oder auch um irgendwo auf der Welt unsere Spuren zu hinterlassen?

Ich glaube, solche Fragen gehen einer Architektin bestimmt häufig im Kopf herum, wenn sie die ersten Linien für die Arbeit an einem neuen Objekt zeichnet.

Obwohl wir um 14:00 abgemacht hatten, trafen wir Arben um diese Zeit ganz konzentriert vor dem Bildschirm seines Computers, wo er noch einige Details an einem seiner nächsten Projekte ausführte.

Schwierige Lehrstellensuche – als Ausländer ignoriert

Noch hatte er in Kosova seinen ersten Geburtstag nicht gefeiert, als der kleine Arben aus familiären Gründen in die Schweiz kommt. Schon während der Primarschule zeichnet er viel, darunter auch verschiedene Porträts.

Langsam weckt auch die Architektur sein Interesse, als Kind war er von der römischen Architektur fasziniert. Am Ende der obligatorischen Schulzeit beginnt er, Bewerbungen für eine Berufsausbildung in Richtung Architektur zu schreiben.

Während viele seiner Freunde sich schon lange Lehrstellen gesichert hatten, wurde Arben die ganze Zeit von den Firmen, bei welchen er sich bewarb, ignoriert

„Sich als Ausländer wie ich damals für Architektur zu bewerben, erschien verrückt, sah man sich die Art an, wie die Ausländer behandelt wurden, und dies besonders in den Berufen, die als elitär galten“, berichtet Arben über die Schwierigkeiten, auf die er zu Beginn seines Werdegangs als Architekt stiess.

Entgegen der elterlichen Ratschläge, sich für einen andern Beruf zu entscheiden, wurde seine Hartnäckigkeit belohnt, als er drei Monate vor Beginn des Schuljahres positive Antworten von drei Architekturbüros bekommt, und nachdem er eines ausgewählt hat, öffnet sich ihm der Weg zur Verwirklichung seines grossen Traumes.

Wie „MultiArch“ entstand

Nach einem erfolgreichen Lehrabschluss und der Maturaprüfung immatrikuliert er sich für das Architekturstudium an der Universität. Während des vierjährigen Studiums arbeitet er nebenbei beinahe die ganze Zeit in verschiedenen Firmen.

Während der Studienzeit verbrachte Arben viel Zeit mit andern Studenten, die ebenso aus verschiedenen Ländern kamen, und sie begannen sich „Multivitamingruppe“ oder kurz „Multi“ zu nennen. Dieser Name diente ihm dann nach dem Studium zur Bezeichnung seines Architekturbüros, unter Hinzufügung von –Arch entstand der Name „MultiArch“.

Die Gründung seiner Firma ermöglichte ihm ein anderer albanischer Geschäftsmann in der Schweiz. Zusammen mit einem Studienfreund, ebenso Albaner, begeben sie sich tatsächlich in die grosse und unendliche Welt der Architektur.

„Ich verliess meine Stelle in einer seriösen Firma und stürzte mich in ein Abenteuer mit beträchtlichem Risiko, wo uns anfangs vieles fehlte“, erzählt Arben über seinen Anfang als selbständiger Architekt.

Der erste Auftrag, ein Haus zu planen, kommt von einem Albaner

Selbst Albaner, erhielt er das erste Angebot, ein Haus zu planen, von einem Landsmann. Obwohl er nun sechs Jahre Erfahrung in diesem Bereich hat, erinnert er sich immer noch an jedes Detail seines ersten Projekts in Willisau. Nebst dem Stolz, den er fühlt, wenn die Albaner in der Schweiz sich eigene Häuser bauen, fühlt er sich auch privilegiert, dass der Eigentümer den Bau seines Hauses damals von den hunderten anderen Architekturbüros ausgerechnet Arben Qehaja und dem Büro MultiArch anvertraut hatte.

Auch wenn jetzt über 90% seiner Kunden Albaner sind, spürt er immer noch diesen Stolz, den er anfangs empfand, und ist seinen Kunden sehr dankbar.

Als einige der ersten und sehr erfolgreichen Projekte von MultiArch gelten auch drei Wohnobjekte in Dietikon ZH, wo die Firma das Bauland selbst gekauft hatte und ohne weiteres Zutun von aussen den Plan und den Bau dieser Häuser durchführte, bereit zum Bewohnen, im Wert von 1,5 bis 2 Mio Franken, fortan eine sehr gute Referenz von MultiArch.

Doch zu den Problemen, auf die Arben des Öftern stösst, gehören doch auch die Kredite oder Bankfinanzierungen. Nach dem Kreditgesuch eines Kunden für irgendein Projekt wird dieses verunmöglicht, oder manchmal muss es modifiziert werden, um es dem von der Bank gewährten Kredit anzupassen. Und so kann es manchmal geschehen, dass die Arbeit von Arben sozusagen umsonst ist, wenn die Bank die Finanzierung des Baus nicht gewährt.

Funktionalität und Gestaltung der Innenräume

Ein anderes Problem sieht er auch bei der unfairen Konkurrenz durch bestimmte andere Konkurrenten. Es kommt vor, dass er eine Idee für einen Kunden entwirft, dieser den Plan nimmt und zu einem andern geht, der die gleiche Arbeit zu tieferen Kosten macht.

Mit seinem soliden Team hat das von Arben geführte Büro MultiArch während dieser sechs Jahre gegen vierzig verschiedene Objekte realisiert.

Arben verlässt sich sehr auf seinen eigenen Stil, verfolgt die neuen Architekturtrends, bezieht jedoch auch die Bedürfnisse seiner Kundinnen mit ein. Wie er selbst sagt, hat er viel darüber gelernt, wie ein Objekt funktionaler sein kann, und dabei kombiniert er seinen Stil mit den Wünschen des Kunden. Erhält er eine Planungsanfrage, richtet er ein Treffen nur mit dem Kunden ein, um möglichst viele Informationen über diesen oder auch seinen Lebensstil zu bekommen. Danach kommen ihm die ersten Ideen, was er dem Kunden dann wirklich vorschlagen soll.

Arben glaubt nicht, dass es gute oder schlechte Architekten gibt, denn das ist eine Geschmacksfrage. Doch wichtig ist für ihn, dass er für die Kundinnen und Kunden aufgrund auch vieler anderer Faktoren das Beste herausfindet oder herausholt.

Angesichts dessen, dass er viel zeichnete und Kunst liebt, und aufgrund seiner jetzigen Arbeit, wo er den Räumen im Innern der Objekte eine grosse Bedeutung zumisst, könnte man sagen, zu Arbens Arbeit passt besser als alles andere der Satz eines der grössten amerikanischen Architekten, Frank Lloyd Wrights: „Der Raum ist der Atem der Kunst“, und zufälligerweise ist Wright einer von Arbens Lieblingsarchitekten.