Kosova

Schweizer Studenten helfen Tourismus im Kosovo

25 Studierende waren an verschiedenen Orten tätig. In Nordalbanien, Prizren, Prishtina, Graçanica und Roganë haben sie das bestehende touristische Angebot analysiert, haben Ideen für die Produktentwicklung gesammelt, Wanderwege ausgeschildert oder Vorschläge für die Verbesserung der Dienstleistungsqualität ausgearbeitet.

Die Hochschule für Tourismus (HFT) aus Luzern und Thun in der Schweiz veranstaltet seit Jahren ein einwöchiges Auslandsseminar. Ihr Ziel ist es, ihr Wissen in den Ländern mit potentiellem Tourismus zu fördern und Tourismuserfahrungen aus der Schweiz in jene Länder zu bringen. 

Der Direktor der HFT in Thun, Marcel Furer, verbringt einen Teil seiner Arbeitszeit in verschiedenen Ländern der Welt und untersucht die Möglichkeiten der Zusammenarbeit im Bereich des Tourismus. 

Seit 2016 bringen rund 50 Studierende dieser Hochschule ihre eigenen Erfahrungen in Kosovo, Albanien und Mazedonien ein. Sie verteilen sich in kleinen Gruppen in städtischen und ländlichen Gebieten, um das Tourismuspotenzial in diesem Teil Europas zu erkunden, wobei sie immer mit lokalen Tourismusunternehmern zusammenarbeiten. 

Die Arbeiten dieser Studierenden werden auch von den Tourismusdozenten der Hochschule für Tourismus in Luzern und Thun begleitet. Aus Gesprächen mit der HFT-Dozentin und gleichzeitig stellvertretenden Direktorin des Schweizerischen Tourismusverbandes, Frau Chantal Beck, die die ganze Woche mit den Studierenden im Kosovo unterwegs war, heben wir einige ihrer Eindrücke über die studentische Arbeit hervor.  

„Die Höhere Fachschule für Tourismus HFT aus Luzern ist seit vielen Jahren im Ausland tätig. Im Rahmen eines Intensivseminars verbringen die Studierenden einmal pro Jahr eine Woche zusammen in einem Land mit touristischem Potenzial. In den Kosovo kommt die HFT nun schon zum dritten Mal.  

25 Studierende waren an verschiedenen Orten tätig. In Nordalbanien, Prizren, Prishtina, Graçanica und Roganë haben sie das bestehende touristische Angebot analysiert, haben Ideen für die Produktentwicklung gesammelt, Wanderwege ausgeschildert oder Vorschläge für die Verbesserung der Dienstleistungsqualität ausgearbeitet.  

Es war eine sehr spannende Woche. Die Studierenden haben die Gastfreundschaft, die konstruktive Zusammenarbeit und die Schönheit der Landschaften sehr geschätzt. Touristisch gesehen hat das Land viel Potenzial, aber das Angebot und das touristische Bewusstsein der Bevölkerung stecken noch in den Kinderschuhen. Die Kultur, Geschichte, Natur und Kulinarik bieten jedoch viele Gestaltungs- und Vermarktungsmöglichkeiten. Die allermeisten der HFT-Studierenden sind zum ersten Mal in den Kosovo gereist und kehren mit äusserst positiven Eindrücken und schönen Erinnerungen zurück.  

Mit Xhevdet Kallaba, der unser Kontakt, Organisator und Gastgeber zugleich war, sowie mit seiner Familie verbindet die HFT eine freundschaftliche und lehrreiche Zusammenarbeit, auf die wir gerne auch in Zukunft zählen“.  

 

Vier Studentinnen wurden im “Kallaba Guesthouse” in Roganë bei Kamenicë untergebracht. Marion Niklaus, Selina Barmet, Irina Reinle und Rebekka Zurkirchen übernahmen folgende Aufgaben für die Unterstützung der Projekte von Xhevdet Kallabas Gästehaus: 

– Beschilderung eines Wanderweges vom Guesthouse bis zum Bergdorf Krenidell 

– Optimierung des Internetauftritts vom Gästehaus 

– Vorbereitung eines Projektvorschlags für die Eröffnung eines Tourismusbüros für die Gemeinde Kamenica, und 

– Zukünftige Zusammenarbeit Schweiz – Gemeinde Kamenica 

 

Die gewonnenen Erkenntnisse nach der Erarbeitung der einzelnen Aufgaben haben gezeigt, dass für die ganze Region touristische Angebote fehlen. Mit der Beschilderung des Wanderweges konnte ein erster Grundstein in diese Richtung gelegt werden. Mit der Optimierung der Onlinepräsenz sowie Informationsvermittlung für die Touristen vor Ort, kann die Region aktiver vermarktet werden. 

Die Projektgruppe sieht in der Region Kamenica und seiner idyllischen Landschaft grosses Potenzial für eine zunehmende touristische Attraktivität. 

Nach einem konstruktiven Gespräch mit dem Bürgermeister der Gemeinde Kamenica, Herrn  Qendron Kastrati und Vertretern verschiedener Abteilungen: Arianit Ibrahimi, Valdete Sopi, Nexhmije Kallaba und Majlinda Krasniqi, gelang es der Gruppe die Idee der Eröffnung eines Informationsbüros für den Tourismus einzuführen. Vorläufig übernimmt Herr Xhevdet Kallaba freiwillig die Rolle eines Ansprechpartners. 

Die Gemeindeverantwortlichen streben eine Zusammenarbeit mit Schweizer Gemeinden z. B. in Form einer Partnerschaft an, die den Austausch fördern soll. Zudem erhoffen sie sich dadurch vom fortschrittlich entwickelten Schweizer Tourismus profitieren zu können.

 

Eine weitere Idee ihrerseits ist ein Schüler-bzw. Studentenaustausch zwischen Kosovo und Schweiz. Dies würde nicht nur der Region Kamenica, sondern auch der Schweizer Bevölkerung zugutekommen. Das Verständnis für die kosovarische Kultur sowie die Akzeptanz für die in der Schweiz lebenden Kosovaren könnte dadurch enorm verbessert und gefördert werden. 

Über die Entwicklung des Tourismus in der Gemeinde Kamenica, sagt Herr Kallaba: “Ich denke Kamenica hat genügend Potential für Tourismus, obwohl unsere Berge nicht so hoch sind wie die Schweizer Alpen oder die Alpen in Albanien. In Zusammenarbeit mit dem Rogana Athletik Club haben wir bereits einen zehn Kilometer langen Wanderweg beschildert. Die Gemeinde Kamenica hat viele Routen, die auch als Fahrradwege dienen können. Dieses Gebiet ist ausserdem für seine frische Luft bekannt, da es bei einem Durchmesser von etwa 100 Kilometern keinen Luftschadstoff gibt. Ich hoffe, dass wir in Zukunft auch touristische Karten mit alten Siedlungen und Denkmälern wie Kulina, Kopernicas Festung und anderen kulturellen und religiösen Monumenten erstellen werden.  

Zehn weitere Studierende aus dieser Gruppe sind in Lepusha, Provinz Kelmendi, Albanien untergebracht. Die Aufgabe der HFT Studierenden war, konkrete Angebote auszuarbeiten bzw. bestehende weiter zu entwickeln und Handlungsempfehlungen für Leistungsträger und Tourismusverantwortliche im Kosovo und Nordalbanien zu erarbeiten.  

“Für die HFT ein neues Einsatzgebiet, und für die Studierenden eine neue Herausforderung. Die Gegend ist abgelegen und touristisch wenig erschlossen. Die Anreise ist lange, lohnt sich aber. Das kleine Dorf Lepushë liegt in einem idyllischen Tal. Die HFT-Gruppe genoss die grosse Gastfreundschaft, die familiäre Atmosphäre, das traditionelle Essen und die wundervolle Aussicht im Guesthouse Alpini. Hervorragend ist die Gegend noch als Geheimtipp für Ruhesuchende und für Naturfreunde (Wanderer). Für diese Gruppen sollen die Angebote ausgebaut werden. Die Gäste sollen damit animiert werden, länger zu bleiben. So wird auch die Anzahl Übernachtungen gesteigert. Die Betreuung durch die Mitarbeitenden des Alpini, sowie insbesondere durch den Schweiz-Albanischen Doppelbürger Ueli Landolt war hervorragend. Den 10 Studierenden wurde ein authentischer Einblick ins (harte) Leben und den Traditionen, aber auch in ihre Probleme vermittelt. Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass die HFT auch nächstes Jahr eine Gruppe dort stationieren wird“, sagt der Dozent und Tourismusexperte aus Thun, Daniel Bachofner. 

Er sprach weiter mit der Gruppe, die in Prizren untergebracht wurde. „Die hübsche Stadt und die Umgebung bieten einige interessante Sehenswürdigkeiten. Wenn dieses Potenzial touristisch genutzt werden soll, müssen diese besser organisiert und vermarktet werden.  Dabei müssten vor allem auch die Leistungsträger untereinander vermehrt zusammenarbeiten. Die HFT-Gruppe hat sich in Prizren sehr wohl gefühlt. Interessant und wertvoll waren insbesondere die Gespräche mit dem Mitarbeitenden von Swisscontact und mit Granit Kallaba“, so Daniel Bachofner. 

Am Ende des Seminars berichteten alle Gruppen, in Anwesenheit des schweizerischen Botschafters im Kosovo, Herrn Jean-Hubert Lebet, der Dozenten, der Studierenden, sowie den Gastgebern, über ihre Arbeit.  

Bei dieser Gelegenheit war Botschafter Lebet dankbar für die Arbeit der Studierenden im Bereich Tourismus und erinnerte die Studierenden daran, dass sie während diesen Tagen, in welchen sie sich im Kosovo aufhielten, auch als Schweizer Botschafter in diesem Land dienten.