Das grosse Potential von Diasporagruppen

Eine kürzlich den Diasporanetzwerken auf der ganzen Welt gewidmete Ausgabe der renommierten Zeitschrift The Economist hob die zunehmende wirtschaftliche Bedeutung und den Wachstumsbeitrag dieser Bevölkerungsgruppen hervor.
Die von Diasporaangehörigen erbrachte wirtschaftliche Unterstützung war schon immer beachtlich. Hohe Kapitalmobilität, starker Rückgang der Transportkosten, technische Fortschritte verstärken diese Leistungen. Diasporaangehörige der ersten Generation sollen drei Prozent der Weltbevölkerung ausmachen. Laut Schätzungen ist die Diaspora eines Landes wie China grösser als die Bevölkerung Frankreichs!
Ein ganz wesentlicher Trumpf der in alle Himmelsrichtungen verstreuten Diasporagruppen verschiedenster Herkunft besteht darin, dass sie den internationalen Austausch erleichtern, aber auch Informationen und Ideen zu Investitionsmöglichkeiten in Herkunfts- wie Aufnahmeländern verbreiten.
Im Einwanderungsland Schweiz leben zahlreiche Bevölkerungsgruppen diese transnationale Realität. Trotzdem wird das Thema Migration hier oft nur mit Problemen assoziiert. Teilweise neigt die politische Rhetorik auch dazu, den positiven historischen Beitrag der Migration, insbesondere im wirtschaftlichen Bereich des Landes, zu verdrängen.
Ohne die soziale und kulturelle Vielfalt innerhalb der Migrationsbevölkerungsgruppen übersehen oder eine naive Haltung zu mit der Migrationsbevölkerung zusammenhängenden Themen einnehmen zu wollen, ist es möglicherweise doch an der Zeit, das tatsächliche Potential zu erkennen, das in diesen Bevölkerungsgruppen zur Förderung von Investitionen und der Schweizer Wirtschaft im Ausland vorhanden ist.
Entsprechend dem Beispiel der chinesischen Diaspora in den USA und amerikanischer Investoren in China könnten auch in Schweizer Unternehmen beschäftigte Migranten zu Schlüsselpersonen werden, wenn sich diese Unternehmen in Schwellenmärkten mit schnellem Wachstum niederlassen wollen.
Aus schweizerischen Diasporagruppen stammende Personen, insbesondere solche der zweiten oder dritten Generation, haben oft eine solide Ausbildung genossen und kennen die wirtschaftlichen und finanziellen Prioritäten und Eigenheiten ihres Aufnahmelandes. Sie verfügen jedoch im Vergleich mit andern zugleich über den Vorteil eines privilegierten Zugangs zu ökonomische Informationen bezüglich Bedürfnissen und Möglichkeiten auch ihrer Herkunftsländer und -regionen. Ihre Sprachkenntnisse, aber auch ihre Vernetzung und ihre kulturellen Verbindungen unterscheiden sie von andern.
In die Diaspora zu investieren, heisst zwei Fliegen auf einen Schlag zu treffen. Damit werden einerseits die schweizerischen Wirtschaftsinteressen im Ausland und andrerseits der ökonomische Wandel von Entwicklungsländern gefördert. Was gibt es Wirkungsvolleres zur Eindämmung von Migrationsströmen?
(Aus: "24 Heures", 28./29. Januar 2012)
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