{"id":111226,"date":"2016-04-14T15:12:25","date_gmt":"2016-04-14T13:12:25","guid":{"rendered":"http:\/\/www.albinfo.ch\/de\/?p=111226"},"modified":"2016-04-14T15:12:25","modified_gmt":"2016-04-14T13:12:25","slug":"111226","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.albinfo.ch\/de\/111226\/","title":{"rendered":"\u201eSind Sie wirklich Albanerin?\u201c"},"content":{"rendered":"<p>Die Nachricht verbreitete sich wie ein Lauffeuer durch das Schulhaus.<\/p>\n<p>Am Ende des ersten Schultages versammelten sich ein Dutzend Kinder vor meinem Schulzimmer. \u201eSind Sie wirklich Albanerin?\u201c, fragten sie, wobei mich einige anschauten, als w\u00e4re ich eine noch nie zuvor gesehene Spezies. Daraufhin folgte nat\u00fcrlich die Frage aller Fragen: \u201eKommen Sie aus Kosovo oder Mazedonien?\u201c<\/p>\n<p>Auch heute noch wird mir diese Frage auf dem Schulhof gestellt, mit der Absicht, mir voller Stolz mitzuteilen, woher sie selber urspr\u00fcnglich stammen. Prishtina, Mitrovica, Ferizaj, Kumanova, Tetova und viele andere albanische St\u00e4dte sind in unserem Schulhaus vertreten. Nahezu ein Drittel der insgesamt 323 Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler der Schule Gutschick in Winterthur sind albanischsprachig. Ein Wert, der in deutschschweizerischen QUIMS-Schulen keine Seltenheit ist.<\/p>\n<p><strong>QUIMS-Schulen<\/strong><\/p>\n<p>QUIMS ist die Abk\u00fcrzung f\u00fcr Qualit\u00e4t in multikulturellen Schulen. Diesen Status erh\u00e4lt eine Schule, wenn \u00fcber 30% der Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler einen Migrationshintergrund aufweisen. In unserem Schulhaus betr\u00e4gt die Quote der fremdsprachigen Kinder \u00fcber 70%. Zur Sicherung der Qualit\u00e4t in diesen multikulturellen Schulen, leistet der Kanton einen zus\u00e4tzlichen Pauschalbetrag. Mit diesem Programm und der finanziellen Unterst\u00fctzung soll auch unter erschwerten Bedingungen ein gutes Leistungsniveau, die soziale Integration und die Chancengleichheit in Bildung und Berufsfindung gew\u00e4hrleistet werden. Wir haben die M\u00f6glichkeit ausserschulische Angebote anzubieten, die f\u00fcr die Kinder kostenlos sind. F\u00fcr das Lehrerkollegium sieht die finanzielle Unterst\u00fctzung in Form von spezifischen Weiterbildungen zu den jeweiligen Schwerpunkthemen aus. Auch ist es uns m\u00f6glich, Klassenassistenzen zu engagieren, die in besonders schwierigen Klassen der Lehrperson als zus\u00e4tzliche Hilfe beistehen.<\/p>\n<p>Nebst der Sprachf\u00f6rderung ist der Einbezug der Eltern eines dieser Schwerpunkthemen. Aufgrund von mangelnden Sprachkenntnissen ist dies jedoch nicht immer ganz einfach. Die albanischen Eltern meiner Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler haben den Vorteil, sich diesem Problem nicht stellen zu m\u00fcssen. Am\u00fcsanterweise sprachen sie mich zu Beginn auf Deutsch an, bis ich auf Albanisch antwortete. Ein Fremdsprachenverbot besteht in unserer Schule schliesslich nicht!<\/p>\n<p><strong>Auch Elterngespr\u00e4che k\u00f6nnen auf Albanisch durchgef\u00fchrt werden<br \/>\n<\/strong><\/p>\n<p>Elterngespr\u00e4che, in denen ich gelegentlich versuche meinen tetovarischen Dialekt ins Kosovarische umzuwandeln, noch ein wenig Hochalbanisch rein fliessen lasse, damit es ein wenig gebildeter klingt, und daraus ein undefinierbares Gemisch entsteht. Die Hauptsache ist jedoch, dass wir uns gegenseitig verstehen. Meine albanische Herkunft wirkt sich auch auf den Berufswunsch meiner Sch\u00fclerinnen aus. Sie m\u00f6chten jetzt Lehrerin werden. Oder Anw\u00e4ltin.<\/p>\n<p>Egal welchen Berufswunsch unsere Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler hegen. Die Aufgabe der Lehrerinnen und Lehrer besteht darin, sie darin zu best\u00e4rken, diesen zu verfolgen, unabh\u00e4ngig davon welcher sozialen Schicht oder ethnischen Gruppe sie angeh\u00f6ren. Dies gilt insbesondere in einer Schule mit einer so starken kulturellen Vielfalt. Wer hier arbeitet, muss grossen Respekt vor unterschiedlichen Kulturen, Religionen und Lebensweisen haben. In unseren Klassen werden die Kinder nicht nach Nationalit\u00e4ten eingeteilt. Ich habe 22 Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler in meiner Klasse. Es sind 22 Kinder mit unterschiedlichen Pers\u00f6nlichkeiten, Interessen und F\u00e4higkeiten, die ich m\u00f6glichst individuell f\u00f6rdern m\u00f6chte.<\/p>\n<p>Trotzdem kann ich nicht leugnen, nach Erhalt der neuen Klassenliste diese auf albanische Nachnamen durchsucht zu haben.\u00a0 Und ja, es heitert meine Stimmung um das Vielfache auf, wenn ein Kind am Morgen fr\u00fch quer durch den Schulhof ruft: \u201eMir\u00ebm\u00ebngjesi Frau Ljutvija!\u201c<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>\u201eMir\u00ebm\u00ebngjesi Frau Ljutvija <\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Trotzdem kann ich nicht leugnen, nach Erhalt der neuen Klassenliste diese auf albanische Nachnamen durchsucht zu haben.\u00a0 Und ja, es heitert meine Stimmung um das Vielfache auf, wenn ein Kind am Morgen fr\u00fch quer durch den Schulhof ruft: \u201eMir\u00ebm\u00ebngjesi Frau Ljutvija!\u201c<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Auch heute noch wird mir diese Frage auf dem Schulhof gestellt, mit der Absicht, mir voller Stolz mitzuteilen, woher sie selber urspr\u00fcnglich stammen<\/p>\n","protected":false},"author":4,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1134,1135,1133,2234,1158],"tags":[],"vendi":[],"content_country":[],"class_list":["post-111226","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-integration","category-frauen","category-e-diaspora-de","category-dossier-de","category-themen-vor-ort"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.albinfo.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/111226","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.albinfo.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.albinfo.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.albinfo.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/4"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.albinfo.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=111226"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.albinfo.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/111226\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.albinfo.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=111226"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.albinfo.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=111226"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.albinfo.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=111226"},{"taxonomy":"vendi","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.albinfo.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/vendi?post=111226"},{"taxonomy":"content_country","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.albinfo.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/content_country?post=111226"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}