{"id":118402,"date":"2016-06-29T12:09:42","date_gmt":"2016-06-29T10:09:42","guid":{"rendered":"http:\/\/www.albinfo.ch\/de\/?p=118402"},"modified":"2016-06-30T09:21:28","modified_gmt":"2016-06-30T07:21:28","slug":"religioese-identitaet-nimmt-unter-kosovo-albanern-immer-mehr-an-bedeutung-zu","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.albinfo.ch\/de\/religioese-identitaet-nimmt-unter-kosovo-albanern-immer-mehr-an-bedeutung-zu\/","title":{"rendered":"Religi\u00f6se Identit\u00e4t nimmt unter Kosovo-Albanern immer mehr an Bedeutung zu!"},"content":{"rendered":"<p>57% der albanischen Muslime stellen zun\u00e4chst ihre nationale Identit\u00e4t in den Vordergrund. 32% sagen, sie sind Muslime und dann Albaner. 8% f\u00fchlen sich nur als Albaner; 3% nur als Muslime. Unter der befragten albanischen Christen in Kosova stellen 70% ihre nationale Identit\u00e4t in den Vordergrund; 15% f\u00fchlen sich als Christen und dann als Albaner; 8% nur als Christen und 7% nur als Albaner.<\/p>\n<p>In Kosova gibt es eine zunehmende Zahl der Menschen, die die religi\u00f6se Identit\u00e4t in den Vordergrund stellen. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des Kosovar Insitute for Policy Research and Development (KIPRED). Ein Teil der kosovarischen\u00a0Bev\u00f6lkerung entwickelt sich in Richtung einer religi\u00f6s-ethnischen Gesellschaft, und nicht umgekehrt, sagt Lulzim Peci von KIPRED.<\/p>\n<p>Besonders der Anteil derer, die sich zun\u00e4chst als\u00a0Muslime bezeichnen dann als Albaner ist besonders hoch, so Peci. &#8220;Wir haben eine grosse Verschiebung der Identit\u00e4t. Die albanische Identit\u00e4t verkommt zu einem linguistischen Begriff. Wir sind Zeugen einer Entwicklung einer religi\u00f6s-ethnischen Gesellschaft; eine Entwicklung, die f\u00fcr Kosovo-Albaner neu ist. Fr\u00fcher haben sich die muslimischen Albaner sich selbst zun\u00e4chst als Albaner bezeichnet &#8211; die religi\u00f6se Identit\u00e4t stand an zweiter Stelle.&#8221;<\/p>\n<p>Aber auch unter den Christen sei eine \u00e4hnliche Entwicklung zu beobachten: 70% stellen ihre\u00a0christliche Identit\u00e4t in den Vordergrund. 15% der Christen f\u00fchlen sich zun\u00e4chst als Christen und dann als Albaner; 8% nur als Christen und 7% nur als Albaner.<\/p>\n<p>Laut der KIPRED-Studie ist auch die sozio-religi\u00f6se Distanz recht gross. Nur 5.8% der Befragten wollen mit den Albanern der anderen Glaubensrichtung sprechen; 4.8% w\u00fcnschen sich keine Andersgl\u00e4ubige als Nachbarn; 1.4% w\u00fcnschen sich nur ihre eigene Religion in Kosova.<\/p>\n<p>Ansonsten zeigt die Studie, dass 44% der Befragten sich als Albaner und dann als Kosovaren f\u00fchlen; 32% f\u00fchlen sich als Kosovaren und dann als Albaner; 17% f\u00fchlen sich nur als Albaner und 7% nur als Kosovaren.<\/p>\n<p>Adem Demjaha von KIPRED sagt, eines der Elemente, auf die die Verschiebung des Verh\u00e4ltnisses der Religion zu der nationalen Identit\u00e4t ist sicherlich der Prozess der Bildung einer &#8216;kosovarischen&#8217; Identit\u00e4t. Nach der Erkl\u00e4rung der Unabh\u00e4ngigkeit standen die Kosovo-Albaner vor einer konfusen und doppeldeutigen Situation.<\/p>\n<p>&#8220;Die wichtigsten Staatssymbole, wie die Flagge, die Hymne, haben nichts mit der traditionellen albanischen nationalen Symbole zu tun. Diese Rekonfiguration und Neuerfindung von Kosova hat sicherlich einen Effekt der Denationalisierung auf die Albaner gehabt&#8221;, betont Demjaha.<\/p>\n<p>Eine ernstzunehmende Analyse der religi\u00f6sen und ethnischen Befindlichkeiten der Bev\u00f6lkerung mit nur 1000 Befragten durchzuf\u00fchren ist \u00e4usserst problematisch, kontert der Soziologe Ismajl Hasani.<\/p>\n<p>&#8220;Ich denke nicht, dass das religi\u00f6se und\u00a0nationale Bewusstsein der Albaner\u00a0sich in diesem Masse verschoben hat. Ich zweifle sehr, dass diese Studie\u00a0ernstzunehmenden wissenschaftlichen Parametern standh\u00e4lt. Solche\u00a0Analysen\u00a0k\u00f6nnen nur eine Debatte ausl\u00f6sen, die im Namen von sogenannten Analysen\u00a0Sensationen\u00a0an den\u00a0Tag bringen wollen&#8221;, \u00e4ussert sich Professor Hasani sehr kritisch. &#8220;Falls aber die Studie von KIPRED\u00a0trotzdem richtig sein sollte, dann ist dies ein Umbruch in der albanischen Tradition und Zivilisation. Und dies sollte allen Kosovaren Sorge bereiten. Hier denke ich besonders an die Ausbreitung der extremen Form des politischen Islams und\u00a0des Wahabismus.&#8221;<\/p>\n<p>Die KIPRED-Analysten betonen, dass internationale religi\u00f6se Organisationen eine grosse Rolle bei der Ausbreitung des islamischen Extremismus gespielt haben. Unter der Maske der humanit\u00e4ren Hilfe haben sie gleich nach dem Ende des Krieges die Armut und die Perspektivlosigkeit der Menschen ausgenutzt und ihre Ideologien verbreitet. Dies ist besonders in ruralen Gegenden zu beobachten, in den die kulturelle Tradition der Gemeinden gesch\u00e4digt worden ist.\u00a0 KIPRED schl\u00e4gt den Institutionen des Landes auch eine Reihe von Massnahmen vor, wie man dieser Entwicklung entgegen wirken kann.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>57% der albanischen Muslime stellen zun\u00e4chst ihre nationale Identit\u00e4t in den Vordergrund. 32% sagen, sie sind Muslime und dann Albaner. 8% f\u00fchlen sich nur als Albaner; 3% nur als Muslime. 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