{"id":159296,"date":"2017-08-25T17:15:56","date_gmt":"2017-08-25T15:15:56","guid":{"rendered":"http:\/\/www.albinfo.ch\/?p=159296\/"},"modified":"2017-09-01T12:03:56","modified_gmt":"2017-09-01T10:03:56","slug":"menschen-mit-migrationshintergrund-haben-spezifische-herausforderungen-zu-meistern","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.albinfo.ch\/de\/menschen-mit-migrationshintergrund-haben-spezifische-herausforderungen-zu-meistern\/","title":{"rendered":"Menschen mit Migrationshintergrund, haben spezifische Herausforderungen zu meistern"},"content":{"rendered":"<p>&#8220;Mit herausfordernden Situationen m\u00fcssen wir alle in unserem Leben zurechtkommen. Menschen, die eine Migrationserfahrung gemacht haben, haben spezifische Herausforderungen zu meistern. Es h\u00e4ngt aber weniger von der Migration als von den M\u00f6glichkeiten der Person ab, wie sie damit umgehen kann. Es ist zum Beispiel wichtig, dass man die Umgebung, in der man lebt, versteht: Spreche ich die Sprache, um mich mitzuteilen? Was wird von mir erwartet? Wie und wo kann ich mir Hilfe holen? Wer Antworten auf diese Fragen kennt, kann auch besser f\u00fcr sein Wohlbefinden sorgen&#8221;.<\/p>\n<p><em>*K\u00f6nnen Sie Ihr Angebot f\u00fcr Migrantinnen und Migranten kurz beschreiben? <\/em><\/p>\n<p>Die Berner Gesundheit arbeitet im Auftrag des Kantons Bern. Unsere Kernaufgaben sind Gesundheitsf\u00f6rderung, Pr\u00e4vention, Sexualp\u00e4dagogik sowie Suchtberatung und -therapie. Zum Thema psychische Gesundheit arbeiten wir mit Institutionen, sowie mit M\u00fctter und V\u00e4ter. Es geht dabei darum, wie Erwachsene Kinder und Jugendliche in ihrer Entwicklung unterst\u00fctzen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p><em>* In welchen Sprachen steht Ihr Angebot zur Verf\u00fcgung?<\/em><\/p>\n<p>Wir arbeiten mit allen Sprachgruppen und ziehen, wenn immer n\u00f6tig, eine professionelle \u00dcbersetzung bei. Mit M\u00fctter und V\u00e4ter mit Migrationshintergrund arbeiten wir oft im Kontext von Elterngruppen, M\u00fctter- oder V\u00e4tergruppen oder anderen organisierten Austauschtreffen.<\/p>\n<p><em>* Wie oft wird das Angebot von Migrantinnen und Migranten in Anspruch genommen?<\/em><\/p>\n<p>Durch unser Netzwerk im Kanton Bern zu Migrantenvereinen und Schl\u00fcsselpersonen zu verschiedenen Communities erreichen wir eine zunehmende Zahl von Menschen mit Migrationshintergrund. Dies ist f\u00fcr uns ein wichtiges Anliegen, da diese Gruppe von Menschen oft weniger von den \u00f6ffentlichen Angeboten profitiert als die Schweizer Bev\u00f6lkerung. In unseren V\u00e4tergruppen arbeiten wir mit einer Gruppe von albanischen M\u00e4nnern. (Interview mit Nexhat)<\/p>\n<p><em>* Inwiefern unterscheidet sich die psychische Gesundheit von Migrantinnen und Migranten in der Schweiz von derjenigen von Einheimischen? Was sind Ihre Erfahrungen?<\/em><\/p>\n<p>Mit herausfordernden Situationen m\u00fcssen wir alle in unserem Leben zurechtkommen. Menschen, die eine Migrationserfahrung gemacht haben, haben spezifische Herausforderungen zu meistern. Es h\u00e4ngt aber weniger von der Migration als von den M\u00f6glichkeiten der Person ab, wie sie damit umgehen kann. Es ist zum Beispiel wichtig, dass man die Umgebung, in der man lebt, versteht: Spreche ich die Sprache, um mich mitzuteilen? Was wird von mir erwartet? Wie und wo kann ich mir Hilfe holen? Wer Antworten auf diese Fragen kennt, kann auch besser f\u00fcr sein Wohlbefinden sorgen.<\/p>\n<p><em>* Was sind \u00abmigrationsbedingte\u00bb Leiden, die \u00f6fters auftreten?<\/em><\/p>\n<p>Oft ist es eine unterst\u00fctzende Erfahrung von anderen Menschen und ihren schwierigen Situationen im Leben zu h\u00f6ren und sich \u00fcber seine eigenen Schwierigkeiten austauschen zu k\u00f6nnen. Wenn die Herausforderungen migrationsbedingt sind, ist genau dieser Austausch unter Menschen mit \u00e4hnlichen Erfahrungen sehr wichtig. In der Zeit vor, w\u00e4hrend und nach der Migration f\u00fchlen sich Menschen meist gest\u00e4rkt. Sie erleben, dass sie viel Energie f\u00fcr dieses Ereignis aufwenden und sind meist \u00fcberzeugt, dass es sich lohnt. Nach einer Weile folgt die Anpassungsphase. Es tauchen existenzielle Fragen nach dem Beruf und dem sozialen Umfeld auf. Die bisherige Identit\u00e4t muss erweitert werden. Man ist zum Beispiel nicht mehr \u00abnur\u00bb Albanerin, sondern muss sich in der neuen Umgebung wieder neu definieren. Das kann Stress verursachen. In dieser Phase kann es vermehrt zu psychischen Erkrankungen kommen, die behandelt werden sollten. Sp\u00e4ter kommt meist eine Trauerphase dazu, in der man von der Heimat und allem, was damit verbunden ist, Abschied nimmt. Damit ist die Migration aber noch nicht abgeschlossen. Auch die nachfolgenden Generationen setzen sich noch mit der Migrationserfahrung auseinander.<\/p>\n<p><em>*Gibt es Unterschieden zwischen den verschiedenen Volksgruppen in der Migrationsbev\u00f6lkerung? <\/em><\/p>\n<p>Wir gehen grunds\u00e4tzlich davon aus, dass jeder Mensch seine eigenen Erfahrungen hat und doch auch immer verbindende Erlebnisse und Eigenschaften mit anderen Menschen teilt. Das ist unabh\u00e4ngig von Volksgruppen. Nat\u00fcrlich ist es im Zusammenhang mit Migration m\u00f6glich, dass eine Gruppe \u00e4hnliche Bedingungen hatte, weshalb sie ihre Heimat verlassen hat und hier \u00e4hnliche Herausforderungen antrifft. Zum Beispiel gibt es im Moment viele Fl\u00fcchtlinge aus Kriegsgebieten, die aufgrund ihres Aufenthaltsstatus, ihrer Sprachkenntnisse und ihrer Ausbildung viele Herausforderungen zu meistern haben, um in der Schweiz finanziell eigenst\u00e4ndig leben zu k\u00f6nnen. Und dieses selbstbestimmte, unabh\u00e4ngige Leben ist eine wichtige Grundlage um sich psychisch gesund zu f\u00fchlen.<\/p>\n<p><em>* Ich nehme an, dass sich viele Migrantinnen und Migranten davor scheuen mit Fachpersonen \u00fcber ihre Probleme zu reden. Was w\u00fcrden Sie diesen Personen sagen?<\/em><\/p>\n<p>Den meisten Menschen f\u00e4llt es schwer, sich mit ihren pers\u00f6nlichen Problemen an Fachpersonen zu richten. Wichtig ist zu wissen, dass wir unter Schweigepflicht stehen. Oft hilft es bereits, offen \u00fcber seine Schwierigkeiten zu reden. F\u00fcr eine langfristige Ver\u00e4nderung braucht es aber Zeit. Es hilft zu wissen, dass es ein Zeichen von St\u00e4rke ist, \u00fcber seine pers\u00f6nlichen Probleme zu reden.<\/p>\n<p><em>*Was k\u00f6nnen Sie zum Thema psychische Gesundheit im Kontext der Migration noch sagen? <\/em><\/p>\n<p>Das Thema psychische Gesundheit findet immer mehr Beachtung. Das hilft auch, dass Menschen sich mehr wagen, \u00fcber ihr eigenes Befinden und \u00fcber ihre Herausforderungen zu reden. Das ist aus unserer Sicht eine sehr wertvolle Ver\u00e4nderung. Wenn wir offener dar\u00fcber reden, was uns besch\u00e4ftigt, k\u00f6nnen wir auch besser mit den Herausforderungen umgehen. Damit ver\u00e4ndert sich unser Leben auch zum Positiven. Das gilt f\u00fcr alle Menschen \u2013 mit und ohne Migrationshintergrund.<\/p>\n<p>Auf der Seite <a href=\"http:\/\/www.psy.ch\/shqip\">www.psy.ch\/shqip<\/a> sind 10 Schritte f\u00fcr psychische Gesundheit beschrieben. Diese Informationen sollen allen Menschen helfen, sich mit ihrem Wohlbefinden auseinanderzusetzen und sich Gutes zu tun.<\/p>\n<p>Mehr zu den Angeboten der Berner Gesundheit finden Sie auf <a href=\"http:\/\/www.bernergesundheit.ch\">www.bernergesundheit.ch<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein Interview mit Cornelia Meierhans Fachmitarbeiterin Pr\u00e4vention, Psychologin MSc zum Thema Psychische Gesundheit, speziell im Kontext von Migration  <\/p>\n","protected":false},"author":4,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1141,3953,1140,1158,1412,2015],"tags":[],"vendi":[],"content_country":[],"class_list":["post-159296","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-themen","category-intervista-de","category-leben-in-der-schweiz","category-themen-vor-ort","category-newsletter-de","category-newsletter-media-de"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.albinfo.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/159296","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.albinfo.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.albinfo.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.albinfo.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/4"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.albinfo.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=159296"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.albinfo.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/159296\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.albinfo.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=159296"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.albinfo.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=159296"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.albinfo.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=159296"},{"taxonomy":"vendi","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.albinfo.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/vendi?post=159296"},{"taxonomy":"content_country","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.albinfo.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/content_country?post=159296"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}