{"id":174884,"date":"2017-12-12T00:01:58","date_gmt":"2017-12-11T23:01:58","guid":{"rendered":"http:\/\/www.albinfo.ch\/?p=174884\/"},"modified":"2017-12-12T00:01:58","modified_gmt":"2017-12-11T23:01:58","slug":"die-erbauer-der-schweiz","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.albinfo.ch\/de\/die-erbauer-der-schweiz\/","title":{"rendered":"Die Erbauer der Schweiz"},"content":{"rendered":"<p>Als ich in die Schweiz kam, war ich eines Tages unterwegs mit Bekannten und wir kamen an eine grosse Baustelle. Einer meiner Begleiter drehte sich zu mir um und sagte: \u201ePass auf, wenn ich jetzt laut auf Albanisch gr\u00fcsse, bekomme ich bestimmt eine Antwort in unserer Sprache.\u201c Und genau so war es. Mehrere Arbeiter antworteten mit erkennbarer Begeisterung auf unsere Gr\u00fcsse in Albanisch.<\/p>\n<p>In den westlichen L\u00e4ndern, und besonders in der Schweiz, ist und bleibt der Bau einer der wichtigsten Besch\u00e4ftigungssektoren f\u00fcr die Diaspora albanischer wie auch allgemein balkanischer Herkunft. In der Schweiz angekommen, suchten sich sehr viele dieser Landsleute eine Arbeit auf den Schweizer Baustellen. Tats\u00e4chlich hatten sie, von denen die wenigsten eine Ausbildung hatten, in diesem Bereich und im Schweiss ihres Angesichts am meisten Chancen, eine gewisse berufliche Stabilit\u00e4t zu finden. Die meisten dieser M\u00e4nner, aus der ersten Generation, arbeiteten immer weiter in diesem Sektor, und trugen so zu dessen Entwicklung bei.<\/p>\n<p>Der Bausektor reagiert sehr empfindlich auf die wirtschaftliche Konjunktur. Dabei muss man wissen, dass die schweizerische und die deutsche Wirtschaft sich schon seit Jahren im Wachstum befinden und sich dieser Sektor enorm stark entwickelt hat. Parallel dazu \u00e4nderte ein Teil seiner Besch\u00e4ftigten nach und nach ihren Status als Angestellte und wurde immer mehr zu Arbeitgebern von kleineren und mittleren Unternehmen. Diese Entwicklung verst\u00e4rkte die unternehmerische Pr\u00e4senz der Albaner.<\/p>\n<p>Einige unter ihnen, wie die Gebr\u00fcder Orllati, oder auch die Gebr\u00fcder Vi\u00e7a, Lika, etc. wurden zu grossen gewichtigen Unternehmern in ihren jeweiligen Regionen. Zurzeit gibt es mehrere hundert kleine, mittlere und grosse Unternehmen in der Schweiz, in Deutschland und in andern europ\u00e4ischen L\u00e4ndern, deren Gr\u00fcnder oder Besitzer albanischer Herkunft sind. Trotz der Tatsache, dass einige kleine Unternehmen die Kollektivabkommen und die Rechte ihrer Angestellten nicht beachten, geht der Erfolg der albanischen Firmen vor allem auf die Initiativen von Br\u00fcdern und Familien zur\u00fcck, wo stark ausgepr\u00e4gte Auffassungen von Solidarit\u00e4t und gegenseitiger Opferbereitschaft sowie tiefes Vertrauen herrschen. Insbesondere sind es ihre offensichtlich grosse Motivation und Flexibilit\u00e4t, die es diesen Unternehmen erm\u00f6glichten, erfolgreich in einem wettbewerbsbestimmten Markt vorzudringen. Nicht selten f\u00e4llt der Blick denn auch auf Inserate solcher Diasporafirmen etwa der Art: \u201eF\u00fcr Sie da, 7 Tage die Woche, 24\u00a0 Stunden am Tag.\u201c<\/p>\n<p>Dank ihres Wachstums und ihrer Expansion sind einige dieser Unternehmen an Bauprojekten beteiligt, die technische Kompetenzen in Architektur oder Ingenieurwesen auf hohem Niveau erfordern, besonders in L\u00e4ndern wie der Schweiz, wo Qualit\u00e4tskriterien und \u2013normen sehr hoch sind. Diese Kompetenzen sowie die Erfahrungen, die sich die Bauleute der albanischsprachigen Diaspora angeeignet haben, k\u00f6nnten auch in den Dienst ihrer Herkunftsl\u00e4nder, die sich im (Wieder-)aufbau befinden, gestellt werden,.<\/p>\n<p>Es w\u00e4re nur logisch, den grossen albanoschweizerischen Bauunternehmen die T\u00fcren zu \u00f6ffnen, damit sie ebenfalls und einfach auf den \u00f6ffentlichen M\u00e4rkten f\u00fcr die grossen Infrastrukturprojekte Kosovas, Makedoniens, Albaniens und anderer L\u00e4nder konkurrieren k\u00f6nnten. Anstatt Unternehmen zu bereichern, die von anderswoher kommen und die die auf den Baustellen des Balkans erwirtschafteten Milliarden in ihr eigenes Land transferieren, w\u00e4re es um vieles vern\u00fcnftiger und logischer, wenn grosse albanoschweizerische Unternehmen in den Bausektor dieser L\u00e4nder miteinbezogen w\u00fcrden. Sie leisteten mit Sicherheit eine Arbeit von besserer Qualit\u00e4t als der derzeitigen. Sie k\u00f6nnten auch ihr Savoir-faire weitergeben und ihre Aktivit\u00e4ten mittel- und l\u00e4ngerfristig auf andere Projekte ausweiten. Obwohl diese Idee naiv erscheinen mag, angesichts auch der Intransparenz auf den \u00f6ffentlichen M\u00e4rkten in den L\u00e4ndern dieser Region, sollten die Bauleute der Diaspora besser unter sich zusammenarbeiten, um mehr politisches Lobbying zu betreiben, damit sie auch auf diesem Markt Zutritt erhalten.<\/p>\n<p>In diesem Themenheft hat Albinfo.ch f\u00fcr Sie Analysen, Beobachtungen und Portraits zusammengetragen und zeigt an Beispielen die Vielfalt kleiner, mittlerer und grosser Unternehmen der albanischsprachigen Diaspora, die die Schweiz bauen und die sich nach und nach zu respektablen wirtschaftlichen Akteuren in diesem Land mausern.<\/p>\n<p>Dr. Bashkim Iseni, Leiter der Plattform Albinfo.ch<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Als ich in die Schweiz kam, war ich eines Tages unterwegs mit Bekannten und wir kamen an eine grosse Baustelle. 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