{"id":175809,"date":"2017-12-18T16:02:29","date_gmt":"2017-12-18T15:02:29","guid":{"rendered":"http:\/\/www.albinfo.ch\/?p=175809\/"},"modified":"2017-12-19T09:07:24","modified_gmt":"2017-12-19T08:07:24","slug":"die-gesellschaft-integrations-fit-machen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.albinfo.ch\/de\/die-gesellschaft-integrations-fit-machen\/","title":{"rendered":"Die Gesellschaft \u00abintegrations-fit\u00bb machen"},"content":{"rendered":"<p><strong>Eine gelungene Integration setzt die Bem\u00fchungen der Zugewanderten, aber auch die Offenheit der Aufnahmegesellschaft voraus. Im aktuellen politischen Diskurs wird jedoch zunehmend auf die individuelle Integrationskarriere fokussiert und die Verantwortung ausschliesslich den Zugewanderten zugeschrieben. Sichtbar wird dies etwa in den Verordnungen zum neuen Ausl\u00e4nder- und Integrationsgesetz und bei der im B\u00fcrgerrecht vorgesehenen Pr\u00fcfung der Integrationserfordernisse. Die Eidgen\u00f6ssische Migrationskommission EKM hat daher anl\u00e4sslich des UNO-Tages der Migrantinnen und Migranten Empfehlungen entwickelt. Sie bekr\u00e4ftigt darin das Verst\u00e4ndnis von Integration als dynamischem, gesamtgesellschaftlichem Prozess, der auch die Aufnahmegesellschaft in die Pflicht nimmt. <\/strong><\/p>\n<p>In den vergangenen Jahrzehnten haben sich weite Kreise daf\u00fcr eingesetzt, dass Integration \u2013 verstanden als dynamischer und gegenseitiger Prozess zwischen Einheimischen und Zugewanderten \u2013 zum wichtigen Thema der politischen Diskussion wird. Eine Analyse der Rechtsetzung, der Forderungen in \u00f6ffentlichen Diskussionen und der parlamentarischen Vorst\u00f6sse zeigt allerdings, dass das ehemals dynamische Konzept mehr und mehr einem engen und legalistischen Verst\u00e4ndnis weicht. Integration wird zunehmend als \u00abMessinstrument\u00bb verstanden.<\/p>\n<h3><strong>Integration als gesamtgesellschaftlichen Prozess begreifen<\/strong><\/h3>\n<p>Die Empfehlungen der EKM zur Integration betonen die gesamtgesellschaftliche Dimension der Integration. Chancengleichheit und gesellschaftlicher Zusammenhalt k\u00f6nnen nur hergestellt werden, wenn auch die Aufnahmegesellschaft \u00abintegrations-fit\u00bb ist. Alle Bem\u00fchungen der Zugewanderten \u2013 wie Spracherwerb, Bereitschaft zur Bildung und der Wille zur Teilhabe am wirtschaftlichen Leben \u2013 versanden, wenn Migranten und Migrantinnen den Kontakt zur Aufnahmegesellschaft nicht finden und bei der Lehrstellen- oder Arbeitssuche aufgrund von Diskriminierung erfolglos bleiben. Integration kann nur gelingen, wenn sowohl Einzelpersonen als auch die Gesamtgesellschaft und deren Institutionen ihren Beitrag leisten.<\/p>\n<h3><strong>Institutionen \u00abintegrations-fit\u00bb machen<\/strong><\/h3>\n<p>Die Bem\u00fchungen, Institutionen f\u00fcr Integrationsbelange zu sensibilisieren, sind fortzusetzen. \u00d6ffentliche und private Einrichtungen und Unternehmen sollen sich dabei auf die Anliegen und Bed\u00fcrfnisse der gesamten Gesellschaft, welche die Migrationsbev\u00f6lkerung einschliesst, ausrichten. Die Formel \u00abf\u00f6rdern und fordern\u00bb soll nicht nur auf das einzelne Individuum, sondern auch auf die privaten und \u00f6ffentlichen Institutionen angewendet werden. Dem Abbau von Integrationshemmnissen sowie der Bek\u00e4mpfung von Diskriminierung ist ebenso grosses Gewicht beizumessen wie individuellen Massnahmen.<\/p>\n<h3><strong>Die Aufnahmegesellschaft in die Pflicht nehmen\u00a0 <\/strong><\/h3>\n<p>Alle Mitglieder der Gesellschaft stehen in der Pflicht, sich f\u00fcr eine gelingende Integration zu engagieren. Daher ist es wichtig, die gesamte Bev\u00f6lkerung f\u00fcr Fragen des Zusammenlebens und des Zusammenhalts zu sensibilisieren und in die Integrationsprozesse einzubeziehen.<\/p>\n<h3><strong>Integrationsf\u00f6rderung an Potenzialen ausrichten<\/strong><\/h3>\n<p>Die Massnahmen der Integrationsf\u00f6rderung sollten sich nicht prim\u00e4r am Beheben von Defiziten, sondern am Wahrnehmen von Chancen und der Anerkennung von Potenzialen orientieren.<\/p>\n<h3><strong>Ein mechanistisches Integrationsverst\u00e4ndnis ist zu vermeiden<\/strong><\/h3>\n<p>Mit den neuen Gesetzesbestimmungen haben Beh\u00f6rden den individuellen \u00abIntegrationsgrad\u00bb von Personen zu beurteilen. Bei der Pr\u00fcfung von \u00abIntegration\u00bb f\u00fcr die Erteilung von Aufenthalts- und Niederlassungsbewilligungen, beim Familiennachzug oder bei der Einb\u00fcrgerung ist den unterschiedlichen Voraussetzungen und Kompetenzen, die einzelne Menschen mitbringen, Rechnung zu tragen. Die Beh\u00f6rden sind f\u00fcr die Beurteilung von Integrationsprozessen ad\u00e4quat zu schulen. Fairness, Professionalit\u00e4t und Transparenz sind wesentliche Voraussetzungen f\u00fcr das Gelingen der Massnahmen.<\/p>\n<h3><strong>Integration als Partizipation verstehen<\/strong><\/h3>\n<p>Partizipation umfasst mehr als das Stimm- und Wahlrecht. Wer sich in einem Verein, in der Quartiergruppe oder in sozialen Projekten engagiert, nimmt an Diskussionen teil und gestaltet die gesellschaftlichen Verh\u00e4ltnisse mit. Institutionen k\u00f6nnen Mitwirkungsm\u00f6glichkeiten aufzeigen und er\u00f6ffnen und sie k\u00f6nnen Zuschauer zu Beteiligten machen. Wer sich als Citoyen sieht und an gesellschaftlichen Prozessen teilnehmen kann, \u00abintegriert\u00bb sich automatisch.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Empfehlungen der EKM zur Integration betonen die gesamtgesellschaftliche Dimension der Integration. 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