{"id":343105,"date":"2020-01-04T16:49:05","date_gmt":"2020-01-04T15:49:05","guid":{"rendered":"https:\/\/www.albinfo.ch\/?p=343105"},"modified":"2020-05-23T02:23:59","modified_gmt":"2020-05-23T00:23:59","slug":"leyla-ibrahimi-salahi-es-ist-nicht-nur-arbeit-es-ist-vor-allem-leidenschaft","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.albinfo.ch\/de\/leyla-ibrahimi-salahi-es-ist-nicht-nur-arbeit-es-ist-vor-allem-leidenschaft\/","title":{"rendered":"Leyla Ibrahimi-Salahi: \u00abEs ist nicht nur Arbeit. Es ist vor allem Leidenschaft.\u00bb"},"content":{"rendered":"<p>Kompetent, professionell und ambitioniert. So wird Chair Airlines Besitzerin Leyla Ibrahimi-Salahi von ihren Gesch\u00e4ftspartnern gerne bezeichnet. Wie Sie zu einer der erfolgreichsten albanischen Unternehmerinnen der Schweiz wurde, erz\u00e4hlte sie uns in einem pers\u00f6nlichen Gespr\u00e4ch.<\/p>\n<p><strong>Albinfo.ch: Sie haben mit nur 25 Jahren das Gesch\u00e4ft Ihres Vaters \u00fcbernommen. Welchen grossen Herausforderungen mussten Sie sich zu Beginn stellen? <\/strong><\/p>\n<p><strong>Leyla Ibrahimi-Salahi:<\/strong> Das waren in der Tat enorm viele. Um \u00fcberhaupt eine Chance in dem harten Wettbewerb zu haben, mussten wir in erster Linie unser Unternehmen stabilisieren und vor allem zukunftsf\u00e4hig machen.<\/p>\n<p>Im Detail bedeutete das, eine schlanke Organisationsstruktur aufzusetzen und in neue Systemlandschaften zu investieren. Es mussten gute Leute gefunden werden und es galt Vertrauen zu gewinnen. Im Grossen und Ganzen war es n\u00f6tig, der Firma eine neue Richtung zu geben. Und dazu waren leider auch gewisse Trennungen n\u00f6tig.<\/p>\n<p><strong>In einem Interview haben Sie gesagt, sie mussten zuerst aufr\u00e4umen, was hiess, sich auch von Onkeln und Cousins, die in der Firma involviert waren, zu trennen. War es f\u00fcr Sie schwierig, sich als Frau durchzusetzen oder spielten eher die famili\u00e4ren Verh\u00e4ltnisse eine Rolle?<\/strong><\/p>\n<p>Wenn man ein Unternehmen \u00fcbernimmt, gilt es immer erstmal aufzur\u00e4umen. Ich habe mir damals nicht die Frage gestellt, ob das f\u00fcr mich als Frau schwieriger ist.<\/p>\n<p>Um ein Unternehmen zu sanieren und profitabel aufzustellen und damit erfolgreich zu sein, geh\u00f6rt es eben dazu, auch schwierige und unliebsame Entscheidungen zu treffen. Es bleibt einem nichts anderes \u00fcbrig. Wem man dies nicht kann, ist es h\u00f6chstwahrscheinlich schwierig, ein Unternehmen \u00fcberhaupt zu \u00abf\u00fchren\u00bb. F\u00fchren bedeutet, festlegen, wo es hingehen soll.<\/p>\n<p>Es war f\u00fcr mich daher eine Grundvoraussetzung, klare famili\u00e4re Verh\u00e4ltnisse zu schaffen. Denn nur auf einem neuen stabilen Fundament konnten wir aufbauen. Und dieses h\u00e4lt immer noch.<\/p>\n<p><strong>Aber Sie haben auch gesagt, sie wurden untersch\u00e4tzt? Inwiefern wurden Sie untersch\u00e4tzt?<\/strong><\/p>\n<p>Wahrscheinlich in allem.<\/p>\n<p><strong>In ihren Kompetenzen als Unternehmerin?<\/strong><\/p>\n<p>Mein Vater war eine Galionsfigur und in seine Fussstapfen zu treten, war eine grosse Herausforderung. Die Messlatte war extrem hoch angesetzt. Sein Erbe anzutreten und das auch noch als junge, zierliche Frau, war f\u00fcr viele nicht vorstellbar. Auf der anderen Seite, bin ich mit diesem Gesch\u00e4ft aufgewachsen, wir haben das daheim sozusagen geatmet. Ich wusste daher von klein auf sehr viel dar\u00fcber. Ausserdem hatte ich zu dem Zeitpunkt bereits 4-5 Jahren f\u00fcr ihn gearbeitet und daher ein Gef\u00fchl daf\u00fcr, was l\u00e4uft. Und pl\u00f6tzlich, \u00fcber Nacht, ging die Verantwortung an mich. Das war dann aber eine andere Nummer \u2013\u00a0 und zun\u00e4chst einmal eine grosse Last.<\/p>\n<p><strong>Sie werden in der albanischen Community immer noch als die Tochter von Bexhet Salahi wahrgenommen. War das zu Beginn als Unternehmerin f\u00f6rderlich oder erschwerend? <\/strong><\/p>\n<p>Ich h\u00f6re das immer gern. Es ist eine Anerkennung: Die Menschen haben ihn nicht vergessen. Und man sollte meiner Meinung auch nicht vergessen, was er f\u00fcr sein Land getan hat.<\/p>\n<p>Er genoss einen sehr guten Ruf. Und zweifelsohne gingen f\u00fcr mich dadurch damals einige T\u00fcren auf. Er war und ist immer noch eine Referenz. Und ja, man ist lange Zeit die Tochter von jemandem, bis man sich irgendwann seinen eigenen Namen macht . Das ist definitiv auch eine Reifung, eine eigenst\u00e4ndige Pers\u00f6nlichkeit zu werden.<\/p>\n<p><strong>Die Gesch\u00e4ftswelt der albanischen Community wird immer noch mehrheitlich von M\u00e4nnern dominiert. Erleben Sie Ihre Funktion als weibliche F\u00fchrungskraft als Vor- oder Nachteil?<\/strong><\/p>\n<p>Wissen Sie, ich mache einfach meine Arbeit und stelle mich den gegebenen Herausforderungen. F\u00fcr mich stellt sich diese Frage daher nicht. Jeder, der ein Unternehmen f\u00fchrt, ob Mann oder Frau, muss sich mit der Zeit durch Resultate behaupten. Und wer seine Aufgabe kompetent erf\u00fcllt, wird ernst genommen.<\/p>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><strong>Ihre Gesch\u00e4ftspartner beschreiben Sie als kompetent und professionell. Reicht das, um als Unternehmerin erfolgreich zu sein oder Bedarf es eventuell einer extra Portion Diplomatie?<\/strong><\/p>\n<p>Ja, das geh\u00f6rt sicherlich auch dazu. Aber das Wichtigste ist, innovativ zu sein und an seinen Zielen festzuhalten. Nicht aufzugeben und nachhaltig zu planen.<\/p>\n<p>Enorm wichtig ist auch, hinter jeder seiner Entscheidungen zu stehen. Zumindest zu dem Zeitpunkt, wenn man sie f\u00e4llt.<\/p>\n<p>Im Nachhinein ist man bekanntlich immer schlauer.<\/p>\n<p><strong>Haben Sie gut geschlafen, als Sie den Schweizer Ableger von Air Germania \u00fcbernommen haben?<\/strong><\/p>\n<p>(lacht) Gute Frage! Naja, ich hatte schon ein paar schlaflose N\u00e4chte, aber das muss man einfach annehmen. In diesem Gesch\u00e4ft geh\u00f6rt es beinahe zur Normalit\u00e4t, alle zwei\/drei Jahre schlaflose N\u00e4chte zu haben. Das berichten viele andere, die in dieser Branche t\u00e4tig sind, auch.<\/p>\n<p>Und es war definitiv eine Mamutaufgabe! Das darf man ruhig erw\u00e4hnen. Wir haben in der albanischen Welt damit Geschichte geschrieben. Und ich bin fest davon \u00fcberzeugt, dass wir uns in die richtige Richtung bewegen.<\/p>\n<p><strong>Nun sind Sie ja seit einem Jahr Besitzerin der Chair Airlines AG. Welche Zukunftspl\u00e4ne haben Sie f\u00fcr Ihr Unternehmen? <\/strong><\/p>\n<p>Die Geschichte wiederholt sich fast ein bisschen. Auch hier war es notwendig in erster Linie aufzur\u00e4umen, die CHAIR stabil und schlank aufzustellen. Dazu geh\u00f6rte auch, in neueste Systeme und Software zu investieren. Das ist zweifelsohne die Grundvoraussetzung, um profitabel operieren zu k\u00f6nnen. Um dann nachhaltig wachsen zu k\u00f6nnen, jedoch stets im Hinblick darauf, wie die Nachfrage auf dem Markt ist.<\/p>\n<p><strong>Sie, als eine der erfolgreichsten albanischen Unternehmerinnen der Schweiz, sind seit neustem Jury-Mitglied beim SWISS-ALBS-Unternehmerpreis und meine Frage hierzu ist, wo Sie den Nutzen sehen, wenn sich albanische Unternehmerinnen und Unternehmer in der Schweiz vernetzen?<\/strong><\/p>\n<p>Der Nutzen liegt sicherlich darin, Zugriff auf gute und professionelle Angebote zu haben, weil die Chemie untereinander meistens auch stimmt. Es ist \u00fcberaus wichtig, auf ein Netzwerk zugreifen zu k\u00f6nnen, das verl\u00e4sslich ist. Die Voraussetzung daf\u00fcr ist aber, dass diese Firmen extrem zuverl\u00e4ssig sind und tadellose Produkte liefern. Denn Kompromisse in der Qualit\u00e4t sind in der Schweiz nicht denkbar. Und ich habe zum Gl\u00fcck die Erfahrung gemacht, dass Unternehmer mit albanischem Hintergrund diese Formel verstanden haben.<\/p>\n<p><strong>Sie haben einige wichtige Kriterien f\u00fcr erfolgreiches Unternehmertum genannt. Haben Sie weitere Ratschl\u00e4ge, die sie Jungunternehmerinnen und -unternehmern mitgeben k\u00f6nnen?<\/strong><\/p>\n<p>Der wichtigste f\u00fcr mich pers\u00f6nlich ist, an das zu glauben, was man macht.<\/p>\n<p>Immerw\u00e4hrender Einsatz, stetig innovativ sein und kostenbewusst operieren.<\/p>\n<p>Eine loyale Kundenbindung resp. Kundenbetreuung aufzubauen und zu pflegen.<\/p>\n<p>Faire und vor allem langfristige Gesch\u00e4ftsbeziehungen aufzubauen.<\/p>\n<p>Und zu guter Letzt: Stetig dranbleiben.<\/p>\n<p>F\u00fcr mich ist das, was ich mache, immer auch Leidenschaft. Es ist nicht so, dass ich ins B\u00fcro komme, die Arbeit erledige, rausgehe und abschalte. Das ist nicht m\u00f6glich, wenn man ein Unternehmen besitzt. Man muss sich bewusst sein, man wird st\u00e4ndig beansprucht! Von allen Seiten. Als Mutter, Ehefrau, Schwester oder Tante.<\/p>\n<p>Mit anderen Worten: Belastbarkeit muss definitiv zu den eigenen St\u00e4rken geh\u00f6ren.<\/p>\n<p>Dieses Leben zu f\u00fchren, bedeutet, st\u00e4ndig Kompromisse zu machen. Man muss auf die Unterst\u00fctzung der eigenen Familie z\u00e4hlen k\u00f6nnen. Nur dann geht es unterm Strich auf.<\/p>\n<p><strong>Die Vision meines Vaters war seit der Gr\u00fcndung: <\/strong><\/p>\n<p>Er wollte den in Europa lebenden Kosovaren preiswerte, sichere und zuverl\u00e4ssige Flugm\u00f6glichkeiten zu ihren Angeh\u00f6rigen im Kosovo und Umgebung erm\u00f6glichen. Und dies ist auch heute noch unser Bestreben: Den Menschen eine Br\u00fccke zur Heimat zu bieten. Es ist daher mehr Leidenschaft als nur Arbeit. Man lebt f\u00fcr das, was man macht.<\/p>\n<p><strong>(Das Interview wurde von Ermira Ljutvija gef\u00fchrt)<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8220;F\u00fcr mich ist das, was ich mache, immer auch Leidenschaft. Es ist nicht so, dass ich ins B\u00fcro komme, die Arbeit erledige, rausgehe und abschalte. 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