{"id":499772,"date":"2021-09-05T16:30:30","date_gmt":"2021-09-05T14:30:30","guid":{"rendered":"https:\/\/www.albinfo.ch\/?p=499772"},"modified":"2021-09-05T15:09:44","modified_gmt":"2021-09-05T13:09:44","slug":"lukas-mandl-reden-statt-schiessen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.albinfo.ch\/de\/lukas-mandl-reden-statt-schiessen\/","title":{"rendered":"Lukas Mandl: Reden statt schiessen!"},"content":{"rendered":"<p>Lukas Mandl ist ein O\u0308VP-EU-Abgeordnete der sich stets mit Sta\u0308rke und Enthusiasmus fu\u0308r die Positionierung sowie Zukunft des Kosovo und des Westbalkans in die EU einsetzt. Durch seine Arbeit versucht er unermu\u0308dlich die Inklusion und Integration des Westbalkans zu fo\u0308rdern, nicht nur wirtschaftlich, sondern vor allem konzeptuell durch das forcieren der demokratisch-europa\u0308ischen Wertedimensionen. Sein neuestes Werk \u201eKosovo and the EU \u2013 state of play\u201c vero\u0308ffentlichte er am 17. Februar 2021 am Nationalfeiertag des Kosovo.<\/p>\n<p>\u201eO\u0308sterreich und der Kosovo sind eng verbunden: Die Bevo\u0308lkerung kosovarischer Abstammung in O\u0308sterreich wa\u0308chst&#8230;Au\u00dferdem kommen weit u\u0308berdurchschnittlich viele Investitionen im Kosovo aus O\u0308sterreich. Viele heimische Unternehmen setzen auf kosovarische Arbeitskra\u0308fte\u201c,- so Mandl u\u0308ber die enorme Wichtigkeit den Kosovo na\u0308her kennen zu lernen. U\u0308ber den Vorwort des Bundeskanzerls Sebastian Kurz hinaus, ero\u0308ffnet das Buch fu\u0308r die LeserInnen zahlreiche Perspektiven und verra\u0308t viele politische und strategische Details u\u0308ber den Kosovo und den Westbalkan. Das lexikalische Nachschlagewerk hat 300 Seiten und ist auf Deutsch, Englisch, Albanisch und Serbisch erha\u0308ltlich.<\/p>\n<p>In einem Interview mit\u00a0<u><a href=\"http:\/\/albinfo.at\/\">Albinfo.at<\/a><\/u>\u00a0spricht Mandl u\u0308ber manche Themen die in seinem Buch behandelt werden.<\/p>\n<p><strong>Albinfo.at: Ihr neuestes Buch (sprich Sammelband) \u201eKosovo and the EU \u2013 state of play\u201c haben Sie an den Kosovo gewidmet, was soll das Buch bewirken und welche sind die zentralen Themen?<\/strong><\/p>\n<p>Das Buch fu\u0308hrt Menschen aus Gesellschaft, Wirtschaft, Wissenschaft und verschiedenen politischen Parteien zusammen, die zu zentralen Begriffen fu\u0308r die europa\u0308ische Perspektive der Republik Kosovo Statements abgeben. Man kann das Buch lesen wie ein Lexikon. Man kann einzelne Begriffe nachschlagen und nachlesen, was beispielsweise der kosovarische Verteidigungsminister, der Vorsitzende des Au\u00dfenpolitik-Ausschusses im Europaparlament oder auch der Serbien-Berichterstatter des Europaparlaments zu einem Begriff zu sagen haben. Die Themen reichen von der Visaliberalisierung, die seitens der EU la\u0308ngst u\u0308berfa\u0308llig ist, u\u0308ber die no\u0308tigen Reformen im Bereich der Rechtsstaatlichkeit, die der Kosovo fu\u0308r Investitionen und Jobs machen muss, bis zu Zukunftschancen im Bereich der Digitalisierung und anderen Bereichen.<\/p>\n<p><strong>Albinfo.at: Die politische Prominenz in dem Buch ist sehr stark, steckt da eine Strategie dahinter die Sie uns verraten wollen oder entstand das spontan wa\u0308hrend der Recherche?<\/strong><\/p>\n<p>Da war nicht viel zu entscheiden. Es geht darum, Entscheidungstra\u0308gerinnen und -tra\u0308ger, die jetzt fu\u0308r die Zukunft der Bu\u0308rgerinnen und Bu\u0308rger des Kosovo und fu\u0308r die Erfu\u0308llung des europa\u0308ischen Traums fu\u0308r ganz Europa, dass alle Europa\u0308erinnen und Europa\u0308er unter einem Dach sein werden, sehr viel Verantwortung tragen, mit ihrer jeweils perso\u0308nlichen Sichtweise in einem Buch zu versammeln. Sie alle sind Partnerinnen und Partner meiner parlamentarischen Arbeit in verschiedenen Bereichen. Sie alle habe ich um Beitra\u0308ge zum Buch gebeten. Die meisten haben zugesagt. So entstand diese Momentaufnahme und dieser Blick in die Zukunft.<\/p>\n<p><strong>Albinfo.at Die europa\u0308ische Gesinnung in Kosovo ist sehr hoch, was wu\u0308rde passieren, wenn dieser Widerhall der jungen KosovarInnen von der EU weiterhin nicht erwidert wird? Wie wird das in dem Buch behandelt?<\/strong><\/p>\n<p>Ja, mehrere Mitautorinnen und -autoren gehen darauf ein, dass die Zukunftsthemen nicht nur wichtig sind, sondern auch dringend. Wir mu\u0308ssen alles dafu\u0308r tun, dass die Zukunft, die alle Menschen guten Willens sich fu\u0308r die Menschen des Westbalkan und speziell des Kosovo wu\u0308nschen mu\u0308ssen, jetzt beginnt. Die Zukunft beginn jetzt. Daran arbeiten wir. Ich will auch, dass die jungen Menschen im Kosovo wissen, dass sie starke Partner in Europa und in aller Welt haben, denen die Zukunft dieser Generation ein ehrliches Anliegen ist. Diese starken Partner werden immer fu\u0308r die Kosovarinnen und Kosovaren da sein und wissen, dass die Menschen des Kosovo eine gro\u00dfe Bereicherung fu\u0308r Europa und die Menschheitsfamilie sind.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.albinfo.ch\/wp-content\/uploads\/2021\/09\/lukas-mandl1.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-499673\" src=\"https:\/\/www.albinfo.ch\/wp-content\/uploads\/2021\/09\/lukas-mandl1.jpg\" alt=\"\" width=\"650\" height=\"433\" \/><\/a><\/p>\n<p><strong>Albinfo.at: Kosovo ist \u201equasi\u201c Ihr Baby, Sie sind auch der Gru\u0308nder von der o\u0308sterreichisch- kosovarischen Freundschaftsgesellschaft, haben Sie eine besondere Bindung zu dem Land oder interessiert es Sie nur politisch?<\/strong><\/p>\n<p>Die Zusammenarbeit mit dem Kosovo ist fu\u0308r mich als o\u0308sterreichischer Abgeordneter im Europaparlament nicht nur eine Pflicht, sondern auch eine Freude und eine Ta\u0308tigkeit, in der ich sehr viel Sinn erkenne, die mich erfu\u0308llt und motiviert, weiterzumachen. Es ist von allergro\u0308\u00dfter Bedeutung fu\u0308r O\u0308sterreich und ganz Europa, dass sich der Kosovo und der gesamte Westbalkan gut entwickeln. Dazu kommt, dass ich die Gastfreundschaft, den Zukunftsoptimismus, die Weltoffenheit und die Hands-on-Mentalita\u0308t der Kosovarinnen und Kosovaren unglaublich scha\u0308tze. Au\u00dferdem ist einer meiner besten perso\u0308nlichen Freunde ein O\u0308sterreicher albanischer Herkunft. Er hei\u00dft Arber Marku, stammt aus Diber in Nordmazedonien und lenkt die Geschicke unserer O\u0308sterreichisch-Kosovarischen Freundschaftsgesellschaft als Generalsekreta\u0308r.<\/p>\n<p><strong>Albinfo.at: Israel hat Kosovo endlich auch als eigensta\u0308ndiges Land anerkannt. Was bedeutet dies fu\u0308r Kosovos Zukunft?<\/strong><\/p>\n<p>Es sollten endlich die fu\u0308nf Mitgliedsstaaten der EU, die noch nicht zur gro\u00dfen weltweiten Mehrheit der Anerkennerstaaten geho\u0308ren, die Republik Kosovo ebenfalls anerkennen. Die Anerkennung durch Israel war und ist eine freudige U\u0308berraschung. Ich ha\u0308tte nicht gedacht, dass Israel vor den restlichen EU-Mitgliedsstaaten an der Reihe sein wird. Es ist auch eine perso\u0308nliche Freude fu\u0308r mich, weil mich auch mit dem Staat Israel und seinen Menschen ganz viel Freundschaft und enge Beziehungen verbinden. Israel hat Durchblick und U\u0308bersicht bewiesen, eine zukunftsweisende Entscheidung getroffen und so Spanien, der Slowakei, Ruma\u0308nien, Zypern und Griechenland vorgezeigt, wie es geht. In keinem dieser Staaten hat die<\/p>\n<p>Position gegen die Anerkennung mit dem Kosovo zu tun, vielmehr sind es in jedem einzelnen Fall innenpolitische Gru\u0308nde, die mit dem Kosovo nichts zu tun haben und nicht vergleichbar sind. Die Entscheidung Israels ist eine gro\u00dfe Aufwertung fu\u0308r den Kosovo und erho\u0308ht den Druck auf diese kleine Minderheit der EU-Mitgliedsstaaten, deren Anerkennung fu\u0308r den Kosovo noch aussteht.<\/p>\n<p><strong>Albinfo.at: Sie meinen die EU mu\u0308sse ihre Versprechungen einhalten; z.B. die Visaliberalisierung die sta\u0308ndig hinausgeschoben wird, genehmigen. Schlie\u00dflich du\u0308rfen alle EU-Bu\u0308rgerInnen auch visafrei in den Kosovo reisen und die anderen Westbalkanstaaten haben die Visafreiheit jetzt schon la\u0308nger.Warum wird das weiterhin blockiert, obwohl Kosovo la\u0308ngst die Kriterien dafu\u0308r erfu\u0308llt hat?<\/strong><\/p>\n<p>Es ist extrem a\u0308rgerlich und unfair. Aber es ist auch leicht zu verstehen: Die EU- Vertra\u0308ge \u2013 also quasi die Verfassung der EU \u2013 verlangt, dass die Entscheidungen im EU-Parlament und auch von den Mitgliedsstaaten getroffen werden mu\u0308ssen. Das EU-Parlament hat fu\u0308r die Visaliberalisierung gestimmt. Und die EU-Kommission hat gleichsam amtlich festgestellt, dass der Kosovo die Kriterien fu\u0308r die Visaliberalisierung erfu\u0308llt hat. Bei den Mitgliedsstaaten gibt es aber das Problem, dass Entscheidungen im Bereich Au\u00dfenpolitik einstimmig getroffen werden. Es mu\u0308ssen also ausnahmslos alle dafu\u0308r sein. Und diese Einstimmigkeit haben die Mitgliedsstaaten noch nicht zusammengebracht. Ich als Parlamentarier und eine Mehrheit des Parlaments dra\u0308ngt die Mitgliedsstaaten, endlich zu der Entscheidung zu kommen.<\/p>\n<p><strong>Albinfo.at: Sie waren 2019 Wahlbeobachter in Kosovo und sagten daru\u0308ber: \u201e&#8230;es war die bestorganisierte Wahl in diesem ju\u0308ngsten Staat Europas, der seit 11 Jahren eine Republik ist&#8230;\u201c Sie haben bestimmt auch die letzten Wahlen Feb. 2021 na\u0308her verfolgt, meinen Sie hat sich etwas im Vergleich zu damals vera\u0308ndert?<\/strong><\/p>\n<p>Zusammen mit mehreren EU-Abgeordneten, die enge Kontakte mit dem Kosovo pflegen, habe ich den Parlamentspra\u0308sidenten gedra\u0308ngt, die Pandemie-Regeln aufzuweichen und eine Abgeordneten-Delegation in den Kosovo reisen zu lassen. Der Hauptgrund dafu\u0308r war, dass ich dazu beitragen wollte, dass nicht nach der Wahl falsche Vorwu\u0308rfe u\u0308ber deren Verlauf erhoben werden ko\u0308nnen. Es gibt in der Pandemie keine offiziellen Delegationsreisen des Europaparlaments und auch diese Reise wurde nicht genehmigt. Aber wir konnten erreichen, dass es eine technische Beobachtung seitens der EU \u2013 also ohne Abgeordnete \u2013 gab. Und auch verschiedene internationale Organisationen haben Beobachtung gemacht. Ich bin froh, sagen zu ko\u0308nnen, dass mir bis jetzt keine gro\u0308beren negativen Berichte u\u0308ber die Durchfu\u0308hrung der Wahl zu Ohren gekommen sind. Ich habe daher allen Grund, anzunehmen, dass auch diese Wahl gut organisiert war. Die Demokratie im Kosovo funktioniert sichtlich.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.albinfo.ch\/wp-content\/uploads\/2021\/09\/lukas-mandl4.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-499669\" src=\"https:\/\/www.albinfo.ch\/wp-content\/uploads\/2021\/09\/lukas-mandl4.jpg\" alt=\"\" width=\"650\" height=\"365\" \/><\/a><\/p>\n<p><strong>Albinfo.at: Und gleich im Anschluss darauf, wird Albin Kurti sein Job gut meistern, wie scha\u0308tzen Sie das ein?<\/strong><\/p>\n<p>Albin Kurti und Vjosa Osmani traue ich zu, als Team einen guten Job zu machen. Die beiden sind eine Allianz eingegangen, die ganz klar das Wa\u0308hlervertrauen bekommen hat. Sie ko\u0308nnen das schaffen, was ich den Bu\u0308rgerinnen und Bu\u0308rgern des Kosovo so sehr wu\u0308nsche, was sie verdienen: na\u0308mlich Stabilita\u0308t in den Strukturen und auch in<\/p>\n<p>den Ansprechpartnern, und damit viel Kraft fu\u0308r Reformen nach innen und auch au\u00dfenpolitische Erfolge. Alles das wird wichtig sein. In allen diesen Dingen haben Albin Kurti und Vjosa Osmani so wie auch alle Kolleginnen und Kollegen im kosovarischen Parlament von vielen Seiten viel Unterstu\u0308tzung, natu\u0308rlich auch von meiner Seite. U\u0308berparteiliche Zusammenarbeit wird sowohl fu\u0308r Albin Kurti als auch Vjosa Osmani absolute Pflicht sein, um jene Einigkeit zu schaffen, die fu\u0308r den erwa\u0308hnten Erfolgsweg fu\u0308r die Kosovarinnen und Kosovaren unbedingt notwendig ist.<\/p>\n<p><strong>Albinfo.at: Wie scha\u0308tzen Sie die Zukunftsvisionen und die Chancen fu\u0308r die KosovarInnen in den kommenden Jahrzehnten ein?<\/strong><\/p>\n<p>Es ist politisch viel zu tun. Die Lebensqualita\u0308t, und natu\u0308rlich auch die Bildungschancen, die Gesundheitsversorgung und vieles mehr, ha\u0308ngen von der wirtschaftlichen Entwicklung ab. Auch das Miteinander mit den Nachbarstaaten und mit ganz Europa hat sehr viel mit den wirtschaftlichen Beziehungen zu tun. Weil Menschen, die miteinander wirtschaften, haben auch ein besseres Verha\u0308ltnis. Und die Zukunftschancen der Jungen ha\u0308ngen fast ausschlie\u00dflich von der wirtschaftlichen Entwicklung ab. Wenn es Rechtsstaats-Reformen gibt, werden mehr Investitionen flie\u00dfen, werden Jobs geschaffen, werden auch begabte junge Menschen viele Mo\u0308glichkeiten haben, in ihrem eigenen Land etwas aufzubauen. Es gibt kaum tradierte Industrie. Es gibt eine funktionierende und gute Landwirtschaft. Daru\u0308ber hinaus braucht es Zukunftschancen in neuen, wachsenden Sektoren. Ein solche Sektor kann und muss jener der Digitalisierung sein. Der Kosovo und der gesamte Westbalkan ko\u0308nnen so etwas wie das \u201eSilicon Valley Europas\u201c werden. Dafu\u0308r braucht es keine tradierte Industrie. Aber es braucht junge Menschen mit jener Energie, jenem Bildungshunger, jenem Wissensdurst und jenem Arbeitsflei\u00df, wie es die meisten jungen Kosovarinnen und Kosovaren zeigen.<\/p>\n<p><strong>Albinfo.at: Ein Zitat von Karl Dedecius lautet: \u201eDie ganze Misere unserer Geschichte beruhte immer darauf, dass wir den Osten zu wenig kannten.\u201c Wie wu\u0308rden Sie die Kluft zwischen dem Westen und Osten bzw. Su\u0308dosteuropa beschreiben und worauf wu\u0308rden Sie einen starken Akzent diesbezu\u0308glich setzen?<\/strong><\/p>\n<p>Das ist ein starkes Zitat, das ich noch nicht kannte. Ich verstehe es sehr gut. Und es ist viel Wahres daran, denke ich. Ich erlebe im Europaparlament auch echte Mentalita\u0308tsunterschiede zwischen West- und Osteuropa. Ich sage das ohne jede Wertung. Alle sind Europa\u0308erinnen und Europa\u0308er, geho\u0308ren zusammen und sind in einer Schicksalsgemeinschaft auf diesem Kontinent. Von O\u0308sterreich sagt man gerne, es sei das o\u0308stlichste Land des politischen Westens. Das hat auch viel fu\u0308rsich. Ich finde mich auch innerhalb des Europaparlaments immer wieder in einer Vermittlungsrolle, die ich dann auch sehr gerne ausu\u0308be. Bru\u0308cken zu bauen macht Freude. Und das muss auch zwischen West und Ost sowie zwischen Nord und Su\u0308d in Europa und daru\u0308ber hinaus das Motto mo\u0308glichst vieler Beteiligter sein. Einander zu kennen \u2013 und als Westeuropa\u0308er den Osten und speziell Su\u0308dosteuropa zu kennen \u2013 ist eine wichtige Vorsorge fu\u0308r dauerhaften Frieden und ein gutes Miteinander. Akzente dafu\u0308r kann man nicht nur in der parlamentarischen Arbeit setzen, sondern jede und jeder kann das im eigenen Lebensumfeld. Als O\u0308sterreicher oder Westeuropa\u0308er versa\u0308umt man viel, wenn man sich fu\u0308r den Osten oder Su\u0308dosten zu wenig interessiert.<\/p>\n<p><strong>Albinfo.at: Als wichtigste Baustellen fu\u0308r alle 6 Westbalkanstaaten gelten nach wie vor Justiz, Rechtsstaatlichkeit und Kampf gegen die Korruption. Wie scha\u0308tzen Sie die Zukunft und die Vera\u0308nderungen ein, sind die La\u0308nder genug bemu\u0308ht daran zu arbeiten? Wie sieht die EU das?<\/strong><\/p>\n<p>In der EU gibt es viele Sichtweisen. Diese kommen zusammen in einem neuen Beitrittsprocedere, das fu\u0308r zuku\u0308nftige Aufnahmen gilt, das wir vor einem Jahr erarbeitet und beschlossen haben. Die einzelnen Verhandlungskapitel werden verhandelt, aber abgeschlossen wird jedes einzelne Kapitel erst, wenn alle Kapitel fertig verhandelt sind. Rechtsstaatlichkeit wird das bei allen sechs Westbalkanstaaten ganz wichtig sein. Vielleicht sollten wir die Gru\u0308nde fu\u0308r die Wichtigkeit der Rechtsstaatlichkeit in ihrer Gesamtheit aufza\u0308hlen, das gesamte Spektrum ausleuchten. Denn es geht hier nicht um Bu\u0308rokratie und Papierkram. Es geht um den Kern und die Seele des europa\u0308ischen Lebensmodells. Weil ein gutes Miteinander ist dann mo\u0308glich, wenn Recht gilt und Recht gesprochen wird, und natu\u0308rlich wenn dieses Recht demokratisch und entlang der grund- und freiheitsrechtlichen Orientierungspunkte zustande kommt. Wenn Recht gilt und Recht gesprochen wird, flie\u00dfen Investitionen und werden Jobs geschaffen. Rechtsstaatlichkeit hat also unmittelbar damit zu tun, dass es wirtschaftlich aufwa\u0308rts geht. Und der Kampf gegen Korruption und Organisierte Kriminalita\u0308t erho\u0308ht das gegenseitige Vertrauen in einer Gesellschaft. Das ist fu\u0308r den Frieden und die Haltung der Bu\u0308rgerinnen und Bu\u0308rger entscheidend.<\/p>\n<figure id=\"attachment_499681\" aria-describedby=\"caption-attachment-499681\" style=\"width: 650px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"https:\/\/www.albinfo.ch\/wp-content\/uploads\/2021\/09\/lukas-me-arber-markun.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-499681\" src=\"https:\/\/www.albinfo.ch\/wp-content\/uploads\/2021\/09\/lukas-me-arber-markun.jpg\" alt=\"\" width=\"650\" height=\"650\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-499681\" class=\"wp-caption-text\">Lukas mit Arber Marku, sekret\u00e4r von O\u0308sterreichisch-Kosovarischen Freundschaftsgesellschaft<\/figcaption><\/figure>\n<p><strong>Albinfo.at: Sie betonen die Wichtigkeit der Balkanstabilita\u0308t fu\u0308r die EU immer und immer wieder, ko\u0308nnen Sie fu\u0308r uns das nochmal ganz kurz und simpel erkla\u0308ren?<\/strong><\/p>\n<p>Nur die EU vertritt das europa\u0308ische Lebensmodell. Die USA vertreten a\u0308hnliche Werte, sind aber weit weg, dabei aber dennoch ein willkommener Partner der EU in vielen Fragen. Die EU sucht die Kooperation mit anderen Teilen der Welt. Aber andere Teile der Welt suchen eher die Konfrontation und versuchen, Europa zu schwa\u0308chen; und zwar durch Spaltung unserer Gesellschaften und der EU als Gemeinschaft. Diese Spaltung lassen wir nicht zu. Der Konfrontation begegnen wir mit Abwehr. Aber gleichzeitig suchen wir weiterhin die Konfrontation. Der Westbalkan ist eine Region, in der manche Teile der Welt, die gegen die europa\u0308ischen Werte anka\u0308mpfen und die Konfrontation suchen, die uns spalten wollen, noch immer versuchen, Fu\u00df zu fassen. Das du\u0308rfen wir nicht erlauben. Es ist fu\u0308r ganz Europa wichtig, dass die bewundernswerte und positiv ansteckende proeuropa\u0308ische Haltung der meisten Bu\u0308rgerinnen und Bu\u0308rger des Westbalkan auch in eine echte EU- Integration mu\u0308nden wird. Dafu\u0308r mu\u0308ssen sich die Fu\u0308hrungsebenen in der EU als auch in den sechs Westbalkanstaaten sehr anstrengen. Die Europa\u0308erinnen und Europa\u0308er verdienen das.<\/p>\n<p><strong>Albinfo.at: Die USA sowie der Westen brauchen das albanisch-amerikanische Bu\u0308ndnis, um die Balkankonflikte und Spannungen unter Kontrolle zu halten, und um die russische Einflussnahme auf die slawischen Vo\u0308lker auf dem Balkan im Blick zu behalten. Wie steht da die EU dazu?<\/strong><\/p>\n<p>Die Westbalkanstaaten geho\u0308ren zu Europa, nicht zu den USA. Sie werden hoffentlich Mitgliedsstaaten der EU, nicht Bundesstaaten der USA. Die USA sind der gro\u0308\u00dfte und wichtigste Verbu\u0308ndete der EU und unter der neuen Administration im Wei\u00dfen Haus gibt es auch Signale fu\u0308r ein neues, besseres Miteinander. Ich bin der festen<\/p>\n<p>U\u0308berzeugung, dass die EU im Gespra\u0308ch bleiben muss, niemals Tu\u0308ren zuschlagen darf, sondern aus einer Position der Sta\u0308rke den Kontakt aufrechterhalten und die Kooperation anbieten muss, auch mit Russland. Gleichzeitig muss die EU das U\u0308berschreiten roter Linien von Regimen wie jenem in Russland oder auch jenem in der Tu\u0308rkei mit aller Klarheit sanktionieren. Wir haben einen neuen Sanktionsmechanismus beschlossen, durch den Sanktionen gegen Einzelpersonen besser mo\u0308glich sind. Damit wird unsere Abwehr gegen Angriffe und Spaltungsversuche zielgenauer. Die EU hat viele Brandherde in ganz Europa u\u0308ber Jahrzehnte hinweg gelo\u0308scht. Einst waren auch Deutschland und Frankreich in einer erbitterten Gegnerschaft verhaftet. Heute ist es ganz anders. Und das trifft auf unza\u0308hlige kleinere und gro\u0308\u00dfere fru\u0308here Konfliktzonen zu. Das wird auch am Westbalkan gelingen \u2013 nicht weil die EU das alleine macht, sondern weil die EU den Rahmen bietet, die den Europa\u0308erinnen und Europa\u0308ern jene Freiheit und jene Wertigkeit gibt, in denen sie selbst den Frieden bauen ko\u0308nnen. Die USA waren dabei in der Geschichte eine gro\u00dfe Hilfe und werden das meiner Meinung nach unter der neuen Administration sein.<\/p>\n<p><strong>Albinfo.at: Auswirkungen der Pandemie auf dem Westbalkan und die Intentionen und Pla\u0308ne der EU den La\u0308ndern aus der Krise zu helfen?<\/strong><\/p>\n<p>In der Pandemie hat die EU-Kommission die La\u0308nder des Westbalkan vom ersten Tag an in Sachen Hilfen beinahe wie EU-La\u0308nder behandelt. Das hatte ich aus dem EU- Parlament auch dringend eingefordert. Auch fu\u0308r die Phase der Impfungen gilt, dass im Rahmen der EU-Hilfen und im Rahmen der weltweiten Hilfe fu\u0308r a\u0308rmere Regionen unter dem Titel Covax auch die Westbalkanstaaten unterstu\u0308tzt werden. Fu\u0308r den Kosovo stellt O\u0308sterreich 600.000 Impfdosen zur Verfu\u0308gung. Vorla\u0308ufig sind Impfstoffe aber u\u0308berall knapp. Das gilt auch fu\u0308r China und Russland, die uns vormachen, sie ha\u0308tte Impfstoffe fu\u0308r uns. Das ist in mehrfacher Hinsicht falsch. Erstens braucht die Produktion auch dort ihre Zeit und die eigene Bevo\u0308lkerung ist auch in diesen La\u0308ndern noch lange nicht durchgeimpft. Zweitens werden wir mit diesen Behauptungen gefoppt. Das Ziel ist auch hier, unsere Gesellschaften zu spalten. Die Behauptungen sollen Menschen glauben machen, China und Russland seien weiter in der Impfstoffentwicklung oder -verteilung als Europa. Das stimmt aber nicht. Drittens sind diese so genannten Impfstoffe gar nicht zugelassen. Bei der Zulassung geht es nicht um irgendwelche Formalfragen, sondern um unser aller Leib und Leben, um unsere Gesundheit. Deshalb sind Zulassungsverfahren so wichtig. Sie sollen schnell sein, so schnell wie irgendwie mo\u0308glich. Aber sie sind unumga\u0308nglich. China und Russland haben aber bisher keine Anstalten gemacht, ihre Impfstoffe zur Zulassung einzureichen. Und damit bleibt es dabei, dass Propaganda gemacht wird. Es macht mich traurig, dass Teile Europas \u2013innerhalb und au\u00dferhalb der EU \u2013 dabei mitmachen und einfach mit Notzulassungen \u2013 also ohne korrekten Check \u2013 diese Impfstoffe verwenden. Das ist in gesundheitlicher Hinsicht falsch und spaltet Europa. Ich bin absolut dafu\u0308r, gerne auch chinesischen oder russischen Impfstoff zu verwenden, wenn er verfu\u0308gbar und zugelassen ist. Ersteres ist nur in sehr geringem Ausma\u00df der Fall, zweiteres gar nicht. Fu\u0308r den korrekten Impfplan sind die Westbalkanstaaten beru\u0308cksichtigt. Die Krise hat auch eine gravierende wirtschaftliche Dimension, die uns alle la\u0308nger bescha\u0308ftigen wird als die gesundheitliche. Hier werden die enge Zusammenarbeit und die Voraussetzungen fu\u0308r Investitionen am Westbalkan wichtiger sein als je zuvor.<\/p>\n<p><strong>Albinfo.at: Welche politischen Ziele haben Sie nie aus den Augen verloren?<\/strong><\/p>\n<p>Immer fu\u0308r andere Menschen da zu sein, nicht nur fu\u0308r mich; Dinge zu tun, in denen ich einen echten Sinn sehe; Freude an der politischen Arbeit zu haben; gegen Aggression und Hass sowie fu\u0308r Versta\u0308ndigung und Deeskalation, fu\u0308r ein gutes Miteinander mit Respekt vor der Wu\u0308rde jedes Menschen, fu\u0308r Freiheit und Frieden zu ka\u0308mpfen. Ich bin fu\u0308r jede kleine Hilfe und jede gro\u00dfe Unterstu\u0308tzung auf diesem Weg sehr dankbar. Und ich bin froh, wenn hin und wieder etwas gelingt, das sinnvoll und von Dauer ist.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Box 1<\/strong><\/p>\n<p><strong>Albin Kurti und Vjosa Osmani k\u00f6nnen gemeinsam viel erreichen<\/strong><\/p>\n<p><strong>Albin Kurti und Vjosa Osmani traue ich zu, als Team einen guten Job zu machen. Die beiden sind eine Allianz eingegangen, die ganz klar das Wa\u0308hlervertrauen bekommen hat. Sie ko\u0308nnen das schaffen, was ich den Bu\u0308rgerinnen und Bu\u0308rgern des Kosovo so sehr wu\u0308nsche, was sie verdienen: na\u0308mlich Stabilita\u0308t in den Strukturen und auch in den Ansprechpartnern, und damit viel Kraft fu\u0308r Reformen nach innen und auch au\u00dfenpolitische Erfolge.<\/strong><\/p>\n<p>Box 2<\/p>\n<p><strong><u><a href=\"http:\/\/albinfo.at\/\">Albinfo.at<\/a><\/u><\/strong><strong>: Welche politischen Ziele haben Sie nie aus den Augen verloren?<\/strong><\/p>\n<p><strong>Lukas Mandl: Immer fu\u0308r andere Menschen da zu sein, nicht nur fu\u0308r mich; Dinge zu tun, in denen ich einen echten Sinn sehe; Freude an der politischen Arbeit zu haben; gegen Aggression und Hass sowie fu\u0308r Versta\u0308ndigung und Deeskalation, fu\u0308r ein gutes Miteinander mit Respekt vor der Wu\u0308rde jedes Menschen, fu\u0308r Freiheit und Frieden zu ka\u0308mpfen. Ich bin fu\u0308r jede kleine Hilfe und jede gro\u00dfe Unterstu\u0308tzung auf diesem Weg sehr dankbar. Und ich bin froh, wenn hin und wieder etwas gelingt, das sinnvoll und von Dauer ist.<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eO\u0308sterreich und der Kosovo sind eng verbunden\u201d, betont unter anderem der O\u0308VP-EU-Abgeordnete und Vorsitzender der O\u0308sterreichisch-Kosovarischen Freundschaftsgesellschaft Lukas Mandl gegen\u00fcber albinfo.at.<\/p>\n","protected":false},"author":34,"featured_media":499678,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[24636,3953,22803,24631,1133],"tags":[],"vendi":[],"content_country":[29888,31836,31837],"class_list":["post-499772","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-nachrichten-de-4","category-intervista-de","category-leben-in-osterreich-de","category-nachrichten-de-2","category-e-diaspora-de","content_country-zvicer","content_country-austria-de","content_country-germany-de"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.albinfo.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/499772","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.albinfo.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.albinfo.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.albinfo.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/34"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.albinfo.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=499772"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.albinfo.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/499772\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.albinfo.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/499678"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.albinfo.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=499772"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.albinfo.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=499772"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.albinfo.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=499772"},{"taxonomy":"vendi","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.albinfo.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/vendi?post=499772"},{"taxonomy":"content_country","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.albinfo.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/content_country?post=499772"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}