{"id":541700,"date":"2022-02-21T18:00:41","date_gmt":"2022-02-21T17:00:41","guid":{"rendered":"https:\/\/www.albinfo.ch\/?p=541700"},"modified":"2022-02-20T21:01:29","modified_gmt":"2022-02-20T20:01:29","slug":"campestrini-recht-auf-gesundheit-fuer-alle-kinder","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.albinfo.ch\/de\/campestrini-recht-auf-gesundheit-fuer-alle-kinder\/","title":{"rendered":"Campestrini: Recht auf Gesundheit f\u00fcr alle Kinder"},"content":{"rendered":"<p>Ich schrieb Elisabeth Campestrini auf Albanisch an, wohl nicht wissend, dass sie aus \u00d6sterreich kommt. Ihr herausragender Einsatz f\u00fcr die albanische Kommunit\u00e4t lie\u00df mich annehmen, dass sie Albanerin ist. Elisabeth ist eine faszinierende Pers\u00f6nlichkeit, sie setzte sich mit voller Kraft f\u00fcr viele Menschen ein. Nach ihrem Jurastudium konzentrierte sie sich auf die besondere Situation von Menschen, die als Fl\u00fcchtlinge nach \u00d6sterreich kamen.<\/p>\n<p>\u201eDas waren Erfahrungen, die mich f\u00fcr immer pr\u00e4gten. Ich hatte immer gro\u00dfen Respekt vor der Energie und W\u00fcrde mit der Menschen, oft schier unglaublich schwierige Schicksale zu meistern verm\u00f6gen \u2013 auch wenn sie weit entfernt von ihrer Heimat sind\u201c, &#8211; erz\u00e4hlte sie f\u00fcr Albinfo.at. Ihrer Laufbahn folgten Auslandsaufenthalte bei der UN in New York und in Genf im Menschenrechtsbereich, f\u00fcr das BmeIA in Wien (\u00d6sterreichisches Au\u00dfenministerium), Arbeiten mit diversen NGOs und als Selbst\u00e4ndige dann sp\u00e4ter Beratungst\u00e4tigkeiten im Bereich Gesundheitssystementwicklung mit Fokus auf Schwellenl\u00e4nder und im Bereich betriebliche Gesundheitsf\u00f6rderung f\u00fcr diverse Firmen in \u00d6sterreich. Dar\u00fcber hinaus verf\u00fcgt sie \u00fcber einen Master in \u201eInternational Health Management\u201c. Seit 2016 ist Elisabeth Campestrini Teamleiterin f\u00fcr den Gesundheitsbereich in der \u00f6sterreichisch-kosovarischen Freundschaftsgesellschaft (\u00d6KFG).<\/p>\n<p>Die \u00f6sterreichisch-kosovarische Freundschaftsgesellschaft leistet durch Ihre Mitglieder eine bemerkenswerte Arbeit: \u201eWir arbeiten hier als Teammitglieder alle ehrenamtlich f\u00fcr eine Verbesserung des Gesundheitssystems im Kosovo. Gemeinsam \u2013 auf Initiative vom Pr\u00e4sidenten der \u00d6KFG MEP Mag. Lukas Mandl &#8211; haben wir auch bereits Herrn Bundespr\u00e4sident van der Bellen von der Herausforderung der Gesundheitssituation im Kosovo berichten d\u00fcrfen und und seine Unterst\u00fctzung daf\u00fcr erhalten.\u201c<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.albinfo.ch\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/elisabeta.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-541690\" src=\"https:\/\/www.albinfo.ch\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/elisabeta.jpg\" alt=\"\" width=\"600\" height=\"900\" \/><\/a><\/p>\n<p><strong>Ihre Arbeit im Kosovo<\/strong><\/p>\n<p>Als OSZE Menschenrechtsbeauftragte in Gjilan im Kosovo lernte sie von 2002 bis 2004 f\u00fcr 2 Jahre den Kosovo kurz nach dem Krieg zum ersten Mal kennen. F\u00fcr sie war das ein spannende, sehr bereichernde und gleichzeitig eine bis heute pr\u00e4gende Zeit. \u201eErstens war es mir als Menschenrechtsjuristin immer ein wichtiges Anliegen gewesen, mehr \u00fcber den Hintergrund der Menschen zu erfahren, die zu uns kamen. Und da war ich im Kosovo genau richtig gelandet. Von Anbeginn meiner Zeit im Kosovo \u00f6ffneten mir sehr oft viele Menschen schnell, offen und wohlwollend die T\u00fcren&#8230;Eine Tatsache, die ich als Fremde nat\u00fcrlich sehr sch\u00e4tzte, die mich aber gleichzeitig auch nachdenklich macht, wenn ich dar\u00fcber nachdenke, wie wenig offen bis sogar ablehnend Menschen in \u00d6sterreich manchmal zu Ausl\u00e4ndern sein k\u00f6nnen.\u201c,-erw\u00e4hnte sie uns gegen\u00fcber. Die damalige Arbeit beruhte auf dem Aufbau eines Frauenhauses f\u00fcr Opfer h\u00e4uslicher Gewalt in Gjilan, das 2004 nach dem Vorbild eines Frauenhauses in Wien er\u00f6ffnet wurde. Elisabeth betont immer wieder, dass ihr ein immenses Anliegen ist, ihre Arbeit mit den vielen Fachexpertinnen von vor Ort, wie \u00c4rztinnen, Sozialarbeiterinnen, NGO Vertreterinnen, \u00d6konomen und auch Politikerinnen zu verkn\u00fcpfen. Dies sei eine wichtige Grundlage, wie sie weiter erkl\u00e4rt: &#8220;Die Fachexpertinnen vor Ort wissen letztendlich immer am besten was konkret f\u00fcr ihr Heimatland zu tun ist. Ideal ist dabei auch die Zusammenarbeit mit den vielen Fachexpertinnen in der Diaspora in \u00d6sterreich. Sie kennen beide L\u00e4nder: ein 100% Win-Win. Im Rahmen dieser Arbeiten spielte auch das Thema der mangelnden Gesundheitsversorgung von Frauen und Kindern von Anbeginn eine gro\u00dfe Rolle. Das gemeinsame Arbeiten f\u00fchrte damals unter uns allen, die wir daran mitarbeiteten, schnell auch zu einem besseren Sich-Gegenseitig-Kennenlernen und Vertrauen und zu pers\u00f6nlichen Gespr\u00e4chen am Abend nach getaner Arbeit&#8230;So entstanden gute Freundschaften, die bis heute halten.\u201c Umso intensiver man ein Volk kennenlernt, desto besser kann man sich in dessen Lage hineinversetzen. Da kann man auf einer anderen Ebene helfen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Die besondere Liebe f\u00fcr den Kosovo<\/strong><\/p>\n<p>Wie so oft im Leben, pr\u00e4gen uns besondere Ereignisse am meisten. W\u00e4hrend der Arbeiten am Frauenhaus 2003-2004 wurde sie vom damaligen Direktor der Abteilung f\u00fcr Gesundheit und Soziales der Stadt Gjilan, einem Kinderarzt gefragt, ob sie nicht mit ihren Verbindungen zu \u00f6sterreichischen Spit\u00e4lern und anderen Entscheidungstr\u00e4gerinnen in \u00d6sterreich einem zu diesem Zeitpunkt bereits schwer an Krebs erkrankten kleinen Kind aus Gjilan helfen k\u00f6nnte. \u201eSelbstverst\u00e4ndlich sagte ich damals zu und schnell waren wir dann auch schon eine gr\u00f6\u00dfere Gruppe einer Reihe engagierter Menschen aus dem Kosovo, \u00d6sterreich, Deutschland und Albanien. Wir versuchten damals unser M\u00f6glichstes! Leider verstarb nach einem Jahr unseres Bem\u00fchens der kleine Shendrit dennoch. Zur\u00fcck blieben wir damals nicht nur sehr traurig, sondern auch ohnm\u00e4chtig und ehrlich gesagt auch ein St\u00fcck w\u00fctend. Warum hatten die vielen Gelder, die in den Kosovo aus internationalen T\u00f6pfen seit 1999 bereits geflossen waren nicht auch sicherstellen k\u00f6nnen, dass kranke Menschen im Kosovo menschenw\u00fcrdig versorgt werden k\u00f6nnen? Gilt das Menschenrecht auf Gesundheit nicht f\u00fcr alle?\u201c,- stellt sie die berechtigte Frage. Die Haupts\u00e4ulen der Gesundheitsprojekte Im Rahmen einer Dissertation zum Thema \u201eGesundheitssystementwicklung im Kosovo: Herausforderungen und Potentiale\u201c lernte Elisabeth erst einmal so richtig die Komplexit\u00e4t der Probleme des Gesundheitsbereiches im Kosovo kennen. Im Kosovo gibt es immer noch viel zu tun. Um eine effektive und konsequente Umsetzung von neuen Strukturen zu erm\u00f6glichen, sind unter anderem folgende Projekte von Bedeutung. Die Telemedizin: \u201eMit der Telemedizin erwarten wir uns gerade in Zeiten von Corona ganz wichtige und weitreichende Ver\u00e4nderungsm\u00f6glichkeiten. Sich online zu vernetzen und somit gemeinsam auch \u00fcber gro\u00dfe Distanzen zusammenarbeiten zu k\u00f6nnen kann in der Telemedizin von Beratungen zwischen medizinischen Fachexpertinnen bis hin zu gemeinsamen Behandlungen einzelner Patientinnen f\u00fchren und somit zu gro\u00dfen positiven Ver\u00e4nderungen f\u00fcr die Patientinnen f\u00fchren&#8230;Mit BEST PRACTICE aus \u00d6sterreich, adaptiert an die Bed\u00fcrfnisse vor Ort \u2013 das ist uns ganz wichtig, erhoffen wir im Kosovo dann die Standards jetzt vorerst einmal im Bereich der P\u00e4diatrie an \u00d6sterreich langsam anzugleichen. Sp\u00e4ter d\u00fcrfen dann auch gerne andere fachmedizinische Bereich folgen.\u201c,- erkl\u00e4rt uns Elisabeth.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.albinfo.ch\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/elisabeth5.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-541694\" src=\"https:\/\/www.albinfo.ch\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/elisabeth5.png\" alt=\"\" width=\"600\" height=\"403\" \/><\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Das Mutter-Kind-Pass Projekt<\/strong><\/p>\n<p>Mit dem Mutter-Kind-Pass Kosovo soll zuerst einmal im diagnostischen Bereich f\u00fcr schwangere M\u00fctter und Kinder bis 5 Jahre und 2 Monate nach Vorbild des \u00f6sterreichischen Mutter-Kind-Passes die M\u00f6glichkeit auch im Kosovo er\u00f6ffnen werden, dass alle M\u00fctter und Kinder w\u00e4hrend der Schwangerschaft und die Kinder dann auch von Geburt an bestm\u00f6glich und regelm\u00e4\u00dfig medizinisch untersucht werden. Dies soll unabh\u00e4ngig von deren finanziellen M\u00f6glichkeiten geschehen. Und dabei soll auch ein besonderer Fokus auf die Minderheiten im Kosovo gelegt werden. Besonders f\u00fcr Roma, Ashkali und Egyptians ist die Gesundheit bei Kindern von fr\u00fch an evidenzbasiert verbesserbar. Alle Eltern wollen gesunde Kinder. Zudem soll auf der Behandlungsebene eine kontinuierliche Begleitung der medizinischen Fachexpertinnen vor Ort im Bereich der Kinder- und Jugendmedizin durch \u00f6sterreichische Fachexpertinnen mittels Telemedizin erm\u00f6glicht werden. \u201eKonkret hei\u00dft das, dass Schritt f\u00fcr Schritt die Behandlungsstandards im Kosovo auch an \u00f6sterreichische Standards angepasst werden k\u00f6nnen. Da es vor Ort ein riesengro\u00dfes Spektrum an Krankheiten in der Kinder- und Jugendmedizin gibt, in dem Ver\u00e4nderung sinnvoll sein kann, haben wir uns nun zuerst entschieden mit den Krankheiten beginnen, die durch die teilweise verheerende Umweltsituation im Kosovo bedingt sind. Bereits 2013 und 2014 haben die WHO und die Weltbank Untersuchungen im Kosovo angestellt und alarmierend auf die enge Verkn\u00fcpfung zwischen der Umweltsituation und den verschiedenen Erkrankungsformen hingewiesen. Leider ist dazu bisher nur sehr wehr wenig passiert, trotzdem es ausgezeichnete Fachexpertinnen genau zu diesem Themenbereich im Kosovo bereits gibt. Bei Kindern gibt es da z.B. im Bereich Asthma, aber auch bei schwereren Erkrankungen wie Lungenkarzinom oder Leuk\u00e4mie sehr gro\u00dfen Handlungsbedarf. Die WHO und die Weltbank haben dazu bereits 2013 und 2014 genaue Untersuchungen gemacht\u201c,- sagt Campestrini gegen\u00fcber Albinfo.at.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.albinfo.ch\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/elisabeth1.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-541697\" src=\"https:\/\/www.albinfo.ch\/wp-content\/uploads\/2022\/02\/elisabeth1.jpg\" alt=\"\" width=\"600\" height=\"381\" \/><\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Die n\u00e4chsten Ziele und Schritte<\/strong><\/p>\n<p>Das Projekt des Mutter-Kind-Passes soll nach Absprache mit den Regierungsvertreterinnen so bald wie m\u00f6glich umgesetzt werden. Geplant sei anhand dieses Prozesses auch die Einf\u00fchrung des Passes in benachbarten L\u00e4ndern wie Albanien und Nordmazedonien \u2013 im Westbalkan insgesamt. Das wichtigste dabei ist, m\u00f6glichst viele M\u00fctter und Kinder zu erreichen. Gleichzeitig k\u00f6nnen \u00fcber die Telemedizin auch kurative Prozesse im Bereich der Kinder- und Jugendmedizin begonnen werden. \u201eGemeinsam mit Vertreterinnen der Medizinischen Universit\u00e4t Wien, mit der \u00c4rztekammer \u00d6sterreich, mit der GOEG (Gesundheit \u00d6sterreich GmbH), mit dem Ludwig-Boltzmann Institut f\u00fcr Patient Safety und Digital Health und mit vielen anderen Fachexpertinnen haben wir die Situation im Kosovo schon mehrmals besprochen. Teilweise waren die Vertreterinnen dieser Institutionen auch bereits vor Ort im Kosovo. Jetzt geht es darum bald mit der konkreten Arbeit zu starten. Ich freue mich schon auf ein spannendes, umsetzungsstarkes und f\u00fcr die jungen Patientinnen in Kosovo hoffentlich bald erfolgreiches neues Kapitel. Weil nicht zuletzt &#8211; das Recht auf Gesundheit gilt f\u00fcr ALLE weltweit. Und das ist auch gut so!\u201c<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich freue mich schon auf ein spannendes, umsetzungsstarkes und f\u00fcr die jungen Patientinnen in Kosovo hoffentlich bald erfolgreiches neues Kapitel. Weil nicht zuletzt &#8211; das Recht auf Gesundheit gilt f\u00fcr ALLE weltweit. 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