{"id":580329,"date":"2022-08-10T18:20:55","date_gmt":"2022-08-10T16:20:55","guid":{"rendered":"https:\/\/www.albinfo.ch\/?p=580329"},"modified":"2022-08-09T22:38:17","modified_gmt":"2022-08-09T20:38:17","slug":"peter-paul-wiplinger-ein-wertvoller-literatur-brueckenbauer","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.albinfo.ch\/de\/peter-paul-wiplinger-ein-wertvoller-literatur-brueckenbauer\/","title":{"rendered":"Peter Paul Wiplinger &#8211; ein wertvoller Literatur-Br\u00fcckenbauer"},"content":{"rendered":"<p>In ein anderes Land als das Herkunftsland zu kommen, bedeutet f\u00fcr einen jungen K\u00fcnstler, sich einer neuen, unbekannten Realit\u00e4t zu stellen.\u00a0Die Sprache, das wichtigste Kommunikationsmittel, ist die erste Herausforderung, der er sich stellen muss.\u00a0Dass sein Name, die Anzahl der von ihm ver\u00f6ffentlichten B\u00fccher oder die Preise, die er bis dahin gewonnen haben mag, der heimischen K\u00fcnstlergemeinschaft nichts sagen, wird durch meine Erfahrung in den ersten Tagen meines Aufenthalts in Wien best\u00e4tigt.\u00a0Dies ist eine Zeit, in der sich der Mensch oft selber fragt, wieviel und welche Zukunft es f\u00fcr ihn gibt.\u00a0Aber wenn das Schicksal will, dass man in den ersten Monaten oder Jahren die richtige Person zur richtigen Zeit trifft, wie es bei meiner Bekanntschaft mit Peter Paul Wiplinger der Fall war, dann wird der Weg leichter.<\/p>\n<figure id=\"attachment_580320\" aria-describedby=\"caption-attachment-580320\" style=\"width: 600px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"https:\/\/www.albinfo.ch\/wp-content\/uploads\/2022\/08\/thumbnail_foto-nga-ora-letrare-me-p.p.wiplinger-vjene-25.06.2019.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-580320\" src=\"https:\/\/www.albinfo.ch\/wp-content\/uploads\/2022\/08\/thumbnail_foto-nga-ora-letrare-me-p.p.wiplinger-vjene-25.06.2019.jpg\" alt=\"\" width=\"600\" height=\"450\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-580320\" class=\"wp-caption-text\">Foto &#8211; Von links: Hazir Mehmeti, Peter Paul Wiplinger und Anton Marku (Wien, 25.06.2019)<\/figcaption><\/figure>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Unser erstes Treffen fand im Sommer 2010 statt, gefolgt von vielen weiteren, oft an sp\u00e4ten Abenden in der Gesellschaft bei gutem Wein, bei der \u00fcber Kunst und Literatur diskutiert wurde. Tag f\u00fcr Tag tauchten neue Themen auf, da ich Anfang 2011 mit einigen Schriftstellern aus dem Kosovo und Albanien den Bund albanischer Schriftsteller und K\u00fcnstler in \u00d6sterreich mitbegr\u00fcndete, dem wir den Namen des international ber\u00fchmten albanisch-\u00f6sterreichischen Theaterschauspielers Aleksander Moisiu gaben, welcher in den 30er Jahren des letzten Jahrhunderts der bekannteste Schauspieler im deutschsprachigen Raum war. Zwei Jahre sp\u00e4ter begannen wir auf Initiative von Peter Paul Wiplinger, der inzwischen als erstes Ehrenmitglied in unseren Verein aufgenommen wurde, Lesungen auf Deutsch zu organisieren. Er hat uns durch seine Kontakte die T\u00fcren vieler \u00f6sterreichischer Einrichtungen ge\u00f6ffnet, darunter die des PEN-Clubs und des \u00d6sterreichischen SchriftstellerInnenverbandes. Diesem Engagement folgte die Unterst\u00fctzung bei der Vorbereitung und Herausgabe der ersten Anthologie albanischer Schriftsteller in \u00d6sterreich mit dem Titel \u201eIllyricum I\u201c, die 2012 anl\u00e4sslich des 100. Jahrestages der Unabh\u00e4ngigkeitserkl\u00e4rung Albaniens erschienen ist.<\/p>\n<p>In den folgenden Jahren nahm Peter Paul Wiplinger an vielen von uns organisierten Veranstaltungen und Buchpr\u00e4sentationen teil und unterst\u00fctzte uns bei der Herausgabe eigener B\u00fccher, so auch bei meinem ersten deutschsprachigen Gedichtband \u201edu meine stimme\u201c (2018), f\u00fcr die er auch der ,,Pate\u2018\u2018 des Titels war, der das Korrekturlesen und Lektorat \u00fcbernahm, sowie das Vorwort daf\u00fcr schrieb. Durch ihn wurde \u00d6sterreich f\u00fcr viele von uns nicht nur geografisch, sondern auch sprachlich zur Heimat. Er war jedoch stets davon \u00fcberzeugt, dass die beste Literatur in der Muttersprache geschrieben wird, da es fast unm\u00f6glich ist, Emotionen zu \u00fcbersetzen oder zu \u00fcbertragen.<\/p>\n<figure id=\"attachment_580326\" aria-describedby=\"caption-attachment-580326\" style=\"width: 600px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"https:\/\/www.albinfo.ch\/wp-content\/uploads\/2022\/08\/thumbnail_interkulturelle-buchprasentation-2019-05-10-2.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-580326\" src=\"https:\/\/www.albinfo.ch\/wp-content\/uploads\/2022\/08\/thumbnail_interkulturelle-buchprasentation-2019-05-10-2.jpg\" alt=\"\" width=\"600\" height=\"400\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-580326\" class=\"wp-caption-text\">Interkulturelle Buchpr\u00e4sentation, Wien<\/figcaption><\/figure>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Peter Paul Wiplinger ist ein Freund von uns, einer der besten, die wir je hatten.\u00a0Als solchen werden wir ihn immer lieben und sch\u00e4tzen.\u00a0Er setzte die Kommunikation und Zusammenarbeit mit albanischen Schriftstellern fort, die er in den 70er und 80er Jahren durch die Teilnahme an literarischen Aktivit\u00e4ten im ehemaligen Jugoslawien, wo die Mauern gegen die Freiheit dick waren, begonnen hatte, und bei denen er, unter anderem, mit den bekannten kosovarischen Dichtern Ali Podrimja und Ibrahim Rugova, begegnet war.<\/p>\n<p>Peter Paul Wiplinger geh\u00f6rt zu jenen \u00f6sterreichischen und europ\u00e4ischen Schriftstellern, welche die Spitze erreicht haben, ohne jemals an der Spitze zu stehen. Er hat diese Stellung erreicht, ohne sich in die erste Reihe zu setzen, wo er aber hingeh\u00f6rt, sondern er stand immer bescheiden hinten, von wo aus aber alles besser \u00fcberblickt und klarer gesehen werden kann. Seine Texte, insbesondere die des Feuilletons, sind leicht verst\u00e4ndlich, aber tiefgr\u00fcndig; und zugleich oft rebellisch, jedenfalls sehr eigenst\u00e4ndig; genauso wie seine Seele, die keinesfalls Unrecht ertr\u00e4gt, sondern diesem seine st\u00e4rkste Waffe entgegensetzt: das Wort. Andererseits ist er in der Poesie ein leidenschaftlicher Aufsp\u00fcrer des Neuen, der es zugleich schafft, bis in das Innerste des Menschen, in sein Unbekanntes, vorzudringen, was seinen Versen einen nat\u00fcrlichen Fluss, Gedankenharmonie und Ausdruck von unvergleichlicher Eleganz verleiht. Das Schreiben bleibt seine ,,Lebensaufgabe\u2018\u2018, wie er selbst sagt. Er ist aber nicht nur ein Literatur-Br\u00fcckenbauer, sondern auch ein w\u00fcrdiger Sprecher und Besch\u00fctzer, einer der Besonderen\u00a0in der Geschichte der Freundschaft zwischen der Kultur \u00d6sterreichs und der V\u00f6lker des Balkans, die ja nach einem Ausspruch des Kaiserzeit-Staatskanzlers Metternich bereits in Wien am Rennweg beginnt.<\/p>\n<p><strong>Box: Peter Paul Wiplinger ist ein Freund von uns, einer der besten, die wir je hatten.\u00a0Als solchen werden wir ihn immer lieben und sch\u00e4tzen.<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Peter Paul Wiplinger geh\u00f6rt zu jenen \u00f6sterreichischen und europ\u00e4ischen Schriftstellern, welche die Spitze erreicht haben, ohne jemals an der Spitze zu stehen. 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