{"id":64591,"date":"2013-09-24T08:54:35","date_gmt":"2013-09-24T06:54:35","guid":{"rendered":""},"modified":"2013-09-28T09:41:21","modified_gmt":"2013-09-28T07:41:21","slug":"gesundheitsdienstleistungen-ohne-sprachbarrieren","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.albinfo.ch\/de\/gesundheitsdienstleistungen-ohne-sprachbarrieren\/","title":{"rendered":"Gesundheitsdienstleistungen ohne Sprachbarrieren"},"content":{"rendered":"<p>Selbstverst\u00e4ndlich haben Menschen ausl\u00e4ndischer Herkunft einen gleichberechtigten Zugang zu medizinischen Leistungen in der Schweiz, wie alle andern Personen auch. Doch ist die Nutzung dieser Leistungen oft mit spezifischen, haupts\u00e4chlich auf Sprach- und Verst\u00e4ndnisschwierigkeiten beruhenden Problemen verbunden. Um diese Probleme zu mildern bzw. um auch bei der \u00e4rztlichen Behandlung von Angeh\u00f6rigen der Bev\u00f6lkerung mit Migrationshintergrund gen\u00fcgend Wirksamkeit zu gew\u00e4hrleisten, ist bis 2017 ein Projekt auf nationaler Ebene im Gang, das \u00dcbersetzungs- und Dolmetschdienstleistungen in den Spit\u00e4lern unterst\u00fctzt.<\/p>\n<p>\u00dcbersetzungsdienstleistungen als Hilfsmittel bei der Gew\u00e4hr wirkungsvoller Gesundheitsdienstleistungen f\u00fcr Ausl\u00e4nderinnen und Ausl\u00e4nder waren in einem weiteren Sinne das Hauptthema der ersten Konferenz \u00fcber Gesundheit und Migration, die Ende letzter Woche in Bern stattfand. Nebst Tr\u00e4gern von einzelnen regionalen Projekten f\u00fcr einen besseren Zugang von Migrantinnen und Migranten zu medizinischen Dienstleistungen nahmen an der Konferenz auch Fachleute aus dem einheimischen staatlichen Gesundheitsbereich teil. Das Spektrum wurde erg\u00e4nzt durch Beitr\u00e4ge aus dem Ausland, in denen Vertreter prestigetr\u00e4chtiger Universit\u00e4tsspit\u00e4ler der USA, der Niederlande etc. von ihren Erfahrungen berichteten. Unter anderem sprachen Alexander R. Green vom Massachusetts General Hospital und Professor an der Medizinischen Fakult\u00e4t von Harvard, David Ingelby von der Universit\u00e4t Amsterdam und andere.<\/p>\n<p>Serge Houmard, Koordinator von \u201cMigrant Friendly Hospital Project\u201d, stellte zu Beginn die Ziele der Konferenz vor, n\u00e4mlich die Gew\u00e4hr des Zugangs zu medizinischen Dienstleistungen f\u00fcr alle ohne Unterschied nach Sprache und Herkunft, die Gew\u00e4hr von Verst\u00e4ndigung trotz sprachlicher Barrieren etc.<\/p>\n<p><strong>BAG: Bald soll der G\u00fcrtel enger geschnallt werden<\/strong><\/p>\n<p>Die Konferenz wurde im Namen des Bundesamtes f\u00fcr Gesundheit (BAG) von dessen Vizedirektor Stefan Spycher er\u00f6ffnet. Er stellte die Strategie &#8220;Gesundheit 2020&#8221; des BAG vor und nahm an den teilweise heftig gef\u00fchrten Diskussionen der Konferenz teil.<\/p>\n<p>2017 l\u00e4uft das Projekt mit dem Budget f\u00fcr die \u00dcbersetzungen in den Spit\u00e4lern aus. Bis dann wird \u00fcber eine allf\u00e4llige andere L\u00f6sung politisch entschieden werden m\u00fcssen, teilte Spycher mit.&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; &nbsp;&nbsp;&nbsp; Die Gew\u00e4hr von Qualit\u00e4t bei medizinischen Dienstleistungen f\u00fcr die eingewanderte Bev\u00f6lkerung bedingt Investitionen in die Qualit\u00e4t des \u00dcbersetzens und Dolmetschens. Diese Investitionen sind jedoch kostspielig und nicht immer sind die Beh\u00f6rden bereit, sie zu \u00fcbernehmen. Um diesen Widerspruch ging es auch in den Diskussionen zwischen den Konferenzteilnehmern.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die Vertreter der Spit\u00e4ler forderten, die Projekte zur Unterst\u00fctzung der \u00dcbersetzerinnen seien weiterzuf\u00fchren und zu f\u00f6rdern, w\u00e4hrend vom BAG diesbez\u00fcglich Bremssignale kamen. Das Bundesamt ist der Meinung, die Kantone und Spit\u00e4ler m\u00fcssten selbst alternative und kreative L\u00f6sungen finden und nicht erwarten, dass der Bund diesen Bereich des Gesundheitswesen langfristig finanziere.<\/p>\n<p>Erfahrungen aus den USA bez\u00fcglich Probleme mit fremdsprachigen Patienten brachte Lourdes Sanchez vom Universit\u00e4tsspital New York ein. Rund 20% der US-amerikanischen Bev\u00f6lkerung oder 55 Millionen Personen sprechen zuhause eine andere Sprache als Englisch. 37,6 Millionen von diesen wiederum sprechen Spanisch, sagte Sanchez. Sie berichtete, dass es betreffend Dolmetschen in den Spit\u00e4lern keine einheitliche L\u00f6sung f\u00fcr die ganze USA gebe, sondern dass es F\u00e4lle gebe, wie im Boston Medical Center, wo ein spezieller Dienst f\u00fcr die \u00dcbersetzung ins bzw. aus dem Spanischen zur Verf\u00fcgung stehe, etc.<\/p>\n<p>Interessant war das&nbsp; an der Konferenz vorgestellte Modell der Spit\u00e4ler des Kantons Solothurn, die ein gemeinsames Netz f\u00fcr \u00dcbersetzungsdienstleistungen f\u00fcr die Patienten haben. Diese schwierige Aufgabe werde von allen Beteiligten mit viel Einsatz&nbsp; umgesetzt, urteilten die Tr\u00e4ger des Netzes.<\/p>\n<p><strong>58% der Patientinnen sind ausl\u00e4ndischer Herkunft!<\/strong><\/p>\n<p>Dr. Sylvie Schuster vom Universit\u00e4tsspital Basel berichtete detailliert von den Erfahrungen aus den \u00dcbersetzungseins\u00e4tzen, mit welchen dieses Spital vergleichsweise fr\u00fch begonnen hatte. Gem\u00e4ss Statistik lebten 1987 in Basel 20% Ausl\u00e4nder. Bis 2011 wuchs dieser Anteil auf 33% an, was deutlich \u00fcber dem Schweizer Durchschnitt liegt. Doch der Anteil der in den Spit\u00e4lern behandelten ausl\u00e4ndischen Personen ist noch h\u00f6her, n\u00e4mlich 35,6%. Im Frauenspital sind sogar 58% der Patientinnen ausl\u00e4ndischer Herkunft, hob Dr. Schuster hervor!<\/p>\n<p>26% der in den Basler Spit\u00e4lern Besch\u00e4ftigten sind urspr\u00fcnglich aus dem Ausland. Der \u00dcbersetzungsdienst im Universit\u00e4tsspital funktioniert seit 1987. Anf\u00e4nglich wurde nur ins und aus dem T\u00fcrkischen \u00fcbersetzt, w\u00e4hrend heute 75 Sprachen gedolmetscht werden.<\/p>\n<p>Nebst der Schilderung von guten und weniger guten Erfahrungen drehte sich die Diskussion im Verlauf der Konferenz mehr oder weniger um folgende Fragen: Zahlt sich Qualit\u00e4t aus, muss beim \u00dcbersetzen gespart werden und die Frage nach dem ethischen Dilemma, in das ein solches Sparen f\u00fchrt. Sparen in diesem Bereich stellt aus Sicht des humanit\u00e4ren \u00e4rztlichen Berufsbilds die Pflicht in Frage, allen ohne Unterschied medizinischen Beistand zu leisten. Unkenntnis der Sprache darf kein Hindernis bei der Nutzung dieser qualifizierten Gesundheitsdienstleistungen sein. Doch gab es auch Ans\u00e4tze, die von den Patienten ausl\u00e4ndischer Herkunft verlangten, nicht zu erwarten, dass alles bereit sei, sondern sich die M\u00fche zu nehmen, die Sprachen des Landes, in dem sie lebten, zu lernen.<\/p>\n<p> <strong>Bodenmann: Wir m\u00fcssen die Qualit\u00e4t der Kommunikation mit den Patienten ausl\u00e4ndischer Herkunft verbessern<\/strong><\/p>\n<p>Professor Patrick Bodenmann vom Universit\u00e4tsspital Lausanne ist einer der Organisatoren der Konferenz. Gegen\u00fcber <a href=\"http:\/\/albinfo.ch\">albinfo.ch<\/a>&nbsp; betont er im Gespr\u00e4ch \u00fcber die Ziele der Konferenz, dass auch Migranten unbedingt in den Genuss wirkungsvoller medizinischer Dienstleistungen kommen m\u00fcssen, unabh\u00e4ngig von sprachlichen Barrieren.<\/p>\n<p>Bodenmann erz\u00e4hlt von seinen pers\u00f6nlichen Erfahrungen und denjenigen des Lausanner Universit\u00e4tsspitals mit den Patientinnen und Patienten, die in den 90er-Jahren als Fl\u00fcchtlinge aus den Kriegsgebieten im Balkan kamen. Sie h\u00e4tten das Spital veranlasst, sich ernsthafter mit dem Aufbau eines starken \u00dcbersetzungs- und Dolmetschdienstes zu befassen.<\/p>\n<p>Er sagt, nicht wenige Schweizer, die hier geboren und aufgewachsen seien, h\u00e4tten ebenfalls Schwierigkeiten beim Verst\u00e4ndnis medizinischer Ausdr\u00fccke und h\u00e4tten in der Folge nicht gen\u00fcgend Kenntnis von ihrem Gesundheitszustand. &#8220;Die F\u00e4higkeiten zum Verst\u00e4ndnis von Konzepten sind unterschiedlich, je nach Bildungsgrad der Patienten. Wir verbessern unsere beruflichen Kompetenzen, doch wir m\u00fcssen auch Fortschritte in der Kommunikation mit den Patientinnen und Patienten, vor allem denjenigen ausl\u00e4ndischer Herkunft, machen&#8221;, unterstrich Bodenmann unter anderem.<\/p>\n<p> Blerim Shabani<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Unkenntnis der Sprache darf kein Hindernis bei der Nutzung qualitativ guter Gesundheitsdienstleistungen sein, hiess es an der Nationalen Konferenz \u00fcber Gesundheit und Migration unter anderem<\/p>\n","protected":false},"author":19,"featured_media":47040,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1146,1188,1140],"tags":[],"vendi":[],"content_country":[],"class_list":["post-64591","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-gesundheit","category-shkurt-ch-de","category-leben-in-der-schweiz"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.albinfo.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/64591","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.albinfo.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.albinfo.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.albinfo.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/19"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.albinfo.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=64591"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.albinfo.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/64591\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.albinfo.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/47040"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.albinfo.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=64591"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.albinfo.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=64591"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.albinfo.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=64591"},{"taxonomy":"vendi","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.albinfo.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/vendi?post=64591"},{"taxonomy":"content_country","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.albinfo.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/content_country?post=64591"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}