{"id":64618,"date":"2013-11-05T10:06:46","date_gmt":"2013-11-05T09:06:46","guid":{"rendered":""},"modified":"2013-11-08T11:55:02","modified_gmt":"2013-11-08T09:55:02","slug":"entwicklung-dank-der-diaspora--realistische-erwartung-oder-illusion","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.albinfo.ch\/de\/entwicklung-dank-der-diaspora--realistische-erwartung-oder-illusion\/","title":{"rendered":"Entwicklung dank der Diaspora &#8211; realistische Erwartung oder Illusion?"},"content":{"rendered":"<p>Der Umfang der \u00dcberweisungen der Diaspora aus der Schweiz nach Kosova nahm mit der Zeit ab, was auch verst\u00e4ndlich ist. Um diesen Trend zu illustrieren, zitierte Kurt Kunz, Leiter des DEZA-Direktionsbereichs Ostzusammenarbeit, zu Beginn der Diskussion eine Studie, die mit Unterst\u00fctzung der DEZA vor vier Jahren realisiert wurde. &#8220;Die Studie zeigte unter anderem, dass nur drei Prozent der \u00fcberwiesenen Gelder zur Ausbildung von Familienangeh\u00f6rigen verwendet werden. Auch die Bereitschaft f\u00fcr Investitionen ist gesunken und sicher geringer als die diesbez\u00fcglichen Erwartungen. Doch Potential besteht nicht nur bei den \u00dcberweisungen, sondern auch bei der Professionalit\u00e4t, den guten Erfahrungen aus der Schweiz&#8221;, sagte Kurt Kunz.<\/p>\n<p>Indessen lag der Schwerpunkt der vom NZZ-Balkankorrespondenten Andreas Ernst in den R\u00e4umlichkeiten der DEZA moderierten Diskussion zum Thema &#8220;Diaspora und Entwicklung: Rollen? Potentiale? Herausforderungen?&#8221; nicht nur auf Kosovo. Es ging darum, wie die Unterst\u00fctzung der Diaspora in den Herkunftsl\u00e4ndern wahrgenommen wird, was f\u00fcr Beziehungen zwischen der Diaspora, den entsprechenden L\u00e4ndern und der Schweiz aufgebaut werden, in welchem Mass die \u00dcberweisungen der Diaspora die Entwicklung der betroffenen L\u00e4nder beeinflussen und was f\u00fcr Erwartungen alle an diesem Prozess beteiligten Seiten hegen.<\/p>\n<p>Diese Themen waren Gegenstand eines Podiumsgespr\u00e4chs mit dem in der Schweiz lebenden tunesischen Schriftsteller und Publizisten Amor Ben Hamida, dem Sozialwissenschaftler, Westbalkanexperten und Direktor der Internetplattform <a href=\"http:\/\/albinfo.ch\">albinfo.ch<\/a> Bashkim Iseni, dem Unternehmer Edin Da\u010di\u0107, Direktor der im Dreieck Schweiz- Bosnien-Serbien t\u00e4tigen Firma Daccomet AG, und dem in Migrationsfragen profilierten Nationalrat Andy Tsch\u00fcmperlin.<\/p>\n<p><strong>Auf dem Boden gelandet <\/strong><\/p>\n<p>Der Unternehmer Da\u010di\u0107 berichtete von seinen gemischten Erfahrungen auf dem Balkan: Anf\u00e4nglich war er enthusiastisch und etwas naiv, dann folgten da und dort Entt\u00e4uschungen, um schlussendlich auf dem Boden zu landen, auf der Ebene der Wirklichkeit.<\/p>\n<p>&#8220;Anf\u00e4nglich denkst du, um in deinem Herkunftsland Gesch\u00e4fte machen zu k\u00f6nnen, gen\u00fcgt es, dass du die Sprache dort kannst und du meinst, auch die Menschen dort zu kennen. Aber wenn die konkrete Arbeit beginnt, siehst du, dass die Realit\u00e4t viel komplexer ist. Als einer, der aus der Diaspora kommt, siehst du dich einer anderen Mentalit\u00e4t gegen\u00fcber, st\u00f6sst du auf B\u00fcrokratie, auf eine andere Wahrnehmung und andere Erwartungen betreffend deine Investitionen &#8220;, sagte Da\u010di\u0107. Weitere Probleme sind sodann auch der Mangel an Erfahrung in bestimmten Gebieten, dies vor allem als Folge des&nbsp; ungen\u00fcgenden Niveaus der Berufsausbildung in den Balkanl\u00e4ndern.<\/p>\n<p>Wie der Schriftsteller Ben Hamida sagt, denken die Tunesier, ihre in die Schweiz ausgewanderten Landsleute lebten im Paradies, im \u00dcberfluss und allem nur erdenklichen Wohlstand. Nat\u00fcrlich wissen sie nicht, wie komplex die Sache ist, aber bei der Konstruktion dieser Wahrnehmung &#8220;helfen&#8221; auch wir ihnen, wenn wir nach Tunesien in die Ferien gehen. Wir zeigen unser Geld, geben es grenzenlos aus etc.<\/p>\n<p>Das Thema von Bashkim Iseni war der Transnationalismus im Zusammenhang mit der Diaspora. &#8220;Der Begriff des Transnationalismus entspricht dem Zustand der migrierten Bev\u00f6lkerungsgruppen am besten, weil dieser Begriff ihre Verbindungen mit der Herkunftskultur &nbsp;und mit dem Aufnahmeland (Integration) am besten reflektiert. Diese beiden Dimensionen k\u00f6nnen sehr fruchtbar sein f\u00fcr die Entwicklung des Landes, bedeuten also sehr viel mehr als nur den Transfer von Rimessen, welche oftmals in den Konsum und den Import materieller G\u00fcter gehen.&#8221; Er stellte die Ergebnisse einer Studie der Universit\u00e4t Neuch\u00e2tel vor, zu deren Autoren unter anderen auch Iseni geh\u00f6rt.<\/p>\n<p><strong>Die Herkunftsl\u00e4nder wissen das Potential der Diaspora nicht zu nutzen <\/strong><\/p>\n<p>&#8220;Unsere Forschungsarbeit (des Schweizerischen Forums f\u00fcr Migrations- und Bev\u00f6lkerungsstudien an der Universit\u00e4t Neuch\u00e2tel) mit der Diaspora von Bosnien und Herzegowina zeigt auf, dass die dortigen Entscheidungstr\u00e4ger das Potential, das die Diaspora birgt, erkennen, aber nicht wissen, wie es zu mobilisieren w\u00e4re. Zudem wird die Diaspora als ein Teil der eigenen Nation betrachtet, obwohl sie schon seit langer Zeit ausserhalb des Landes lebt&#8221;, sagte Iseni. <\/p>\n<p> Er betonte, dass das finanzielle Potential der Diasporen das intellektuelle Potential und das berufliche und pers\u00f6nliche Netzwerk, \u00fcber das die Angeh\u00f6rigen der albanischen Diaspora verf\u00fcgen, verdecke. Deshalb brauche es eine doppelte Aktivit\u00e4t der Schweiz: sowohl gegen\u00fcber den Beh\u00f6rden des Herkunftslandes insbesondere auf lokaler Ebene, wo keine Ressourcen zum Erschliessen des Potentials ihrer Diaspora vorhanden sind, aber auch gegen\u00fcber der Diaspora, vor allem betreffend deren Organisationsbedarf in der Schweiz, bevor an einen wirkungsvollen Beitrag an die Entwicklung des Herkunftslandes gedacht werden k\u00f6nne.<\/p>\n<p>F\u00fcr Nationalrat Andy Tsch\u00fcmperlin h\u00e4ngt der Wirkungsgrad der Unterst\u00fctzung aus der Diaspora f\u00fcr die Entwicklung der Herkunftsl\u00e4nder auch davon ab, wie stark die Integration &#8211; und nicht die Assimilation &#8211; der jungen Generationen von aus dem Ausland stammenden Eltern hier durch die Aufnahmegesellschaft (die Schweiz) unterst\u00fctzt wird. Zu den Massnahmen, die diesbez\u00fcglich stattfinden, die aber laut ihm noch verst\u00e4rkt werden m\u00fcssen, geh\u00f6rt auch die Gew\u00e4hrleistung des erg\u00e4nzenden Unterrichts in der Muttersprache der eingewanderten Bev\u00f6lkerungsgruppen. Der Parlamentarier sprach \u00fcber seine Erfahrungen in diesem Gebiet. In einigen Kantonen gibt es solide Erfolge, in anderen jedoch stagniert die Sache. Es gebe Regionen innerhalb bestimmter Kantone, wo der Staat \u00fcber einzelne Projekte den erg\u00e4nzenden Unterricht in den Sprachen der Eingewanderten sogar finanziell unterst\u00fctze, sagte Tsch\u00fcmperlin. Er betonte das insgesamt ungen\u00fcgende Engagement der Schweizer Gesellschaft in diesem Bereich, das den Erwartungen nicht gerecht werde.<\/p>\n<p> Ebenfalls zum Stichwort Erwartungen zeigte Iseni auf, dass auf der andern Seite die Erwartungen und Bed\u00fcrfnisse der Diaspora nicht mit den Erwartungen der Regierungen und Diasporadepartementen \u00fcbereinstimmten. Als Beispiel erw\u00e4hnte er das Problem mit den gr\u00fcnen Versicherungskarten, die Emigranten bei Autoreisen nach Kosova an der kosovarischen Grenze auch heute noch zu kaufen gezwungen sind, was die kosovarische Diaspora masslos \u00e4rgert.<\/p>\n<p><strong><em>&nbsp;<\/em><\/strong><\/p>\n<p><strong><em>Mangelhafte Projektbeteiligung der albanischsprachigen Diaspora<\/em><\/strong><\/p>\n<p><em><a href=\"http:\/\/albinfo.ch\">Albinfo.ch<\/a> fragte Richard Kohli, den Leiter des Sektors Westbalkan in der DEZA, zur Beteiligung resp. Nichtbeteiligung der kosovarischen Diaspora an den Projekten, die die DEZA in Kosova durchf\u00fchrt. &#8220;Zur Zeit zeigt sich diese Beteiligung nicht in gew\u00fcnschtem Mass. Wir versuchten ein spezifisches Projekt in dieser Richtung zu entwickeln, aber leider konnten wir es nicht zu Ende f\u00fchren. Deshalb versuchen wir nun, mit einzelnen Projekten zu arbeiten, wie etwa jenen zur Unterst\u00fctzung der Berufsausbildung, f\u00fcr die Gemeindearbeit, f\u00fcr das Gesundheitswesen etc., aber nicht mit einem vollst\u00e4ndigen Projekt extra f\u00fcr die Diaspora. Was die Beteiligung einzelner Diasporagruppierungen an unseren Projekten betrifft, ist der Beginn der Zusammenarbeit mit einer Vereinigung von albanischen Gesundheitsfachleuten in der Schweiz im Rahmen des Projekts Diaspora for Development (welches abgebrochen wurde) zu erw\u00e4hnen&#8221;, sagte Richard Kohli gegen\u00fcber <a href=\"http:\/\/albinfo.ch\">albinfo.ch<\/a>. <\/em><\/p>\n<p>B.SH.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die DEZA organisierte in Bern eine Diskussion \u00fcber den Einfluss der Diaspora auf die Entwicklung in den Herkunftsl\u00e4ndern und die Erwartungen der verschiedenen Beteiligten<\/p>\n","protected":false},"author":19,"featured_media":47923,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1134,1133],"tags":[],"vendi":[],"content_country":[],"class_list":["post-64618","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-integration","category-e-diaspora-de"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.albinfo.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/64618","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.albinfo.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.albinfo.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.albinfo.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/19"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.albinfo.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=64618"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.albinfo.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/64618\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.albinfo.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/47923"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.albinfo.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=64618"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.albinfo.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=64618"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.albinfo.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=64618"},{"taxonomy":"vendi","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.albinfo.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/vendi?post=64618"},{"taxonomy":"content_country","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.albinfo.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/content_country?post=64618"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}