{"id":64694,"date":"2014-01-21T10:10:51","date_gmt":"2014-01-21T09:10:51","guid":{"rendered":""},"modified":"2014-01-24T09:08:03","modified_gmt":"2014-01-24T07:08:03","slug":"unterricht-in-den-herkunftssprachen-eine-privatangelegenheit-um-die-sich-die-offentlichkeit-kummern-sollte","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.albinfo.ch\/de\/unterricht-in-den-herkunftssprachen-eine-privatangelegenheit-um-die-sich-die-offentlichkeit-kummern-sollte\/","title":{"rendered":"Unterricht in den Herkunftssprachen: eine &#8220;Privatangelegenheit&#8221;, um die sich die \u00d6ffentlichkeit k\u00fcmmern sollte"},"content":{"rendered":"<p>Die Konferenz in Bern Ende letzter Woche zum Thema &#8220;Die Zukunft der Erstsprachen in der Schweiz&#8221;&nbsp; versuchte,&nbsp;die Entwicklung&nbsp;des erg\u00e4nzenden Unterrichts in den Sprachen der Bev\u00f6lkerungsgruppen ausl\u00e4ndischer Herkunft in der Schweiz zu beleuchten.<br \/> &nbsp;<br \/> Die eher stiefm\u00fctterliche Behandlung dieses Unterrichts und seine fehlende Integration ins einheimische Schulsystem waren&nbsp;Punkte, \u00fcber welche sich die meisten Referentinnen und Diskussionsteilnehmer einig waren.<br \/> &nbsp;<br \/> &#8220;Grunds\u00e4tzlich sind sich alle einig, dass der muttersprachliche Unterricht in der Schweiz etwas Positives ist, doch wenn die Rede auf die finanzielle Unterst\u00fctzung kommt, verwerfen die Beh\u00f6rden die Arme und sagen, es sei kein Geld daf\u00fcr vorhanden.&#8221;<br \/> &nbsp;<br \/> Ruth Calder\u00f3n ist Mitautorin einer Studie, \u00fcber welche an der Konferenz ein Referat mit dem Titel &#8220;Ergebnisse einer&nbsp;Untersuchung \u00fcber die Situation des erg\u00e4nzenden Unterrichts in der Schweiz&#8221; vorgetragen wurde. Das Referat diente anschliessend als Grundlage f\u00fcr eine vielseitige Diskussion \u00fcber die aktuelle Situation in diesem Bereich.&nbsp;<br \/> &nbsp;<br \/> &#8220;Meine Kollegin Rosita Fibbi und ich stellten die Resultate unserer Studie \u00fcber die Lage des erg\u00e4nzenden Unterrichts in den Muttersprachen der Bev\u00f6lkerungsgruppen ausl\u00e4ndischer Herkunft in der Schweiz vor. Die Resultate st\u00fctzen sich auf Untersuchungen, die wir in sechs Kantonen durchf\u00fchrten. Wir befragten die Lehrer&nbsp;zu ihren Arbeitsbedingungen und \u00fcber allf\u00e4llige&nbsp;Weiterbildungen, etc.&#8221;, sagt Calder\u00f3n zu&nbsp;<a href=\"https:\/\/srowa.tamedia.ch\/OWA\/redir.aspx?C=666011b1e5aa4adc8c9b97f4390e0398&amp;URL=http%3a%2f%2falbinfo.ch\" target=\"_blank\">albinfo.ch<\/a>.<\/p>\n<p> Die Studie zeigte, dass es viele Initiativen f\u00fcr&nbsp;unterschiedliche L\u00f6sungen des Problems des erg\u00e4nzenden Unterrichts&nbsp;gibt. Es ist etwa die Rede von einer Organisation innerhalb der Vereine, von Elterninitiativen, etc. &#8220;Es scheint, dass die Zukunft diesbez\u00fcglich mehr den Vereinen oder privaten Tr\u00e4gern dieses Unterrichts und weniger den Konsulaten geh\u00f6rt&#8221;, sagt Calder\u00f3n.<br \/> &nbsp;<br \/> Die Autorinnen der Studie stellten auch fest, dass die ausl\u00e4ndischen Lehrer weniger Zugang zu beruflichen Weiterbildungen haben. &#8220;Doch rund achtzig Prozent von ihnen bringen eine&nbsp; gute Berufsausbildung mit, vergleichbar mit derjenigen ihrer Kolleginnen in der Schweiz.&#8221;<br \/> &nbsp;<br \/> Was die Integration des erg\u00e4nzenden Unterrichts ins hiesige Schulsystem angeht, ist sie nicht sehr optimistisch. &#8220;Doch immerhin gibt es sporadische Ans\u00e4tze in einigen Kantonen. Der Kanton Z\u00fcrich steht in dieser Hinsicht besser da als die andern.&nbsp; Er hat einige Kriterien vorgegeben. Zum Beispiel m\u00fcssen alle Lehrer ein bestimmtes Niveau deutscher Sprachkenntnisse haben, sie sind zu beruflicher Weiterbildung verpflichtet&nbsp;etc. In diese Richtung geht auch der Kanton Basel Stadt&#8221;, sagte die Koautorin der Studie.<\/p>\n<p> <strong>&nbsp;Ruth Calder\u00f3n: \u201cDie Organisation des albanischen Unterrichts ist ein Vorbild f\u00fcr die andern\u201d<\/strong><\/p>\n<p> &#8220;Doch in den andern Kantonen passiert praktisch nichts. Der eine oder andere der von uns untersuchten Kantone hat nicht einmal Angaben \u00fcber die Anzahl Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler, die den erg\u00e4nzenden Unterricht besuchen. In ein paar Kantonen ist nicht einmal der Zugang zu Schulr\u00e4umen und Unterrichtsmaterialien selbstverst\u00e4ndlich!&#8221;<br \/> &nbsp;<br \/> Die Frage, ob es Schulen gebe,&nbsp;an welchen&nbsp;die ausl\u00e4ndischen Lehrer gleich bezahlt w\u00fcrden wie jene der ordentlichen Schule, verneint Calder\u00f3n. &#8220;Wir haben tats\u00e4chlich nur zwei kleine Ausnahmen, und diese in Form von Projekten. In Z\u00fcrich gibt es im Rahmen des Projekts &#8220;Limmatschule&#8221; einige integrierte Klassen, in welchen die Lehrerinnen bezahlt werden. Etwas \u00c4hnliches gibt es auch in Genf.&#8221; <br \/> &nbsp;<br \/> Doch im Unterschied zur in den letzten Jahren eher negativen Wahrnehmung des albanischen Unterrichts unter Albanischsprachigen,&nbsp;weiss Calder\u00f3n&nbsp;die gute Organisation dieser Schule zu sch\u00e4tzen.<br \/> &nbsp;<br \/> &#8220;In unseren Untersuchungen sahen wir, dass insbesondere die Schule des albanischsprachigen Unterrichts \u00fcber eine sehr gute Organisation verf\u00fcgt. Sie haben viele Angebote f\u00fcr die Lehrerinnen und Lehrer. Und wir waren \u00fcberrascht zu h\u00f6ren, dass der Unterricht nicht vom Staat bezahlt, sondern von einer einfachen privaten Organisation getragen wird, die im Vergleich zu den andern Gruppen trotzdem viel f\u00fcr einen professionellen Umgang mit den Lehrerinnen&nbsp;unternimmt. Das ist sehr erfreulich&#8221;, sagte sie.<br \/> &nbsp;<br \/> &#8220;Doch leider regen nicht alle schweizerischen Lehrer ihre Sch\u00fcler dazu an, den Unterricht in ihrer Muttersprache zu besuchen. Einige von ihnen haben nicht einmal eine Ahnung&nbsp;davon, worum es&nbsp;geht&#8221;, sagt Ruth Calder\u00f3n zum Abschluss.<\/p>\n<p> <strong>Schader&nbsp;pr\u00e4sentiert Texte f\u00fcr den Unterricht in albanischer Sprache<\/strong><\/p>\n<p> Basil Schader ist ein Dozent mit Erfahrung an der P\u00e4dagogischen Hochschule Z\u00fcrich. In den letzten zwanzig Jahren wurde er&nbsp;durch seine Arbeit auch mit dem erg\u00e4nzenden Unterricht in albanischer Sprache sehr vertraut. Er studierte Albanisch und schloss inzwischen mit einer Doktorarbeit in Tirana ab. Es&nbsp;l\u00e4sst sich sagen, dass die albanische Schule in der Schweiz ausserordentliches Gl\u00fcck hatte, da ihr die ausgezeichneten&nbsp;Kompetenzen des P\u00e4dagogen und Sprachwissenschaftlers zugute kamen, der beide Sprachen und Schulsysteme kennt.<br \/> &nbsp;<br \/> Er war auch in der Leitung verschiedener Arbeits- und Studiengruppen zur Realisierung von Projekten in Prishtina und Tirana f\u00fcr den Unterricht des Albanischen in der Diaspora. An der Konferenz schilderte&nbsp;er zusammen mit Nexhat Maloku, dem Pr\u00e4sidenten des Eltern- und Lehrervereins Naim Frash\u00ebri, LAPSH, wie Texte f\u00fcr den erg\u00e4nzenden Unterricht in albanischer Sprache in der Diaspora ausgearbeitet wurden.<br \/> &nbsp;<br \/> &#8220;Auf Initiative der kosovarischen Beh\u00f6rden wurden im Rahmen des Curriculums f\u00fcr den Unterricht in der Diaspora achtzehn Arbeitshefte zusammengestellt, je sechs f\u00fcr drei unterschiedliche Niveaus&#8221;, erkl\u00e4rte Schader vor einem Auditorium von Lehrern der italienisch-, portugiesisch- und albanischsprachigen Bev\u00f6lkerungsgruppen.<br \/> &nbsp;<br \/> Diese Hefte waren, wie Schader sagte, von zwei Arbeitsgruppen ausgearbeitet worden; eine bestehend aus beruflichen Fachleuten, und die andere aus Lehrerinnen und Lehrern der Diaspora. Der Einbezug letzterer, betonte Schader, war sehr wichtig, denn sie kennen die Praxis des Unterrichts unter den besonderen Bedingungen in der Diaspora. Die Pr\u00e4sentation der in den albanischsprachigen Lehrmitteln angewandten Methodologie erweckte die Neugierde der Lehrer und anderen Anwesenden im Workshop.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8220;Alle sind sich einig, dass der erg\u00e4nzende Unterricht in Ordnung ist, aber wenn es um die materielle Unterst\u00fctzung geht, ziehen sich alle zur\u00fcck und sagen, es sei kein Geld vorhanden&#8221;<\/p>\n","protected":false},"author":19,"featured_media":49386,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1136,1133],"tags":[],"vendi":[],"content_country":[],"class_list":["post-64694","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-sprachen","category-e-diaspora-de"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.albinfo.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/64694","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.albinfo.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.albinfo.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.albinfo.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/19"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.albinfo.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=64694"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.albinfo.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/64694\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.albinfo.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/49386"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.albinfo.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=64694"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.albinfo.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=64694"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.albinfo.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=64694"},{"taxonomy":"vendi","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.albinfo.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/vendi?post=64694"},{"taxonomy":"content_country","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.albinfo.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/content_country?post=64694"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}