{"id":64727,"date":"2014-02-10T08:00:50","date_gmt":"2014-02-10T07:00:50","guid":{"rendered":""},"modified":"2014-03-10T15:16:00","modified_gmt":"2014-03-10T13:16:00","slug":"trepca-kosovas-schlafende-schatze","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.albinfo.ch\/de\/trepca-kosovas-schlafende-schatze\/","title":{"rendered":"Trep\u00e7a: Kosovas schlafende Sch\u00e4tze"},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Rund tausend Grubenarbeiter bezwingen jeden Tag die unterirdischen Stollen des&nbsp; Bergwerkkomplexes Trep\u00e7a und versuchen, jenes Unternehmen am Leben zu erhalten, das einst der Stolz von ganz Ex-Jugoslawien war. Zweigeteilt in eine s\u00fcdliche und eine n\u00f6rdliche Anlage und&nbsp;ethnisch wie politisch angegriffen,&nbsp;kann sich&nbsp;Trep\u00e7a knapp auf den Beinen halten.<\/p>\n<p> Ein Jahrzehnt zuvor hatte die ehemalige internationale Verwaltung der UNMIK Trep\u00e7a als Dinosaurier der Vergangenheit &nbsp;bezeichnet, doch sp\u00e4ter erwies sich das Gegenteil als zutreffend. Mit ein paar wenigen internationalen Investitionen und einer &#8220;Spritze&#8221; der Regierung vermochte Trep\u00e7a seine stillgelegten Anlagen wieder in Gang zu setzen.<\/p>\n<p> Die Reichhaltigkeit an Bodensch\u00e4tzen an der Stelle der heutigen Werke war schon vor mehreren Jahrhunderten entdeckt worden. Das Unternehmen besitzt grosse Mengen&nbsp;nicht ausgebeuteter Blei- und Zinkvorkommen, die seine Existenz noch f\u00fcr viele Jahre sichern.<\/p>\n<p> Bislim Mu\u00e7a ist Sprecher des Unternehmens. F\u00fcr albinfo.ch beschrieb er detailliert die Funktionsweise von Trep\u00e7a, und dementierte alle Ger\u00fcchte, wonach der Industriekomplex in den letzten Z\u00fcgen liege.<\/p>\n<p> Die allgemeinen Mineralreserven aller Bergwerke von Trep\u00e7a werden auf rund 58 Millionen Tonnen gesch\u00e4tzt. Mit heutigen Marktpreisen in Geldwert umgerechnet entspricht dies laut Mu\u00e7a einem Verm\u00f6gen von 8 &#8211; 10 Mia Euro.<\/p>\n<p> &#8220;Diese Summe vervielfacht sich,&nbsp;wenn&nbsp;die verarbeitende Metall-&nbsp;und die Chemieindustrie ausgebaut w\u00fcrden&#8221;, meinte er.<\/p>\n<p> Zur Zeit arbeiten im Unternehmen Trep\u00e7a 1500 Personen im s\u00fcdlichen und rund 1050 Personen im n\u00f6rdlichen Teil. &#8220;Die beiden Einheiten, Nord und S\u00fcd,&nbsp;werden&nbsp;auf ethnischer Basis gef\u00fchrt und&nbsp; von der kosovarischen Agentur f\u00fcr Privatisierungen verwaltet&#8221;, erkl\u00e4rte Mu\u00e7a.&nbsp;<\/p>\n<p> Im s\u00fcdlichen Teil von Trep\u00e7a arbeiten rund 500 aller Besch\u00e4ftigten in den Minen, w\u00e4hrend die andern in den Erzanreicherungsfabriken, der Industrie, der Verwaltung etc. arbeiten.<\/p>\n<p> <strong>Wie stark werden die Kapazit\u00e4ten von Trep\u00e7a ausgebeutet?<\/strong><\/p>\n<p> &#8220;Wenn wir mit den Produktionskapazit\u00e4ten der achtziger Jahre von Trep\u00e7a vergleichen, werden die Minen dieses Bergbaugiganten nur zu 10-15 Prozent des Produktionswerts jener Zeit ausgebeutet&#8221;, sagte Mu\u00e7a. Besser stehe das Bergwerk in Stant\u00ebrg mit 20-25 Prozent Produktionskapazit\u00e4t da.<\/p>\n<p> Hingegen sind der Bleischmelzofen in Zveqan und die Zinkh\u00fctte im S\u00fcdteil der Stadt ihres Alters wegen ausser Betrieb. Ebenso sind laut Mu\u00e7a auch viele Fabriken der verarbeitenden und der chemischen Industrie aufgrund ihres Alters und wegen Sch\u00e4den ausser Betrieb.<\/p>\n<p> Im Bergwerk von Stant\u00ebrg jedoch gewinnen die Bergleute gem\u00e4ss dem Sprecher Erze auf der zehnten und elften Sohle, doch wird auch auf der achten und neunten Sohle gearbeitet. Im Bergwerk von Artana wird das Erz auf den Sohlen vier und f\u00fcnf ausgebeutet.<\/p>\n<p> <strong>Mu\u00e7a: J\u00e4hrlich werden 12&#8217;000 Tonnen Konzentrat exportiert<\/strong><\/p>\n<p> Die Grubenarbeiter gewinnen jeden Tag aus hunderten Metern Tiefe Dutzende Tonnen Blei und Zink, das anschliessend&nbsp;auf den Weltmarkt&nbsp;exportiert wird. &#8220;In den letzten vier f\u00fcnf&nbsp;Jahren exportierte Trep\u00e7a durchschnittlich 10-12&#8217;000 Tonnen Blei- und Zinkkonzentrat&#8221;, erkl\u00e4rte Mu\u00e7a.<\/p>\n<p> Vor zwei Jahren noch exportierte das Unternehmen Trep\u00e7a seine Konzentrate haupts\u00e4chlich in den europ\u00e4ischen Markt.<\/p>\n<p> &#8220;Von 2009 bis 2012 war es die Schweizer Gesellschaft Glencore, die die Produkte von Trep\u00e7a kaufte, w\u00e4hrend letztes Jahr die Firma Coresteel DMCC mit Sitz in&nbsp;Dubai (VAR)&nbsp;den Zuschlag f\u00fcr die Konzentrate gewann&#8221;, sagte Mu\u00e7a.<\/p>\n<p> Auf die Frage, weshalb der Schmelzofen nicht wieder in Betrieb genommen werde, so dass Trep\u00e7a anstelle von Rohstoffen verarbeitetes Material exportieren k\u00f6nnte, sagte Mu\u00e7a: &#8220;Das gilt als unm\u00f6glich, weil der Schmelzofen in Zveqan eine veraltete Technologie hat, weshalb er vollst\u00e4ndig neu gebaut werden muss.&#8221;<\/p>\n<p> Die Zinkh\u00fctte ihrerseits, die sich im s\u00fcdlichen Teil der Stadt befindet, wie der Sprecher weiter sagte, ist seit einer Feuersbrunst nach dem Krieg&nbsp;schwer besch\u00e4digt.<\/p>\n<p> &#8220;Der Ausbau des H\u00fcttenwesens ist auch f\u00fcr viel weiter entwickelte L\u00e4nder als wir es sind nicht einfach. Zuerst m\u00fcssen alle Bergwerke funktionsf\u00e4hig gemacht werden, so dass die Rohstoffe f\u00fcr die Schmelzofen gesichert sind. Und die Umweltstandards werden immer strenger, um die Umwelt zu sch\u00fctzen, weshalb auch diese Auflagen erf\u00fcllt werden m\u00fcssen&#8221;, sagte Mu\u00e7a.<\/p>\n<p> Doch im Rahmen der Restrukturierung des Unternehmens ist laut ihm auch der Ausbau des H\u00fcttenwesens und der Kapazit\u00e4ten der polymetallerzverarbeitenden Industrie vorgesehen.<\/p>\n<p> <strong>Ethnische Trennung in Trep\u00e7a<\/strong><\/p>\n<p> Der Berg- und H\u00fcttenwerkkomplex&nbsp;von Trep\u00e7a&nbsp;befindet sich&nbsp;haupts\u00e4chlich in der Gegend von Mitrovica, der zweigeteilten Stadt. Auf der einen Seite, im Norden, wohnen die Serben, und auf der andern, im S\u00fcden, die Albaner. Diese Teilung setzt sich auch in den Werken von&nbsp;Trep\u00e7a fort, denn einige Stollen und Schmelzofen sind auf der serbischen Seite, w\u00e4hrend andere sich im albanischen Teil befinden.<\/p>\n<p> &#8220;Leider teilt auch das Unternehmen Trep\u00e7a das Schicksal der geteilten Stadt Mitrovica. Im n\u00f6rdlichen Teil von Trep\u00e7a arbeitet kein einziger Albaner, w\u00e4hrend im s\u00fcdlichen Teil Albaner, Bosniaken und Roma, jedoch keine Serben arbeiten&#8221;, erkl\u00e4rte der Sprecher des Werks. <\/p>\n<p> In diesen Tagen pr\u00fcfen die Beh\u00f6rden in Prishtina die M\u00f6glichkeit einer vollen Inbetriebnahme von Trep\u00e7a.<\/p>\n<p> Die kosovarische Agentur f\u00fcr Privatisierungen, die zur Zeit&nbsp;Trep\u00e7a verwaltet, schrieb k\u00fcrzlich einen Wettbewerb aus und erhielt neun Offerten von spezialisierten internationalen Gesellschaften f\u00fcr die Ausarbeitung eines umfassenden Plans zur Unternehmensrestrukturierung.<\/p>\n<p> Das Management des Unternehmens seinerseits schlug eine \u00f6ffentlich-private Partnerschaft als eine der geeignetsten Formen f\u00fcr dessen Restrukturierung vor. Kosovas Regierung hingegen tr\u00e4gt sich mit der Idee, Trep\u00e7a in ein von ihr geleitetes \u00f6ffentliches Unternehmen umzuwandeln. Auch Ministerpr\u00e4sident Hashim Tha\u00e7i pers\u00f6nlich sagte, dass Trep\u00e7a nicht privatisiert werden solle.<\/p>\n<p> Die Bergbauanlage Trep\u00e7a ist ein grosser Industriekomplex. Einst besch\u00e4ftigte dieser Komplex 23&#8217;000 Arbeiter und war eine der gr\u00f6ssten Gesellschaften im sozialistischen Jugoslawien. Nach dem Zweiten Weltkrieg war Trep\u00e7a ein Konglomerat mit 40 Bergwerken und Fabriken gewesen, die sich vor allem \u00fcber Kosova, doch auch \u00fcber Serbien und Montenegro verteilten.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Trep\u00e7a-Bergbaukomplex gilt als Schatztruhe Kosovos. Die Beh\u00f6rden fanden noch keine L\u00f6sung f\u00fcr eine Wiederbelebung der Anlagen; der Wert der Bodensch\u00e4tze von Trep\u00e7a wird auf 10 Mia \u20ac gesch\u00e4tzt.<\/p>\n","protected":false},"author":19,"featured_media":49696,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1130,1129],"tags":[],"vendi":[],"content_country":[],"class_list":["post-64727","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-aktuell","category-ch-balkan"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.albinfo.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/64727","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.albinfo.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.albinfo.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.albinfo.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/19"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.albinfo.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=64727"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.albinfo.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/64727\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.albinfo.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/49696"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.albinfo.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=64727"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.albinfo.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=64727"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.albinfo.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=64727"},{"taxonomy":"vendi","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.albinfo.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/vendi?post=64727"},{"taxonomy":"content_country","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.albinfo.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/content_country?post=64727"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}