{"id":64809,"date":"2014-04-06T14:17:48","date_gmt":"2014-04-06T12:17:48","guid":{"rendered":""},"modified":"2014-05-07T23:58:15","modified_gmt":"2014-05-07T21:58:15","slug":"arnold-gjergjajdie-faust-brauche-ich-nur-im-ring","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.albinfo.ch\/de\/arnold-gjergjajdie-faust-brauche-ich-nur-im-ring\/","title":{"rendered":"Arnold Gjergjaj:&#8221;Die Faust brauche ich nur im Ring&#8221;"},"content":{"rendered":"<p>Arnold Gjergjaj scheint keinen Gegner zu kennen. In 24 Profiboxk\u00e4mpfen trug er 24 Siege davon, 18 durch KO. Seinen letzten Kampf gewann er gegen den argentinischen Boxer Emilio Ezequiel Zarate. Der Boxer aus Gjakova, der unter dem Spitznamen \u201eThe Cobra\u201c bekannt ist, gilt in der Schweiz und in albanischsprachigen Gefilden zurzeit als bester Boxer im Schwergewicht. In einem Exklusiv-Interview f\u00fcr albinfo.ch&nbsp; spricht Gjergjaj \u00fcber seine Kindheit, die Emigration in die Schweiz, die Schwierigkeiten auf dem Weg zum Erfolg, und von seinem Traum, eines Tages Weltmeister im Profiboxen im Schwergewicht zu werden.<\/p>\n<p><strong>albinfo.ch:<\/strong> Arnold, Siegen im Ring ist f\u00fcr dich inzwischen zur Routine geworden. Du scheinst keinen Gegner zu kennen?<\/p>\n<p><strong>Arnold Gjergjaj:<\/strong> Ich steige immer mit dem Gedanken an den Sieg in den Ring. Ich bereite mich gewissenhaft auf jeden Kampf vor und bin auf die volle Kampfdistanz eingestellt, k\u00f6rperlich wie psychisch, unabh\u00e4ngig wie der Gegner aussieht.<\/p>\n<p><strong>albinfo.ch:<\/strong> Was braucht ein Boxer, um Erfolg zu haben?<\/p>\n<p><strong>Arnold Gjergjaj<\/strong>: Er sollte alle Attribute haben. Kraft, Technik, Intelligenz, ein grosses Herz und ein gutes Team. Mir hat Gott die Kraft geschenkt, doch ich arbeite t\u00e4glich viel daf\u00fcr, um die Kondition in Form zu halten und mich weiter zu entwickeln.<\/p>\n<p><strong>albinfo.ch<\/strong>bekannt. Wie kamst Du zu diesen Namen?<\/p>\n<p><strong>Arnold Gjergjaj<\/strong>geben. Anf\u00e4nglich wehrte ich mich gegen den Namen, weil er mir nicht gefiel und weil ich auch selbst Angst vor Schlangen habe. Doch mein Trainer \u00fcberzeugte mich, er sagte mir, dass dieser Name am besten zu mir passe, denn seiner Meinung nach bin ich ein K\u00e4mpfer, der den Gegner durchschaut und ein Schlag besitzt der so schnell ist wie ein Kobrabiss. Jetzt habe ich mich an diesen Spitznamen gew\u00f6hnt und er gef\u00e4llt mir.<\/p>\n<p><strong>albinfo.ch:<\/strong> Hattest Du irgendwann einmal, vielleicht auch als Kind, Angst vor einer Schlange?<\/p>\n<p><strong>Arnold Gjergjaj<\/strong>: Klar, als ich in Kosovo war und zusammen mit anderen Kindern auf den Wiesen und am Fluss spielte und wenn wir eine Schlange sahen, dann hauten wir alle ab, und ich war sogar der erste, der jeweils davon rannte (lacht).<\/p>\n<p><strong>albinfo.ch<\/strong>: Da du gerade deine Kindheit erw\u00e4hntest, in welchem Jahr seid ihr in die Schweiz ausgewandert?<\/p>\n<p><strong>Arnold Gjergjaj:<\/strong> Es war Juli 1999, als ich in die Schweiz kam.<\/p>\n<p><strong>albinfo.ch<\/strong>: Wer brachte dich zum Boxen?<\/p>\n<p><strong>Arnold Gjergjaj<\/strong>: Schon als Kind gefiel mir Boxen. Ich sah mir alle Boxk\u00e4mpfe an, und oft k\u00e4mpfte ich auch mit den andern Kindern. Als ich in die Schweiz kam, trainierten einige Freunde in einem Boxklub. So begann ich Gefallen daran zu finden und machte st\u00e4ndig weiter. Ich bin immer noch mit diesen Leuten befreundet, obwohl sie nun kein Boxtraining mehr machen. Nach drei vier Monaten begann ich mit Kickboxen und Boxen. Nach sieben K\u00e4mpfen im Kickboxen entschied ich mich, nur noch zu boxen. Ich trainierte in Baden, Burgdorf und bin seit 2008 beim Boxclub Basel. Nach fast 60 Amateurboxk\u00e4mpfe und mehreren Schweizermeistertiteln, wechselte ich zu den Profis. Ich bin nun bald f\u00fcnf Jahren Profiboxer und von meinen 24 K\u00e4mpfen habe ich alle gewonnen.<\/p>\n<p><strong>albinfo.ch:<\/strong> Wie schwer war es f\u00fcr dich, dich in der Schweiz und in der Schweizer Gesellschaft anzupassen?<\/p>\n<p><strong>Arnold Gjergjaj:<\/strong> Jeder Anfang ist schwer. Als ich in die Schweiz kam, konnte ich gar kein Deutsch. Den Freundeskreis, mit dem ich aufgewachsen war, musste ich in Kosovo lassen und hier musste ich mir ein ganz neues Umfeld aufbauen. Ich kam als Vierzehnj\u00e4hriger in die Schweiz und es war nicht so einfach, mich an ein neues Umfeld und ein v\u00f6llig neues Leben zu gew\u00f6hnen. Doch ich wollte vorw\u00e4rts kommen. Am Tag ging ich zur Schule. Nach der Schule hiess es Hausaufgaben erledigen und wenn die Zeit noch reichte durfte ich ins Boxtraining. Auch half ich regelm\u00e4ssig bei meinem Bruder im Laden aus. Ich gew\u00f6hnte mich sehr schnell an die Kultur und die Menschen in der Schweiz. Die Verhaltensweisen sind nicht anders als im Kosovo. Nur wer stets gut arbeitet kommt weiter im Leben.<\/p>\n<p><strong>albinfo.ch:<\/strong> In Kosova unterst\u00fctzen dich inzwischen alle, doch in der Schweiz?<\/p>\n<p><strong>Arnold Gjergjaj:<\/strong> Ich erlebe eine breite Unterst\u00fctzung aus allen Richtungen und L\u00e4ndern. Die Nationalit\u00e4t spielt hier eine untergeordnete Rolle. Mich unterst\u00fctzen sowohl Schweizer wie Kosovaren und viele andere. An den Veranstaltungen wo ich boxe, kommen an die tausend Zuschauer aus der Region. Die allermeisten sind Boxfans und auch Freunde. Boxen ist in der Schweiz kein Nationalsport, das merkt man bei der Sponsorensuche und dennoch wird der Freundskreis immer wie gr\u00f6sser. Meine Familie und der Boxclub Basel unterst\u00fctzen mich stark auch wird der Sponsorenkreis immer wie gr\u00f6sser. Ohne sie w\u00e4re eine Profiboxkarriere undenkbar.<\/p>\n<p><strong>albinfo.ch:<\/strong><span style=\"color: black; line-height: 115%; font-family: 'Lucida Sans Unicode','sans-serif'; font-size: 9.5pt; mso-fareast-font-family: Calibri; mso-fareast-theme-font: minor-latin; mso-ansi-language: DE-CH; mso-fareast-language: EN-US; mso-bidi-language: AR-SA;\">Bist du deiner Meinung nach ein Beispiel f\u00fcr die Integration in der Schweiz oder ein \u201eBotschafter\u201c der Albaner in diesem Land?<\/span><\/p>\n<p><strong>Arnold Gjergjaj:<\/strong> Gemeinsam versuchen wir den Jugendlichen aufzuzeigen, dass Gewalt keine L\u00f6sung darstellt. Auch engagiere ich in meinem Umfeld um die Belange von Jugendlichen in Pratteln, in dem ich mit Ihnen Zeit verbringe und an Veranstaltungen teilnehme.<\/p>\n<p><strong>albinfo.ch:<\/strong> Kam es vor, dass du dich in deinen Anf\u00e4ngen einmal diskriminiert f\u00fchltest, weil du Albaner bist?<\/p>\n<p><strong>Arnold Gjergjaj:<\/strong> Ich f\u00fchlte mich nie diskriminiert von der Schweizer Gesellschaft, aber allein die Tatsache, dass du zu Beginn die Sprache nicht kannst, die Menschen um dich herum nicht kennst, \u00fcberhaupt nichts kennst, f\u00fchrt von dazu, dass du gegen\u00fcber den andern diskriminiert bist.<\/p>\n<p><strong>albinfo.ch:<\/strong> Wir wissen, dass du verlobt bist. Schaut deine Verlobte jeweils zu bei deinen K\u00e4mpfen?<\/p>\n<p><strong>Arnold Gjergjaj: <\/strong>Mein Vater war zwei- dreimal gekommen; ich habe ihn gebeten, nicht zuschauen zu kommen, denn ich weiss, wie er sich dabei f\u00fchlen kann. Aber meine Br\u00fcder kommen regelm\u00e4ssig, sie unterst\u00fctzen mich lautstark.<\/p>\n<p><strong>albinfo.ch:<\/strong> Du giltst als der Boxer mit der schwersten Faust der Welt. Hast du deine Faust auch schon ausserhalb des Rings gebraucht?<\/p>\n<p><strong>Arnold Gjergjaj: <\/strong>Ich lehne Gewalt ausserhalb des Rings in jeglicher Form ab. Seit ich als Boxer bekannt bin, kam es nie vor, dass ich sie brauchte und ich hoffe, dass das nie in meinem Leben vorkommt. Um ein Problem entstehen zu lassen, braucht es im Minimum Zwei. Wenn der eine sich keine Probleme machen will, dann gibt es einen Weg, dem Problem zu entkommen.<\/p>\n<p><strong>albinfo.ch:<\/strong> Wurdest du schon von andern provoziert, um es zu einem Problem kommen zu lassen?<\/p>\n<p><strong>Arnold Gjergjaj:<\/strong> Ich bin in erster Linie Sportler und muss mich als Sportler benehmen, kultiviert und gut erzogen. Gleichg\u00fcltig ob mich jemand provoziert, ich muss Mittel und M\u00f6glichkeiten finden, den Problemen aus dem Weg zu gehen. Ich muss aufpassen, denn ein Schlag von mir kann den andern schwer verletzen.<\/p>\n<p><strong>albinfo.ch:<\/strong> Es heisst, im Alltag seist du ein ganz anderer. Ruhig und ziemlich umg\u00e4nglich?<\/p>\n<p><strong>Arnold Gjergjaj:<\/strong>Wenn ich mit Freunden oder Angeh\u00f6rigen zusammen bin, will ich \u00fcber verschiedene Themen sprechen, am allerwenigsten \u00fcbers Boxen.<\/p>\n<p><strong>albinfo.ch: <\/strong>Ist dies ein Respekt, den du andern und solchen, die \u00e4lter als du sind, entgegenbringst?<\/p>\n<p><strong>Arnold Gjergjaj:<\/strong> Ich empfinde Respekt f\u00fcr alle Menschen um mich herum, umso mehr noch f\u00fcr meine Familienangeh\u00f6rigen. Nat\u00fcrlich kann ich keine andere Antwort geben, denn auch wenn ich der st\u00e4rkste Mensch auf der Welt w\u00e4re, w\u00fcrde ich nie die Hand gegen&nbsp; sonst jemand oder meine Familienangeh\u00f6rigen erheben, und schon gar nicht gegen meinen Bruder. Er schlug mich hunderte von Malen, doch er darf mich noch weitere hunderte von Malen schlagen, denn er ist mein Bruder.<\/p>\n<p><strong>albinfo.ch:<\/strong> Mit wem tr\u00e4umst du, einmal zu boxen, und was ist dein Ziel?<\/p>\n<p><strong>Arnold Gjergjaj:<\/strong> Mein Traum ist es, mit Vladimir Klitschko zu boxen. Ich werde alles daf\u00fcr geben, damit mir dieses Vorhaben gelingen wird. Mein Ziel ist es, Weltmeister zu werden. W\u00fcsste ich, dass ich nicht Weltmeister werde, w\u00fcrde ich das Boxen auf der Stelle bleiben lassen.<\/p>\n<p><strong>albinfo.ch:<\/strong> Kannst du uns sagen, wann wir dich als Weltmeister sehen werden?<\/p>\n<p><strong>Arnold Gjergjaj:<\/strong> Ich arbeite intensiv und wenn mein&nbsp; bisheriger Erfolg anh\u00e4lt, dann hoffe ich, in zwei, drei Jahren um den Weltmeistertitel zu k\u00e4mpfen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Exklusiv-Interview mit dem albanoschweizerischen Boxer Arnold Gjergjaj<\/p>\n","protected":false},"author":19,"featured_media":50869,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1133,1139],"tags":[],"vendi":[],"content_country":[],"class_list":["post-64809","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-e-diaspora-de","category-sport"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.albinfo.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/64809","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.albinfo.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.albinfo.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.albinfo.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/19"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.albinfo.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=64809"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.albinfo.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/64809\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.albinfo.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/50869"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.albinfo.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=64809"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.albinfo.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=64809"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.albinfo.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=64809"},{"taxonomy":"vendi","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.albinfo.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/vendi?post=64809"},{"taxonomy":"content_country","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.albinfo.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/content_country?post=64809"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}