{"id":64860,"date":"2014-06-10T15:49:44","date_gmt":"2014-06-10T13:49:44","guid":{"rendered":""},"modified":"2014-06-30T10:01:07","modified_gmt":"2014-06-30T08:01:07","slug":"leere-dorfer-leere-schulen-die-jungen-wandern-aus","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.albinfo.ch\/de\/leere-dorfer-leere-schulen-die-jungen-wandern-aus\/","title":{"rendered":"Leere D\u00f6rfer, leere Schulen \u2013 die Jungen wandern aus"},"content":{"rendered":"<p>\u00dcber 3500 Einwohnerinnen und Einwohner des Dorfes Nerasht bei Tetova haben ihre Heimat verlassen. Sie beantragten die Niederlassung in den Staaten der EU und den USA. Die Sch\u00fclerzahl ging ausserordentlich stark zur\u00fcck. Im Schuljahr 2013\/ 2014 waren 245 Sch\u00fcler registriert, w\u00e4hrend es im Schuljahr 2005\/ 2006 noch 450 Kinder waren. Die demographischen Verh\u00e4ltnisse von Nerasht und der Gemeinde Tearc\u00eb ver\u00e4nderten sich zum Schlechten. Hunderte von jungen Menschen verlassen Nerasht und die umliegenden D\u00f6rfer. Das Dorf Nerasht gilt als ein klassisches Beispiel der Massenauswanderung nach Westeuropa. Die Zahl der in den Schulen gemeldeten \u00fcber sechsj\u00e4hrigen Kinder ist einer der Indikatoren, der zeigt, wie Nerasht unter der Auswanderung leidet.<\/p>\n<p>\u201eIch pers\u00f6nlich kenne ungef\u00e4hr 1300 Personen, die allein nach D\u00e4nemark emigrierten\u201c, sagt ein Bewohner des Dorfes. \u201eDie Anzahl der Menschen, die das Dorf verlassen, ist erschreckend hoch\u201c, sagt der Einwohner, \u00e4usserst besorgt \u00fcber die Zukunft des Dorfes, doch auch der Gegend allgemein. Laut lokalen Organisationen betrage die Zahl der Ausgewanderten aus diesem Dorf der Ebene \u00fcber 3500, schreibt inbox7. Die Mehrheit ist in den 1970er-Jahren ausgewandert, mit dem Traum, nur vor\u00fcbergehend im Ausland zu leben, doch w\u00e4hrend der letzten drei Jahrzehnte begann die zweite Auswanderungswelle, und diese konnte nicht verhindert werden. Die leeren Strassen f\u00fcllen sich im Sommer, wenn die Emigranten f\u00fcr die Ferien ins Dorf zur\u00fcckkehren. Einige beantragten die Vereinigung mit den schon fr\u00fcher ausgewanderten Familien, und andere die Niederlassung. Diese Faktoren tragen dazu bei, dass die Geburtenrate der Bev\u00f6lkerung in der Gemeinde und den D\u00f6rfern abnimmt.<\/p>\n<p>In den letzten zehn Jahren hat sich die Bev\u00f6lkerung dieses Dorfes sozusagen halbiert. Fadil Lushi, p\u00e4dagogischer Berater an der regionalen Direktion f\u00fcr Entwicklung und Bildung in Tetovo, sagt: \u201eDie Zahl der Sch\u00fcler in diesem Dorf wird jedes Jahr kleiner.\u201c Nach offiziellen Angaben z\u00e4hlte die Primarschule von Nerasht 2010 im Ganzen 321 Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler, w\u00e4hrend sie im Schuljahr 2013\/ 2014 nur noch 245 z\u00e4hlt. Dieser R\u00fcckgang ist katastrophal.<\/p>\n<p>Wie wenig Menschen das Dorf bewohnten, vermittelte einen traurigen Eindruck. Neunj\u00e4hrige Kinder h\u00fcpften, andere rannten herum auf dem alten Schulhof. Untereinander verst\u00e4ndigten sie sich manchmal auf Englisch. Vielleicht bereiten sich auch diese Kinder, in einem nicht allzu idealen Umfeld, auf ihre Zukunft vor, die viele Dilemmas in sich birgt. \u201eIch begann schon vor drei Jahren mit Englischlernen\u201c, sagt eine kleine Zehnj\u00e4hrige. Die d\u00fcstere Perspektive der Einwohner dieses Dorfes und die Tendenz, die Heimat definitiv zu verlassen, finden wir auch in den andern D\u00f6rfern der Gemeinde Tearc\u00eb. Rahim Husejni sagt: \u201eViele Junge von Makedonien sehen die Emigration in die Fremde als Ausweg und Perspektive.\u201c Husejni, Journalist und Bewohner von Nerasht, sagt, es seien in erster Linie wirtschaftliche Gr\u00fcnde, weshalb die hiesigen Jungen in Massen weggingen.<\/p>\n<p>\u201eAlle gehen weg auf der Suche nach einer besseren wirtschaftlichen Perspektive, die es ihnen erm\u00f6glicht, das zu tun, was sie m\u00f6chten.\u201c Und so gehe es nicht nur den Jungen in Nerasht, sondern vielen Jungen aus Makedonien.<\/p>\n<p>Die Schuld f\u00fcr diese Massenauswanderung wird den Beh\u00f6rden gegeben, die nichts dagegen unternehmen. Dass die Jugend das Dorf Nerasht verl\u00e4sst, hat sozio\u00f6konomische Ursachen. Sie k\u00f6nnten ihre wirtschaftlichen Bed\u00fcrfnisse im Land ihrer Geburt nicht befriedigen, sagen einige Bewohner des Dorfes. \u201eDieser Prozess findet schon seit Jahren statt. Und er geht immer weiter, nur heute noch intensiver\u201c, sagt der Nerashter Dorfbewohner Tefik Mustafi gegen\u00fcber inbox7.<\/p>\n<p>\u00abSolange der Staat keine sozialpolitischen Massnahmen ergreift, wird die Abwanderung weiterandauern.\u201c Die Jugend werde weiterhin ihre Hoffnung auf die Auswanderung setzen. \u201eInvestitionen sind der einzige Weg, diese Not abzuwenden\u201c, sagt Tefik Mustafi. Husejni seinerseits sagt, der Staat m\u00fcsse konkrete politische Massnahmen f\u00fcr die Schaffung neuer Arbeitspl\u00e4tze&nbsp; formulieren und so die Emigration der Jugendlichen, der von diesen Verh\u00e4ltnissen am meisten Betroffenen, verhindern. Er f\u00fcgte hinzu: \u201eWir schenken den europ\u00e4ischen L\u00e4ndern unsere Kapazit\u00e4ten ganz umsonst.\u201c<\/p>\n<p>Gem\u00e4ss Berichten der Weltbank befindet sich Makedonien auf Platz 23 der Gruppe der 25 L\u00e4nder mit der st\u00e4rksten Emigration.<\/p>\n<p>Die Weltbank teilte mit, dass bis 2010 insgesamt 447&#8217;000 Menschen Makedonien verliessen. Nach diesen Statistiken leben 21,9% der makedonischen Bev\u00f6lkerung im Ausland. Leider ist die Situation auch im Osten Makedoniens nicht besser. Gem\u00e4ss einer Studie betr\u00e4gt die Zahl der Menschen, die das Land dort j\u00e4hrlich verlassen, 3000 \u2013 5000, und das allein aus den St\u00e4dten Vinica, Ko\u00e7an, Kamenica und Del\u00e7eva. Die Weltbank stellte weiter fest, dass die Menschen aus Makedonien am meisten Richtung Italien, Deutschland, \u00d6sterreich, der Schweiz, Slowenien, Kroatien, Frankreich, Kanada und Australien auswandern.<\/p>\n<p><strong>Fadil Lushi: Wegen der Emigration sinkt die Sch\u00fclerzahl in praktisch allen Schulen<\/strong><\/p>\n<p>Zur\u00fcck im Dorf, hat sich nichts ver\u00e4ndert. Das eigentliche Leben des Dorfes findet anderswo statt, in den Staaten Europas. Die in der Zeit des Sozialismus produzierten Maschinen machen den Anblick der d\u00f6rflichen Landschaft noch trister, w\u00e4hrend die H\u00e4user westlichen Typs, von Emigranten beidseits der Hauptstrasse erbaut, einen unbewohnten Eindruck hinterlassen. Die D\u00f6rfer der Gemeinde Tearc\u00eb &nbsp;erleiden einen dramatischen R\u00fcckgang der Sch\u00fclerzahlen und eine dauerhafte, massive Abwanderung der Bev\u00f6lkerung in die westliche Welt.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/albinfo.ch\">&nbsp;<\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bis 2010 waren es 447\u2018000 Menschen, die Makedonien verlassen hatten, wie die Weltbank mitteilt. 21,9% der Bev\u00f6lkerung Makedoniens leben im Ausland.<\/p>\n","protected":false},"author":40,"featured_media":52061,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1130,1129],"tags":[],"vendi":[],"content_country":[],"class_list":["post-64860","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-aktuell","category-ch-balkan"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.albinfo.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/64860","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.albinfo.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.albinfo.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.albinfo.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/40"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.albinfo.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=64860"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.albinfo.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/64860\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.albinfo.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/52061"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.albinfo.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=64860"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.albinfo.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=64860"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.albinfo.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=64860"},{"taxonomy":"vendi","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.albinfo.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/vendi?post=64860"},{"taxonomy":"content_country","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.albinfo.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/content_country?post=64860"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}