{"id":64862,"date":"2014-06-11T08:51:33","date_gmt":"2014-06-11T06:51:33","guid":{"rendered":""},"modified":"2014-06-17T09:46:25","modified_gmt":"2014-06-17T07:46:25","slug":"fragen-der-identitat-wo-endet-die-albanerin-wo-beginnt-die-schweizerin","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.albinfo.ch\/de\/fragen-der-identitat-wo-endet-die-albanerin-wo-beginnt-die-schweizerin\/","title":{"rendered":"Fragen der Identit\u00e4t: Wo endet die Albanerin, wo beginnt die Schweizerin?"},"content":{"rendered":"<p>\u201eIst es besser hier oder dort?\u201c war der Titel des Dokumentarfilms der Autorin Elena Avdija, der im Rahmen des Podiumsgespr\u00e4chs zum Thema \u201eSecondas, Mehrfachidentit\u00e4ten ohne Komplexe\u201c in St. Gallen gezeigt wurde. Organisiert war der Abend von albinfo.ch.<\/p>\n<p>Der Film konfrontiert die jungen in der Schweiz aufgewachsenen Albanerinnen und Albaner mit der qu\u00e4lenden Frage: \u201eIst es besser hier (in der Schweiz) oder dort (in Kosova)?\u201c Beim Versuch, diese Frage zu beantworten, beschreiben die portr\u00e4tierten Jugendlichen anschaulich die Erfahrungen mit den Herausforderungen in dem Land, wo sie leben.<\/p>\n<p>Eine der Protagonistinnen des Films, Kosovare, f\u00fchrt dem Publikum in ihrem spontanen und ber\u00fchrenden Bericht in&nbsp; aller Sch\u00e4rfe die Widerspr\u00fcche vor Augen, die zwischen \u201ehier\u201c und \u201edort\u201c bestehen. \u00c4hnlich zeigt sich die doppelte Identit\u00e4t der Secondos auch bei den andern Personen im Film. Sie versuchen, ihre komplexen Identit\u00e4ten zu definieren, wobei sie immer wieder sagen, sich sowohl als Albaner wie als Schweizer zu f\u00fchlen. Manchmal kommen sie zum Schluss, dass diese Stellung sie bevorteilt und bereichert, da sie eine Identit\u00e4t mehr als die anderen haben und so die Dinge aus einer objektiveren Perspektive heraus betrachten k\u00f6nnen, als Albanerinnen wie auch als Schweizerinnen. Doch manchmal f\u00fchrt das alles auch zu Problemen &#8230;<br \/>Insgesamt bearbeitete die Autorin die Materie der mehrfachen Identit\u00e4ten mit Sensibilit\u00e4t und Fantasie; offensichtlich kennt sie diese Art Identit\u00e4t und ist diese Teil ihres Lebens: Elena Avdija geh\u00f6rt selbst der zweiten Generation an.<br \/>Erz\u00e4hlungen \u00fcber Vorurteile und ihre \u00dcberwindung<\/p>\n<p>Arb\u00ebr Bullakaj kam als Achtj\u00e4hriger mit den Eltern in die Schweiz, Blerim Bunjaku lebt ebenfalls seit diesem Alter in der Schweiz. Q\u00ebndresa Sadriu kam in der Schweiz zur Welt, ihre Eltern sind Albaner, w\u00e4hrend Etrit Hasler von seiner halbalbanischen Herkunft (v\u00e4terlicherseits) erfuhr, als er fast Zwanzig war. Mit Ausnahme Haslers identifizieren sich alle drei als \u201eSecondos\u201c bzw. als \u201eSeconda\u201c, Ausl\u00e4nder der zweiten Generation, und erlebten am eigenen Leib die Vorurteile, die sich mit dieser Kategorie von Ausl\u00e4ndern verbinden.<br \/>Sie nahmen zusammen am Podiumsgespr\u00e4ch von albinfo.ch am 6. Juni in St. Gallen teil. An der Diskussion, die von Klodina Guraziu, ebenfalls Angeh\u00f6rige der zweiten Generation, moderiert wurde, nahm auch Peter Tobler, Integrationsbeauftragter der Stadt St. Gallen, teil.<br \/>Bekim Dalipi er\u00f6ffnete im Namen von albinfo.ch das Podiumsgespr\u00e4ch.<\/p>\n<p>Die Diskussionsteilnehmer schilderten ihre Erfahrungen mit dem Konzept \u201eSecondas, Secondos\u201c aus eigener Perspektive. Q\u00ebndresa Sadriu beispielsweise \u2013 die j\u00fcngste Podiumsteilnehmerin \u2013 gewann, erst 19-j\u00e4hrig, bei den Wahlen in Glattbrugg (ZH) letzten M\u00e4rz einen Sitz im Stadtparlament. Obwohl in der Schweiz geboren, machte auch sie einige schlechte Erfahrungen als \u201eAusl\u00e4nderin\u201c. Wie viele andere Gleichaltrige ausl\u00e4ndischer Herkunft musste auch Q\u00ebndresa hunderte von Bewerbungen schreiben, um zur gew\u00fcnschten Berufsausbildung zu kommen. Auch vorher schon sah sie sich den Vorurteilen ihrer Lehrerin gegen\u00fcber, die ihr gesagt hatte, dass \u201esie zufrieden sein solle\u201c mit irgendeinem Arbeitsplatz und dass \u201esie nicht f\u00fcr eine h\u00f6here Ausbildung sei\u201c.<br \/>Trotzdem liess sie sich nicht entmutigen und erreichte, was sie heute ist: Sie ist die j\u00fcngste Volksvertreterin ihrer Gemeinde und macht n\u00e4chstens die Matur. Q\u00ebndresa betonte, sie achte ihre Wurzeln als Albanerin aus Kosova, doch sie f\u00fchle sich als Schweizerin, vollst\u00e4ndig gleichberechtigt mit den andern schweizerischen B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrgern.<\/p>\n<p>Etrit Hasler, St. Galler Kantonsrat, Dichter und bekannter Journalist, erz\u00e4hlte seine interessante Geschichte der sp\u00e4ten Bekanntschaft mit seiner albanischen Herkunft. Er betonte, dass sich die Ausl\u00e4nder nicht ihrer Namen wegen minderwertig f\u00fchlen sollen. Laut ihm b\u00fcrgern sich sowohl die albanischen wie auch die andern ausl\u00e4ndischen Namen nach einer gewissen Zeit ein und gelten danach als schweizerische Namen. <br \/>Welches ist unser Zuhause: Die Schweiz oder Kosovo?<\/p>\n<p>Wo sind wir zuhause: in der Schweiz oder in Kosova? Das ist die Frage, die viele Menschen ausl\u00e4ndischer Herkunft in der Schweiz besch\u00e4ftigt, und vor allem jene der zweiten Generation. Blerim Bunjaku, erfolgreicher Unternehmer im IT-Bereich und ehemaliger Kandidat der EVP f\u00fcr das Winterthurer Stadtparlament, hat diese Frage oft selbst erfahren. \u201eWenn wir in der Schweiz sind und uns darauf vorbereiten, nach Kosova zu gehen, fragen mich meine kleinen Kinder: \u201aPapa, wann gehen wir nach Hause?\u2019 Doch das Gleiche passiert, wenn wir in Kosova sind und sie sich nach der Schweiz sehnen. Sie fragen mich wieder: \u201aPapa, wann gehen wir nach Hause?\u2019 \u201c Das macht die alte Frage danach, wo wir zuhause sind, tats\u00e4chlich komplexer: in der Schweiz oder in Kosova?<\/p>\n<p>\u00c4hnlich beschreibt einen solchen Widerspruch auch die Moderatorin, Klodina Guraziu. Sie schildert einen Videoclip auf Youtube. Ein kleiner albanischer Knabe wird in der Schweiz&nbsp; auf Deutsch gefragt: \u201eBist du Ausl\u00e4nder?\u201c Er antwortet ohne viel nachzudenken: \u201eNein, ich bin Albaner.\u201c Auch hier zeigen sich die doppelten Identit\u00e4ten der Ausl\u00e4nder und insbesondere der Albaner in der Schweiz.<\/p>\n<p>Arb\u00ebr Bullakaj, Mitglied im Stadtparlament von Wil, sprach \u00fcber seine Kindheit als Ausl\u00e4nder in der Schweiz und die Schwierigkeiten am Anfang. Er hob die besondere Situation einer Stadt wie Wil hervor, wo die Albaner zw\u00f6lf Prozent der Bev\u00f6lkerung bilden.<\/p>\n<p>Der Integrationsbeauftragte der Stadt St. Gallen, Peter Tobler, bestritt nicht, dass Ausl\u00e4nderinnen und Ausl\u00e4nder in der Beziehung mit Einheimischen in unerw\u00fcnschte Situationen geraten k\u00f6nnen. Doch er appellierte mehrmals im Verlauf der Diskussion an die Albaner, sich hartn\u00e4ckiger und engagierter am gesellschaftlichen und politischen Leben des Landes, in dem sie leben, zu beteiligen. Auf diese Weise w\u00fcrden sie, so Tobler, zum Abbau der Vorurteile, die andere gegen sie hegen, beitragen.<\/p>\n<p>An der Diskussion beteiligten sich viele Anwesende. Sie stellten den Podiumsteilnehmern Fragen zu verschiedenen Aspekten der Themen Ausl\u00e4nderintegration, Bewahrung der Kultur des Herkunftslandes, Vorurteile der Einheimischen etc.<br \/>Zum Abschluss sang Heltin Guraziu einige albanische Lieder und begleitete sich auf der Gitarre.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Sie sind zwischen zwei Kulturen und haben deshalb eine reichhaltigere Identit\u00e4t als andere. Doch manchmal f\u00fchrt dies auch zu Schwierigkeiten &#8230; So lautete zumindest eine Aussage des Podiumsgespr\u00e4chs von albinfo.ch in St. Gallen zum Thema Secondos. <\/p>\n","protected":false},"author":19,"featured_media":52069,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1134,1133,1155],"tags":[],"vendi":[],"content_country":[],"class_list":["post-64862","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-integration","category-e-diaspora-de","category-fun-de"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.albinfo.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/64862","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.albinfo.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.albinfo.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.albinfo.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/19"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.albinfo.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=64862"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.albinfo.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/64862\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.albinfo.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/52069"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.albinfo.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=64862"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.albinfo.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=64862"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.albinfo.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=64862"},{"taxonomy":"vendi","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.albinfo.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/vendi?post=64862"},{"taxonomy":"content_country","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.albinfo.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/content_country?post=64862"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}