{"id":64871,"date":"2014-06-23T13:16:54","date_gmt":"2014-06-23T12:16:54","guid":{"rendered":""},"modified":"2015-02-16T14:53:30","modified_gmt":"2015-02-16T13:53:30","slug":"sprachkenntnisse-sind-der-schlussel-zur-integration-der-frauen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.albinfo.ch\/de\/sprachkenntnisse-sind-der-schlussel-zur-integration-der-frauen\/","title":{"rendered":"Sprachkenntnisse sind der Schl\u00fcssel zur Integration der Frauen"},"content":{"rendered":"<p>Frauen ausl\u00e4ndischer Herkunft stehen vor der Herausforderung, sich zwischen der mitgebrachten kulturellen Tradition und Integration zu entscheiden. Diese Herausforderung stellt sich noch ausgepr\u00e4gter f\u00fcr albanische Frauen, wenn wir an die patriarchalische Tradition denken, deren Lasten sie oft tragen.<\/p>\n<p>Diese B\u00fcrde abzuwerfen, die Sprache des neuen Landes zu lernen, Priorit\u00e4ten zwischen kulturellem Erbe und Integration zu setzen, das waren die Themen des Podiumsgespr\u00e4chs, das vergangenen Freitag in Bern stattfand, organisiert von albinfo.ch und dem British Council.<\/p>\n<p>Auf dem Podium sassen Yvonne Riano, Lehrbeauftragte an der Universit\u00e4t Bern und Migrationsfachfrau, Corina Eichenberger, Nationalr\u00e4tin, Luljeta Nuzi, Pr\u00e4sidentin des Programms &#8220;Shpresa&#8221; in London, und Marylone Vial-Pittet, Koordinatorin der Franz\u00f6sischkurse f\u00fcr Migrantinnen in Fribourg. Die Diskussion wurde kompetent moderiert vom Journalisten Daniel Hitzig.<\/p>\n<p>Zu Beginn begr\u00fcsste Bashkim Iseni, Leiter der Plattform albinfo.ch, die Anwesenden.<br \/>\n<strong>\u00a0<\/strong><br \/>\n<strong>&#8220;Shpresa&#8221; und die Frauen, die besser Englisch lernen als die M\u00e4nner<\/strong><\/p>\n<p>Die Schilderung der Vertreterin des Programms &#8220;Shpresa&#8221; von London, Luljeta Nuzi, \u00fcber die Stellung der albanischen Frau in Grossbritannien in Bezug auf die Sprache des Landes traf, abgesehen von einigen Besonderheiten, auch f\u00fcr die albanischen Frauen in den andern L\u00e4ndern zu. Auch wenn &#8220;Shpresa&#8221; nicht ein Programm nur f\u00fcr Frauen war, so standen diese wegen der zus\u00e4tzlichen Probleme, mit welchen Frauen in der Emigration konfrontiert sind, doch in dessen Zentrum. Nuzi erkl\u00e4rte den Aufbau des von ihr geleiteten Programms, das sich von der Praxis, die \u00fcblicherweise in \u00e4hnlichen Programmen verfolgt wird, unterscheidet. &#8220;Zuerst musst du etwas schaffen, und dann erst nach der Finanzierung suchen &#8211; nach diesem Prinzip gingen wir vor, und das ist nachhaltiger, als wenn du dich mit einem Projekt bewirbst und auf die Finanzierung wartest, ohne dich vom Fleck zu bewegen&#8221;, meint Luljeta Nuzi.<\/p>\n<p>Sie beschrieb einige Probleme in England, die vor allem Frauen betreffen und diese motivierten, mehr Englisch zu lernen. Bekanntlich sind die M\u00fctter mehr als die V\u00e4ter (die meistens arbeiten) mit den Kindern zusammen, und stehen daher vor Verst\u00e4ndigungsproblemen mit den Lehrern oder der Kinder\u00e4rztin etc., sagte Nuzi. Sie sprach auch \u00fcber den Umgang mit Ausl\u00e4ndern in Grossbritannien, \u00fcber die Funktionsweise des Sozialsystems etc. .<\/p>\n<p><strong>Bewahrung der Identit\u00e4t schliesst Integration nicht aus<\/strong><\/p>\n<p>Wann sich das Parlament zum letzten Mal mit Angelegenheiten betreffend Migrantinnen befasst habe, war die Frage, die der Moderator an Nationalr\u00e4tin Eichenberger richtete. Sie r\u00e4umte ein, dass den Migrantinnen bis jetzt nie eine eigene Diskussion gewidmet worden sei, doch an der Sitzung, aus welcher sie kam, hatte das Parlament eine wichtige Entscheidung betreffend Ausl\u00e4nder getroffen. Es ging um die \u00c4nderung des Einb\u00fcrgerungsgesetzes, wonach neu die Grundkriterien zur Erlangung des Schweizer Passes ein Aufenthalt von zehn Jahren und der Besitz der Niederlassung (Ausweis C) bilden.<\/p>\n<p>Eichenberger sprach auch \u00fcber das Verh\u00e4ltnis zwischen Integration in der neuen Gesellschaft und Bewahrung der Identit\u00e4t. Sie sagte, in der Schweiz funktioniere dieses Verh\u00e4ltnis gut, und erw\u00e4hnte das Beispiel der Italiener, die vor \u00fcber f\u00fcnfzig Jahren kamen und gut integriert sind, dabei jedoch ihre Herkunftskultur bewahrten.<\/p>\n<p>Nationalr\u00e4tin Eichenberger erw\u00e4hnte sodann die neu aufgenommene Bestimmung \u00fcber die Sprachpr\u00fcfung f\u00fcr Einb\u00fcrgerungswillige. Die Koordinatorin f\u00fcr Sprachkurse f\u00fcr Migrantinnen, Marylone Vial-Pittet, widersprach den Kriterien des neuen Gesetzes und erachtete das Erfordernis von Sprachkenntnissen auf Niveau B1 m\u00fcndlich und schriftlich als sehr unrealistisch. &#8220;Ausl\u00e4nder k\u00f6nnen gut integriert sein, auch ohne die Sprache auf diesem Niveau zu k\u00f6nnen, so wie sie ebenso gut nicht integriert sein k\u00f6nnen und dabei die Sprache perfekt beherrschen.&#8221;<\/p>\n<p>Vial-Pittet sprach auch \u00fcber die Zusammenarbeit mit den albanischen Vereinen in der Region, eine Zusammenarbeit auf gutem Niveau, wie sie sagte, doch konnte sie keine Angaben machen, wie viele albanische Frauen die von ihr koordinierten Sprachkurse besuchten. Im Kanton Fribourg lebten Menschen aus 72 nationalen oder ethnischen Herkunftsgruppen, und alle profitierten von den Kursen, betonte Vial-Pittet.<\/p>\n<p>Laut der Berner Universit\u00e4tsdozentin und Migrationsfachfrau Yvonne Riano unterscheidet sich das Bildungsniveau der Migrantinnen der letzten f\u00fcnfzehn Jahre von demjenigen von fr\u00fcher. Jetzt kommen mehr ausgebildete Frauen in die Schweiz. Trotzdem, betonte Riano, bleibe es die Aufgabe der Regierung, auf nationaler, kantonaler wie lokaler Ebene, Migrantinnen im Bereich Sprache auszubilden.<br \/>\n<strong>\u00a0<\/strong><br \/>\n<strong>Sprachliche Integration und\u00a0 Schweizerdeutsch<\/strong><\/p>\n<p>Sie sprach auch von der Tendenz, dass Frauen mit Migrationshintergrund sich nur nach &#8220;typischen Frauenberufen&#8221; orientierten, beziehungsweise nach Arbeit im Gesundheitswesen oder mit Kindern. Dieses Spektrum gelte es zu vergr\u00f6ssern, damit Frauen gleichgestellt in allen Bereichen des gesellschaftlichen Lebens teiln\u00e4hmen, unterstrich Riano.<\/p>\n<p>Im Zusammenhang mit der Integration auf sprachlicher Ebene sprach die Forscherin, die selbst spanische sprachliche Wurzeln hat, auch \u00fcber ein spezifisch schweizerisches Problem: In den Deutschschweizer Kantonen stellt sich die sprachliche Integration schwieriger dar, weil hier nebst der Standardsprache Hochdeutsch f\u00fcr die Verst\u00e4ndigung auch schweizerdeutsche Dialekte gebraucht werden. Die frankophonen Kantone kennen dieses Problem nicht, da sie eine mehr oder weniger standardisierte Sprache haben.<\/p>\n<p>In diesem Zusammenhang \u00e4usserte auch Nationalr\u00e4tin Corina Eichenberger ihre Meinung. Sie wandte sich gegen den Entscheid in ihrem Kanton (Aargau), gem\u00e4ss welchem auf Vorschulniveau nur Dialekt und nicht Hochdeutsch gesprochen werden solle.<\/p>\n<p><strong>Lebendige und qualitativ hochstehende Diskussion<\/strong><\/p>\n<p>Bashkim Iseni, Leiter der Nachrichtenplattform albinfo.ch und Mitorganisator der Veranstaltung, beteiligte sich auch an der Diskussion und sprach \u00fcber die Organisation des Unterrichts in albanischer Sprache in der Schweiz. Es gebe ein Unterrichtsnetzwerk\u00a0 (LAPSH &#8220;Naim Frash\u00ebri&#8221;), das seit mehr als zwanzig Jahren aktiv sei und in dessen Rahmen Lehrerinnen und Lehrer haupts\u00e4chlich auf ehrenamtlicher Grundlage Kindern im Schulalter Albanisch lehrten, sagte Iseni. Doch tauchten mit dem Wechsel der Generationen allm\u00e4hlich gewisse Schwierigkeiten auf, diese Art von Unterricht aufrechtzuerhalten.<\/p>\n<p>Das Publikum, in welchem sich ebenfalls kompetente Fachleute befanden, sch\u00e4tzte die Qualit\u00e4t der Beitr\u00e4ge auf dem Podium und stellte angeregt Fragen, so dass die Diskussion \u00fcber die vorgesehene Zeit hinaus dauerte. Unter anderem kamen der Umgang der schweizerischen Beh\u00f6rden mit ausl\u00e4ndischen Personen, oder die Frage, ob Migranten mehr vom Staat erwarten oder aber die Priorit\u00e4t auf private Initiativen legen sollten, zur Sprache.<\/p>\n<p>EU-Botschafter Richard Jones und der britische Botschafter David Moran \u00fcberbrachten als besondere G\u00e4ste dem Anlass ihre Gr\u00fcsse und lobten das Niveau der Diskussion und die Wahl des Themas.<\/p>\n<p>Moran analysierte die Unterschiede zwischen dem Integrationssystem in der Schweiz und jenem in Grossbritannien. Er betonte, dass beide ihre Vor- und Nachteile h\u00e4tten, wobei er auch die Unterschiede in den Migrationsstrukturen der beiden L\u00e4nder ber\u00fccksichtigte.<\/p>\n<p>Diskussion und Meinungsaustausch gingen auch beim albanischen Ap\u00e9ro am Schluss der Veranstaltung noch weiter.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Albinfo.ch und der British Council veranstalteten in Bern ein Podiumsgespr\u00e4ch zum Thema &#8220;Migrantinnen und Sprache: kulturelles Erbe oder Integration&#8221;.<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":74880,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1134,1135,1133],"tags":[],"vendi":[],"content_country":[],"class_list":["post-64871","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-integration","category-frauen","category-e-diaspora-de"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.albinfo.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/64871","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.albinfo.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.albinfo.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.albinfo.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.albinfo.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=64871"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.albinfo.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/64871\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.albinfo.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/74880"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.albinfo.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=64871"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.albinfo.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=64871"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.albinfo.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=64871"},{"taxonomy":"vendi","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.albinfo.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/vendi?post=64871"},{"taxonomy":"content_country","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.albinfo.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/content_country?post=64871"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}