{"id":64912,"date":"2014-08-12T10:13:08","date_gmt":"2014-08-12T09:13:08","guid":{"rendered":""},"modified":"2015-02-16T15:17:45","modified_gmt":"2015-02-16T14:17:45","slug":"wer-holt-fur-die-kosovaren-ihre-guthaben-von-den-schweizer-rentenkonten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.albinfo.ch\/de\/wer-holt-fur-die-kosovaren-ihre-guthaben-von-den-schweizer-rentenkonten\/","title":{"rendered":"Wer holt f\u00fcr die Kosovaren ihre Guthaben von den Schweizer Rentenkonten?"},"content":{"rendered":"<p>B. S., ein 55-j\u00e4hriger aus Prishtina, hatte sieben Jahre in der Schweiz gearbeitet und kehrte dann zur\u00fcck, um in Kosovo zu leben. Die Zeit bis zum Erreichen des Pensionsalters schien ihm sehr lange, und die Aufhebung des Sozialversicherungsabkommens zwischen der Schweiz und Kosovo machte ihm die Sache noch komplizierter. So entschied er sich, die aus seiner Arbeit in der Schweiz geleisteten Beitr\u00e4ge zu beziehen. Er hatte geh\u00f6rt, dass es in Kosovo Anw\u00e4lte gibt, die in dieser Sache vermittelten. Er fand einen Anwalt in Prishtina, der zehn Prozent von der Summe, die er f\u00fcr ihn ausl\u00f6sen w\u00fcrde, f\u00fcr sich selbst verlangte. B.S. nahm an, obwohl ihm dieser Anteil etwas gar hoch schien. \u201eBesser so als gar nicht oder nach 10-15 Jahren\u201c, dachte er. Und die Sache wurde wie vereinbart geregelt.<br \/>\nSo wie B.S. gibt es Tausende ehemaliger kosovarischer Arbeiter, die in der Schweiz gearbeitet haben und in Ermangelung einer monatlichen Rente sich daf\u00fcr entscheiden, ihre geleisteten Beitr\u00e4ge zu beziehen. \u00dcberall in Kosova gibt es Anwaltsb\u00fcros, die auch folgende Dienstleistung anbieten: die R\u00fcckerstattung der Gelder aus der Arbeit in der Schweiz.<\/p>\n<p>Das B\u00fcro \u201cGjeloshi&amp;Partners\u201d ist eines davon. Dieses B\u00fcro fiel in j\u00fcngster Zeit mit Werbereportagen auf, die es in kosovarischen Medien publizierte.<\/p>\n<p>Auf Anfrage von <a href=\"http:\/\/albinfo.ch\" target=\"_blank\">albinfo.ch<\/a> sagt der Leiter des B\u00fcros, Zef Gjeloshi, dass die von seinem B\u00fcro angebotene Dienstleistung \u00ab einzigartig \u00bb sei. Was seine Firma von Anw\u00e4lten in Kosovo unterscheide, ist laut ihm in erster Linie die Tatsache, dass er ein Jurist mit Schweizer Diplom sei. \u201eIch bin ein Jurist aus der Schweiz und f\u00fchre alle Arbeiten in der Schweiz aus. Das heisst, dass ich die aktuellen Gesetze in der Schweiz kenne, die Sprache beherrsche, etc. Ein Jurist aus einem andern Land kann jemanden im Zusammenhang mit den Gesetzen eines bestimmten Staates nicht gleich gut beraten wie ein Jurist aus eben jenem Staat\u201c, erg\u00e4nzt Gjeloshi.<\/p>\n<p>In Bezug auf seine Klienten sagt Gjeloshi, es handle sich in der Mehrheit um Personen, die in der Schweiz gearbeitet h\u00e4tten und nun in Kosova oder in EU-L\u00e4ndern lebten. Sie kennten ihre Rechte nicht. Doch geht aus einer Erkl\u00e4rung, die das Bundesamt f\u00fcr Sozialversicherungen gegen\u00fcber <a href=\"http:\/\/albinfo.ch\" target=\"_blank\">albinfo.ch<\/a> machte, hervor, dass die Beitr\u00e4ge, welche unser Gespr\u00e4chspartner auszul\u00f6sen verspricht, auch ohne die Vermittlung irgendwelcher Firmen erstattet werden k\u00f6nnen. Weshalb sollte in diesem Fall ein B\u00fcro f\u00fcr diese Dienstleistung bezahlt werden, fragten wir den Leiter von \u201cGjeloshi&amp;Partners\u201d. Er bestreitet nicht, dass die Unkenntnis der Verfahren, der Sprache etc. auf Seiten der kosovarischen Landsleute dazu f\u00fchrt, dass er genug Arbeit hat.<\/p>\n<p>Gjeloshi:\u00a0 Viele wissen nicht einmal, wie sie das Internet benutzen k\u00f6nnen<\/p>\n<p>\u00ab Es stimmt, dass die Schweiz alle Informationen in dieser Sache ver\u00f6ffentlicht. Doch viele unserer Klienten wissen \u00fcberhaupt nichts \u00fcber ihre Rechte. Viele k\u00f6nnen die Sprache nicht, wissen nicht, wie das Internet benutzt wird, wie Formulare ausgef\u00fcllt werden, ja, es gibt auch Analphabeten unter ihnen. \u00dcber unser B\u00fcro hingegen wird ihnen ihr Geld innert drei Monaten auf ihr pers\u00f6nliches Konto ausbezahlt. F\u00fcr Informationen und Beratungen verlangen wir kein Geld.\u201c<\/p>\n<p>Sein B\u00fcro setze die Klienten dar\u00fcber in Kenntnis, dass sie, wenn sie sich ihre Beitr\u00e4ge erstatten lassen, beim Erreichen des Pensionsalters keine Rente erhalten werden, erkl\u00e4rt Gjeloshi. \u201eZuerst fragen wir sie nach den Dokumenten der staatlichen Beh\u00f6rden der Schweiz. Dort steht, wieviel unser Klient gearbeitet und wieviel er verdient hat. Aufgrund dieser Dokumente berechnen wir, wieviel Geld ihm heute zusteht und wieviel Geld ihm zusteht, wenn er bis zum Erreichen des 65. Altersjahrs wartet und wenn es zu einem Abkommen zwischen der Schweiz und Kosovo kommt. Und danach muss der Klient selbst entscheiden, ob er sich das Geld heute erstatten l\u00e4sst oder ob er warten will \u2026 .\u201c<\/p>\n<p>Aufgrund seiner Erfahrung stellte Gjeloshi fest, dass etwa 60 % der Klienten entschieden, das Geld sofort zu nehmen (weil sie das Geld dringend ben\u00f6tigten). 40 % wollten warten oder seien unentschieden.<br \/>\nDoris Mal\u00e4r, stellvertretende Leiterin im Gesch\u00e4ftsfeld Internationale Angelegenheiten beim Bundesamt f\u00fcr Sozialversicherungen (BSV), sagt im Gespr\u00e4ch mit <a href=\"http:\/\/albinfo.ch\" target=\"_blank\">albinfo.ch<\/a>, das BSV sei informiert dar\u00fcber, dass Firmen, die bei der R\u00fcckerstattung der Beitr\u00e4ge jener Kosovaren, die in der Schweiz gearbeitet haben und jetzt nach Kosova zur\u00fcckgekehrt sind, vermittelten. Laut ihr geht es dabei oft um reine Geldmacherei auf dem R\u00fccken der Kosovaren.<\/p>\n<p>Mal\u00e4r (BSV\/OFAS): Eine Rechtsvertretung f\u00fcr die R\u00fcckerstattung der Beitr\u00e4ge ist unn\u00f6tig \u201eLeider haben auch wir oft geh\u00f6rt, dass gewisse Leute beziehungsweise Unternehmen in Kosovo versuchen, die Situation auszun\u00fctzen, um\u00a0 den betroffenen Personen &#8211; unter Vorspiegelung von falschen Angaben &#8211; einen Teil ihres Guthabens als Entgelt f\u00fcr angeblich n\u00f6tige Vertretung in dieser Angelegenheit abzunehmen.\u00a0 Ob diese Art von Beratung bzw. Vertretung nach kosovarischem Recht zul\u00e4ssig ist, k\u00f6nnen wir nicht beurteilen. Aus unserer Sicht handelt es sich oft um reine Geldmacherei\u201c, sagt Mal\u00e4r.<\/p>\n<p>\u201eWir haben Albinfo und andere Stellen auch bereits mehrmals im Detail \u00fcber die derzeitige Rechtslage f\u00fcr kosovarische Staatsangeh\u00f6rige im Zusammenhang mit den schweizerischen Sozialversicherungen informiert. Sie finden das entsprechende Merkblatt in verschiedenen Sprachen (u.a. albanisch und serbisch) auf unserer Internetseite, <a href=\"http:\/\/www.bsv.admin.ch\/themen\/internationales\/aktuell\/index.html?lang=de\" target=\"_blank\">http:\/\/www.bsv.admin.ch\/themen\/internationales\/aktuell\/index.html?lang=de<\/a> .<br \/>\nWir verweisen insbesondere auf Kapitel 6, Beitragsr\u00fcckverg\u00fctung. Hervorzuheben ist, dass f\u00fcr eine allf\u00e4llige Beitragsr\u00fcckerstattung KEINE Vertretung durch irgendeine Firma o.\u00e4. erforderlich ist\u201c, betont Doris Mal\u00e4r.<br \/>\n\u201eDie betroffenen Personen k\u00f6nnen die Formulare im Internet\u00a0 herunterladen und selber ausf\u00fcllen. Bei Fragen oder Problemen kann man sich an die Schweizerische Ausgleichskasse in Genf wenden, die f\u00fcr die R\u00fcckverg\u00fctung zust\u00e4ndig ist. In vielen F\u00e4llen k\u00f6nnen die Beitr\u00e4ge auch in der schweizerischen Versicherung\u00a0 belassen werden, damit sp\u00e4ter im Falle eines neuen Abkommens die Anspr\u00fcche bestehen bleiben. Dies betrifft insbesondere\u00a0 Personen, die noch weit vom Rentenalter entfernt sind\u201c, sagt sie und f\u00fcgt hinzu: \u201e Wir begr\u00fcssen es sehr, wenn Albinfo in diesem Zusammenhang die richtigen Informationen unter die Leute bringt und damit mindestens in einem gewissen Ausmass falsche Angaben in der kosovarischen \u00d6ffentlichkeit korrigieren kann. Durch solche Massnahmen k\u00f6nnen die betroffenen Personnen vor den unlauteren Machenschaften gewisser Firmen und Privatpersonen gewarnt werden.\u201c<\/p>\n<p><strong>Ibrahimi: Die Vermittler handeln nicht gesetzeswidrig, doch sie profitieren vom Unwissen der Klienten<\/strong><\/p>\n<p>Laut Ruzhdi Ibrahimi, Sozialversicherungsfachmann und Mitarbeiter der Arbeitslosenkasse der UNIA in Basel, f\u00fchrten jene Firmen, die sich r\u00fchmten, Kosovaren, die in der Schweiz gearbeitet haben, \u201e ihre Renten herauszuholen\u201c, ihre T\u00e4tigkeit zwar innerhalb des geltenden gesetzlichen Rahmens aus. \u201eDoch ganz bestimmt n\u00fctzen sie den Mangel an Informationen und die Unkenntnis der Gesetze der Mehrheit unserer betroffenen Landsleute aus\u201c, sagt Ibrahimi zu <a href=\"http:\/\/albinfo.ch\" target=\"_blank\">albinfo.ch<\/a>.<\/p>\n<p>\u00ab Bekanntlich ist es unn\u00f6tig, f\u00fcr den Bezug der Rente (oder die sofortige R\u00fcckerstattung der Beitr\u00e4ge) irgendeinen Vermittler zu bezahlen. Es gen\u00fcgt, das Formular der Schweizerischen Ausgleichskasse herunterzuladen, es auszuf\u00fcllen und die n\u00f6tigen Dokumente beizulegen. Danach erh\u00e4ltst du deine Beitr\u00e4ge, genau nach drei Monaten, gerade so wie es auch die Vermittlungsfirmen versprechen. Mit dem Unterschied, dass du besagten Firmen etwas bezahlen musst\u201c, sagt Ibrahimi. Er bedauert es, dass das Engagement von ihm und anderen Gewerkschaftern, die kosovarischen Landsleute in dieser Sache zu informieren, nicht gen\u00fcgend Wirkung gezeigt hat. Immer noch gibt es viele, die f\u00fcr die Inanspruchnahme eines derart eindeutigen Rechts \u201espezialisierte B\u00fcros\u201c bezahlen.<\/p>\n<p>Wie Ibrahimi weiter sagt, entbehre es angesichts der schwierigen wirtschaftlichen Lage mancher nach Kosova zur\u00fcckgekehrten Kosovaren einer moralischen Grundlage, von jenen, die entscheiden, sich ihre Beitragsgelder ohne auf die Unterzeichnung eines Abkommens zwischen der Schweiz und Kosova zu warten zur\u00fcckverg\u00fcten zu lassen, zu verlangen, dies nicht zu tun.<\/p>\n<p>\u00ab Infolge der Aufl\u00f6sung des Abkommens zwischen Kosovo und der Schweiz k\u00f6nnen sie nicht Monat f\u00fcr Monat ihre Renten beziehen, solange sie in Kosovo leben. Deshalb finden sie es vern\u00fcnftig, f\u00fcr ihre Bed\u00fcrfnisse die Beitr\u00e4ge als Ganzes, auf einmal zu beziehen. Sicher schadet ihnen dies auf die L\u00e4nge selbst, doch es schadet auch unseren Bem\u00fchungen f\u00fcr den Abschluss eines neuen Sozialversicherungsabkommens zwischen der Schweiz und Kosovo. Es bedeutet, dass, wann immer ein neues derartiges Abkommen zustande kommt, davon nur die zuk\u00fcnftigen Alters- oder Invalidit\u00e4tsrentner profitieren werden und nicht die heutigen, f\u00fcr welche der Kampf ausgetragen wird\u201c, sagt Ruzhdi Ibrahimi.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Immer mehr Anwaltsb\u00fcros und andere Firmen versprechen Kosovaren, ihnen das Guthaben von ihrem Schweizer Rentenkonto \u201eherauszuholen\u201c. Albinfo.ch konfrontierte die Beteiligten mit Fragen zu dieser Angelegenheit.<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":74895,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1134,1130,1133],"tags":[],"vendi":[],"content_country":[],"class_list":["post-64912","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-integration","category-aktuell","category-e-diaspora-de"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.albinfo.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/64912","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.albinfo.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.albinfo.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.albinfo.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.albinfo.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=64912"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.albinfo.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/64912\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.albinfo.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/74895"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.albinfo.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=64912"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.albinfo.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=64912"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.albinfo.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=64912"},{"taxonomy":"vendi","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.albinfo.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/vendi?post=64912"},{"taxonomy":"content_country","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.albinfo.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/content_country?post=64912"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}