{"id":64961,"date":"2014-10-07T09:47:33","date_gmt":"2014-10-07T07:47:33","guid":{"rendered":""},"modified":"2014-10-10T08:08:25","modified_gmt":"2014-10-10T06:08:25","slug":"erfolgreicher-neubeginn-bei-null","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.albinfo.ch\/de\/erfolgreicher-neubeginn-bei-null\/","title":{"rendered":"Erfolgreicher Neubeginn bei null"},"content":{"rendered":"<p>Bevor ich 2008 in die Schweiz kam, hatte ich in meiner Heimat an der Universit\u00e4t von Tetova Psychologie studiert und diplomiert. Danach engagierte ich mich in Frauenvereinigungen als Freiwillige, ich war immer aktiv. Sp\u00e4ter lernte ich meinen Ehemann kennen, der in der Schweiz lebte, und f\u00fcr mich war das Verlassen meines Landes eine grosse Herausforderung und ein einschneidender Entscheid f\u00fcr meinen Lebensweg, weil ich wusste, dass ich alles von vorne beginnen musste. Doch nachdem mir mein Mann versprach, mir bei einer m\u00f6glichst schnellen und erfolgreichen Integration behilflich zu sein, nahm ich an und kam hierher.<\/p>\n<p>Am Anfang war das Leben hier sehr schwierig und monoton. Ich strengte mich an, Deutsch zu lernen, die W\u00f6rter zu erfassen indem ich sie aufschrieb, ich kaufte B\u00fccher, dann begann ich, Intensivsprachkurse zu besuchen, die ich bis zum Niveau C1 abschloss. Ich erhielt mein Zertifikat und nun wollte ich eine Arbeit finden und weiterstudieren. Ich begann, einfache Arbeiten zu machen, nur um irgendwo dazuzugeh\u00f6ren und die Mentalit\u00e4t und die Arbeitswelt in der Schweiz kennenzulernen. Ich denke, dass mir das Sprachdiplom viele T\u00fcren und manche M\u00f6glichkeit f\u00fcr Bewerbungen \u00f6ffnete.<\/p>\n<p>Zuf\u00e4llig sah ich ein Stellenangebot als soziale Betreuerin in einem Hort, dem Hort- und Krippenbetrieb Looren, in Kloten. Ich bewarb mich und sie nahmen mich. Jetzt sind es schon fast zwei Jahre, dass ich hier arbeite und ich bin sehr gut integriert.<\/p>\n<p><strong>Albinfo.ch<\/strong>: Wie funktionieren Hort und Kinderkrippe Looren in Kloten?<\/p>\n<p><strong>Valdete Men<\/strong>a: Wir sind zwei verantwortliche Mitarbeiterinnen und eine Lernende. Uns obliegt die Betreuung der Kinder, die zur Schule oder in den Kindergarten gehen. Der Hort ist von zw\u00f6lf bis halb sieben ge\u00f6ffnet. Wir sorgen daf\u00fcr, dass die Kinder etwas Gesundes essen, dann helfen wir ihnen beim Aufgabenmachen und organisieren verschiedene Programme. Die Kinder sollen sich nicht wie in der Schule f\u00fchlen, sondern wie in einem h\u00e4uslichen Umfeld, jedoch mit klaren und definierten Regeln und Strukturen, die das Wohl der Kinder zum Ziel haben.<\/p>\n<p>Wir haben Kinder verschiedener Nationalit\u00e4ten, Kulturen und Religionen, mit unterschiedlichen Familiengeschichten, doch unsere Aufgabe ist es, uns um alle Kinder gleich zu k\u00fcmmern, sie so anzunehmen, wie sie sind, sie zu verstehen und ihnen m\u00f6glichst viel zu helfen, auch wenn sie uns Schwierigkeiten bei der Arbeit machen. Dies ist eine grosse Hilfe sowohl f\u00fcr aktiv im Erwerbsleben stehende Eltern, die arbeiten, wie auch f\u00fcr jene, die die Kinder selbst aufziehen. Bis jetzt sind alle Eltern sehr dankbar f\u00fcr die Arbeit, die wir hier machen.<\/p>\n<p><strong>Albinfo.ch<\/strong>:&nbsp; Sprichst du zu den albanischen Kindern albanisch und sprechen sie zu dir albanisch?<\/p>\n<p><strong>Valdete Men<\/strong>a: Ja nat\u00fcrlich, schon wenn sie meinen Namen h\u00f6ren, sprechen sie albanisch zu mir und ich spreche albanisch zu ihnen und dies ist uns auch nicht verboten von Seiten des Hortes, doch gem\u00e4ss Reglement ist es w\u00fcnschenswert, dass wir alle deutsch sprechen, damit auch die andern Kinder verstehen, um was es geht.<\/p>\n<p><strong>Albinfo.ch<\/strong>: Valdete, konntest du als Psychologin irgendeinen Unterschied zwischen der Erziehung unserer Kinder und derjenigen der schweizerischen Kinder bemerken, etwa was Regeln oder Zeitpl\u00e4ne betreffend Essen, Lernen und anderes angeht?<\/p>\n<p><strong>Valdete Mena<\/strong>: Ich habe tats\u00e4chlich Unterschiede bemerkt, wenn auch nicht nur bei Kindern albanischer Herkunft. Was die albanischen Kinder betrifft, habe ich festgestellt, dass unsere Kinder oft sehr verw\u00f6hnt sind oder zumindest merke ich aufgrund der Gespr\u00e4che, die wir mit ihnen f\u00fchren, dass sie keinen regelm\u00e4ssigen Schlafzeitplan haben, sehr oft in Fastfoodrestaurants essen, nicht oft Aktivit\u00e4ten wie Sport, Musik oder anderen nachgehen.<\/p>\n<p>Doch ich versuche, diese Dinge zu verstehen, denn sie haben mit unserer Mentalit\u00e4t zu tun, die nicht negativ oder weniger gut als andere Mentalit\u00e4ten ist, aber sie ist anders und kann nicht in kurzer Zeit ausgerottet und ver\u00e4ndert werden. Ich bin sicher und \u00fcberzeugt, dass die albanischen Eltern das Beste f\u00fcr ihre Kinder wollen, doch vielleicht m\u00fcssen sie wagen, weiter zu gehen, andere T\u00fcren zu \u00f6ffnen und zu schauen, was auf der andern Seite ist, lernen, dass Regeln eine andere Art, vielleicht auch eine produktivere und fruchtbarere Art f\u00fcr die Entwicklung der Kinder und ihre Zukunft sind. Dabei denke ich an regelm\u00e4ssigen Schlaf, m\u00f6glichst wenig S\u00fcssigkeiten, m\u00f6glichst viel Gem\u00fcse und Fr\u00fcchte in der Nahrung, m\u00f6glichst wenig Spiele an der Playstation oder Videogames und m\u00f6glichst viel Sport und verschiedene Aktivit\u00e4ten f\u00fcr Kinder. Es w\u00e4re gut, wenn die Kinder einmal in der Woche in den Zirkus oder ins Theater gehen, m\u00f6glichst viel mit andern Kindern zusammen sind und dem Fernsehen m\u00f6glichst fern bleiben, denn all dies tr\u00e4gt zu ihrer Entwicklung bei. Falls die Dinge, die ich aufz\u00e4hlte, viel Geld kosten, bietet die Schule ja alle diese Aktivit\u00e4ten beinahe kostenlos an, wie Sport, Schwimmen, Singen, Tanzen etc.<\/p>\n<p><strong>Albinfo.ch<\/strong>: Sind deiner Meinung nach die albanischen Frauen in der Schweiz an diesen Aktivit\u00e4ten nicht interessiert oder nicht dar\u00fcber informiert?<\/p>\n<p><strong>Valdete Mena<\/strong>: Ich kann nicht \u00fcber alle albanischen Frauen in der Schweiz verallgemeinernd sprechen, denn ich kenne viele von ihnen, die sehr f\u00e4hig, stark, intellektuell sind und alle positiven Epitheta auf sich vereinigen, doch ich h\u00f6re, dass es auch viele Frauen gibt, die nicht gen\u00fcgend integriert sind. Doch ich bin sehr positiv eingestellt und \u00fcberzeugt, dass unsere Gesellschaft sich in der Schweiz stark entwickelt hat, in der Arbeitswelt und allen Lebensbereichen Fortschritte gemacht hat. Wir haben heute viele \u00c4rztinnen, Mitarbeiter in den Spit\u00e4lern, Banken, in der Verwaltung, und ich bin stolz darauf. Wir sind wirklich ein intelligentes Volk, wissensdurstig, und ich ermutige alle albanischen Frauen, vorw\u00e4rts zu gehen, denn sie werden es schaffen, sie m\u00fcssen nur Geduld und Selbstvertrauen haben und daran arbeiten.<\/p>\n<p>Die Ambitionen von Valdete enden nicht im Kinderhort Looren. Sie sagt, dies sei nur der Anfang, und ihr Plan sei es, sehr bald mit einem Masterstudium in Psychologie zu beginnen, um sp\u00e4ter als Kinderpsychologin zu arbeiten.<\/p>\n<p>Silvije Bu\u00e7aj Shehi, Kriminologin in der Schweiz<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Valdete Mena aus Veleshta bei Struga in Makedonien, wohnhaft im Kanton Z\u00fcrich, erz\u00e4hlt uns in ihrem aufrichtigen Bericht \u00fcber ihre Emigration in die Schweiz nach der Heirat, wie sie im &#8220;Boxring der Integration&#8221; den Schwierigkeiten trotzte und schwungvoll die Herausforderungen nahm.<\/p>\n","protected":false},"author":19,"featured_media":54207,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1134,1135,1133],"tags":[],"vendi":[],"content_country":[],"class_list":["post-64961","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-integration","category-frauen","category-e-diaspora-de"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.albinfo.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/64961","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.albinfo.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.albinfo.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.albinfo.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/19"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.albinfo.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=64961"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.albinfo.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/64961\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.albinfo.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/54207"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.albinfo.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=64961"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.albinfo.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=64961"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.albinfo.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=64961"},{"taxonomy":"vendi","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.albinfo.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/vendi?post=64961"},{"taxonomy":"content_country","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.albinfo.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/content_country?post=64961"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}