{"id":70638,"date":"2014-12-06T21:14:53","date_gmt":"2014-12-06T20:14:53","guid":{"rendered":""},"modified":"2015-02-16T15:09:02","modified_gmt":"2015-02-16T14:09:02","slug":"ahmeti-es-ist-keine-losung-kosova-zu-verlassen-wir-mussen-uns-mit-den-missstanden-auseinandersetzen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.albinfo.ch\/de\/ahmeti-es-ist-keine-losung-kosova-zu-verlassen-wir-mussen-uns-mit-den-missstanden-auseinandersetzen\/","title":{"rendered":"Ahmeti: Es ist keine L\u00f6sung, Kosova zu verlassen. Wir m\u00fcssen uns mit den Missst\u00e4nden auseinandersetzen"},"content":{"rendered":"<p>Die letzten Jahre ergaben keine Perspektive, die es der Bev\u00f6lkerung Kosovos erm\u00f6glichen w\u00fcrde, in f\u00fcnf bis zehn Jahren f\u00fcr sich ein Leben in einem normalen Zustand zu sehen. Wie rechtfertigen wir die Tatsache, dass es auch heute, im Jahr 2014, so viele Albaner in jenen Staat zieht, den sie so f\u00fcrchteten, Serbien, um danach jemanden zu bezahlen, der sie Richtung Westen bringt. Und der Staat hat nicht einmal eine Strategie dagegen.<\/p>\n<p>Die Tatsache, dass 50% der Bev\u00f6lkerung Kosovas j\u00fcnger als 25 Jahre alt sind, ist wirklich ein aussergew\u00f6hnliches Potenzial, doch im Augenblick ist es zu einer aussergew\u00f6hnlichen Last f\u00fcr Kosova geworden, angesichts einer Situation, wo diese jungen Leute keine Perspektive in ihrem Land sehen. Solcher Art waren die \u00dcberlegungen, die Prishtinas B\u00fcrgermeister Shpend Ahmeti vor einem grossen, erlesenen Publikum an der Konferenz der Plattform <a href=\"http:\/\/albinfo.ch\">albinfo.ch<\/a> anl\u00e4sslich von deren vierten Jahrestag in K\u00f6niz bei Bern anstellte.<\/p>\n<p>Als besonderer Gast des Abends stand der Funktion\u00e4r, der aus den Reihen der Bewegung Vetvendosje (Selbstbestimmung) kommt, w\u00e4hrend des ganzen Abends im Zentrum der Aufmerksamkeit, auch wenn neben ihm noch sechs weitere Personen auf dem Podium waren. Unter diesen waren SP-Nationalrat Andreas Gross, Ueli Leuenberger, Nationalrat und ehemaliger Pr\u00e4sident der Gr\u00fcnen Partei, L\u00e9onard Bender von der FDP\/PLR, und Sarah Gretler, die fr\u00fchere Pr\u00e4sidentin des Vereins albinfo.ch.<\/p>\n<p>Das Thema des Abends war, was f\u00fcr einen Beitrag junge Politiker aus der Diaspora in ihren Herkunftsl\u00e4ndern leisten k\u00f6nnten. Sich dazu zu \u00e4ussern, waren vier junge albanische Politiker aus verschiedenen Parteien eingeladen. Es waren dies Q\u00ebndresa Sadriu, SP-Gemeinder\u00e4tin von Glattbrugg, P\u00ebrparim Avdyli, FDP-Kandidat f\u00fcr den Z\u00fcrcher Kantonsrat, Llesh Duhanaj, Pr\u00e4sident des Forums der Christlichdemokratischen Kosovaren innerhalb der CVP, und Blerim Bunjaku, EVP-Kandidat f\u00fcr den Z\u00fcrcher Kantonsrat und den Nationalrat.<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich \u00fcberschattete die Anwesenheit des speziellen Gastes aus Prishtina etwas die Teilnahme an der Diskussion der erw\u00e4hnten Politiker. Diese konnten jedoch dennoch ihre eigenen Beitr\u00e4ge geben.<\/p>\n<p>Auf die Frage des Moderators, wie die jungen albanischen Politiker sich eine Wirkung ihrer Arbeit in der Schweiz auch zu Gunsten Kosovos vorstellen k\u00f6nnten, antworteten diese unterschiedlich.<\/p>\n<p>Avdyli betonte, es sei normal, dass von ihnen erwartet werde, zur Entwicklung der Demokratie in ihren Herkunftsl\u00e4ndern beizutragen, doch gebe es Probleme mit der Korruptionsmentalit\u00e4t, die dort entstanden sei, und gewisse Dinge seien schwierig durchzuf\u00fchren.<\/p>\n<p>Llesh Duhanaj sprach davon, wie notwendig es sei, die in der Schweiz gewonnen Erfahrungen nach Kosova zu bringen, hob aber die Probleme hervor, die sich dabei stellten. Er \u00e4usserte auch sein Bedauern, dass keine Vertreter der Regierung am Podium teiln\u00e4hmen, die sich den Fragen und der Kritik stellen m\u00fcssten. Denn, wie er betonte, sei Shpend Ahmeti von einer Partei, die auf nationaler Ebene der Opposition angeh\u00f6re.<\/p>\n<p>Blerim Bunjaku sagte, er habe mit Kosova mehr Erfahrungen als Gesch\u00e4ftsmann denn als Politiker gemacht. Auch er betonte die Probleme, die sich allen stellen, die ihre Erfahrungen aus dem Westen nach Kosova zu bringen versuchen.<\/p>\n<p>Als Shpend Ahmeti \u00fcber das von ihm geleitete Gemeinwesen Prishtina sprach, erw\u00e4hnte er auch die Korruption, auf die er dort stiess. &#8220;Seit Beginn meines Mandats reichten wir 70 Klagen wegen Missbrauchs in der Gemeinde ein. Danach erreichten uns hunderte Gl\u00fcckwunschmeldungen von Leuten, die den Kampf gegen die Korruption und f\u00fcr Gerechtigkeit unterst\u00fctzen&#8221;, sagte er.<\/p>\n<p>Im Weiteren kritisierte er auch die Arbeit der Internationalen bez\u00fcglich Kosovo. &#8221; F\u00fcr sie war in den letzten f\u00fcnf Jahren der Dialog Kosovo-Serbien das Wichtigste, w\u00e4hrend alles andere im Namen der Stabilit\u00e4t ignoriert wurde&#8221;, sagte Ahmeti. Letztere nannte er jedoch eine zerbrechliche Stabilit\u00e4t zwischen zwei abnormalen Staaten. &#8220;Serbien ist ein abnormaler Staat, weil es sich nicht mit seiner Vergangenheit auseinandersetzt, w\u00e4hrend Kosovo gleichfalls ein abnormaler Staat ist, weil es sich nicht mit dem Heute und der galoppierenden Korruption auseinandersetzt&#8221;, sagte Shpend Ahmeti. Er bezeichnete die Korruption als Krebsgeschw\u00fcr der kosovarischen Gesellschaft und sagte gleichzeitig: &#8220;Wer versucht, etwas zu \u00e4ndern, bekommt viele Probleme.&#8221; In diesem Zusammenhang erw\u00e4hnte er, dass mehrmals Drohungen gegen ihn ergingen. Trotzdem sagte der Vetvendosje-Politiker: &#8220;Die L\u00f6sung besteht nicht darin, nach Europa auszureisen und ins Asyl zu fliehen, sondern in Kosovo zu bleiben, sich den Missst\u00e4nden zu stellen und ein wirtschaftliches Programm zu schaffen, dass Hoffnung gibt, um dort zu bleiben.<\/p>\n<p>Dann wandte er sich auch an die Diaspora. &#8220;Es gibt einen Generationenunterschied bei euch. Die erste Generation ist immer noch mit einem Bein in Kosova und mit dem andern in der Schweiz. Hingegen hegt die zweite Generation, hier geboren, klarere Absichten, sich ins hiesige gesellschaftliche und politische System zu integrieren. Es ist gut, wenn sich ihre Angeh\u00f6rigen in verschiedenen Parteien engagieren, denn so entsteht eine m\u00f6glichst breite albanische Pr\u00e4senz in den betreffenden Parteien.&#8221; Ahmeti erw\u00e4hnte auch die b\u00fcrokratischen und andern Probleme, mit welchen sich Emigranten, um an Wahlen in Kosova teilzunehmen, herumschlagen m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Im Zusammenhang mit der Nutzung von Erfahrungen junger Leute aus der Schweiz erw\u00e4hnte er den Fall eines Architekten, den die Gemeinde Prishtina anstellte. &#8220;Heute macht er viele wertvolle Projekte f\u00fcr die Stadt und er unterscheidet sich sehr von den langj\u00e4hrigen dortigen Mitarbeitern. Der Vorteil von Engagements aus Diasporakreisen ist, dass ihr gesehen habt, wie ein normaler Staat funktionieren kann und dass ihr diese Erfahrungen auch in Kosovo anwenden k\u00f6nnt.&#8221;<\/p>\n<p>Andreas Gross ist SP-Nationalrat mit langj\u00e4hriger Erfahrung und Pr\u00e4sident der sozialdemokratischen Fraktion in der parlamentarischen Versammlung des Europarats. Zudem ist er auch bekannt, weil er vor \u00fcber 30 Jahren zu den Mitbegr\u00fcndern der Gruppe f\u00fcr eine Schweiz ohne Armee (GSoA)\u00a0geh\u00f6rte. Gross, eine im schweizerischen und europ\u00e4ischen politischen Leben\u00a0 gewichtige Pers\u00f6nlichkeit, ist auch frischgew\u00e4hlter Pr\u00e4sident des Vereins albinfo.ch.<\/p>\n<p>In seiner gehaltvollen Rede gab Andreas Gross eine Lektion in Demokratie und dar\u00fcber, was unter diesem Konzept in L\u00e4ndern, die mit der Demokratie erste Schritte machen, verstanden wird.<\/p>\n<p>&#8220;Wir brauchen mehr Mut in unseren Beziehungen zu Freunden als in Beziehungen zu Leuten, die nicht unsere Freunde sind. Deshalb m\u00fcssen wir, wie \u00fcberall, auch in jenen L\u00e4ndern, wo Albaner leben, den Mut haben, uns der katastrophalen Situation dort zu stellen&#8221;, sagte Gross, wobei er sich konkret auf die Situation in Kosova bezog.<\/p>\n<p>Er schilderte seine Erfahrungen als Leiter von Organisationen, die als Wahlbeobachter im Balkan waren. Gross sagte, er habe in dieser Eigenschaft die jungen Demokratien &#8220;in den f\u00fcnf L\u00e4ndern, wo Albaner leben&#8221;, kennengelernt. \u201eIn diesen wie in allen balkanischen und aus dem Kommunismus hervorgegangenen L\u00e4ndern werden Wahlen als ein \u201aKampf auf Leben und Tod\u2018 erlebt. Doch der Kern der Demokratie besteht nicht darin. Demokratie ist ein lebenslanger Lernprozess im Bem\u00fchen, Perfektion zu erreichen. Die Demokratie ist nur ein Teilen der Macht. Niemand in der Demokratie hat die Macht als Einziger. Leider sind in den balkanischen und gerade in den albanischen L\u00e4ndern Beziehungen zum Staat historisch nur als Beziehungen zu einer Diktatur bekannt. Die Wahl auf einen politischen Posten darf nicht als Gelegenheit zur Bereicherung gesehen werden, und Wirtschaft und Politik m\u00fcssen voneinander getrennt sein. In den L\u00e4ndern, von welchen wir sprechen, ist das Gegenteil der Fall\u201c, sagte Gross.<\/p>\n<p>Im weiteren Verlauf des Abends gab es einen reichhaltigen Ap\u00e9ro, der dem gegenseitigen Kennenlernen und Meinungsaustausch diente.<\/p>\n<p>Nebst den Personen auf dem Podium nahmen an dem Abend auch mehrere G\u00e4ste aus Politik, Sport und Kunst teil. Anwesend waren der Botschafter von Kosovo in Bern, Naim Malaj, der beratende Minister ebendieser Botschaft, Mustafa Xhemajli, der Generalkonsul in Genf, Ramadan Avdiu, der stellvertretende Botschafter Makedoniens Rafet Dauti, die Konsulin Albaniens, Oliverta Radomi, der Ehrenkonsul Albaniens in der Schweiz, Edwin R\u00fcegg, die stellvertretende Leiterin des kosovarischen Kulturzentrums in Z\u00fcrich, etc. Auch da waren der bekannte ehemalige Kommandant der U\u00c7K und Abgeordnete der Bewegung Vetvendosje, Rexhep Selimi, und Shemsi Syla, hoher Offizier der U\u00c7K und der Verteidigungstruppen Kosovas (TMK). Anwesend waren auch der europ\u00e4ische Boxmeister Arnold Gjergjaj und Saranda Maliqi, die bei den Miss Schweiz Wahlen 2014 den dritten Platz erreicht hatte, etc.<\/p>\n<p><strong><em>Ahmeti: Serbien und Kosova sind &#8220;abnormale Staaten&#8221;<\/em><\/strong><\/p>\n<p><strong><em>&#8220;F\u00fcr die Internationalen war der Dialog Kosovo-Serbien in den letzten f\u00fcnf Jahren das Wichtigste, w\u00e4hrend alles andere im Namen der Stabilit\u00e4t ignoriert wurde&#8221;, sagte Ahmeti. Letztere nannte er jedoch eine zerbrechliche Stabilit\u00e4t zwischen zwei abnormalen Staaten. &#8220;Serbien ist ein abnormaler Staat, weil es sich nicht mit seiner Vergangenheit auseinandersetzt, w\u00e4hrend Kosovo gleichfalls ein abnormaler Staat ist, weil es sich nicht mit dem Heute und der galoppierenden Korruption auseinandersetzt&#8221;, sagte Shpend Ahmeti. <\/em><\/strong><\/p>\n<p><strong><em>Gross: Wahlen im Balkan werden als Kampf auf Leben und Tod erlebt<\/em><\/strong><\/p>\n<p><strong><em>\u201eIm ganzen Balkan und den aus dem Kommunismus hervorgegangenen L\u00e4ndern werden Wahlen als ein \u201aKampf auf Leben und Tod\u2018 erlebt. Doch der Kern der Demokratie besteht nicht darin. Demokratie ist ein lebenslanger Lernprozess im Bem\u00fchen, Perfektion zu erreichen. Die Demokratie ist nur ein Teilen der Macht. Niemand in der Demokratie hat die Macht als Einziger. Leider kennt man in den balkanischen und gerade in den albanischen L\u00e4ndern historisch Beziehungen zum Staat nur als Beziehungen zu einer Diktatur. Die Wahl auf einen politischen Posten darf nicht als Gelegenheit zur Bereicherung gesehen werden, und Wirtschaft und\u00a0 Politik m\u00fcssen voneinander getrennt sein. In den L\u00e4ndern, von welchen wir sprechen, ist das Gegenteil der Fall\u201c, sagte Gross.<\/em><\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Letzten Freitag fand in K\u00f6niz bei Bern der vierte Jahrestag der Internetplattform albinfo.ch statt. Aus diesem Anlass kam es auch zu einem Podiumsgespr\u00e4ch \u00fcber den Beitrag der Diaspora zur Entwicklung in Kosova. Speziell geladener Gast war Shpend Ahmeti, der B\u00fcrgermeister von Prishtina.<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":74889,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1134,1133],"tags":[],"vendi":[],"content_country":[],"class_list":["post-70638","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-integration","category-e-diaspora-de"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.albinfo.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/70638","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.albinfo.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.albinfo.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.albinfo.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.albinfo.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=70638"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.albinfo.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/70638\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.albinfo.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/74889"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.albinfo.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=70638"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.albinfo.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=70638"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.albinfo.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=70638"},{"taxonomy":"vendi","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.albinfo.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/vendi?post=70638"},{"taxonomy":"content_country","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.albinfo.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/content_country?post=70638"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}