{"id":70647,"date":"2014-12-16T10:31:11","date_gmt":"2014-12-16T09:31:11","guid":{"rendered":""},"modified":"2014-12-28T21:24:33","modified_gmt":"2014-12-28T19:24:33","slug":"wie-viel-kostet-es-aus-kosova-wegzugehen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.albinfo.ch\/de\/wie-viel-kostet-es-aus-kosova-wegzugehen\/","title":{"rendered":"Wie viel kostet es, aus Kosova wegzugehen?"},"content":{"rendered":"<p>Der Aufbruch der Kosovaren in Richtung L\u00e4nder der Europ\u00e4ischen Gemeinschaft, auf der Suche nach einem besseren Leben, nimmt kein Ende. In der Gegend von Gjilan, die vom &#8220;Aufbruchssyndrom\u201c am meisten betroffen ist, zirkuliert eine Desinformation, wonach \u201egr\u00f6ssere Chancen auf einen Fl\u00fcchtlingsstatus hat, wer in diesem Jahr ein Asylgesuch stellt\u201c.<\/p>\n<p>In den Lokalen und Wohnzimmern der Stadt wie auch in der ganzen Anamoravagegend wird von nichts anderem mehr gesprochen als \u00fcber die Frage: &#8220;Wie Kosova verlassen?&#8221;.<\/p>\n<p>Allein aus den D\u00f6rfern Bilinic\u00eb, Pogragj\u00eb, Malishev\u00eb und Uglar\u00eb sind Dutzende Familien weggegangen. Und Tausende verliessen die Gegend von Viti, Dardana und Ferizaj.<\/p>\n<p>Bis vor einem Monat waren die jungen Menschen mit dem Autobus von Prishtina und Ferizaj Richtung Belgrad aufgebrochen; nun hat sich die Route ge\u00e4ndert. Jetzt nutzen sie das Preshevatal als Sprungbrett, um anschliessend den Weg nach Belgrad und Subotica zu nehmen, von wo aus sie weiter nach Ungarn reisen.<\/p>\n<p><strong>\u201cSie wollten 600 Euro bis nach Subotica\u201c<\/strong><\/p>\n<p>Albinfo.ch war in Bujanoc, um den Aufbruch junger Leute wie auch ganzer Familien Richtung Europ\u00e4ische Gemeinschaft aus der N\u00e4he mit zu erleben. Die Mehrheit reist mit Autobussen, die abends in Richtung Westeuropa abfahren, und sp\u00e4ter steigen die Leute an der Grenze aus, um illegal auszureisen.<\/p>\n<p>Andere nehmen die regul\u00e4re Linie nach Belgrad, den \u201eNi\u0161 Express\u201c, doch daneben gibt es auch Leute, die improvisierte Taxis (Schwarzfahrer) bezahlen, die sie bis nach Subotica bef\u00f6rdern.<\/p>\n<p>&#8220;Sie verlangten 600 Euro, um mich bis an die ungarische Grenze zu bringen. Sie sagten, wenn ich drei andere f\u00e4nde, komme es mich billiger&#8221;, sagte ein Junger aus einem Dorf der Gemeinde Viti, der ebenfalls illegal nach Bujanoc ausgereist war.<\/p>\n<p>&#8220;Am Grenz\u00fcbergang Dheu i Bardh holte mich die kosovarische Polizei aus dem Autobus. Sie fragten mich, was ich im Preshevatal wolle. Ich antwortete, ich h\u00e4tte dort einen Freund. Sie sagten mir, ich solle ihn anrufen, und da ich darauf nichts zu sagen wusste, holten sie mich heraus. Nachdem ich nach Gjilan zur\u00fcckgekehrt war, fand ich dort ein paar Leute, die mich bis nach Bujanoc brachten&#8221;, berichtete er.<\/p>\n<p>Unterdessen sei es unter Taxifahrern gar zur Gewohnheit geworden, zu fragen: &#8220;Will jemand&nbsp; nach Subotica?&#8221;<\/p>\n<p>&#8220;Nie war es billiger, das Land zu verlassen. Mit 500 Euro kommst du bis nach Frankreich. Fr\u00fcher war es 3000 oder auch 4000 Euro. Deshalb gehen die Leute weg&#8221;, erkl\u00e4rte Bardhyl, ein 40-J\u00e4hriger aus Gjilan.<\/p>\n<p>&#8220;Ich war fr\u00fcher in Schweden. Damals hatte ich den Traktor und einen Zastava 101 verkauft, um als Fl\u00fcchtling wegzugehen. Jetzt k\u00f6nnen sie mit 500 Euro weggehen&#8221;, sagt er.<\/p>\n<p><strong>Sie wollen Bescheinigungen mit Foto<\/strong><\/p>\n<p>An den Schaltern der Gemeindeverwaltung von Gjilan beantragen immer mehr Personen Geburtsscheine, um damit zu immigrieren. Die meisten wollen, dass auf den Scheinen auch eine Foto angebracht wird. Das bedeutet, dass sie diese Dokumente zur Ausreise aus Kosovo ben\u00f6tigen.<\/p>\n<p>Agim Velekinca, Leiter des Zivilstandsamtes in Gjilan, sagte gegen\u00fcber den lokalen Medien, in letzter h\u00e4tten die Antr\u00e4ge auf Bescheinigungen und Ausz\u00fcgen stark zugenommen.<\/p>\n<p>&#8220;Es tut weh, wenn jemand darum bittet, ihm zu helfen, und wenn die Leute wollen, dass ihre Dokumente mit Fotos und Bescheinigungen \u00fcber ihre Identit\u00e4t versehen werden, um \u00fcber die Grenze zu gehen&#8221;, sagte er gegen\u00fcber den lokalen Medien.<\/p>\n<p>Andrerseits ist die Polizei von Kosovo verst\u00e4rkt aktiv in der Pr\u00e4vention von Emigration. Vor zwei Tagen hielt die Polizei am Grenz\u00fcbergang Dheu i bardh einen makedonischen Staatsb\u00fcrger an, unter dem Verdacht, dieser habe vier Gesch\u00e4digten 300 Euro abgenommen, um sie bis nach Subotica zu bringen.<\/p>\n<p>Albinfo.ch sprach auch mit der Polizei Kosovas. Deren Sprecher Baki Kelani sagte, die Polizei habe ihre Bem\u00fchungen zur Verhaftung von Schleppern verst\u00e4rkt. Er best\u00e4tigte, dass das Ph\u00e4nomen der irregul\u00e4ren Migration kosovarischer Staatsangeh\u00f6riger in Staaten der EU sich in den letzten zwei Monaten ausserordentlich stark entwickelt habe.<\/p>\n<p>&#8220;Die Grenz\u00fcberg\u00e4nge Kosova-Serbien sind von der zunehmenden Ausreisebewegung zwecks irregul\u00e4rer Migration betroffen, weshalb verst\u00e4rkte Bem\u00fchungen der kosovarischen Polizei gegen dieses Problem n\u00f6tig wurden&#8221;, erkl\u00e4rte Kelani.<\/p>\n<p><strong>Verhaftung zahlreicher Schlepper innert zwei Jahren <\/strong><\/p>\n<p>Der kosovarische Polizeioffizier sagte, es bestehe der Verdacht, dass die Kosovaren Opfer verschiedener Falschinformationen und von Propaganda bestimmter Personen oder Gruppen aus Schlepperkreisen w\u00fcrden.<\/p>\n<p>Laut Kelani fand und verhaftete die Polizei w\u00e4hrend der letzten zwei Jahre hunderte von Schleppern von Emigranten. &#8220;2013 kam es zu 66 Verhaftungen mit Strafanzeigen mit 223 verd\u00e4chtigten Personen. Ebenso 2014, wo es 78 F\u00e4lle von Strafanzeige gab mit insgesamt 240 F\u00e4llen&#8221;, erkl\u00e4rte Kelani.<\/p>\n<p>Zudem wurden laut dem Polizeisprecher sieben Schlepper dank internationaler Zusammenarbeit verhaftet.<\/p>\n<p>Der Aufbruch aus Kosovo bereitet auch der politischen F\u00fchrung im Land Sorgen. Pr\u00e4sidentin Atifete Jahjaga sagte,&nbsp; das Ausmass der Zahl von Menschen, die das Land verliessen, sei sehr besorgniserregend, w\u00e4hrend Bekim \u00c7ollaku, der Minister f\u00fcr die europ\u00e4ische Integration, die Bev\u00f6lkerung aufrief, nicht zu emigrieren, denn die EU-L\u00e4nder w\u00fcrden Kosovaren kein Asyl geben.<\/p>\n<p>&#8220;Noch mehr Sorgen bereitet das Ph\u00e4nomen der illegalen Migration unserer Staatsangeh\u00f6rigen, das wie es scheint in den letzten Wochen sehr zugenommen hat. Das bedeutet f\u00fcr uns, dass wir uns st\u00e4rker um unsere Wirtschaftspolitik, den Rechtsstaat, die staatliche Legitimit\u00e4t und die Zukunft unserer B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger k\u00fcmmern m\u00fcssen &#8220;, sagte Jahjaga.<\/p>\n<p>Minister \u00c7ollaku seinerseits bezeichnet den Aufbruch der Menschen in Richtung EU als doppeltes \u00dcbel f\u00fcr Kosova.<\/p>\n<p>&#8220;Alle, die diesen Weg gehen, bringen sich und ihre Familien in grosse Gefahr, und dies ohne jegliche Chance auf irgend einen Gewinn. Sicher ist, dass die einzigen Profiteure aus der illegalen Migration die Schlepper und Kriminellen sind&#8221;, sagte \u00c7ollaku.<\/p>\n<p>Unabh\u00e4ngig von den Ursachen, die so viele Kosovaren veranlassen, eine derart risikoreiche Reise zu unternehmen, ist es laut dem erw\u00e4hnten Minister sozusagen unm\u00f6glich, dass irgend einer von ihnen einen Asylstatus in einem EU-Land erhielte.<\/p>\n<p><strong>Chance auf Asyl gleich Null<\/strong><\/p>\n<p>&#8220;Das bedeutet, dass die Menschen &#8211; abgesehen davon, dass sie ihre letzten finanziellen Reserven verlieren &#8211; beim Versuch, die Grenze illegal zu \u00fcberqueren, verhaftet werden, bis zu ihrer Repatriierung monatelang unter schwierigen Umst\u00e4nden zu leben gezwungen und bei der R\u00fcckkehr nach Kosova noch \u00e4rmer als vorher sind&#8221;, gibt er zu bedenken.<\/p>\n<p>Doch diese Nachrichten sind f\u00fcr Bardhyl nicht von Belang. &#8220;Sollen sie sagen was sie wollen, diese Diebe von Politikern. Besser unter den Br\u00fccken Frankreichs als wie ein Vagabund ohne einen Cent in der Tasche leben. Hoffnung auf eine Arbeitsstelle gibt es nicht. Am Zoll von Dheu i bardh arbeiten die Leute von Drenica &#8230; Besser weggehen&#8221;, erkl\u00e4rt er.<\/p>\n<p>Die Arbeitslosigkeit in Kosova ist die h\u00f6chste der Region und betr\u00e4gt gegen 40 Prozent.<\/p>\n<p>Doch der B\u00fcrgermeister von Prishtina, Shpend Ahmeti, schrieb auf dem sozialen Netzwerk Facebook an die Bev\u00f6lkerung, und r\u00e4t ihr, nicht den Weg in die weite Welt hinaus zu gehen.<\/p>\n<p>&#8220;Jeder und jede hat seine eigenen Sorgen und alle m\u00f6chten ein besseres Leben, doch die absoluten Zahlen abgelehnter Asylgesuche sind dieser Tage gestiegen. Wir m\u00fcssen Kosova schnellstens vor den \u00dcbelt\u00e4tern und all den Korrupten retten, denn wenn wir das weiterhin zulassen, werden es immer mehr Menschen sein, die von den Gef\u00e4ngnissen und von unter den Br\u00fccken Europas zur\u00fcckkehren, doch dann ohne Haus und mit Schulden&#8221;, sagte Ahmeti.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In Gjilan soll es bei Taxifahrern zur Gewohnheit geworden sein, zu fragen: \u201eWill jemand nach Subotica?\u201c Die Kosovaren nutzen das Preshevatal als Trampolin, um von dort  nach Ungarn weiterzureisen. Albinfo.ch wollte \u201edie Illegalen\u201c aus der N\u00e4he sehen.<\/p>\n","protected":false},"author":19,"featured_media":66557,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1130,1129],"tags":[],"vendi":[],"content_country":[],"class_list":["post-70647","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-aktuell","category-ch-balkan"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.albinfo.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/70647","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.albinfo.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.albinfo.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.albinfo.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/19"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.albinfo.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=70647"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.albinfo.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/70647\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.albinfo.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/66557"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.albinfo.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=70647"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.albinfo.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=70647"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.albinfo.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=70647"},{"taxonomy":"vendi","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.albinfo.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/vendi?post=70647"},{"taxonomy":"content_country","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.albinfo.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/content_country?post=70647"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}