{"id":74235,"date":"2015-02-10T08:34:34","date_gmt":"2015-02-10T07:34:34","guid":{"rendered":"http:\/\/www.albinfo.ch\/?p=74235"},"modified":"2015-02-16T14:08:18","modified_gmt":"2015-02-16T13:08:18","slug":"eksodi-kosovareve-si-e-shohin-ate-shqiptaret-nga-zvicra-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.albinfo.ch\/de\/eksodi-kosovareve-si-e-shohin-ate-shqiptaret-nga-zvicra-2\/","title":{"rendered":"Exodus der Kosovaren: Was Albaner aus der Schweiz dazu meinen"},"content":{"rendered":"<p>In den letzten Wochen und Monaten wurde Kosova zu einer B\u00fchne der Migration. Zehntausende Bewohner machten sich auf den Weg, ohne Orientierung oder eine Ahnung wohin, mit dem einzigen Ziel: Soweit wie nur m\u00f6glich weg von Kosova! Der Hauptgrund daf\u00fcr ist die grosse Entt\u00e4uschung \u00fcber die wirtschaftliche und politische Lage in Kosova; doch l\u00e4sst sich damit dieser gewaltige &#8220;Wille&#8221; zum Weggehen erkl\u00e4ren? Und wie sehen Albanerinnen und Albaner der Schweiz, die in einer fr\u00fcheren Phase und unter Umst\u00e4nden, die sich sehr von den heutigen unterscheiden, ebenfalls &#8220;weggegangen&#8221; waren, dieses Ph\u00e4nomen?<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/albinfo.ch\">albinfo.ch<\/a> fragte drei albanische, im sozialen und politischen Leben der Schweiz aktive Pers\u00f6nlichkeiten: Ylfete Fanaj, Luzerner Kantonsr\u00e4tin, Hilmi Gashi, Gewerkschaftssekret\u00e4r, und Hamit Zeqiri, Pr\u00e4sident der Schweizerischen Konferenz der Fachstellen f\u00fcr Integration (Kofi).<\/p>\n<figure id=\"attachment_74179\" aria-describedby=\"caption-attachment-74179\" style=\"width: 215px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"http:\/\/www.albinfo.ch\/wp-content\/uploads\/2015\/02\/Ylfete12.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-74179\" src=\"http:\/\/www.albinfo.ch\/wp-content\/uploads\/2015\/02\/Ylfete12-215x300.png\" alt=\"Ylfete Fanaj\" width=\"215\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/www.albinfo.ch\/wp-content\/uploads\/2015\/02\/Ylfete12-215x300.png 215w, https:\/\/www.albinfo.ch\/wp-content\/uploads\/2015\/02\/Ylfete12-735x1024.png 735w, https:\/\/www.albinfo.ch\/wp-content\/uploads\/2015\/02\/Ylfete12.png 748w\" sizes=\"auto, (max-width: 215px) 100vw, 215px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-74179\" class=\"wp-caption-text\">Ylfete Fanaj<\/figcaption><\/figure>\n<p><strong>Ylfete Fanaj: Es sind die Schw\u00e4chsten, die f\u00fcr das Scheitern der politischen Klasse zahlen<\/strong><\/p>\n<p>Ylfete Fanaj meint, entscheidend gewesen f\u00fcr den Exodus sei die verlorene Hoffnung der Bev\u00f6lkerung auf Verbesserung. &#8220;F\u00fcnfzehn Jahre nach Ende des Krieges und sieben Jahre nach der Unabh\u00e4ngigkeit haben die Leute in Kosovo alle Hoffnung aufgegeben. Sie sehen keine Perspektive mehr in ihrem Land. Es ist verst\u00e4ndlich, dass die Menschen nach Chancen und M\u00f6glichkeiten f\u00fcr ein besseres Leben suchen&#8221;, sagt Fanaj.<\/p>\n<p>Doch habe die mehrere Monate andauernde Blockade beim Aufbau der staatlichen Institutionen diesen Zustand noch weiter erschwert. &#8220;Die politische Blockade nach den letztj\u00e4hrigen Wahlen verschlechterte die Situation noch mehr. Die Menschen erlebten noch einmal, dass Politik in Kosovo nicht zum Wohl der Menschen, sondern zu jenem bestimmter Politiker, derer Parteien und Familien gemacht wird. Die politische Klasse ist gescheitert, den Preis daf\u00fcr zahlen die Schw\u00e4chsten der Gesellschaft&#8221;, schliesst Ylfete Fanaj.<\/p>\n<p>Auch Hilmi Gashi, Gewerkschaftssekret\u00e4r und bekannter Aktivist der albanischen Gemeinschaft, sieht die Gr\u00fcnde f\u00fcr den Exodus in der verlorenen Hoffnung. Seiner Meinung nach \u00fcbten sich die Leute sogar zu lange in Geduld und Selbstbeherrschung gegen\u00fcber den Politikern.<\/p>\n<figure id=\"attachment_74180\" aria-describedby=\"caption-attachment-74180\" style=\"width: 235px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"http:\/\/www.albinfo.ch\/wp-content\/uploads\/2015\/02\/HIlmi.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-74180\" src=\"http:\/\/www.albinfo.ch\/wp-content\/uploads\/2015\/02\/HIlmi-235x300.png\" alt=\"Hilmi Gashi\" width=\"235\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/www.albinfo.ch\/wp-content\/uploads\/2015\/02\/HIlmi-235x300.png 235w, https:\/\/www.albinfo.ch\/wp-content\/uploads\/2015\/02\/HIlmi.png 326w\" sizes=\"auto, (max-width: 235px) 100vw, 235px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-74180\" class=\"wp-caption-text\">Hilmi Gashi<\/figcaption><\/figure>\n<p><strong>Hilmi Gashi: Die Zeit, zu Geduld aufzurufen, ist vorbei, jetzt muss konkret gehandelt werden <\/strong><\/p>\n<p>&#8220;Mich ber\u00fchrt sehr, was ich sehe. F\u00fcnfzehn Jahre nach der Befreiung verlassen die Menschen Kosova von Neuem. Den Grund sehe ich in der fehlenden Hoffnung auf eine Zukunft f\u00fcr sich und die eigenen Kinder. Unser Volk bewies viel Geduld mit unseren Regierungen und Politikern. Diese erwiesen sich nicht als politische F\u00fchrer, die das Volk h\u00e4tten \u00fcberzeugen k\u00f6nnen. Es fehlten Ideen f\u00fcr die vielen Aufgaben, unter anderem die Aufgabe, eine Lebensperspektive zu bieten, f\u00fcr Besch\u00e4ftigungsprogramme in Zusammenarbeit mit einheimischen und ausl\u00e4ndischen Investoren etc.&#8221;<\/p>\n<p>Doch haben wir es nicht auch mit einer Dosis Hysterie und Unkenntnis der Verh\u00e4ltnisse in Europa auf Seiten jener, die weggehen, zu tun? &#8220;Es ist nicht auszuschliessen, dass es auch Hysterie und Falschinformation gab. Es gibt Leute, die diese Lage zum eigenen Profit ausn\u00fctzen. Doch wenn wir uns nur mit den Tatsachen besch\u00e4ftigen, ohne die Gr\u00fcnde des Weggehens anzuschauen, so bewegen wir uns nur an der Oberfl\u00e4che des Problems.<\/p>\n<p>Ich glaube nicht, dass unsere Regierung die Menschen einzig mit Appellen und Grenzblockaden dazu bringen kann, das Land nicht zu verlassen. Die Leute wollen eine Perspektive. Die Zeit f\u00fcr Aufrufe zur Geduld ist vorbei&#8221;, f\u00fcgt Gashi an.<\/p>\n<p>Und f\u00e4hrt fort: &#8220;Auch die Zeit, wo unsere Regierungsleute die ganze Schuld f\u00fcr das Nichtfunktionieren von Staat und Beh\u00f6rden den Internationalen oder der Tatsache, dass wir kein Staat sind, in die Schuhe schoben, ist vorbei. Jetzt sind wir ein unabh\u00e4ngiger Staat. Doch inzwischen, scheint es mir, nehmen sich unsere Regierungsleute und Landespolitiker nicht einmal mehr die M\u00fche, das Scheitern ihrer Politik zu rechtfertigen. Und in der so entstandenen Atmosph\u00e4re bleibt den Menschen, wie wir sehen, nichts anderes \u00fcbrig, als ihr Gl\u00fcck auf den Strassen Europas zu suchen.&#8221;<\/p>\n<p>Doch trotzdem gibt es laut Gashi noch Hoffnung. Er erwartet, dass die Regierung schlussendlich die n\u00f6tigen Schritte unternehmen werde, damit die Hoffnung zur\u00fcckkehre. &#8220;Jetzt muss die Regierung von Kosova zeigen, dass sie f\u00e4hig und willens ist, sich ernsthaft um die Sorgen der Bev\u00f6lkerung zu k\u00fcmmern. Sie muss in einen sozialen Dialog mit der Zivilgesellschaft treten. Sie soll eine Taskforce bilden, zusammengesetzt aus Fachleuten, Politikerinnen und Unternehmern, die die Lage analysieren und Ideen und Vorschl\u00e4ge machen, wie aus der Krise herauszukommen ist.<\/p>\n<p>Erst wenn die Leute sehen, dass etwas Konkretes geschieht, dann glaube ich wird das Vertrauen in die staatlichen Institutionen zur\u00fcckkehren. Unsere B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger lieben Kosova. Weggehen ist f\u00fcr niemanden leicht&#8221;, schliesst Hilmi Gashi.<\/p>\n<figure id=\"attachment_74181\" aria-describedby=\"caption-attachment-74181\" style=\"width: 276px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"http:\/\/www.albinfo.ch\/wp-content\/uploads\/2015\/02\/Hamit.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-74181\" src=\"http:\/\/www.albinfo.ch\/wp-content\/uploads\/2015\/02\/Hamit-276x300.png\" alt=\"Hamit Zeqiri\" width=\"276\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/www.albinfo.ch\/wp-content\/uploads\/2015\/02\/Hamit-276x300.png 276w, https:\/\/www.albinfo.ch\/wp-content\/uploads\/2015\/02\/Hamit.png 517w\" sizes=\"auto, (max-width: 276px) 100vw, 276px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-74181\" class=\"wp-caption-text\">Hamit Zeqiri<\/figcaption><\/figure>\n<p><strong>Hamit Zeqiri: Unsere Politiker entwerteten sogar die Idee des Rechtsstaates <\/strong><\/p>\n<p>Auch f\u00fcr Hamit Zeqiri, den Pr\u00e4sidenten der Schweizerischen Konferenz der Fachstellen f\u00fcr Integration (Kofi), sind die Ursachen des j\u00fcngsten Exodus eher komplex. Doch der gemeinsame Nenner ist &#8220;der totale Verlust des Vertrauens in die politischen Strukturen&#8221;.<\/p>\n<p>&#8220;Zum Exodus der letzten Wochen in Kosova kam es vor allem wegen der Armut und der mangelnden Perspektive, aber auch aus anderen Gr\u00fcnden wie dem totalen Verlust des Vertrauens in die politischen Strukturen. Migration kennen auch einige L\u00e4nder der Europ\u00e4ischen Union. Doch die Art, wie dieser Exodus in Kosova geschieht, und seine Ausmasse, geben einem sehr zu denken und sind schmerzhaft. Die Frage ist vielmehr, wie es denn zu dieser Armut und Perspektivlosigkeit gekommen ist? Wenn wir uns vor Augen halten, dass der Krieg in Kosova vor f\u00fcnfzehn Jahren zu Ende ging und es leben so viele Leute in \u00e4usserster Armut in einem Land, das geografisch zu Europa geh\u00f6rt, dann m\u00fcssen wir Albaner uns in erster Linie selbst fragen: Was hat denn nicht funktioniert, welches sind die wirklichen Ursachen dieses Exodus?&#8221; fragt Zeqiri. Auf der einen Seite h\u00e4tten die Leute sehr lange gewartet und sehr schwere Armut ertragen, w\u00e4hrend zur gleichen Zeit ein grosser Teil der politischen F\u00fchrer all jener Parteien, die ein wenig am Kelch der Macht genippt hatten, sich auf extreme Weise mit dem Geld des Volkes bereicherte. &#8220;Auf der einen Seite haben wir eine extreme Armut eines betr\u00e4chtlichen Teils der Bev\u00f6lkerung und auf der anderen Seite eine erschreckende Bereicherung von Politikern auf dem R\u00fccken des Volkes. Das geht nicht!<\/p>\n<p>F\u00fcr diese Situation sind in erster Linie wir Albaner verantwortlich. Anstatt dass sich &#8216;unsere&#8217; Politiker f\u00fcr die St\u00e4rkung des Rechtsstaates und das Herbeiholen von Investoren engagieren, k\u00fcmmern sie sich haupts\u00e4chlich um ihre pers\u00f6nliche Bereicherung durch Diebstahl an der Bev\u00f6lkerung. Mit ihrem kriminellen Verhalten (ich kann es nicht anders nennen) entwerteten sie den Rechtsstaat und hielten jene wenigen potentiellen Investoren fern, die in Kosovo m\u00f6glicherweise Arbeitspl\u00e4tze geschaffen h\u00e4tten.&#8221;<\/p>\n<p>&#8220;Auch f\u00fcr diese Migrationsherausforderung wird sich eine L\u00f6sung finden. Ich bin sicher, dass es den Menschen gelingen wird, das Wertesystem zu \u00e4ndern, so dass ein grosser Teil der Bev\u00f6lkerung arbeiten und sich ernsthaft f\u00fcr die Gesellschaft, die Familie und sich selbst einsetzen wird. Ich hoffe sehr, dass das Ende dieser Erpresser schnell kommt und sie sich f\u00fcr ihre Verbrechen verantworten m\u00fcssen. Was diese Sorte von Politikern macht, ist, wie wenn du jemandem versprichst, ihm gratis ein Haus auf seinem Land zu bauen und danach nimmst du ihm das Haus mit samt Land weg. Vielen Menschen in Kosovo ist alles geraubt worden, was sie hatten, bis hin zu ihrer W\u00fcrde. Daf\u00fcr sollen diese Diebe irgendwann einmal geradestehen m\u00fcssen. Die politischen Parteien m\u00fcssen von den neuen Generationen zu Reformen gezwungen werden. Diese Bastarde haben Kosovo ernsthaft in Gefahr gebracht. Die Geduld der Bev\u00f6lkerung hat Grenzen. Wer das untersch\u00e4tzt, k\u00f6nnte einen teuren Preis zahlen.&#8221;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es \u00e4ussern ihre Meinung Ylfete Fanaj, Luzerner Kantonsr\u00e4tin, Hilmi Gashi, Gewerkschaftssekret\u00e4r der UNIA, und Hamit Zeqiri, Pr\u00e4sident der Schweizerischen Konferenz der Fachstellen f\u00fcr Integration KOFI.<\/p>\n","protected":false},"author":10,"featured_media":74872,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1134,1133,1156,1158],"tags":[],"vendi":[],"content_country":[],"class_list":["post-74235","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-integration","category-e-diaspora-de","category-fotolajmi-de","category-themen-vor-ort"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.albinfo.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/74235","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.albinfo.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.albinfo.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.albinfo.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/10"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.albinfo.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=74235"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.albinfo.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/74235\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.albinfo.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/74872"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.albinfo.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=74235"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.albinfo.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=74235"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.albinfo.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=74235"},{"taxonomy":"vendi","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.albinfo.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/vendi?post=74235"},{"taxonomy":"content_country","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.albinfo.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/content_country?post=74235"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}