{"id":81725,"date":"2015-05-06T10:01:44","date_gmt":"2015-05-06T08:01:44","guid":{"rendered":"http:\/\/www.albinfo.ch\/?p=81725"},"modified":"2015-05-08T12:59:38","modified_gmt":"2015-05-08T10:59:38","slug":"die-rolle-der-glaubensgemeinschaften-in-der-kosovarischen-gesellschaft","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.albinfo.ch\/de\/die-rolle-der-glaubensgemeinschaften-in-der-kosovarischen-gesellschaft\/","title":{"rendered":"Die Rolle der Glaubensgemeinschaften in der kosovarischen Gesellschaft*"},"content":{"rendered":"<p>Die Religion ist \u00fcberall ein wichtiger Bestandteil des Lebens f\u00fcr viele Menschen auf der Welt. Auch wenn es unter den Menschen solche gibt, die nicht sehr religi\u00f6s sind, halten sie die Religion trotzdem f\u00fcr wichtig, w\u00e4hrend viele andere auch glauben, dass die Gesellschaft ohne Religion nicht funktionieren kann. Der wichtigste Grund, weshalb die Gesellschaft die Religion f\u00fcr notwendig h\u00e4lt, scheint die Tatsache zu sein, dass sie Individuum und Gesellschaft bei Entscheidungen zum eigenen Verhalten hilft.<\/p>\n<p>Die Gl\u00e4ubigen sind auch der Meinung, dass der Glaube den jungen Generationen zu Disziplin und besserer Sozialisation in der Gesellschaft verhilft. Die Glaubensgemeinschaft kann wie jede andere Institution positiven oder negativen Einfluss auf die Gesellschaft aus\u00fcben, je nach Geist und Orientierung, die sie f\u00fcr ihre Anh\u00e4nger pflegt. Diese sind \u00fcberall Teil der Gesellschaft und konstitutiver Teil eines Landes und Staates, sowie sie das auch bei uns sind. Sie sind unter uns, leben, arbeiten und teilen Freud und Leid mit allen.<\/p>\n<p>Eine multikulturelle und multireligi\u00f6se Gesellschaft, wie wir es heute sind, vermag keine dauerhafte Stabilit\u00e4t und Frieden zu haben ohne gegenseitigen Respekt, Verst\u00e4ndnis, Toleranz und Solidarit\u00e4t. Die Kenntnis der \u00dcberzeugung und die Respektierung des seelischen Glaubens des andern sind auch ein g\u00f6ttlicher Auftrag, noch bevor sie menschliche Anliegen und Regeln einer offenen und demokratischen Gesellschaft bilden.<\/p>\n<p><strong>Glaubensfreiheit begreift nicht die Bek\u00e4mpfung des N\u00e4chsten mit ein<\/strong><\/p>\n<p>Sehr selten oder \u00fcberhaupt nicht gibt es auf der Welt Gesellschaften, die in ihrer Mitte nur ein einziges Gef\u00fchl seelischen Glaubens kennen. Schliesslich gibt es auch innerhalb der Religionen selbst \u00dcberzeugungen und Unter\u00fcberzeugungen, Fraktionen und unterschiedlich orientierte Sekten. Deshalb muss die religi\u00f6se \u00dcberzeugung jedes Menschen als freie Wahl des Individuums und niemals als etwas Aufgezwungenes wahrgenommen werden und angenommen werden.<\/p>\n<p>Die Zusicherung der Glaubensfreiheit begreift nicht die Freiheit und das Recht mit ein, in ihrem Namen den anderen zu bek\u00e4mpfen. Alle m\u00fcssen verstehen, dass die ethnischen, sprachlichen, gedanklichen, empfindungsm\u00e4ssigen, emotionalen und seelischen Unterschiede unter den Menschen weder unsere willentliche Wahl waren und sind, noch eine Angelegenheit unserer Zust\u00e4ndigkeit waren und sind. In allen monotheistischen Religionen ist die Vielfalt unter den Menschen alt, so wie es auch der biologische Ursprung der Erschaffung des Menschen in seiner ersten Genese ist.<\/p>\n<p>Der erste sch\u00f6pfungsgeschichtliche Ursprung nach Adam und Eva (albanisch Adem und Hava) ist das wichtigste Element der menschlichen Vereinigung und Br\u00fcderschaft, die uns allen als starke Grundlage f\u00fcr gegenseitige N\u00e4he dienen soll. Ausgehend von diesem gemeinsamen Glaubensaxiom sollte deshalb jemand, der an Gott glaubt, unbedingt auch an die erw\u00e4hnte Unterschiedlichkeit glauben und diese als Wille des Sch\u00f6pfers betrachten.<\/p>\n<p>Die religi\u00f6sen Gemeinschaften, die innerhalb einer Gesellschaft wirken, d\u00fcrfen nicht zulassen, dass ihre Oberh\u00e4upter und Anh\u00e4nger ein Klima der Ausgrenzung und Diskriminierung schaffen und pflegen, sondern sie sollten f\u00fcr die Bev\u00f6lkerung und ihre eigenen Gl\u00e4ubigen eine Kultur der Ann\u00e4herung, des Angebots und der Integration entwickeln.<\/p>\n<p><strong>Hass ist schlecht<\/strong><\/p>\n<p>Hass und Ausgrenzung, Unterwerfung und Verachtung eines anderen Menschen, der nicht dem gleichen Glauben anh\u00e4ngt, ist ein schlechtes, abscheuliches Verhalten, und eines, das in Widerspruch zu den g\u00f6ttlichen Anweisungen des Herrn steht. Bevor bei einem Menschen auf seine Zugeh\u00f6rigkeit und seine innere seelische \u00dcberzeugung geachtet wird und man sich nach diesen erkundigt, sollte er als ein menschliches Wesen betrachtet und behandelt werden.<\/p>\n<p>Das Anliegen des Glaubens an Gott ist nicht tot, es ist lebendiger und aktiver als wir uns vorstellen k\u00f6nnen. Um eine gesunde Glaubensgemeinschaft zu haben, m\u00fcssen sich deshalb die Bev\u00f6lkerung und die Gl\u00e4ubigen bem\u00fchen, dass die Anf\u00fchrer der Gemeinschaften, denen sie angeh\u00f6ren, verantwortungsvolle Menschen mit einem hohen Grad an Bewusstheit und voller Sorgfalt um die Position und die seelische Verantwortung sind, die sie gegen\u00fcber den eigenen Anh\u00e4ngerinnen und Anh\u00e4ngern wie auch dem gesellschaftlichen Umfeld, in welchem sie leben und wirken, innehaben.<\/p>\n<p>Die Religion wird \u00fcberall als Institution des Friedens und der Solidarit\u00e4t gesehen, doch sobald sie missbraucht wird, ist sie nicht mehr Teil des Friedens, sondern der Anarchie. Alle monotheistischen Religionen wollen Frieden, Wohlstand und Respekt der moralischen und menschlichen Werte als ethische Grundlage der gesamten Menschheit.<\/p>\n<p>Die Oberh\u00e4upter unserer Glaubensgemeinschaften m\u00fcssen ihren Gemeinden m\u00f6glichst nahe stehen, indem sie mit ihnen zusammenleben und ihre Anliegen und Sorgen teilen, und sich gleichzeitig engagieren und vermittels ihrer Erziehungsinstitutionen darum bem\u00fchen, dass ihre Gl\u00e4ubigen nicht vom Geist des Hasses und blinder fanatischer Ideologien belastet werden und sich niemals eine feindliche Einstellung gegen\u00fcber irgendeinem Menschen aufgrund der religi\u00f6sen Zugeh\u00f6rigkeit aneignen.<\/p>\n<p>Unsere Jugendlichen und Kinder sollen nebst dem Glauben an Gott auch lernen und glauben, dass Hass und Bek\u00e4mpfung des N\u00e4chsten wegen seiner religi\u00f6sen \u00dcberzeugung Verhaltensweisen und Taten sind, die in Widerspruch zu den Lehren des Herrn stehen, an welche sie glauben, und dem Einzelnen und jeder Gesellschaft, die eine bl\u00fchende und zivilisierte Zukunft m\u00f6chte, verboten sind und sanktioniert werden.<\/p>\n<p>Gegenseitiges Aufwiegeln und Provokationen mit tendenzi\u00f6sen Zielen und Hintergedanken, die Hass und Feindschaft erzeugen, d\u00fcrfen in keiner der Glaubensgemeinschaften in unserem Land zur Tagesordnung zugelassen werden.<\/p>\n<p><strong>Extremistische Ideologien sind religi\u00f6se Abweichungen<\/strong><\/p>\n<p>Hilfeleistungen, Schenkungen und finanzielle Unterst\u00fctzungsbeitr\u00e4ge, die an Bedingungen gekn\u00fcpft oder dazu bestimmt sind, nach ausl\u00e4ndischen doktrin\u00e4ren und ideologischen Agenden zu handeln, aus welchem Land und welcher Quelle sie uns auch angeboten werden m\u00f6gen, sollten nicht angenommen werden, denn sie zerst\u00f6ren als solche in jedem Fall die religi\u00f6se Harmonie und die Chance auf eine best\u00e4ndige Zukunft, in der unsere Bev\u00f6lkerung in Frieden und Harmonie leben kann.<\/p>\n<p>Die Glaubensgemeinschaften m\u00fcssen sich unterschiedslos verpflichten ihren Anh\u00e4ngern klarzumachen, dass Extremismus und radikale Formen von Glaubenspraxis zu keiner gesunden Glaubensrichtung geh\u00f6ren und auch nicht geh\u00f6ren sollen. Religi\u00f6se Extremismen aller Religionen sind Abweichungen und \u00dcberschreitungen, die sich nicht mit dem richtigen Glauben an den Herrn vereinbaren lassen.<\/p>\n<p>Die muslimische Glaubensgemeinschaft in Kosova als gr\u00f6sste im Land muss aktiver werden, als sie es in den vergangenen Jahren war. Sie muss ihren Gl\u00e4ubigen die gesunden Glaubensprinzipien bewusst machen, das heisst Glaubensprinzipien, die weit entfernt von irgendwelchen \u201e-ismen\u201c und individuellen oder Gruppenideologien sind, die im Inland entstehen oder vom Ausland kommen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Die Muslimische Gemeinschaft Kosovos (Bashk\u00ebsia Islame e Kosov\u00ebs \u2013 BIK) muss darauf bestehen, dass ihre leitenden K\u00f6pfe respektive ihre Imame und die ihr zur Verf\u00fcgung stehenden Bildungs- und Erziehungsinstitutionen weiterhin den traditionellen islamischen Mittelweg verfolgen, der bedeutet, weder radikal noch extrem zu sein. Um einen solchen Geist zu f\u00f6rdern, muss die Institution der BIK regelm\u00e4ssig Podiumsgespr\u00e4che, Seminare und Konferenzen mit ihren Imamen und Mitarbeitern organisieren, mit dem Ziel, diesen ihre religi\u00f6se Verantwortung, die ihnen anvertraut wurde, und das Gewicht ihrer Worte in der \u00d6ffentlichkeit ihres Umfeldes, in welchem sie leben und wirken, bewusst zu machen.<\/p>\n<p><strong>Xhabir Hamiti ist Professor an der Fakult\u00e4t f\u00fcr Islamstudien in Prishtina.<\/strong><\/p>\n<p><em>*Die in diesem Beitrag ge\u00e4usserten Gedanken geben die Ansicht des Autors wieder und entsprechen nicht zwingendermassen der Meinung der Redaktion. <\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Religion ist \u00fcberall ein wichtiger Bestandteil des Lebens f\u00fcr viele Menschen auf der Welt. 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