{"id":82003,"date":"2015-05-10T08:39:17","date_gmt":"2015-05-10T06:39:17","guid":{"rendered":"http:\/\/www.albinfo.ch\/?p=82003"},"modified":"2015-05-10T08:39:17","modified_gmt":"2015-05-10T06:39:17","slug":"proteste-mit-flaggenmosaik-und-ethnisch-einstimmig-vorgetragenen-parolen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.albinfo.ch\/de\/proteste-mit-flaggenmosaik-und-ethnisch-einstimmig-vorgetragenen-parolen\/","title":{"rendered":"Proteste mit Flaggenmosaik und ethnisch einstimmig vorgetragenen Parolen"},"content":{"rendered":"<div dir=\"ltr\">In Skopje, oder albanisch Shkup, kam es gestern Abend zum zweiten Mal hintereinander zu Protesten. Im Unterschied zu den ersten Protesten\u00a0gab es keine Fahnenszenerie. Zu sehen waren\u00a0vor allem Tafeln\u00a0 mit Aufrufen gegen die Regierung und\u00a0gegen die brutale Polizeigewalt.<\/p>\n<p>Die protestierende Menge rief Parolen gegen die Regierung,\u00a0doch\u00a0war\u00a0auch\u00a0die makedonische Hymne nicht zu \u00fcberh\u00f6ren, die bei den Albanern weder bekannt noch beliebt ist.<\/p>\n<p>Bei den Protesten des ersten Abends, welche in Gewalt eskalierten, fand sich ein Mosaik bestehend aus der makedonisch-staatlichen\u00a0 und der albanischen Fahne.<\/p>\n<p>Es waren die Aktivisten der Studentenorganisation &#8220;Studentenplenum&#8221;, die die albanische Flagge hielten. Diese studentische Organisation besteht auch aus albanischen Studenten, die an der Universit\u00e4t Skopje studieren und die als erste Proteste gegen die Regierung\u00a0in Makedonien anfachten.<\/p>\n<p>Doch die Proteste der letzten zwei Tage brachen nach der Publikation des Materials der Abh\u00f6raktion durch die makedonische Opposition aus. Darin kommen Details\u00a0zu Tage \u00fcber das Verbergen von Fakten und Verantwortung durch Innenministerin Gordana Jankulovska und Ministerpr\u00e4sident Nikola Gruevski im Zusammenhang mit der T\u00f6tung des jungen Makedoniers Martin Neskovski durch einen Polizeiangeh\u00f6rigen in der Nacht des 5. Juni 2011 in Skopje, als die VMRO-DPMNE ihren Sieg an den Parlamentswahlen feierte. Dies revoltierte die B\u00fcrger und brachte sie auf die Strasse. Doch zu Diskussionen f\u00fchrte die Frage, ob die Albaner sich\u00a0an diesen Protesten beteiligen sollen oder nicht.<\/p>\n<p>Valmir Hamidi, Student aus Shkup, beteiligt sich an den gegen die Regierung organisierten Protesten. &#8220;Ich pers\u00f6nlich beteilige mich. Ich\u00a0will nicht f\u00fcr die anderen sprechen, das ist eine pers\u00f6nliche Angelegenheit. Doch ich finde es wichtig, zu sagen, dass es eine ethnische Homogenisierung gibt, und diese zeigt sich in den Protesten. Wenn\u00a0in fr\u00fcheren Zeiten\u00a0die albanische Fahne inmitten einer solchen Menge geweht h\u00e4tte, h\u00e4tte dies zu einem mehr als \u00fcblen Ende gef\u00fchrt. Doch ich sehe, dass sie eine\u00a0andere Akzeptanz hat, denn die albanische Fahne wird auch von Makedoniern gehalten. Dar\u00fcber kann man vielleicht diskutieren. Ich gehe nicht auf andere Details ein, ob sie inszeniert sind oder was sie sind&#8221;, sagt Valmir.<\/p>\n<p>Grosse Dilemmas gibt es\u00a0 auch unter den Vertretern der albanischen Parteien, den albanischen Analysten und Intellektuellen.<\/p>\n<p>Unter den politischen Parteien herrschen verschiedene Ansichten bez\u00fcglich der Frage, ob diese Proteste unterst\u00fctzt werden sollen. Die LSDM (Makedonische Sozialdemokratische Union) als Anf\u00fchrerin der makedonischen Oppositionsfront ruft dazu auf, auch die Albaner und die anderen Gemeinschaften m\u00f6chten sich dem Kampf zum Sturz der Regierung von Ministerpr\u00e4sident Nikola Gruevski anschliessen.<\/p>\n<p>Das Vorstandsmitglied der LSDM Edmond Ademi, selber albanischer ethnischer Zugeh\u00f6rigkeit, sagt gegen\u00fcber <a href=\"http:\/\/albinfo.ch\" target=\"_blank\">albinfo.ch<\/a>, dass das\u00a0aufgeworfene Dilemma kein wirkliches Dilemma sei.<\/p>\n<p>&#8220;Die Situation ist in diesem Fall sehr klar. Entweder sind Sie gegen die Macht von Nikola Gruevski, der uns seit mehr als zehn Jahren als Volk so behandelt, wie er uns behandelt, die Abh\u00f6rungen selbst zeigen klar, wie sie \u00fcber die Albaner denken, oder Sie unterst\u00fctzen seine Macht. Eines weiss ich, dass die absolute Mehrheit der Albaner gegen diese Regierung ist, und dass viele von ihnen die Proteste unterst\u00fctzen. Jene, die versuchen das Publikum zu manipulieren mit Analysen, dass die Albaner die Proteste nicht unterst\u00fctzen sollen, sind Anh\u00e4nger Gruevskis, und sie erhalten finanzielle und pers\u00f6nliche Verg\u00fcnstigungen von ebendiesem Gruevski. Als Albaner haben wir die historische Chance, als B\u00fcrger dieses Staates Teil einer neuen Republik zu sein! Was uns zu Beginn der 90er-Jahre fehlte, und was uns auch das Jahr 2001 nicht brachte, liegt heute vor uns&#8221;,\u00a0sagt Ademi.<\/p>\n<p>Nach ihm sollten alle die Proteste gegen Gruevski unterst\u00fctzen, denn dies sei nicht nur ein Kampf der LSDM oder nur der Makedonier, sondern\u00a0ein Kampf von 99% gegen 1%.<\/p>\n<p>&#8220;Es ist der Kampf gegen\u00a0Korruption,\u00a0Verbrechen, Verachtung, gesellschaftliche, kulturelle und nationale Herabsetzung. Wenn jemand das gr\u00f6sste Opfer dieser Regierung war, dann die Albaner&#8221;, sagt Edmond Ademi.<\/p>\n<p>Der Sprecher der BDI (Demokratische Union f\u00fcr Integration, alb. Bashkimi Demokratik\u00a0p\u00ebr Integrim ), Bujar Osmani, betont, dass Protestieren ein verfassungsm\u00e4ssiges Recht ist und jeder das Recht hat, zu protestieren. Weiter wolle er sich nicht \u00e4ussern. &#8220;Doch wichtig ist, dass die Proteste ruhig verlaufen und dass Menschen oder \u00f6ffentliches Eigentum keinen Schaden erleiden&#8221;, erkl\u00e4rte Osmani.<\/p>\n<p>Doch einer der f\u00fchrenden K\u00f6pfe der neuen albanischen Oppositionsbewegungen, Ziadin Sela, erkl\u00e4rt gegen\u00fcber <a href=\"http:\/\/albinfo.ch\" target=\"_blank\">albinfo.ch<\/a> das Dilemma in Bezug auf eine m\u00f6gliche\u00a0Teilnahme der Albaner.<\/p>\n<p>&#8220;Alle k\u00f6nnen protestieren\u00a0angesichts einer gegen die Interesse der B\u00fcrger agierenden und antidemokratischen Regierung, doch die Albaner und die Makedonier k\u00f6nnen, so wie sie vor der Verfassung und den Gesetzen nicht gleich sind, auch beim Protestieren noch nicht gleichgestellt sein. Es liegt im Interesse der Albaner, dass die jetzige Regierung VMRO-BDI der Vergangenheit angeh\u00f6ren m\u00f6ge, doch noch mehr liegt es in ihrem Interesse, endg\u00fcltig die Fragen des Gebrauchs der albanischen Sprache im ganzen Land, der gerechten und proportionalen\u00a0Aufteilung des Budgets, einer auf vollst\u00e4ndigem Konsens basierenden Beschlussfassung in einem Parlament mit zwei Kammern und einer vollst\u00e4ndig dezentralisierten Lokalregierung zu regeln. Solange wir nicht \u00f6ffentlich von welchem nichtalbanischen Politiker auch immer h\u00f6ren, dass sie an all diesen Fragen interessiert sind, haben wir keinen Grund\u00a0irgendetwas zu hoffen&#8221;, erkl\u00e4rte der Pr\u00e4sident der Bewegung f\u00fcr Reformen in der PDSH (Albanische Demokratische Partei, alb. Partia Demokratike Shqiptare), Ziadin Sela.<\/p>\n<p>Auch unter den albanischen Analysten und Intellektuellen gehen die Diskussionen weiter.<\/p>\n<p>Der politische Analyst Emin Azemi betont, dass die Albaner sich nicht an diesen Protesten beteiligen sollten.<\/p><\/div>\n<div dir=\"ltr\"><\/div>\n<div dir=\"ltr\">&#8220;Die Albaner sollten sich nicht an diesen Protesten beteiligen, wo\u00a0 ihre Rolle darauf\u00a0beschr\u00e4nkt w\u00e4re, f\u00fcr kurze Zeit benutzt zu werden, nur um Gruevski von der Macht zu st\u00fcrzen. Es\u00a0ist mitnichten fair, dass die in keiner Plattform organisierten Albaner sich an einem Protest beteiligen sollen, der im vornhinein alle strategischen Elemente\u00a0der makedonischen Oppositionspolitik aufweist. Gegen das Regime von Gruevski zu protestieren und zur Installierung einer anderen politischen Kraft beizutragen, die keinerlei\u00a0Garantie abgegeben hat, dass Makedonien morgen ein Staat mit einem Zweikammernparlament und einer klaren horizontalen und vertikalen Linie der politischen Beschlussfassung\u00a0der Albaner sein wird, wo das Budget und die wirtschaftliche Entwicklung den demografischen und r\u00e4umlichen Bed\u00fcrfnissen und Ressourcen der Albaner entsprechen werden, gleicht exakt der Wette, die wir eingangs beschrieben haben. Ein Einbezug der Albaner in die Proteste kann\u00a0auch nicht symbolisch\u00a0mit drei verkn\u00fcpften Fahnen an den Protesten umschrieben werden&#8221;, urteilt der Analyst Azemi.\n<\/div>\n<div dir=\"ltr\">Der Universit\u00e4tsprofessor Lubomir Fr\u00e7kovski betont, seiner Ansicht nach\u00a0sollten die Albaner\u00a0den Sturz der von den beiden Parteien VMRO-DPMNE und BDI installierten Diktatur unterst\u00fctzen. Das Positivste an den j\u00fcngsten Entwicklungen sei die\u00a0staatsb\u00fcrgerliche Partnerschaft\u00a0zwischen den Albanern und den Makedoniern gegen diese Regierung.<\/div>\n<div dir=\"ltr\"><\/div>\n<div dir=\"ltr\">&#8220;Ich denke, dass aus dieser tiefen politischen Krise etwas\u00a0Gutes herauskam,\u00a0etwas, das unsere Gesellschaft braucht. Ich spreche von der starken Partnerschaft der Makedonier, Albaner und anderen ethnischen Gemeinschaften, die gemeinsam ihre Stimme gegen die aktuelle Diktatur erheben. Das soll weiter so bleiben&#8221;,\u00a0hob der Professor und\u00a0fr\u00fchere\u00a0<wbr \/>Pr\u00e4sidentschaftskandidat der makedonischen Opposition, Fr\u00e7kovski, hervor. Laut ihm geht es um die R\u00fcckkehr von Demokratie,\u00a0Wahrheit und\u00a0 Rechtsstaat.<\/div>\n<div dir=\"ltr\">Unabh\u00e4ngig von diesen Diskussionen existieren individuelle \u00dcberzeugungen und geteilte Meinungen unter den Albanern, ob sie die Proteste gegen die aktuelle Regierung unterst\u00fctzen sollen oder nicht.<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In Skopje, oder albanisch Shkup, kam es gestern Abend zum zweiten Mal hintereinander zu Protesten. Im Unterschied zu den ersten Protesten\u00a0gab es keine Fahnenszenerie. Zu sehen waren\u00a0vor allem Tafeln\u00a0 mit Aufrufen gegen die Regierung und\u00a0gegen die brutale Polizeigewalt. 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