Integration
Duffeyz im Rückspiegel: Von der Lehrabbrecherin zur Bachelor-Absolventin für Design
"Es ist meine Gewohnheit geworden, bis zum letzten Moment durchzuhalten und Rückschläge nicht als Ende, sondern als neuen Anfang zu betrachten"
Mit ihrem Lebensmotto “shnosh” (Hauptsache gesund) zeigt uns eine albanischstämmige Seconda, wie man mit Passion und viel Humor auch Rückschläge als ein Privileg im eigenen Lebenslauf interpretieren kann. Zusammen mit albinfo.ch wirft sie einen Blick auf ihre Schulkarriere, angefangen als Sek-B-Schülerin, über Lehrabbruch bis hin zu ihrer neuesten Position als Vorstandsmitglied im Kulturlabor Schaffhausen, wo sie ihre Leidenschaft für Kunst und Kultur lebt.
Albinfo.ch: Du hast einen Bachelor-Abschluss bei ZHdK, Du lässt deine künstlerische Ader auch in deinen Social-Media-Inhalten einfliessen und betonst in der Öffentlichkeit, dass die Diversität unter Schweizer Secondos und Secondas, nicht nur gefeiert, sondern auch in der Politik eingefordert werden sollte. Wie würdest du dich selbst und deine schulische Laufbahn beschreiben?
Duffeyz: Jeder Schritt in meiner schulischen Laufbahn und auch im Privaten hat für mich eine bedeutende Rolle gespielt, aber meine grösste Leidenschaft besteht darin, meine persönliche Entwicklung zu verfolgen und zu sehen, wie ich mich jeden Tag verbessere. Es ist meine Gewohnheit geworden, bis zum letzten Moment durchzuhalten und Rückschläge nicht als Ende, sondern als neuen Anfang zu betrachten. Diese Einstellung wurde mir zur Notwendigkeit, denn nach meinem Abschluss an der Sek B hatte ich nicht einmal eine Lehrstelle und wurde sogar fristlos aus meiner ersten Lehre entlassen, als ich sie schliesslich hatte. Das stellte mich vor grosse Herausforderungen, da ich begann, an meinen Zielen und noch schlimmer, an meinem Potenzial zu zweifeln. Eine bestimmte Eigenschaft half mir besonders dabei: Hartnäckigkeit. Ich wusste nicht, wohin mit mir – eine albanische Seconda in der Schweiz, mit 15 Jahren bereits arbeitslos. Doch etwas in mir, vielleicht war es einfach nur naives Hoffen, lies mich nicht aufgeben, und dafür bin ich meinem 15-jährigen Selbst unendlich dankbar. Heute halte ich stolz mein Bachelorabschluss-Diplom, das natürlich im Zimmer meiner Eltern hängt, und plane bereits meinen Master. Für mich ist das ein unglaubliches Privileg.
albinfo.ch: Duffeyz, ein Rückblick auf deine Berufslaufbahn zeigt eine äusserst vielfältige und steil aufsteigende Entwicklung. Doch welche drei Meilensteine siehst du als besonders wichtig in deinem Werdegang?
Duffeyz: Pragmatisch gesagt: BM-Abschluss, Praktikum in einem kreativen Beruf und Bachelor Diplom, aber das finde ich irgendwie… langweilig? Ich glaube mentale Eigenschaften sind eher die, die deinen Erfolg ausmachen: So musste ich wie erwähnt als Teenager berufliche Rückschläge erleben, um zu realisieren, dass ich mir viel Mühe für meine Zukunft geben muss. Das hat mir meine Zeit in der BM beigebracht, denn ich musste ganz schön viel Lernen. Dies würde ich als ersten Meilenstein bezeichnen. Der zweite Meilenstein kam, als ich verstand, dass ich nur wachsen kann, wenn ich mich aus meiner Komfort Zone fast schon zwinge.
Ich musste mich in Situationen stürzen, wo ich mich als «unterqualifiziert» sah. Ich habe mich bei Stellen beworben, wo ich mir immer sagte «die nehmen mich sowieso nicht», aber irgendwann mal gab mir doch jemand eine Chance. Kleiner Tipp: Die Rückschläge darf man aber dabei bloss nicht zu persönlich nehmen, doch so gut es geht als «konstruktive Kritik» interpretieren. Der dritte Meilenstein war dann im Bachelor. Alles, was ich früher als Schwäche an mir sah, musste ich mir zu Stärke umwandeln: Schlechtes Image der Albanischen Secondos in der Schweiz, meine Aussprache im Deutschen oder meine selbst-erlernten Designkenntnisse. Ich darf mich nicht über Schwächen definieren lassen, sondern ich definiere sie.
albinfo.ch: Du arbeitest heute auch für renommierte Unternehmen wie ZEAM und bist privat sehr aktiv in den sozialen Medien. Machst du überhaupt einen Unterschied zwischen deiner Rolle als Content Creator und privaten Beiträgen auf Social Media?
Duffeyz: Unbedingt! Während ich mich in meiner Rolle als Business-Duffeyz als eine extrovertierte und zielorientierte Künstlerin zeige, die ständig innovative Wege geht, «outside the box» versucht zu denken, möchte ich privat eher Ruhe, meinen gewohnten Spaziergängen im Wald geniessen und über belanglose Witze lachen. Als Content Creator strebe ich ständig nach Höherem, probiere Neues aus und vernetze mich mit verschiedenen Menschen, um meine persönliche Entwicklung voranzutreiben. Doch privat findest du mich in meiner Stamm-Dönerbude mit langjährigen Freunden und der immer gleichen Bestellung: Ohne Zwiebeln, wenig scharf und viel Sauce. Trotz der Unterschiede gibt es zwei Gemeinsamkeiten zwischen meinem Business-Ich und meinem Privat-Ich: Beide sind äusserst dankbar und sagen immer “Shnosh”.
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