Albanien
Ein Reiseziel namens Kosovo!
Für die Menschen aus der Diaspora ist der Kosovo nicht einfach nur ein Urlaubsziel. Es ist die Adresse, zu der das Herz zurückkehrt, egal wie weit entfernt sie leben.
Es gibt eine Zeit im Jahr, in der die Autobahnen Europas scheinbar alle in dieselbe Richtung führen. Schweizer, deutsche, österreichische, französische Kennzeichen… alle sind unterwegs zu einem Ziel: dem Kosovo.
Hunderttausende Albaner legen Tausende Kilometer zurück, um nur zwei oder drei Wochen in ihrer Heimat zu verbringen. Für diese Reise sparen sie das ganze Jahr über. Sie planen ihren Urlaub Monate im Voraus, rechnen jeden einzelnen Urlaubstag genau aus und warten sehnsüchtig auf den Moment, in dem sie die Grenze überqueren.
Denn diese Reise ist keine Reise wie jede andere.
In den Kosovo fährt man nicht nur, um sich zu erholen. Man fährt, um die Eltern wiederzusehen, die Großeltern zu umarmen, mit den Freunden aus der Kindheit einen Kaffee zu trinken und sich selbst ein Gefühl zu geben, das man nirgendwo sonst findet.
Der Sommer im Kosovo hat seinen eigenen Rhythmus. Die Abende dauern bis spät in die Nacht, die Cafés füllen sich mit Menschen, die Plätze erwachen zum Leben und die Wochenenden werden zur Hochzeitssaison. Die Musik ist schon von Weitem zu hören, die Höfe füllen sich mit Gästen, Familien kommen wieder zusammen und die Freude wird zu einem gemeinsamen Erlebnis. Für viele Menschen aus der Diaspora ist ein Sommer ohne die Hochzeit eines Familienmitglieds oder eines Freundes kaum vorstellbar.
Ebenso charakteristisch sind die Straßen voller Luxusautos mit ausländischen Kennzeichen. Für manche sind sie ein Symbol des Erfolgs, für andere einfach eine Belohnung für die Mühen eines Arbeitsjahres in der Fremde. Doch letztlich kommt niemand in den Kosovo, um sein Auto zu zeigen. Man kommt, weil man zeigen möchte, dass man sein Land nicht vergessen hat. Man kommt, weil man trotz des Lebens, das man sich im Ausland aufgebaut hat, das Bedürfnis verspürt, dorthin zurückzukehren, wo die eigenen Wurzeln liegen.
Für Kinder, die in der Schweiz, in Deutschland oder Österreich geboren wurden, sind diese zwei oder drei Wochen vielleicht die wichtigste Lektion über ihre Identität. Sie lernen ihre Cousins und Cousinen kennen, hören an jeder Ecke Albanisch, spielen in den Höfen, in denen einst ihre Eltern gespielt haben, und schaffen Erinnerungen, die sie ein Leben lang begleiten werden.
Natürlich ist auch der Kosovo nicht ohne Probleme. Die Diaspora sieht die unfertigen Straßen, den Verkehr, die fehlende Ordnung und die Herausforderungen des Alltags. Doch die Liebe zur Heimat misst sich nicht an ihrer Perfektion. Sie misst sich an dem Wunsch, Jahr für Jahr zurückzukehren.
Und genau das ist das Wunder des kosovarischen Sommers. Menschen, die in einigen der am weitesten entwickelten Länder der Welt leben, entscheiden sich dafür, ihren Urlaub dort zu verbringen, wo sie einen Teil ihres Herzens zurückgelassen haben.
Wenn der Sommer zu Ende geht, bilden sich erneut lange Autoschlangen, diesmal in die entgegengesetzte Richtung. Die Koffer werden mit Käse, Ajvar, Paprika, Fotos und Sehnsucht gefüllt. Die Umarmungen werden länger, die Tränen versteckter.
Und wie jedes Jahr bleibt derselbe Satz, der kurz vor der Abreise gesagt wird:
“Passt auf euch auf… wir sehen uns nächsten Sommer.”
Denn für die Menschen aus der Diaspora ist der Kosovo nicht einfach nur ein Urlaubsziel. Es ist die Adresse, zu der das Herz zurückkehrt, egal wie weit entfernt sie leben.
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