Kosova
Der weiße Exodus: Die Ärzte kehren dem Kosovo den Rücken
Die Gründe für die Abwanderung der Weißkittel sind vielfältig, stehen jedoch hauptsächlich im Zusammenhang mit finanziellen Problemen und den Arbeitsbedingungen
In Kosovo ist die Auswanderung der Bürger nach Europa längst zu einem Massenphänomen geworden. Doch wenn dieser Trend auch jene betrifft, die sich um die Gesundheit der Bevölkerung kümmern Ärzte, Pflegekräfte und andere medizinische Fachkräfte wird die Gefahr nicht nur sozial, sondern auch existenziell für das Gesundheitssystem des Landes.
Allein im Jahr 2023 haben laut der Ärztekammer des Kosovo 167 Ärzte ein ethisch-professionelles Zertifikat zum Zweck der Beschäftigung im Ausland erhalten. Im ersten Halbjahr 2024 haben bereits mehr als 60 Ärzte das Land verlassen, während bis September 111 neue Anträge registriert wurden. Diese Zahlen sind nur die Spitze des Eisbergs, denn dahinter verbergen sich Dutzende von Pflegekräften und Technikern, die jedes Jahr ihren Weg nach Deutschland, in die Schweiz oder in andere EU-Länder suchen.
In der Praxis zeigen die Daten ein anderes Bild: Jeden Monat verliert Kosovo einige seiner am besten qualifizierten Fachkräfte.
Gründe für die Abwanderung
Die Gründe für die Abwanderung der Weißkittel sind vielfältig, hängen jedoch hauptsächlich mit finanziellen Fragen und den Arbeitsbedingungen zusammen. Das Gehalt eines Facharztes in Deutschland ist um ein Vielfaches höher als das eines Kollegen im Kosovo. Ein Arzt verdient in Deutschland durchschnittlich über 6 000 Euro pro Monat, während ein Facharzt im Kosovo rund 1 200 Euro erhält ein deutlicher Unterschied in der finanziellen Wertschätzung des Berufs.
Auch die Arbeitsbedingungen spielen eine Rolle: Es mangelt an Ausrüstung, die Operationssäle sind weit davon entfernt, modern zu sein, und unterstützendes Personal fehlt oft. In den wichtigsten Krankenhäusern des Landes, insbesondere im Universitätsklinikum von Kosovo, betreut eine Krankenschwester 16 bis 20 Patienten pro Tag weit über der Norm.
Ein weiterer Grund für die sogenannte „weiße Auswanderung“ ist der Mangel an Perspektiven. Spezialisierungen werden häufig auf der Grundlage staatlicher Bedürfnisse und nicht nach den Wünschen junger Ärzte vergeben. Der Mangel an Möglichkeiten für weiterführende Spezialisierungen, wissenschaftliche Forschung und berufliche Entwicklung treibt viele Mediziner zur Migration.
Kosovo droht, seine tragende Säule des Gesundheitswesens zu verlieren
Wenn die Abwanderung der Ärzte nicht gestoppt wird, droht Kosovo, seine wichtigste Stütze im Gesundheitswesen zu verlieren. Das ohnehin geschwächte Krankenhauswesen könnte zusammenbrechen und Tausende Patienten ohne grundlegende Versorgung zurücklassen.
Seit dem vergangenen Monat hat das Lungenkrankenhaus in Peja die einzige Einrichtung im Land, die Tuberkulose und andere Lungenerkrankungen behandelt mit einem Mangel an Pneumologen zu kämpfen. Obwohl „das Krankenhaus offiziell nicht geschlossen ist“, erklärte die Leitung des Allgemeinen Krankenhauses Peja, dass die Abteilung für Pneumologie weiterhin arbeitet. Wenn Ärzte fehlen, werden Patienten von Internisten behandelt, während komplizierte Fälle an die Lungenklinik des Universitätsklinikums in Prishtina überwiesen werden.
„Die Migration zersetzt die Grundlagen der kosovarischen Gesellschaft: Nicht nur Ärzte, sondern Arbeiter aus allen Sektoren verlassen das Land“
Laut Eurostat haben in den letzten fünf Jahren über 200 000 kosovarische Staatsbürger in den EU-Ländern Asyl beantragt das entspricht mehr als 12 % der Gesamtbevölkerung. Im Jahr 2024 beantragten rund 39 000 Kosovaren eine Aufenthaltserlaubnis in Europa, fast die Hälfte davon in Deutschland. Diese Zahlen spiegeln einen anhaltenden Migrationstrend wider, der vor allem durch wirtschaftliche, bildungsbezogene und lebensstandardbezogene Gründe angetrieben wird.
Während die Abwanderung von Ärzten, Pflegekräften und anderen Gesundheitsfachleuten gut dokumentiert ist, zeigen Daten, dass auch viele Fachkräfte außerhalb dieses Sektors über eine Auswanderung nachdenken oder sie bereits planen.
Bauarbeiter: Die Baubranche gehört zu den Sektoren mit der höchsten Emigrationsrate. Laut einem Bericht des GAP-Instituts haben etwa 18,7 % der Beschäftigten in dieser Branche den Wunsch geäußert, auszuwandern.
Hotellerie, Gastronomie und Dienstleistungssektor: Auch diese Bereiche weisen laut GAP einen hohen Anteil an Auswanderungswilligen auf rund 18,7 % der Befragten.
Handel und Produktion: Diese beiden Sektoren sind ebenfalls stark betroffen, insbesondere wegen niedriger Löhne, fehlender Versicherungen und instabiler Arbeitsbedingungen. Der Anteil derjenigen, die auswandern möchten, liegt bei etwa 18,1 % im Handel und 12,9 % in der Produktion.
Auch andere technisch-administrative Fachkräfte mit spezialisierten Kenntnissen verlassen das Land sowohl wegen mangelnder beruflicher Entwicklungsmöglichkeiten als auch wegen wirtschaftlicher Instabilität.
Keine offiziellen Daten
Das Gesundheitsministerium verfügt über keine konkreten Daten zur Abwanderung der Ärzte aus dem Kosovo, ebenso wenig wie andere Ministerien über die sogenannte „Abwanderung der Köpfe“. Die Folgen dieses Phänomens reichen vom Verlust der Arbeitskräfte und der Verringerung der Bevölkerung bis hin zu einem Fachkräftemangel in allen Bereichen. schreibt albinfo.ch
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