Albanien

Eine Tierschützerin aus der Schweiz engagiert sich für Straßenhunde in Albanien

Jenny Hasanaj Müller: "Meine Vision ist eigentlich ganz einfach, ich will für meine beiden Heimatländer als ein tatkräftiges und positives Beispiel vorangehen"

Ein scheinbar unspektakuläres Ferienereignis in Vlora, Albanien brachte Frau Müller dazu sich regelmässig bzw. ehrenamtlich für das Wohl von ausgesetzten Tieren in Albanien zu engagieren. Was am Anfang aus innerer Berufung und Tierliebe begann, entwickelte sich nach und nach zu einer professionellen Arbeit für ein fortschrittlicheres Zusammenleben zwischen Tieren und Menschen, namentlich Frau Müllers Tierschutzverein: JETA Tier und Mensch.

albinfo.ch: Frau Müller erzählen Sie uns mehr, was Sie mit Albanien verbindet und wie es zu Ihrer heutigen Arbeit als Tierschutzaktivistin gebracht haben?

Jenny Hasanaj Müller: Mein vollständiger Name ist Jenny Hasanaj Müller und ich wurde in Vlora, Südalbanien geboren. Nach dem Fall des eisernen Vorhangs in Albanien wanderte mein Vater 1991 mit mir in die Schweiz aus. Heute lebe ich mit meiner Familie in Luzern und seit 2015 beinhalten meine Ferienaufenthalte in Vlora immer mehr Tierschutzaktivitäten für das Tier- und Menschenwohl in Albanien. Verwandte von mir hielten immer einen Hund zu Hause, doch dieser verschwand eines Tages spurlos. Ich machte mich auf die Suche nach dem Vierbeiner und begegnete so das Tierheim „Protect me Albania“, die Freiwilligen hatten den Hund aufgefangen und dadurch vor dem Schicksal eines weiteren Strassenhundes in Vlora bewahrt.

Als eine Person, die sowohl in der Schweizer als auch in der albanischen Sprache und Kultur beheimatet ist, habe ich keinen einseitigen Blick auf die prekären Umstände der Tierheime Albaniens. Und doch verfalle ich in eine Art Kulturschock, wenn ich die Mittel und Möglichkeiten von Tierheimen Albaniens mit jenen Standards der Schweiz vergleiche.  Was mich jedoch bei „Protect me Albania“ gleichzeitig auch faszinierte, war das freiwillige Engagement des Personals vor Ort. Mit minimalen Mitteln, wenig bis gar keiner Wertschätzung aus Gesellschaft und Politik, bemühten sich die Mitarbeiter mit Herzblut für jedes einzelne, ausgesetzte Tier.

albinfo.ch: Wie haben Sie Ihre neue Leidenschaft als Tierschutzaktivisten mit Ihrem privaten Leben vereinbart?

Jenny Hasanaj Müller: Anfangs sammelten mein Mann und ich privat Spenden für das Tierheim „Protect me Albania“ und 2016 gründeten wir JTM. Ich vermittle seither zwischen Schweizer Tierschutzorganisationen, wie „StrayCoCo“ und jenen in Albanien und im Kosovo. Mit der Zeit reduzierte ich mein Arbeitspensum, um mich intensiver mit Tierschutzbelangen in Albanien zu beschäftigen. Mittlerweile habe ich meinen Beruf komplett an den Nagel gehängt und in diesem Jahr werde ich zu meiner ersten viermonatigen Vollzeit-Projektreise nach Albanien beruflich unterwegs sein.

albinfo.ch: Haben Sie viele albanischsprachige Mitglieder für Ihre Tierschutzverein gewinnen können?
Frau Müller lächelt und schüttelt den Kopf. Der Verein mit Sitz in Luzern hat abgesehen von mir nur anderssprachige Mitglieder. Mit im Team sind fünf Schweizer, eine Deutsche und eine Italienerin.  Es wäre sehr wünschenswert, wenn wir auch vermehrt Schweiz-Albaner für unsere Vision und Arbeit begeistern könnten. Tatsächlich schaffen wir auch Arbeitsplätze, aktuell beschäftigen wir drei Personen über unseren Verein JTM in Albanien in Vollzeit. Aus Erfahrung musste ich einsehen, dass es eine Sache ist, wenn man Tierheime in Albanien mit einer einmaligen Spende unterstützt, doch es schnell zu einer ganz anderen Angelegenheit wird, wenn man sich institutionell oder vor Ort mit den Bedürfnissen der Tiere und Menschen aktiv und regelmässig auseinandersetzt.

albinfo.ch: Auf welche Leistung Ihres Vereins sind Sie besonders Stolz?

Jenny Hasanaj Müller: Unser grösster Erfolg war die Durchführung von über 3000 Kastrationen an Strassenhunden. Dabei waren wir an 7 verschiedenen Städten rund um Vlora zusammen mit Tierärzten unterwegs. Wenn 1000 Kastrationen im Jahr durchgeführt werden können, werden künftig durchschnittlich 4000 Welpen weniger geboren und vor dem Schicksal eines Strassenhundes bewahrt. Trotz vieler unbeantworteter Telefonate und Emails sind wir regelmässig im regen Kontakt mit albanischen Behörden, die gesetzlich verpflichtet sind, sich um die Reduzierung der Strassenstreuner zu kümmern. Zusätzlich werden wir vermehrt von ausländischen Touristen, die ihren Urlaub im Balkan machen, kontaktiert. Oft sind Welpenfunde auf der Strasse eine Situation, die bei den Touristen für Unbehagen oder Befremdlichkeit bzw. Bestürzung sorgt. Man ist hin und hergerissen, wie man mit den Tieren umgehen soll in der Rolle als Tourist und es findet sich nicht so leicht ein Tierheim, welches die Tiere übernehmen kann. Unser nächstes Ziel ist es vermehrt auf diesen wunden Punkt in der albanischsprachigen Gesellschaft zu zeigen und konstruktiv Lösungsansätze zu erarbeiten und alle Beteiligten (Gesellschaft, Politik ect.) für dieses Phänomen zu sensibilisieren.

albinfo.ch: Welche Ziele verfolgen Sie auf Ihrer Projektreise?

 Jenny Hasanaj Müller: Ich habe meinen Job für diese Institution aufgegeben und ich werde bald für 4 Monate nach Albanien reisen nur um den Tierschutz eigenständig und tatkräftig vorwärtszubringen, denn meine Emails und Telefonate von den offiziellen staatlichen Institutionen in Albanien bleiben bis anhin unbeantwortet. Es braucht endlich Taten.

Ich wünsche mir verstärkt Tierschutzaktivitäten im albanischen Raum, denn das ist aus vielerlei Hinsicht notwendig für das gesamte Ministerium, das Gesundheitswesen, den Tourismus und es hat selbst für die Bestrebung Albaniens in die EU einzutreten Relevanz. Wir helfen nicht nur den Tieren und der Natur, wir machen auch den Schulweg für Kinder sicherer.

Meine Vision ist eigentlich ganz einfach, ich will für meine beiden Heimatländer als ein tatkräftiges und positives Beispiel vorangehen.

(Autor: Driter Gjukaj)


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