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Mit “Prison Art” machen sie die Welt schöner und verantwortungsbewusster

Als Teil eines hauptsächlich humanitären Projekts, wollen Marjeta und Kujtim mit ihrer Arbeit diese Welt zu einem schöneren und verantwortungsbewussteren Ort machen.

Marjeta und Kujtim Statovci, in der Schweiz lebende Albaner, betreiben seit Jahren ein ganz besonderes Geschäft. Sie kaufen handgefertigte Taschen von Gefangenen in Mexiko und verkaufen sie in der Schweiz, in Deutschland und in Österreich. Aber nicht nur Verkauf und Kauf zeichnen Marjeta und Kujtim aus. Als Teil eines vorwiegend humanitären und sozialen Projekts wollen sie diese Welt schöner und lebenswerter machen.

Albinfo.ch: Was ist Gefängniskunst und was steckt hinter dieser Idee?

Marjeta und Kujtim Statovci: Einfach ausgedrückt, es ist ein Resozialisierungsprojekt für Gefangene. Diejenigen Gefangenen, die sich in der Endphase des Freilassungsprozesses befinden, dürfen unter Einhaltung bestimmter Regeln an dem Projekt mitarbeiten, neue Gewohnheiten entwickeln und alte Gewohnheiten aufgeben. Diese Idee wurde in Mexiko geboren, einem Bundesstaat mit 130 Millionen Einwohnern und einer sehr hohen Kriminalitätsrate. Die besten Voraussetzungen also damit ein derartiges Projekt erfolgreich und funktional ist.

Kann man sagen, dass das Projekt erfolgreich war? Hat es einen messbaren Wert?

Auf jeden Fall. Heute arbeiten 250 Mitarbeiter an dem Projekt. Arbeitnehmer, die im Gefängnis arbeiten, erfüllen den erforderlichen Tagessatz innerhalb der Rahmenbedingungen, die beispielsweise ein drogenfreier und gewaltfreier Bereich sind. Die Freigelassenen, die durch das Projekt wieder sozialisiert wurden, haben einen Job erhalten, um weiter an dem Projekt zu arbeiten. Sie haben ein festes Gehalt, mit dem sie ein neues Leben aufbauen und die Familie ernähren können. Diejenigen, die Rückfällige werden und im Gefängnis landen, sind dauerhaft vom Projekt ausgeschlossen. Diese Maßnahme wird getroffen, um sicherzustellen, dass er oder sie sich selbst oder ihrer Familie treu bleibt.

Wessen Idee war es, die Taschen aus den mexikanischen Gefängnissen zu importieren und das Projekt “Art of Prison” in der Schweiz aufzubauen?

Nur ein Jahr nachdem Jorge dieses Projekt in Mexiko gestartet hatte, hatten Ihn die Gefangenen in Spanien bereits zum “Retter” ernannt. Einer von ihnen war ein ehemaliger Geschäftspartner von uns. Dessen Entlassung aus dem Gefängnis, ergab uns den Anlass dazu, nach Mexiko zu reisen, um den “heiligen Retter” persönlich kennenzulernen. Auf der Grundlage der gleichen Interessen, Sympathien und Bekanntschaften wurde eine familiäre Zusammenarbeit eingerichtet. Somit haben wir ab 2018 die Exklusivrechte für die Schweiz, Deutschland und Österreich.

Woher diese Solidarität zu den mexikanischen Gefangenen?

Wir sind im Allgemeinen in Bezug auf alle solide. In Mexiko sind wir gerade auf die Geschäftsidee gekommen, der wir beigetreten sind. Wir denken, dass es viel mehr mit Solidarität und Empathie mit jedem zu tun hat, der die falschen Entscheidungen im Leben getroffen hat oder gezwungen wurde. Hast du keine zweite Chance verdient? Wir sagen ja. Wir sind an der Gesamtheit des Problems und den teilweise fehlenden Möglichkeiten für eine ordnungsgemäße Resozialisierung in der Gesellschaft interessiert. Dieses Thema betrifft uns. Mexiko hat hier Pionierarbeit geleistet und den Weg geebnet. Mit Prison Art wurde ein funktionales Resozialisierungsprogramm eingerichtet und wir haben uns angeschlossen. Sie könnten auch genau so gut andere Gefangene aus jedem anderen Land gewesen sein.

Wo werden die handgemachte Produkte in der Schweiz verkauft?

Der Vertrieb erfolgt über unsere Website ww.prisonart.ch. Unseren Verkauf konnten wir bereits, nebst des schweizer Marktes, auch auf Deutschland und Österreich ausweiten. Währenddessen hat Prison Art bereits weltweit verschiedene Verkaufsstellen. Vor allem in den USA und in Mexiko.

Welche anderen Motive, neben den Modellen mit Tattowierungen, bieten Sie in Ihrer einzigartigen Taschenkollektion an?

Aus technischer Sicht bieten wir nur Produkte an, die aus Leder hergestellt werden. Mit dem Prison Art-Projekt bieten wir aber eine gewisse Konsistenz. Dies bedeutet, dass jeder Gefangene, der nach seiner Freilassung nicht in das alte System der Kriminalität zurückfällt, der Gesellschaft etwas Positives zurückgegeben kann. Alle hochwertige Lederprodukte werden ausschließlich von Gefangenen jeglicher Herkunft, mit großer Sorgfalt und mit großer Leidenschaft hergestellt. Jedes mit einem Tattoo versehene Lederexemplar ist einzigartig und somit ist jedes Produkt ein Unikat.

Marjeta’s und Kujtim’s Biographien

Wir sind ein Duo, Bruder und Schwester, die das Gute im Menschen sehen. Wir glauben, dass niemand entscheiden kann, wo er geboren wird, aber wir können die Entscheidungen treffen, die wir treffen. Und von ihnen gibt es gute und weniger gute. Es ist wichtig zu lernen, zu wachsen und die Zukunft voranzutreiben. Eine zweite Chance ist daher erforderlich. Und daran glauben wir!

Wer sind Marjeta und Kujtim?

Marjeta. Wurde 1990 in Pristina geboren und hat sein Marketing studiert. In diesem Beruf konnte sie in den letzen Jahren, diverse Erfahrungen in verschiedenen Unternehmen sammeln. Sie ist engagierte Unternehmerin, lebt in Biel im Kanton Bern und betreibt erfolgreich ihr eigenes Beauty-Studio “Studio Pure”. Seit 2019 arbeitet sie mit Unternehmern aus Pristina und anderen Ländern zusammen, für die sie Beauty- und Beauty-Trainings in der Schweiz und im Kosovo organisiert und durchführt.

Kujtim. Wurde 1992 in Bern geboren und ist Geschäftsführer der Prison Art Switzerland. Der junge Wirtschaftsstudent und Unternehmer aus Biel, arbeitet auch als Personalleiter bei der Adecco Gruppe. Adecco ist einer der weltweit größten Anbieter von Personaldienstleistungen und einer der größten Arbeitgeber der Welt. Das Unternehmen vermittelt Arbeitsplätze zwischen Arbeitgebern und Bewerbern. Die Bewerbungsunterlagen von Fachleuten aus verschiedenen Bereichen nimmt er gerne unter [email protected]. Entgegen.

Unsere Vision

In verschiedenen Kulturen verwurzelt und aufgewachsen, haben wir uns zum Ziel gesetzt, mit Prison Art Switzerland Brücken zu schlagen. Es sollen Möglichkeiten und Räume für den Menschen und dessen Kreativität und Individualität geschaffen werden. Für uns steht vor allem der Mensch im Mittelpunkt. Wir legen großen Wert auf eine ordnungsgemäße und bedarfsgerechte Zusammenarbeit mit unseren Kunden, Mitarbeitern und Partnern. Mit transparenter Kommunikation und einem positiven Ansatz investieren wir in langfristige Beziehungen. Die Menschheit ist uns besonders wichtig. Aus diesem Grund stammen einige unserer Gewinne aus Projekten, die es unseren Kunden, Mitarbeitern und Partnern ermöglichen, kreativ und individuell zu sein. Wir schaffen Verständnis, öffnen unsere Augen für Dinge, die im Leben wichtig sind, und bauen Brücken zwischen Redundanz und Not – wir hinterlassen Spuren und verändern gemeinsam die Welt.

“5% des Gewinnes aus jedem Verkauf gehen an unsere “soziale” Kasse und werden gespendet.”