Frauen

Religionsfreiheit und ihre Grenzen

Im selben Jahr, in dem wir in der Schweiz 50 Jahre Frauenstimmrecht feiern, wird gleichzeitig ein Verhüllungsverbot angenommen, welches unter anderem Frauen eine Kleidervorschrift auferzwingen will und gleich darauf dürfen wir vom Verkauf eines „Ilmihall für Frauen“ – ein Wegweiser für gute, muslimische Frauen – im Tagesanzeiger lesen. Das Thema Gleichstellung scheint dabei weiter weg als je zuvor

Doch bei diesem Bericht und der Problematik, des Verkaufs eines solchen Buches, geht es um weit mehr als Gleichberechtigung und Unterdrückung der Frau. Dieser Bericht macht auf eine Thematik aufmerksam, welche zwar zu einem Teil unserer vielfältigen Gesellschaft geworden ist. Die Diskussion rund um den Islam meiden wir aber immer, wenn möglich oder dann wollen wir ihn eben verbieten, anstatt dass wir uns mit dieser gesellschaftlichen Veränderung, die uns nicht erst grad heute begegnet ist, auseinandersetzen und sie durch unsere rechtlichen und politischen Möglichkeiten besser verstehn lernen, um so Massstäbe setzen zu können, was sein kann und was nicht geduldet werden darf in unserer fortschritlichen Gesellschaft.

Dadurch, dass wir den Islam meiden, können wir auch Grenzen des Möglichen und Unmöglichen seiner Praktiken sowie Vermittlung an ihre Gläubigen, welche ein gleichwertiger Teil unserer Gesellschaft sind, nicht setzen. Uns muss bewusstwerden, dass wir uns mit dem Einfluss und Platz des Islams innerhalb unserer Gesellschaft auseinandersetzen müssen auf politischer Ebene. Ich glaube, dass wir nur durch die Einbindung des Islams in unsere politischen Diskussionen einerseits Prävention betreiben, um so zum Beispiel den Verkauf von frauenfeindlichen, patriarchalen und gewaltfördernden Büchern, wie besagtes zu verhindern. Andererseits können wir dadurch Richtlinien rund um den Inhalt des Islams und seiner Tragweite setzen, welche zu gesellschaftlicher Gewalt oder Unterdrückung der Frauen führen kann, wird dieser nicht institutionell begleitet und mitgestaltet von unserer Seite.

Abschliessend bin ich der festen Überzeugung, dass wir, die direkt oder indirekt mit dem Islam in Berührung kommen, uns bewusst sein müssen, dass wir die sind, welche Verantwortung mittragen müssen dafür, was in Moscheen, wie der im Tages Anzeiger erwähnte, gepredigt und verkauft wird. Dass wir, welche Sicherheit, Meinungsfreiheit, Gleichberechtigung und Religionsfreiheit geniessen in unserer Gesellschaft, auch die sind, welche für diese für uns selsbtverständlichen Grundrechte einstehen und sie mittragen müssen, auch dort wo wir unsere Spiritualität ausleben.

  • Die Autorin ist Mitglied des Parlaments des Kantons Zürich (SP). Sie schrieb diese Stellungnahme für albinfo.ch als Antwort auf eine in den Schweizer Medien veröffentlichte Nachricht über das Buch “Ilmihal für Frauen” in deutscher Sprache, das in der “Albanischen Moschee” in Seebach, Zürich, zum Verkauf stand. Dieses Buch proklamiert Gewalt gegen Ungläubige und Frauen.


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