Integration
Stefano Kunz (Die Mitte) – „Nächer zu de Lüüt“: Mit Erfahrung und Dialog für ein starkes Schlieren
Stefano Kunz kandidiert als bisheriger Stadtrat neu auch für das Amt des Stadtpräsidenten von Schlieren. Er setzt auf Kommunikation, Austausch und sichtbare kulturelle Vielfalt. In unserem Interview spricht er über seine Vision einer attraktiven Wohn- und Arbeitsstadt, über die Bedeutung der Integration – insbesondere der albanischsprachigen Community – sowie über Sicherheit, Bildung und die Stärkung des Wirtschaftsstandortes.
Vision für Schlieren
Albinfo.ch: Wie sieht Ihre Vision für Schlieren in den nächsten 4–8 Jahren aus? Welche Prioritäten setzen Sie für die Stadtentwicklung?
Stefano Kunz: Meine Vision: «Schlieren ist eine attraktive Wohn- und Arbeitsstadt mit hoher Lebensqualität. Dazu gehören interessante Angebote für Sport, Freizeit und Kultur sowie Grünräume, die einerseits zum Verweilen einladen und andererseits Kühlung und Schatten spenden.
Das moderate Wachstum der wohnenden Bevölkerung sowie der in Schlieren ansässigen Unternehmungen steigert die Steuereinnahmen und ermöglicht, zusammen mit einer Ausgabenpolitik, die klare Prioritäten setzt, eine ausgeglichene Rechnung der Stadt.
Die Stadtentwicklung schafft, zusammen mit der Standortförderung, mit einer modernen Bau- und Zonenordnung (BZO) die Voraussetzungen für eine solche Entwicklung. Durch planerische, bauliche und technische Massnahmen werden die aktuellen Verkehrsprobleme entschärft und gelöst.»
Zusammenleben & Integration
Albinfo.ch: Schlieren ist eine der vielfältigsten Städte im Kanton Zürich. Wie wollen Sie das Zusammenleben zwischen den verschiedenen Kulturen weiter stärken?
Stefano Kunz Für mich sind hier die Schlüsselworte «Kommunikation und Austausch» sowie «Sichtbar machen»: Es ist wichtig, dass sich die verschiedenen Kulturen mit ihren Bräuchen und ihren Traditionen mehr zeigen. Die Stadt kann dies unterstützen, in dem sie dazu Plattformen schafft – z.B. im Rahmen eines Schlierefäscht oder einer Fête de la Musique.
Mein Motto für die Kandidatur als Stadtpräsident lautet «Nächer zu de Lüüt». Für mich heisst das, dass, sollte ich als Stapi gewählt werden, aktiv auf die verschiedenen kulturellen Gruppierungen zugehe und den Austausch mit ihnen suche, um sie besser kennenzulernen.
Schliesslich gilt es, neu ankommende ausländische Bewohnerinnen und Bewohner darin einzuführen, was es braucht, dass das Zusammenleben funktionieren kann.
Gegenseitiger Respekt ist die Basis, damit dieses Miteinander verschiedener Kulturen gelingen kann.
Albanische Community in Schlieren
Albinfo.ch: Die albanischsprachige Community gehört zu den grössten Bevölkerungsgruppen in Schlieren und ist in Wirtschaft, Bildung und Gesellschaft stark vertreten. Welche konkrete Rolle spielt die albanische Community in Ihrer politischen Arbeit, und wie möchten Sie deren Anliegen besser einbinden?
Stefano Kunz: Ich kenne die Anliegen aktuell, ganz ehrlich gesagt, zu wenig. Dies hat nicht zuletzt mit meinem aktuellen Ressort Bau und Planung zu tun. Wo und wie ich aber ansetzen würde, sollte ich Stadtpräsident werden, habe ich vorgängig ausgeführt.
Jugend & Bildung
Albinfo.ch: Was wollen Sie konkret für Kinder, Jugendliche und Familien in Schlieren verbessern – insbesondere in den Bereichen Bildung, Freizeit und Chancengleichheit?
Stefano Kunz: Das Angebot für Bildung und Freizeit ist in Schlieren bereits heute grundsätzlich gut und für alle gleichermassen zugänglich. Hingegen muss die Kommunikation dieser Angebote verbessert werden.
Handlungsbedarf bezüglich der Jugendlichen gibt es in der Freizeit. Hier sind die Angebote in Schlieren noch bescheiden und müssen verbessert werden. Was z.B. fehlt, ist ein Pumptrack oder eine Street-Workout-Anlage.
Bezüglich der Chancengleichheit sind die Sprachkenntnisse einer der wichtigsten Faktoren. Kürzlich erschienene Studien haben gezeigt, dass hier wiederum entscheidend ist, ob die Ortssprache, in diesem Fall Deutsch, auch zuhause gesprochen wird. Es gilt deshalb, zusammen mit der albanische Community herauszufinden, wie diese Problematik gelöst werden kann. Ein Patentrezept dafür gibt es nicht. Und weder die Stadt noch die Community können hier alleine erfolgreich sein.
Wirtschaft & Arbeitsplätze
albinfo.ch: Wie möchten Sie Schlieren als Wirtschaftsstandort stärken und gleichzeitig bezahlbaren Wohnraum sichern?
Stefano Kunz: Den bisherigen, sehr erfolgreichen Weg, wie er in der Wirtschaftsstrategie der Stadt festgehhalten ist, gilt es fortzusetzen, wobei die Bedürfnisse von KMU und Gewerbe besonders im Auge zu behalten sind.
Die Stärkung des Wirtschaftsstandortes und bezahlbarer Wohnraum schliessen sich nicht aus. Beides kann und soll in der neuen BZO berücksichtigt werden, indem Instrumente für beide Anliegen geschaffen werden. Dabei soll vor allem mit Anreizen gearbeitet werden.
Sicherheit & Lebensqualität
albinfo.ch: Was sind Ihre Ansätze, um Sicherheit, Sauberkeit und Lebensqualität in allen Quartieren von Schlieren zu gewährleisten?
Stefano Kunz: Die Logik bzw. Reihenfolge in der Frage ist genau richtig gewählt: Die Lebensqualität hängt stark und direkt von den Elementen Sicherheit und Sauberkeit ab. Dies zu gewährleisten, ist grundsätzlich die Aufgabe der Stadt. Dazu gibt es z.B. die Polizeiverordnung, die es durchzusetzen gilt.
Aber noch so viele Polizisten und Reinigungsarbeiter der Stadt reichen nicht aus, wenn die Gesellschaft nicht begreift, dass Sauberkeit die Aufgabe von uns allen ist. Dass jede und jeder sich bemühen muss, Kaugummipapierchen oder Zigarettenstummel in den Abfalleimer zu schmeissen.
Bezüglich der Sicherheit müssen drei Grundsätze verstanden und eingehalten werden:
- Die Gesetze gelten für all gleich, ungeachtet des persönlichen Hintergrundes der Einwohnerinnen und Einwohner. Dies mit Augenmass durchzusetzen, ist Aufgabe der Stadt bzw. des Staates.
- Deshalb liegt das Gewaltmonopol bei der Stadt bzw. beim Staat. Es scheint, dass immer weniger Menschen quer durch alle Bevölkerungsgruppen bereit sind, dies zu respektieren.
- Gleichzeitig müssen wir als Gesellschaft wieder lernen, mehr hinzuschauen: Wenn eine Person tätlich angegangen wird, dann müssen wir wieder den Mut haben, dieser Person so lange zu helfen, bis die Polizei vor Ort ist. Bestes Beispiel dafür ist der Mann, welcher beim Anschlag in Sidney einen der Attentäter mutig daran hinderte, weitere Menschen umzubringen.
Diese drei Punkte allen immer wieder bewusst zu machen, dafür setze ich mich als Stadtrat und Stadtpräsident ein.
Dialog mit der Bevölkerung
albinfo.ch: Wie stellen Sie sicher, dass auch Migrantinnen und Migranten – darunter viele Albanerinnen und Albaner – politisch gehört werden und Vertrauen in die Stadtpolitik haben?
Stefano Kunz: Mit dieser Frage schliesst sich quasi der Kreis:
Vertrauen kann man nicht machen. Vertrauen muss man sich erarbeiten und das braucht Zeit. Auch dass jemand sich gehört fühlt, kann man nicht einfach machen.
Ich will als Stadtpräsident mehr auf die Leute und die Communities zugehen, um mich mit Ihnen auszutauschen. Dabei geht es darum, die Anliegen aufzunehmen und an den zuständigen Stellen einzubringen. Umgekehrt gilt es, das besondere Schweizer System der Direkten Demokratie zu erklären. Dieses birgt gerade für ausländische Bevölkerungsgruppen grosse Chancen.
Persönliche Stärke
albinfo.ch: Welche persönliche Erfahrung oder Stärke bringen Sie mit, die Sie besonders für das Amt im Stadtrat qualifiziert?
Stefano Kunz: Ich erlaube mir anzufügen: «und als Stadtpräsident»
Ich verfüge über viele Jahre an Führungserfahrung – sei es als Geschäftsführer, als Verwaltungsratspräsident oder im Militär. Ich kann gut zuhören und kommunizieren, gehe schwierige Fragestellungen an und führe Entscheidungen herbei. Ich bin kontaktfreudig und bringe die richtigen Leute zusammen. Schliesslich gestalte und bewege ich gerne Dinge.
albinfo.ch: Warum sollten die Einwohnerinnen und Einwohner von Schlieren – inklusive der albanischsprachigen Community – Ihnen ihre Stimme geben?
Stefano Kunz: Ich erachte die kulturelle Vielfalt Schlierens als Bereicherung – mit vielen Chancen, aber auch grossen Herausforderungen. Als Stadtrat und insbesondere als hoffentlich neuer Stadtpräsident erachte ich es als meine Pflicht, die Chancen zu nutzen und die Herausforderungen zu meistern, indem sie gemeinsam mit den Communities angegangen werden.
Lesen Sie auch …
Weitere aus Integration
E-Diaspora
-
Die Literatur aus dem Kosovo wird auf der Leipziger Buchmesse präsentiert Kosovarische Autoren sind Teil einer der größten literarischen Veranstaltungen Europas, während ihre Bücher auch die Library... -
Die siebte Klasse der albanischen Schule wird auf Lesbos eröffnet -
Schweiz: Dua Lipa wird zur globalen Botschafterin von Nespresso ernannt -
Vjollca Hoti wird von der Nationalen Akademie des FBI geehrt -
“Albakult” repräsentiert die albanische Kultur bei einer der größten multikulturellen Veranstaltungen in der Schweiz
Leben in der Schweiz
-
Schweiz: Dua Lipa wird zur globalen Botschafterin von Nespresso ernannt Dua Lipa eröffnet ein neues Kapitel für die bekannte Schweizer Marke... -
“Albakult” repräsentiert die albanische Kultur bei einer der größten multikulturellen Veranstaltungen in der Schweiz -
Albaner gewinnen vier Sitze bei den Gemeindewahlen in Opfikon -
Von der Familie im Dienst der Stadt: albanisches Ehepaar in den Gemeinderat von Yverdon les Bains gewählt -
Morgen in Bern: Kommt zur Veranstaltung ” Krone der Freiheit “















