Nord Macedonia
35 Jahre seit dem Tag, an dem die Schule Geschichte wurde und Bildung zu einem Akt des nationalen Widerstands wurde
Eine von Auswanderern und einheimischen Bewohnern errichtete Schule, als Werk kollektiver Opferbereitschaft und als Beweis dafür, dass Wissen das stärkste Fundament der albanischen Identität ist
Am 6. Januar 1991, in einer Zeit, in der das Recht auf Bildung in albanischer Sprache noch eine Herausforderung und ein Akt des Mutes war, wurde die Einweihung der achtklassigen Schule “Baftiar Banushi” im Dorf Zagraçan bei Struga zu einem historischen Ereignis von landesweiter Bedeutung. Dieser Tag markierte nicht nur die Eröffnung eines Schulgebäudes, sondern besiegelte ein bedeutendes Kapitel des albanischen Widerstands im damaligen Mazedonien.

Rund 20.000 Bürgerinnen und Bürger aus allen albanischen Regionen des Landes sowie aus dem Kosovo und aus Albanien versammelten sich zu einer beispiellosen gesamtgesellschaftlichen Manifestation. Die Einweihung der Schule wurde zu einer Bühne der Würde, zu einer offenen Erklärung, dass Bildung in albanischer Sprache ein unveräußerliches Recht und eine tragende Säule der nationalen Identität ist.
Der Französischlehrer, Islam Baftiari
Der Marsch zum Schulhof, mit der Nationalflagge an der Spitze, begleitet von Gesängen und Jubelrufen, blieb tief im kollektiven Gedächtnis verankert. An der Spitze standen die Veteranen des Widerstands, doch besonders hervor trat die Gestalt von Memet Memeti, ein Symbol für bürgerschaftlichen Mut und persönliche Opferbereitschaft für das Gemeinwohl. An seiner Seite marschierten Jahja Shaholli, Kariman Saliu, Dalip Abedini, Kamber Baftiari und Shaziman Shazimani, Träger eines Ideals, das keine Angst kannte.

Das symbolische Durchschneiden des Eröffnungsbandes war nicht nur ein zeremonieller Akt. Es war eine stille, aber kraftvolle Erklärung, dass die Albaner nicht auf ihr Recht auf Bildung verzichten würden. Dieser Akt des Mutes hatte schwerwiegende Folgen. Memet Memeti und Jahja Shaholli wurden verurteilt und verbüßten mehr als einen Monat Haft in Ohër. Doch die Geschichte zeigte, dass das Gefängnis ein Ideal nicht brechen kann. Im Gegenteil, nach ihrer Freilassung wurde das Haus von Memet Memeti zu einem Ort bürgerschaftlicher Pilgerfahrt, an dem Tausende von Albanern ihre Solidarität bekundeten und die Strafe in Ehre sowie das Opfer in kollektiven Stolz verwandelten.
Memet Memeti
Die achtklassige Schule “Baftiar Banushi” wurde mit dem Beitrag der Auswanderer sowie der Bewohner der Dörfer Zagraçan und Shum errichtet, als gemeinsames Werk einer Gemeinschaft, die daran glaubte, dass Bildung die nachhaltigste Form von Widerstand und nationalem Erbe ist. Die Fotografien dieses Tages, die auf alten Kassetten aufbewahrt wurden, sind nicht nur visuelle Zeugnisse, sondern historische Dokumente, die von Mut, Einheit und nationalem Bewusstsein sprechen.
Heute, 35 Jahre später, steht der 6. Januar 1991 als Grundstein unseres historischen Gedächtnisses. Dieses Datum erinnert uns daran, dass Schulen mit Mauern und Ziegeln errichtet werden, die Geschichte jedoch mit Mut, Opferbereitschaft und kollektivem Bewusstsein geschrieben wird. Mit Menschen, die nicht zurückgewichen sind, die einen persönlichen Preis für ein gemeinsames Recht gezahlt haben und die Bildung in einen Akt nationaler Würde sowie in ein Vermächtnis für kommende Generationen verwandelt haben.
Video vom Moment des Hissens der Nationalflagge und des Durchschneidens des Bandes durch die Veteranen des Kampfes. Facebook
Für albinfo.ch
Luljeta Ademi (ehemalige Schülerin und Teilnehmerin an der Einweihung der Grundschule “Baftjar Banushi”)
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