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Imam Alimi, Terrorkrieg Jihad, ein Muslim tötet keine unschuldigen Menschen

Interview mit Bekim Alimi, Imam der Moschee in Wil und Vizepräsident der „Union albanischer Imame in der Schweiz“ sowie vom „Dachverband islamischer Gemeinschaften in der Ostschweiz“ (DIGO).

Alimi spricht über die Gefahr des islamischen Jihads, dem albanische Jugendliche in der Schweiz durch geheime und sehr vertrauliche Organisationen innerhalb eines Netzwerkes zum Opfer zu fallen beginnen, über die nicht einmal Gläubige der Schweizer Moscheen Kenntnis haben.

Den jüngsten Fall stellt Thaibox-Weltmeister Valdet Gashi dar. Er hat seine Frau und zwei kleine Kinder sowie Mutter und Vater verlassen und sich der schrecklichsten Terrororganisation, IS, angeschlossen, welche innerhalb des syrischen Territoriums für die Schaffung eines islamischen Staates gemäß der Scharia kämpft.

Albinfo.ch: Es besteht der Verdacht, dass in der Schweiz ein Netzwerk existiert, innerhalb dessen Jugendliche dazu angestiftet werden, nach Syrien in den Jihad zu ziehen. Sind Sie als Vertreter der Union und vom DIGO über solche Fälle wie Thaibox-Weltmeister Valdet Gashi informiert?

Bekim Alimi: Informationen aus erster Hand über diese Art von Organisationen haben wir natürlich nicht. Sie wissen ja, dass diese Organisationen verdeckt, persönlich und äußerst zuverlässig arbeiten. Diese arbeiten nur mit vertrauenswürdigen Personen. Und solche Fälle sind nicht mehr in der Schweiz, sondern ausserhalb.

Sie wissen ja, dass die Fälle, von denen Sie sprechen, nichts mit dem DIGO-Dachverband zu tun haben. Das ist in einem anderen Kanton geschehen. Aber egal wo sich unsere Jugend aufhält, wir haben die Verantwortung, wenn sie auf falschen Wegen aufwachsen und orientiert werden. Egal, ob sie in Genf oder in St. Gallen oder anderwo sind; sie sind unsere Söhne und Töchter, für die wir Verantwortung tragen müssen.

In den bekannten Schweizer Moscheen, in denen auch ich glücklicherweise als Imam tätig bin, kann ich den Menschen nahe sein. Aber solche Art von Personen verkehren nicht in unseren Kreisen. Doch selbst wenn diese auffällig werden, gibt es Leute, die darauf reagieren können. Deshalb denke ich, dass sie andere Orte aufsuchen, um die sie sich kreisen, da sie nichts mit den anerkannten Schweizer Moscheen zu tun haben.

Albinfo.ch:  Beschäftigen Sie sich als Union oder DIGO mit dieser Problematik? Behandeln Sie dieses Thema? Wenn ja, welche Vorsorgemaßnahmen ergreifen Sie, um derartige Fälle zu verhindern?

Bekim Alimi: Dieses Thema entwickelt sich auf zwei Ebenen. Auf der ersten Ebene gibt es das interne Segment zwischen den Imamen oder Moscheen, unter denen das Thema natürlich oft diskutiert wird. Sowohl in der Ostschweiz als auch in der Union der Imame wird dieses Thema ausführlich behandelt, da in diesem Fall unsere Moscheen, unsere Eltern und auch wir selbst die direkten Betroffenen sind. Denn es ist ein äusserst ernsten Thema, das uns ausserordentlich beschäftigt.

Auf der zweiten Ebene gibt Probleme, die uns von Seiten der Eltern auftreten. Es gibt zum Beispiel Eltern, die von einem Fall betroffen sind oder Angst vor einer derartigen Situation haben. Deshalb stellen sie sich bei deren Imam, bei DIGO oder in deren Einheit vor. Doch bisher habe ich keine Informationen darüber, ob sich jemand in der Form gemeldet hat; außer vielleicht mit dem verstorbenen Dr. Hisham, falls er direkte Informationen gehabt hat.

Albinfo.ch: Aber Sie haben keine Maßnahmen zur Verhinderung solcher Fälle, oder wie läuft das?

Bekim Alimi: Ich sage es noch einmal: die meisten Präventionsmaßnahmen werden von Imamen durchgeführt, beziehungsweise von der Union der albanischen Imame, die wir als Dachverband bezeichnen können, weil auch der Dachverband über die Imame agiert, da sie den Menschen nahe sind.

Ich selbst fungiere als Imam und arbeite mit Imamen zusammen. Vor allem in schweren Fällen, in der laufenden Darstellung von Beispielen haben wir Freitagspredigten zu diesem Thema organisiert und uns nur auf diese Richtung konzentriert. Dies ist eine der Präventionsmaßnahmen, die der Gemeinde gezeigt hat, wo das Problem liegt, und was in dieser Hinsicht der reine Islam und der gemäßigte Islam sind. Zu den Präventionsmaßnahmen gehören auch die Schriften, die wir auf der Webseite der Imame in der Schweiz veröffentlichen, „Ich bin albanischer Muslim in der Schweiz”. Dort sehen Sie, wie die Union nicht nur diese Fälle verurteilt, sondern auch konkret mit unterschiedlichen Seminaren von unseren und anderen Imamen dagegen arbeitet. Als Dachverband haben wir innerhalb dieses Monats, in dem ich hier arbeite, noch nichts Konkretes in dieser Hinsicht zu verzeichnen.

Albinfo.ch: Welchen Appell haben Sie als maßgebender Imam in der Region an Jugendliche, die dem Jihad positiv gestimmt sind oder sich diesem anschliessen?

Bekim Alimi: Mein Appell drückt in erster Linie aus, dass sie kein Recht darauf haben, den Krieg, den sie dort ausfechten wollen, als Jihad zu bezeichnen. Ich verstehe nicht, inwiefern dies ein Jihad sein soll, wenn ein Muslim andere Muslime tötet, oder wenn ein Muslim unschuldige Menschen tötet. Ich verstehe nicht, von welchem Jihad hier die Rede sein soll!

Ich rufe die Jugendlichen in erster Linie auf, nicht zum Opfer von Fehlinformationen und negativer Propaganda zu werden. Zweitens möge Syriens Volk, dem wir baldigen Frieden wünschen und für das wir vor allem im Fastenmonat Ramadan beten, mit Gottes Hilfe ein freies Volk werden, wie alle anderen Völker dieser Welt. Ich glaube nicht, dass Syriens Volk auf 50 junge albanische Männer aus der Schweiz angewiesen ist, die dort hingehen und das Land befreien sollen. Syriens Volk ist ein Flüchtling in vielerlei Hinsicht. So würde ich die Jugendlichen zuerst um die Fähigkeit zur Verdeutlichung des wahren und nicht des euphorischen Islams bitten. Gleichzeitig zu überprüfen, was deren Anwesenheit oder auch von 50 weiteren in einem Millionenvolk beeinflussen soll.

Albinfo.ch: Sie verurteilen die Morde in Syrien. Verstehen Sie diese als Terrorakte?

Bekim Alimi: Natürlich verstehen wir die IS-Gruppe als terroristisch und natürlich verstehen wir deren Akte als unislamisch und illegitim. Wenn Menschen außerhalb der Städte durch Wüsten gezogen, getötet und auf brutale Weise geschlachtet werden, denken sie, es ist der Islam, oder sie denken, dass sie den Islam repräsentieren. In keiner Weise ist dies der Fall. Wir stellen uns entschieden gegen diese Taten und Meinungen.

Albinfo.ch: Kann man sagen, dass die albanischen Jungendlichen, die sich bewusst oder unbewusst dem Jihad anschliessen, tatsächlich zum Bestandteil einer terroristischen Organisation werden?

Bekim Alimi: Ich kann nicht für sie sprechen, zu was sie werden und zu was nicht. Wir können über eine terroristische Gruppe sprechen, wenn wir ihre Taten sehen. Was wir bis jetzt über die Taten der Gruppe, die sich in Syrien aufhält, wissen, ist, dass sie nicht aus dem Islam resultiert und nicht mit dem Islam propagiert. Das ist alles, was gegen den Islam sein kann. Und diese sind mit Sicherheit Terroristen auf höchster Stufe. Aber diese jungen albanischen Männer, egal ob sie bewusst oder unbewusst dem Jihad zugeneigt sind, können nicht als negative Fälle eingestuft werden, solange wir keine bösen Taten von ihnen gesehen haben, Gott bewahre. Aber wir möchten sie zum Bewusstsein aufrufen. Wir möchten sie aufrufen, ihre eigenen Angelegenheiten zu klären, bevor sie sich für einen solchen falschen Weg entscheiden. Weil der Islam eben nicht besagt, dass Menschen getötet werden sollen und vor allem nicht andere Muslime.