Musik

Bajram Ismaili aus Struga und sein Weg in der albanischen Diasporamusik

Sprache, Gesang und Tradition als Werte, die auch in der Migration lebendig gehalten werden müssen

Bajram Ismaili ist ein bedeutendes Beispiel dafür, wie eine früh entdeckte Leidenschaft sich in einen beständigen künstlerischen Weg verwandeln kann, ungeachtet der Distanz, der erzwungenen Unterbrechungen oder der Herausforderungen des Lebens in der Diaspora. Für ihn war Musik nie eine zufällige Wahl, sondern eine innere Neigung und eine natürliche Form spirituellen Ausdrucks, die ihn seit seiner Kindheit begleitet und zum Kern seiner Identität geworden ist.

Sein Talent wurde bereits im Alter von fünf Jahren von seinem Onkel, Ismail Hoxha aus Ladorishti, bemerkt, einem Musiker und Kenner traditioneller albanischer Instrumente. Es waren Jahre, in denen jeder Gegenstand im Haus zu einem Instrument wurde und Rhythmus ein Instinkt war, kein erlerntes Üben.

“Mein Talent wurde sehr früh sichtbar. Als Kind war für mich alles ein Instrument, denn Musik war nicht nur ein Spiel, sondern meine erste Art, mit der Welt zu kommunizieren.”

Im Alter von acht Jahren begann Bajram Ismaili Schlagzeug zu spielen und wechselte sehr schnell vom familiären Umfeld auf die Bühne. Sein erstes Konzert im Dorf Veleshtë Ende der 80er Jahre mit der Kultur und Kunstgesellschaft “Shpresa” markierte seinen öffentlichen Einstieg in die Musikwelt. In dieser Zeit teilte er die Bühne mit Namen, die auch heute noch zur albanischen Musikszene gehören, und sammelte früh Erfahrung, Disziplin und künstlerisches Selbstvertrauen.

Sein Weg nahm eine entscheidende Wendung mit der Einschreibung an der Musikschule in Korça. Diese Ausbildung blieb jedoch unvollendet. Familiäre Umstände und die Auswanderung in den Westen zwangen ihn, zwischen Ausbildung und Migration zu wählen, ein Dilemma, das viele Künstler seiner Generation kennen.

“Das Leben in der Fremde stellt einen immer vor schwierige Entscheidungen. Ich war gezwungen, die Musikschule abzubrechen, habe aber die Verbindung zum Gesang nie aufgegeben.”

Auch wenn die formale Ausbildung unvollständig blieb, setzte sich die künstlerische Entwicklung durch Praxis, Bühnenauftritte und direkte Erfahrung fort. Sein erstes Lied “Moj ashike” sowie das gemeinsam mit Ylli und Flamur Ismaili produzierte Album leiteten eine intensive Phase ein, mit Dutzenden Hochzeiten pro Saison und einer ständigen Präsenz bei Gemeinschaftsveranstaltungen. Parallel dazu war Bajram Ismaili vier Jahre lang als Schlagzeuger Teil der bekannten Band “Shekulli i Dreqit”. Die Realität der Migration und fehlende künstlerische Perspektiven in der Heimat führten jedoch schließlich zur Auflösung der Gruppe.

Obwohl er im Ausland lebt, hat er sich nie von der Musik gelöst. Seine künstlerische Tätigkeit setzte er vor allem in der Schweiz fort, wohin er sich auch endgültig umsiedelte, unter anderem aus familiären Gründen und wegen größerer Möglichkeiten für Engagements.

“Auch wenn man fern der Heimat lebt, lässt einen der Gesang nicht los. Er begleitet dich überallhin und hält dich mit deiner Sprache und deinen Menschen verbunden.”

Heute werden Bajram Ismaili und sein Kollege Ylli Ismaili in der ganzen Schweiz eingeladen, besonders im Raum Zürich, zu Verlobungen, Hochzeiten, Gemeinschaftsveranstaltungen und Jahresabschlussfeiern. Sein Repertoire umfasst vor allem Musik aus Süd und Mittelalbanien, aber auch lyrische und patriotische Lieder, was eine breite und gefestigte musikalische Identität widerspiegelt.

Das künstlerische Leben in der Diaspora ist jedoch nicht einfach und selten finanziell abgesichert.

“Nicht allein von Veranstaltungen leben zu können, ist sehr schwierig. Musik erfordert Ausgaben, Opfer und ein dauerhaftes Engagement.”

Einen besonderen Platz in seinem Schaffen nimmt das Lied “Struga ime” ein, das gemeinsam mit Ylli Ismaili entstanden ist. Es ist als musikalische Collage mit Motiven aus mehreren albanischen Regionen gestaltet und gilt für viele Hörer als Symbol von Identität und kultureller Zugehörigkeit.

“Struga ime” ist ein Lied der Identität. Es gehört nicht nur einer Region, sondern allen Albanern, die ihre Wurzeln spüren.

Abseits der Bühne ist Bajram Ismaili Ehemann und Vater von zwei Töchtern und einem Sohn, eine Rolle, die er als ebenso wichtig betrachtet wie die des Künstlers. Das Familienleben, aufgebaut auf gegenseitigem Verständnis und Unterstützung, war eine wesentliche Säule für die Fortsetzung seines Weges. Die Balance zwischen Arbeit, Familie und Musik erforderte Opfer, verlieh seinen Entscheidungen jedoch eine nachhaltige Bedeutung.

Die größte Anerkennung kam für ihn stets vom Publikum, von den Menschen, die seine Lieder über Zeit und Raum hinweg lebendig gehalten haben, jenseits von Grenzen und Institutionen.

Seine Botschaft an die junge Generation in der Diaspora ist klar und aktuell: “Verliert die Sprache, den Gesang und die Tradition nicht, auch wenn ihr fern der Heimat lebt. Werte sind ein Reichtum, den man lebendig halten muss.”

In dieser Botschaft verdichtet sich der Weg von Bajram Ismaili, aufgebaut zwischen Struga und der Diaspora, zwischen künstlerischem Engagement und Familienleben, wobei die Musik das verbindende Element zwischen kultureller Erinnerung und heutiger Realität bleibt.

Heute verfügt Bajram Ismaili über rund 15 Videoclips und ein Repertoire von etwa 500 Liedern und positioniert sich damit als einer der aktivsten und beständigsten Namen der albanischen Musik in der Diaspora. Den offiziellen Kanal von Bajram Ismaili finden Sie unter dem Link: Ylli & Bajram – Pa te marr nuk te le