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Wahlen vom 8. März in Lausanne: “Mehr Pragmatismus und weniger Ideologie”
Am 8. März erlebt Lausanne mit den Gemeindewahlen einen wichtigen politischen Moment. In einer Stadt, die historisch eher links verankert ist, zeigt die Freisinnig Demokratische Partei klare Ambitionen: Sie will ihre Präsenz im Stadtrat und im Gemeinderat deutlich stärken, mit dem Ziel, zwei oder drei Sitze zu gewinnen.
Im Vorfeld dieser entscheidenden Abstimmung hat die Plattform Albinfo.ch zwei neue Kandidatinnen zu Wort kommen lassen, die diesen liberal radikalen Aufbruch verkörpern : Mathilde Maillard und Marlène Bérard. Engagiert, entschlossen und mit einer dynamischen Vision für die Hauptstadt des Kantons Waadt setzen sie sich für eine Politik ein, die auf finanzieller Verantwortung, Unterstützung der lokalen Wirtschaft, Sicherheit und Lebensqualität basiert.
In einem politischen Kontext, in dem jede Stimme zählt, will die FDP vom spürbaren Wunsch nach Veränderung bei einem Teil der Lausanner Wählerschaft profitieren. Der 8. März könnte somit einen Wendepunkt im politischen Gleichgewicht der Stadt markieren. Eine Wahl, die aufmerksam verfolgt werden sollte, und neue Stimmen, die es im exklusiven Interview von Albinfo.ch zu entdecken gilt.
Der Werdegang der FDP Kandidatinnen für den Stadtrat von Lausanne
Mathilde Maillard: In Lausanne geboren, bin ich in einem Dorf in der Nähe unserer Stadt aufgewachsen. Schule und Studium habe ich in Lausanne absolviert und im Juni 2022 das Anwaltspatent erworben. Parallel zu meinem Jurastudium engagierte ich mich bei der FDP Lausanne, zunächst als Generalsekretärin und seit 2022 als Präsidentin. 2021 wurde ich in den Gemeinderat gewählt. Besonders am Herzen liegen mir Themen, die für unsere Stadt und ihre Einwohner wichtig sind, wie Sicherheit und Sauberkeit im Zentrum, insbesondere auf dem Platz Riponne, die Zugänglichkeit der Innenstadt sowie die Wohnungspolitik.
Marlène Bérard: Ich bin in Lausanne geboren, wo ich aufgewachsen bin und meine gesamte Schulbildung absolviert habe. Nach meinem Lizentiat in Rechtswissenschaften und einem Nachdiplomstudium im Wirtschaftsrecht arbeitete ich zehn Jahre in verschiedenen Unternehmen. Parallel dazu engagierte ich mich stark innerhalb der FDP, wo ich das Parteipräsidium und den Vorsitz der Fraktion übernahm. Von 2006 bis 2012 war ich Mitglied des Gemeinderats. Danach verließ ich den Rat, um mich meinen Kindern zu widmen, die heute 15 und 13 Jahre alt sind. 2018 erwarb ich das Anwaltspatent und 2021 kehrte ich in die Politik zurück, wobei ich das Vertrauen erhielt, erneut in den Gemeinderat gewählt zu werden. Heute kandidiere ich für den Stadtrat.
albinfo.ch: Die FDP präsentiert ein Ticket, das auf eine Rückkehr mit einer Mischung aus Erfahrung und weiblicher Erneuerung abzielt. Jenseits von Slogans, welche konkrete Alternative schlagen Sie gegenüber der aktuellen rot grünen Mehrheit vor, insbesondere in den kritischen Fragen von Wohnen und Mobilität?
Mathilde Maillard: Lausanne ist eine Stadt der Chancen, doch heute droht sie zu einer Stadt der Einschränkungen zu werden. Zu wenig Wohnraum, zu viele administrative Blockaden, explodierende Mieten und eine Mobilität, die Familien und Unternehmer entmutigt. Unsere Alternative ist klar : mehr Pragmatismus statt Ideologie.
Beim Wohnen wollen wir Projekte beschleunigen, indem wir die Raumplanungen modernisieren und einen angemessenen Anteil an gemeinnützigem Wohnraum von 15 Prozent einführen, ohne die Mittelschicht oder Selbstständige auszuschließen. Wer hier arbeitet, soll auch hier wohnen können. In der Mobilität setzen wir auf eine Stadt, die ihre Rolle als wirtschaftliches Zentrum wahrnimmt : Ausbau des öffentlichen Verkehrs, Erhalt von Parkplätzen und rasche Umsetzung der Metro M3.
Viele Familien aus der albanischen Diaspora haben hier investiert, hart gearbeitet, Eigentum erworben oder ein Geschäft aufgebaut. Sie brauchen eine stabile, zugängliche und verlässliche Stadt. Genau das schlagen wir vor.
albinfo.ch: Als Anwältin und gewählte Vertreterin stehen Sie oft an vorderster Front bei Fragen der Sicherheit und des öffentlichen Raums. Lausanne steht vor erheblichen Herausforderungen, insbesondere beim Drogenhandel auf offener Straße und beim Sicherheitsgefühl. Welche Strategie verfolgen Sie, um Entschlossenheit und Prävention zu verbinden und eine ruhige Stadt für alle zu gewährleisten ?
Marlène Bérard: Sicherheit ist die Voraussetzung für Freiheit. Ohne Sicherheit gibt es weder Handel noch Quartierleben noch eine Zukunft für Familien. Beim Drogenhandel ist unsere Haltung klar : Null Toleranz. Drogenverkauf hat weder im öffentlichen Raum noch im öffentlichen Verkehr Platz. Wir müssen die Polizeipräsenz im Stadtzentrum stärken und sichtbar machen.
Entschlossenheit schließt Prävention jedoch nicht aus. Abhängige Personen müssen mit klarer und koordinierter Begleitung durch Polizei, Sozialdienste und spezialisierte Einrichtungen aus der Sucht geführt werden. Was wir ablehnen, ist das Aufgeben. Das Aufgeben von Quartieren, von Gewerbetreibenden, von Familien. Viele Unternehmer aus der Diaspora investieren in Restaurants, Geschäfte oder Dienstleistungen. Sie haben Anspruch auf ein sicheres und respektiertes Umfeld. Das ist eine Frage der Gerechtigkeit.
Brücken zu Unternehmern schlagen
albinfo.ch: Ein politisches Paradox: Auf den Wahllisten fällt auf, dass linke Formationen viele Kandidaten aus der albanischen Diaspora präsentieren, während die FDP in Lausanne nur einen hat. Ist das nicht erstaunlich, ja sogar widersprüchlich, wenn man bedenkt, dass die albanische Gemeinschaft stark vertreten ist und viele Unternehmer zählt, die liberale Werte teilen?
Mathilde Maillard & Marlène Bérard: Wir respektieren alle politischen Wege. In der FDP rekrutieren wir jedoch nicht nach Herkunft, sondern nach Werten. In dieser Legislatur konnten wir auf das Engagement von Klesta Krasniqi zählen, Gastronomin und sehr aktive Gemeinderätin. Dieses Jahr freuen wir uns über Arsim Ferizi auf unserer Liste.
Politisches Engagement erfordert viel Zeit und Verfügbarkeit. Viele Mitglieder der albanischen Gemeinschaft sind Unternehmer, Selbstständige oder Geschäftsleiter und daher stark beansprucht. Genau deshalb möchten wir die Brücken zwischen diesen Unternehmern und der lokalen Politik weiter stärken.
albinfo.ch: Wie erklären Sie diese Schwierigkeit der FDP, Profile aus der albanischen Diaspora stärker anzuziehen oder sichtbar zu machen ? Liegt es an mangelnder Offenheit der Partei oder an Missverständnissen über ihre Werte ?
Mathilde Maillard & Marlène Bérard: Die FDP ist historisch die Partei der unternehmerischen Freiheit, der individuellen Verantwortung und der Leistung. Werte, die von vielen Familien aus der albanischen Diaspora geteilt werden. Vielleicht haben wir unsere Positionen nicht immer ausreichend erklärt. Deshalb danken wir Ihnen für die Gelegenheit, dies heute zu tun.
Motto: weniger Bürokratie und mehr Unterstützung für die Wirtschaft
albinfo.ch: Lausanne ist eine Stadt der Vielfalt. Wie will die FDP konkret Händler und Unternehmer mit Migrationshintergrund unterstützen, die oft zentrale Motoren der Quartierwirtschaft sind ?
Mathilde Maillard & Marlène Bérard : Die albanische Gemeinschaft in Lausanne zählt viele Gastronomen, Handwerker, Unternehmer und Selbstständige. Sie schaffen Arbeitsplätze, zahlen Steuern und investieren in ihre Quartiere. Unsere Priorität ist klar: weniger Bürokratie und mehr Verlässlichkeit. Das bedeutet insbesondere die Vereinfachung administrativer Verfahren, finanzielle Unterstützung für von Bauarbeiten betroffene Betriebe und eine stabile Steuerpolitik.
Politische Beteiligung von Migranten : Über Information hinaus muss man Motivation schaffen
albinfo.ch: Viele Personen mit Migrationshintergrund, die stimmberechtigt sind, nutzen ihr Stimmrecht nicht. Warum fühlen sie sich nicht angesprochen ? Ist es ein Versäumnis der Parteien ? Wie wollen Sie konkret die Motivation stärken, sich an politischen Entscheidungen zu beteiligen?
Mathilde Maillard & Marlène Bérard: Viele Eingebürgerte oder dauerhaft Ansässige wissen nicht, dass sie auf kommunaler Ebene abstimmen dürfen. Es ist ein Informationsproblem, keine Gleichgültigkeit. Wir haben an Seminaren mit dem Integrationsbüro von Lausanne teilgenommen, um konkret zu erklären, wie man abstimmt.
Doch über Information hinaus muss man Motivation schaffen. Motivation entsteht, wenn man über die realen Themen spricht: Steuern, Sicherheit, Wohnen, Mobilität. Wenn Bürger erkennen, dass Politik direkt ihr Geschäft, ihre Familie und ihr Quartier betrifft, dann engagieren sie sich.
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