Leben in Österreich

Neuer Lehrplan für österreichische Gymnasien erweitert um künstliche Intelligenz, Demokratie und Medienbildung

Das österreichische Bildungsministerium hat eine öffentliche Begutachtung der neuen Lehrpläne für die Allgemeinbildenden Höheren Schulen (AHS) gestartet. Vorgesehen sind verpflichtende Unterrichtsfächer zu Medienkompetenz, Demokratie und künstlicher Intelligenz, während gleichzeitig der Unterricht in Latein und der zweiten lebenden Fremdsprache reduziert wird.

Die Reformen sollen schrittweise ab dem Schuljahr 2027 umgesetzt werden. Vorausgegangen waren monatelange Diskussionen über die geplante Kürzung des Lateinunterrichts.

Medien und Demokratie werden Pflichtfach

Nach den Plänen werden alle Schülerinnen und Schüler der AHS künftig das neue Pflichtfach “Medien und Demokratie” im Ausmaß von zwei Wochenstunden besuchen. Das bisherige Fach Informatik wird in “Informatik und künstliche Intelligenz” umbenannt und von zwei auf drei Wochenstunden erweitert.

Um Platz für die neuen Inhalte zu schaffen, entfallen zwei Wochenstunden Latein oder einer zweiten lebenden Fremdsprache sowie eine Stunde eines Wahlfachs. Die Gesamtzahl der Unterrichtsstunden bleibt jedoch unverändert.

Das Ministerium weist darauf hin, dass derzeit nur rund zehn Prozent der Schulen den Standardstundenplan anwenden. Die Schulen behalten weiterhin einen großen Gestaltungsspielraum bei der Ausarbeitung ihrer Lehrpläne, sofern die Mindestvorgaben erfüllt werden.

Das neue Fach “Medien und Demokratie” soll theoretischen Unterricht mit praktischen Projekten verbinden. Bildungsminister Christoph Wiederkehr erklärte, Ziel sei es, Schülerinnen und Schüler zu befähigen, Informationen kritisch zu bewerten, unterschiedliche Perspektiven zu verstehen und sich aktiv am demokratischen Leben zu beteiligen.

Der Vorschlag sieht außerdem mehr Flexibilität bei der Gestaltung des Unterrichts vor. Fächer können künftig leichter kombiniert werden. Zudem dürfen Schulen die Mindestwochenstunden in bis zu fünf Fächern jeweils um eine Stunde reduzieren, berichtet The International, zitiert von albinfo.at.

Weitere Änderungen betreffen den Chemieunterricht, der von der siebten und achten Schulstufe auf die sechste und siebte Schulstufe verlegt wird, sofern die Schulen keine andere Regelung treffen.

Zu den neuen Wahlfächern gehören “Bildungs und Berufsorientierung sowie Lebensplanung”, “Medien und Design”, “Projektmanagement” sowie “Technologie und Design”.

An wirtschaftlich ausgerichteten Schulen wird außerdem das neue Pflichtfach “Wirtschaft, Innovation und Nachhaltigkeit” eingeführt. Behandelt werden Themen wie Unternehmertum, Preisbildung, Einkommensberechnung, Ressourcenmanagement und Kreislaufwirtschaft.

Die überarbeiteten Lehrpläne legen zudem größeren Wert auf Wirtschafts und Finanzbildung. Im Geografieunterricht werden wirtschaftliche Themen stärker berücksichtigt, während einige rein naturwissenschaftliche Inhalte entfallen.

Die Reformen beginnen am 1. September 2027 mit den fünften Klassen und sollen bis 2030 schrittweise auf alle Klassen der AHS ausgeweitet werden. Die öffentliche Begutachtungsfrist läuft bis zum 11. August.