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Altersheime sind noch immer ein Tabu in der albanischen Bevölkerung der Schweiz

In einem Gespräch mit albinfo.ch erzählt der Abteilungsleiter im Alterszentrum ‚GAG‘ in Egerkingen, Gëzim Demiri, was Altersheime in der Schweiz heute bieten

In der albanischen Tradition haben die älteren Familienmitglieder immer die nötige Zuwendung und Betreuung von den anderen, jüngeren Familienangehörigen erhalten. Diese Fürsorge gibt es auch heute noch, obwohl in den letzten Jahren ein gewisses Abflauen festzustellen ist.

Diese Veränderung ist das Ergebnis vieler Faktoren, darunter die Dynamik des mit vielen Pflichten und Engagements ausgefüllten Alltags und der Rhythmus des heutigen Lebens. Zeitmangel, der es verunmöglicht, bei den älteren Familienangehörigen zu sein. Dieser Trend stellt eine Herausforderung dar. Wir müssen uns überlegen, wie wir mit dieser Situation umgehen wollen.

Eine Möglichkeit, sich den Herausforderungen unserer Zeit zu stellen, sind Altersheime, wie sie in der Schweiz genannt werden.

Darüber und dazu, was Altersheime oder Alterszentren in der Schweiz heute bieten, spricht in einem Gespräch mit albinfo.ch der Leiter einer Abteilung des Alterszentrums ‚GAG‘ –   der Genossenschaft für Altersbetreuung und Pflege Gäu in Egerkingen – , der junge Albaner Gëzim Demiri.

Die hiesige Bevölkerung albanischer Herkunft sollte  Altersheime als normale Lösung sehen

Während des Gesprächs unterstreicht der 32-Jährige, in Altersheimen keine Orte für Menschen „die keinen andern Ausweg haben“ zu sehen, wie das innerhalb der albanischen Bevölkerung in der Schweiz oft der Fall ist. Vielleicht sollten Altersheime auch von dieser Bevölkerungsgruppe als mögliche Alternative für die ältere Generation erkannt werden.

„In den Altersheimen erhalten die Leute ständige Fürsorge und Betreuung. Auch die junge Generation, die viele Verpflichtungen hat, könnte so unterstützt werden“, sagt Demiri, der 2008 in die Schweiz ausgewandert ist. Schon in jungen Jahren hatte er sich für diesen, sich den Menschen widmenden Beruf entschieden, und deshalb machte er die medizinische Mittelschule in Prizren. Noch in seiner Heimat begann er als Pfleger zu arbeiten, als Praktikant im Spital von Prizren. Nebst der Ausbildung im medizinischen Bereich hatte sich Gëzim damals entschlossen, sich auch wirtschaftlich bzw. in Management auszubilden.

Vom Praktikanten zum Abteilungsleiter

Nach seiner Ankunft in der Schweiz suchte er nach Möglichkeiten, in jenen Berufen, die er in seinem Herkunftsland kennengelernt hatte, tätig zu werden. Als erster Schritt in dieser Berufslaufbahn arbeitete er als Praktikant in einem Alterswohnheim. Danach war er drei Jahre lang Medizintechniker, ebenfalls in einem Alterszentrum. Aufgrund der über die Jahre gewonnenen Erfahrung sowie verschiedener Spezialisierungen wurde Gëzim die Stellung des Abteilungsleiters im Alterszentrum ‚GAG‘, Genossenschaft für Altersbetreuung und Pflege Gäu, anvertraut.

Dank seiner Arbeit und seiner Hingabe führt er heute eine der Abteilungen im ‚GAG‘.

„Sozial sein und mit den Bewohnern des Alterszentrums ein vertrautes Verhältnis haben sind wichtige Werte, und ich empfinde ein gutes Gefühl, wenn ich den Menschen hier, die ich wie Angehörige einer grossen Familie betrachte, nahe bin“, sagt Gëzim Demiri. In einem Heim zu wohnen bedeutet, unter Bedingungen von maximaler Betreuung zu leben und von Dienstleistungen  sowohl im gesundheitlichen wie auch im psychosozialen Bereich zu profitieren. Es ist das Motto des Zentrums ‚GAG‘, sich für Dienstleistungen in diesen beiden Bereichen einzusetzen.

Fünfzehn albanische Mitarbeiterinnen

Die Einsatzbereitschaft des Teams im Zentrum „Sunnepark 2“ schätzt Demiri überaus hoch ein. Es freut ihn, dass sich innerhalb des professionellen Teams auch albanische Mitarbeiterinnen befinden.

So sind in der von Gëzim Demiri geleiteten Abteilung zwei und in allen GAG-Alterszentren insgesamt rund 15 albanische Mitarbeiterinnen angestellt, wie er ausführt.

Trotz der Vorteile, die Altersheime heute bieten, bleibe dieses Thema innerhalb der albanischen Bevölkerungsgruppe in der Schweiz tabu. Doch Gëzim Demiri ist überzeugt, dass seine Landsleute mit dem Thema Altersheime sachlicher umgehen sollten.

Bei der Schilderung des Alltags in den Zentren erwähnt Gëzim, dass das Leben in den Alterswohninstitutionen bis ins letzte Detail geregelt ist, und dass sich fachlich gut ausgebildete Teams mit maximalem Einsatz um Fürsorge und Dienstleistungen kümmern.

Seiner Ansicht nach wäre die Unterbringung in Alterszentren eine gute Möglichkeit für all jene, die professionelle und gesundheitliche Betreuung brauchen. So werde den alten Menschen ein Leben ohne Sorgen und ein ruhiger Lebensabend ermöglicht.

 

 


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