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Baruti – eine Erfolgsgeschichte in Kosova von Unternehmern aus der Diaspora

Die Baruti GmbH wurde von einer Gruppe albanischer Studenten in der Schweiz gegründet

  • Drenusha Shala - Baruti

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Oft heisst es, es sei schwierig, in Kosovo Arbeit zu finden, geschweige denn geschäftlich tätig zu sein. Doch wo ein Wunsch, der Wille und vor allem die Strategie vorhanden sind, lassen sich alle diese Schwierigkeiten überwinden.

Ein Beispiel ist die Mitgründerin und Geschäftsführerin von Baruti, Drenusha Shala, die immer noch Studentin in der Schweiz ist und die Firma Baruti in Prishtina leitet.

Drenusha Shala beeindruckte mit ihrer Erscheinung an der Konferenz zur institutionellen Unterstützung von Unternehmen aus der Diaspora für Investitionen in Kosovo, die vergangenen Dienstag in Winterthur stattfand.
“Uns zu motivieren war einfach angesichts des grossen Potentials von Kosova, der Sprache, der niedrigen Löhne. Kosovo hat die niedrigsten Löhne von ganz Europa. Auch stellten wir auf dem deutschsprachigen Markt einen Mangel fest. Schweizer Firmen haben Mühe, Leute zu finden, die gerne in einem Call-Center arbeiten”, versuchte Drenusha Shala die Geschäftsleute der Diaspora zu überzeugen.

Baruti ist ein Call-Center, das Telefondienste für den deutschsprachigen Markt anbietet, also für Klienten aus Österreich, Deutschland und der Schweiz.

“In der Schweiz sind sehr wenige Menschen bereit, in einem Call-Center zu arbeiten, andererseits gibt es in Kosova bei einer Jugendarbeitslosigkeit von bis zu 50 Prozent ein sehr grosses Potential. Deshalb ergriffen wir die Initiative und gründeten ein Unternehmen”, sagt Shala.

Doch der Erfolg wäre nicht derselbe, wenn Baruti eine kosovarische Firma wäre.

“Wir sind eine Schweizer Firma. Wegen des guten Rufs ist es einfacher, Verträge mit einer Schweizer Firma als mit einer kosovarischen Firma zu schliessen”, erklärt die junge Geschäftsfrau.

Baruti hat einundzwanzig Kunden in Deutschland, der Schweiz und Österreich.

“Dieser Erfolg ist kein Zufall. Wir arbeiten nicht mit einer, sondern mit einundzwazig Firmen zusammen, und wir sind eine Firma, die sich zu hundert Prozent aus sich selbst heraus finanziert und organisch aus dem Ersparten gewachsen ist; wir haben den Gewinn ständig ins Geschäft reinvestiert”, erzählt Shala, und versucht vor den Geschäftsleuten aus der Diaspora mit dem Vorurteil aufzuräumen, dass das Problem in Kosovo die Menschen seien. “Viele Male hörte ich Vorurteile in der Art von ‘wie könnt ihr mit diesen Menschen arbeiten?’. Ich möchte einfach zeigen, dass es nicht um die Mentalität geht, sondern um das Management”, berichtet Drenusha Shala von ihren Geschäftserfahrungen.

“Werden diese Mitarbeiter respektvoll und gut behandelt, kommt das auch wieder zurück, wie mir sich das hinsichtlich der Loyalität meiner Mitarbeiterinnen bestätigte”, erzählt Drenusha Shala weiter.
Doch um Shalas Erfolg zu erreichen, müssen die Angestellten mit Löhnen über dem kosovarischen Durchschnitt bezahlt werden.

Und zudem müssen sie auch in ihrer beruflichen Stellung aufsteigen können. “Wir investieren in ihr Potential, und behandeln sie einfach mit grossem Respekt”, betont die Geschäftsleiterin von Baruti.

Sie sprach auch über die Herausforderungen und Hindernisse, die Baruti in den drei Jahren seiner Existenz in Kosova überwinden musste.

Anfänglich war das Unternehmen mit der übertriebenen Bürokratie konfrontiert, vor allem, wenn es darum ging, wichtige Informationen zu bekommen.

“Zu Beginn wollten wir uns informieren, wie viele Mitarbeiter in der Schweiz und in Deutschland gelebt hatten und nach Kosovo zurückgekehrt waren. Diese Angaben fehlten und wir mussten eigene Analysen machen.

In Kosova gibt es keinerlei Datenbasen. Die Infrastruktur ist eine grosse Herausforderung, vor der wir auch heute noch stehen. Für die Stromversorgung mussten wir in UPS-Technologie, Generatoren u.a. investieren, und alle diese Investitionen kosteten über 30’000 Euro. Für das Stromnetz müssen wir mit drei Operateuren zusammenarbeiten, um ein stabiles und gutes Netz zu haben”, erzählt die junge Unternehmerin aus der Schweiz im Zusammenhang mit den Schwierigkeiten, die bei Unternehmensgründungen in Kosova überwunden werden müssen.

“Wenn wir Bewerbungsgespräche mit potentiellen Kandidatinnen führen, haben sie Probleme mit den Grundkenntnissen”, sagt Drenusha Shala, bevor sie über die Vorteile für Unternehmerinnen aus der Diaspora bei Investitionen in Kosova spricht.

“Eindeutig ein Vorteil ist der Lohnunterschied. Im Falle Deutschlands beträgt er 1 zu 11, für Österreich 1 zu 12 und für die Schweiz 1 zu 20, was grosse Unterschiede sind und einen grossen Vorteil darstellt, da wir mit sehr kleinen Löhnen produzieren und zu sehr hohen Preisen auf Märkten, die das Image und den Profit der Firma erhöhen, verkaufen können”, sagt Drenusha Shala.

Als weiteren Vorteil erwähnte sie die geographische Nähe.

“Von Österreich, Deutschland und der Schweiz aus erreichen wir Kosovo in zwei Stunden. Das stellten wir auch mit den Kunden fest, und kulturell unterscheidet sich der kosovarische Geschäftsstil von jenem in asiatischen Ländern”, erzählt Drenusha Shala.

Baruti existiert seit 2012 in Kosovo und beschäftigt über 100 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

 

 

Presentation-SSF-Kosovo March 2015

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Mbeshtetja-Institucionale-Diaspora-Winterthur

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Baruti_Präsentation_Diaspora Konferenz

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