Meinungen
Das Online-Tribut
Der kosovarische Diasporaminister fordert eine Möglichkeit zu Zahlung der Autoversicherung online. Im Grunde ist dies eine Modernisierung des Tributs, den unsere Landsleute an der kosovarischen Grenze zahlen müssen, wenn sie mit ausländischen Kennzeichen in Kosova einreisen wollen.
Wie wir erfahren haben, hat der kosovarische Diasporaminister vom kosovarischen Versicherungsbüro gefordert, dass es den Landsleuten ermöglichen soll, die Zahlung der Autoversicherung online zu zahlen. So sollen die langen Warteschlangen an den Grenzpunkten vermieden werden.
Mit anderen Worten fordert der Diasporaminister die Modernisierung des Tributs für die “Versicherung” für die Albaner der Diaspora, die schon seit Jahren diese Last ertragen müssen. Der vorgeschobene Grund ist die Empathie für die langen Warteschlangen und das grosse Durcheinander infolge der Zahlung dieser absurden Versicherung.
Vielleicht kann man in den Aussagen des Ministers einen guten Willen erkennen. Doch sie zeugt auch von seiner Hilf- und Kraftlosigkeit gegenüber dieses politisch-mafiose Netzwerks, das die Diaspora jeden Sommer offen ausraubt und sie belügt, man verhandle mit dem europäischen Büro der Grünen Karte.
Jedes Jahr wird die gleiche Suppe serviert, um die Verschiebung eines möglichen Vertrages mit dem Büro der Grünen Karte zu begründen: da Kosova noch nicht UNO-Miglied geworden ist, könne man der Internationalen Organisation der Grünen Karte nicht beitreten. Wie kann es sein, dass Kosova eine Mitgliedschaft in vielen relevanten internationalen Organisationen erreicht hat, nur im System der Grünen Karte noch nicht?
Wie kann es sein, dass der beste Versicherungsschutz, besonders der von der Schweiz, in einem kleinen, armen und unterentwickelten Land wie Kosova nicht gilt? Auch wenn es stimmen würde, dass eine kosovarische Mitgliedschaft im System der Grünen Karte noch nicht möglich ist, da Kosova noch nicht Mitglied der UN ist, es besteht doch die Möglichkeit der bilateralen Verträge mit den Staaten, in denen die kosovarische Diaspora lebt.
Warum ist man dem Weg der bilateralen Verträge nicht gegangen? Die Antwort ist völlig klar: jeden Sommersaison bereichern sich Versicherungsunternehmen in Kosova, die mit der Mafia und mit der Politik eng verflochten sind. Jemand kassiert grosses Geld. Im Übrigen decken die sogenannten “Versicherungspolicen” nicht annähernd den effektiven Wert der Autos aus der Diaspora im Falle eines Unfalls. Viele Landsleute, die in Kosova einen Unfall hatten, bestätigen dies.
Die Schuld ist aber nicht nur bei diesen mafiosen Strukturen in Kosova zu suchen. Auch die Unfähigkeit der albanischen Diaspora für den Schutz ihrer eigenen Interessen gegenüber der korrupten Regierung des jungen Landes spielt eine Rolle. Dieses Establishment in der Regierung zeigt sich blind und undankbar für die grosse Rolle der Diaspora in der Bekämpfung der Armut und in der wirtschaftlichen Entwicklung des Landes.
Der von unserer Plattform, aber auch von einen Strukturen der albanischen Diaspora ausgeübter Druck zeigte einige kleinere Erfolge – das Tribut wurde im letzten Sommer halbiert. Doch dies sind nur halbe Erfolge, solange dieses Problem nicht organisiert, insitutionalisiert und von der Diaspora getrieben nicht aus der Welt geschaffen ist.
Die Interessen der Diaspora finden in Kosova keinerlei Beachtung. Daher muss sie sich selbst organisieren und eine breite Debatte in der Öffentlichkeit in den Ländern anstossen, in der sie lebt – auch in der Schweiz. Man muss grossen Druck auf die Stripenzieher im Hintergrund in Kosova ausüben. Sonst wird das Lied des Tributs für die Autoversicherung weiter gehen. Vielleicht werden wir in der Zukunft dieses Tribut online zahlen können, vielleicht mit einer App auf unseren Smartphones.
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